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“Nehmt euch ein Bier, spielt Playstation” – eine Schülerzeitung bringt das beste Interview mit Bild-Chef Julian Reichelt seit langem

Bild-Chef Julian Reichelt gab den Machern seiner alten Schülerzeitung ein Interview
Bild-Chef Julian Reichelt gab den Machern seiner alten Schülerzeitung ein Interview

Vor seinem Leben als Reporter der Bild-Zeitung war Julian Reichelt auch mal Schüler – offenbar kein guter. Das ist nur eine Erkenntnis nach Lektüre eines bemerkenswerten Interviews, das der heutige Bild-Chefredakteur seiner ehemaligen Schülerzeitung gegeben hat. Bemerkenswert ist dabei weniger die Antworten Reichelts, sondern die Gesprächsatmosphäre, die die Schüler-Reporter professionell einfangen.

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Es war der Spiegel, der Schüler des Gymnasium Othmarschen in Hamburg auf die Idee brachte, ein Interview mit dem Chefredakteur der größten deutschen Tageszeitung anzufragen – und Julian Reichelt sagte zu. Der Grund: Er kennt die Schülerzeitung Go ziemlich gut. Er hat sie gegründet. Sie war “seine eigene Bild”, wie die Spiegel-Autoren im jüngst für den Reporterpreis nominierten Porträt über den 38-Jährigen Bild-Chef schrieben.

Und so empfing Reichelt die drei Schülerzeitungsredakteure im Juni in seinem Büro im Axel-Springer-Hochhaus in Berlin und gab ihnen ein bemerkenswertes Interview, was weniger an ihm lag, sondern an den Schülern.

Das Trio um Go-Chefredakteur Johann Aschenbrenner ließ sich von der Prominenz seines Vorgängers nicht beeindrucken. Sie lieferten eine kritische Auseinandersetzung mit Bild, wie Reichelt sie führt, und haben es dennoch geschafft, eine ungewöhnliche Nähe aufzubauen – indem sie nichts weiteres getan haben, als zu berichten, was sie erlebt haben.

Trafen Bild-Chef Reichelt zum Interview: Emma Brakel, Johann Aschenbrenner und Arvid Bachmann

So erfährt der Leser durch die Randnotizen, dass Reichelt und Sebastian Kurz, Bundeskanzler der Republik Österreich, per du sind (Kurz unterbrach das Interview mit einem Anruf). Dass er sein Blatt am Ende eines “Scheißtages” doch noch ganz gelungen findet und am Abend “so überhaupt keine Lust” hat, noch auf ein prominent besetztes Berliner Sommerfest zu gehen. Zu seiner Schülerzeit protokollieren sie Reichelts Einstellung zu dieser “Mathe-Physik-Chemie-Scheiße” und eine gewisse Legasthenie im Umgang mit Zahlen. Als er “mal kurz zum Vorstand” muss, sagt er den jungen Reportern: “Nehmt euch ein Bier, spielt ein bisschen Playstation, wenn Ihr Lust habt. FIFA und Egoshooter hab´ ich. Ihr wisst ja, wie das funktioniert.“ Bekanntlich hat Reichelt in seinem Büro eine Spielekonsole in Camouflage-Optik.

Auch wenn sich nachrichtlich aus dem sechsseitigen Interview kaum Neues ergibt, machen es die Schüler dem Bild-Chef nicht leicht. Sie konfrontieren ihn mit der Flüchtlingsberichterstattung von Bild und geben sich mit einer ersten Antwort darauf nicht gleich zufrieden, diskutieren über die rhetorische Macht einer Titelseite (“Sie sind sich der Bedeutung der Eins doch sicher bewusst?”), den viel diskutierten G20-Pranger, über die Debatte zur Offenlegung seines Gehaltes, aber auch über den Hass, der Reichelt (nicht nur) im Netz als Chef von Bild entgegenschlägt: “Manche Sachen finde ich belustigend, aber manche Sachen treffen mich auch wirklich”, sagt er zu Kommentaren, die ihn via Twitter erreichen.

Für die Qualität der Arbeit der Schüler spricht der Applaus von den Profis. Alexander Kühn, Autor des Reichelt-Porträts im Spiegel, spricht von einem “großartigen Interview”

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