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Zweite Ausgabe des “Höhle der Löwen”-Magazins: Warum G+J das Fan-Konzept langfristig größer denken sollte

Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar ist für das Print-Magazins zu “Die Höhle der Löwen” verantwortlich
Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar ist für das Print-Magazins zu "Die Höhle der Löwen" verantwortlich

Aus dem Vox-Erfolg "Höhle der Löwen" versucht seit der aktuellen Staffel auch Gruner + Jahr Kapital zu schlagen: Mit einem Printmagazin, das Gründer auch nach Ende der Staffel begleitet. Gestern ist die zweite Ausgabe erschienen – und könnte mit dem angedachten Fan-Konzept weiter Erfolg haben. Langfristig sollte der Verleger aber größer denken, meint MEEDIA-Autor und DHDL-Dauergucker Robert Tusch.

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120.000 Exemplare hat Gruner + Jahr von dem Gründer-Magazin zur VOX-Erfolgssendung “Die Höhle der Löwen” (DHDL) nach eigenen Angaben verkauft. Trotz eines eher mauen Titels (“Unsere besten Gründer – was aus ihren Plänen wurde”) und langweiliger Cover-Optik stieß das 116 Seiten starke Heft zum Start der fünften Staffel offenbar auf reges Interesse – unterstützt natürlich von einer breit angelegten Werbekampagne während der Sendungen.

Ein Konzept, das sich für G+J zu lohnen scheint: Auch in der zweiten Ausgabe verspricht Die Höhle der Löwen wieder das Rundum-Sorglos-Paket für Löwen-Fans. Diesmal geht es vor allem um die Erfindungen der aktuellen Staffel.

Wie beim ersten Heft wird der Leser vor allem über die Marke getriggert. Immerhin schauen fast drei Millionen Leute wöchentlich die Show. Die Marke ist daher der größte Benefit für das junge Magazin, das darüber bereits eine große potentielle Leserschaft ansprechen kann. Der Vorteil: Es braucht keine Investigativ-Geschichte, die die Kunden anzieht, und auch nicht unbedingt die große Titel-Zeile. Es reicht aus, wenn das Magazin die Lust der Leser auf “die Höhle” reizt. Die können nämlich gar nicht genug bekommen von den Erfolgsgeschichten der Start-Ups und Gründer, deren Produkte sie nach Ausstrahlung bereits im Supermarkt sehen. Heft 1 zeigt, das dieses Konzept funktioniert.

Doch ganz so einfach ist das nicht. Das große Problem ist die Gefahr, dass sich die Inhalte mit denen der Sendung überschneiden – und das Magazin keinen Mehrwert bietet. In Ausgabe 2 ist diese Gefahr sogar noch gewachsen, weil sie vor allem aktuelle Erfindungen aus der Show thematisiert. Statt sich allein auf den, durchaus gewollten, Erinnerungseffekt an vergangene Erfinder der Show auszuruhen (“Ach ja, die gabs ja auch noch!”), musste die Redaktion nun einen größeren Spagat bewältigen: Wie schafft sie es, aktuelle Zuschauer mit den Berichten über aktuelle Gründer der Show zu begeistern?

Die Lösung der Redaktion: ein gelungener Selbsttests wie beim Schlaf-Wundermittel Smartsleep, ein unterhaltsamer Erlebnisbericht aus der Keksteig-Bude von Spooning oder ein Beitrag über den redegewandten Calligraph-Gründer Frank Brormann, von dem sich der Leser etwas “abgucken” sollte. Hinter allen Beitragen stecken interessante Details zur Geschichte der Gründer, durch die der Leser die Person hinter der Erfindung genauer kennenlernt. Auch die Erfolge und Misserfolge der Löwen-Investitionen stehen im Vordergrund – und nur wer die Show gesehen hat, wird diese Beiträge zu schätzen wissen. Denn genau das füllt die Lücke, die die Show hinterlässt.

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Häufig gelingt es der Redaktion tatsächlich, über die Weiterführung der Gründer-Geschichte nach der Höhle den Mehrwert zur Sendung zu schaffen. Zumeist mit interessanten Fakten und Anekdoten darüber, wie gut sich dieses oder jenes “Löwen”-Produkt am ehrlich Markt geschlagen hat. Oft auch allein über die Nähe zum Gründer. Mal gelingt es ihr aber weniger gut. Etwa bei dem Beitrag über die Finanzguru-App, der kaum mehr als das Produkt vorstellt und mit wenig überraschenden Aussagen des Investors Carsten Maschmeyer flankiert ist (“Die App ist ein Kracher”). Wäre der Leser ein Investor, an dieser Stelle wäre er womöglich raus.

Das verdeutlich die Problematik. Das Magazin muss aufpassen, kein Duplikat der Sendung zu sein – erst dann bleibt es für den Leser interessant. Noch schafft es der Redaktion, den Zuschauer mit den “Follow-Up”-Konzept zum Lesen zu bringen. Zu stark ist auch der Sog der Marke und die Neugier der TV-Zuschauer, die man nicht unterschätzen darf. Und die aktuelle Staffel hat mit ihren starken Erfindern auch genügend Stoff für solche Geschichten geliefert.

Langfristig würde dem Magazin aber zusätzliche Weite guttun: Die Höhle der Löwen muss eigenständiger werden, sich etwas lösen von der Sendung und mehr auf den Spirit und die Begeisterung der Fans setzen – um nicht der Gefahr zu verfallen, zu monoton und einseitig zu wirken. Das Potential dafür ist da: Die deutsche Startup-Szene ist das, was die Sendung groß gemacht hat. Die Lebendigkeit der Szene, ihre Frische und die Überraschungen, die sie parat hält – all das kann G+J für sich nutzen.

In Ansätzen geht das Heft diesem Anspruch bereits nach, indem es auch interessante Unternehmensgeschichten jenseits der Höhle erzählt. Der Schritt zum echten Start-Up-Magazin aber ist größer. Ein Lotse durch die Welt der deutschen Gründerszene, der Geistesblitze und des Scheiterns kann das Magazin werden – ohne jedoch zu wirtschaftlich zu sein. Die Löwen-Zuschauer wären sicher interessiert, ist es doch genau das, was sie auch an der Show so schätzen: Erfindungen entdecken, die sie selbst gebrauchen können, und Gründern beim gründen zuschauen. Die Redaktion muss weiter fortführen, was sie in Ansätzen bereits begonnen hat. Dann hat das Löwen-Magazin das Potential, auch über die Sendung hinaus zu wachsen.

 

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Blattkritik zum Start des Printtitels hatte MEEDIA-Chefredakteur Georg Altrogge das G+J-Magazin zur “Höhle” kritisch besprochen. Sein Fazit: “Ein Heft im Startup-Fieber, das dennoch nicht recht auf Temperatur kommt.”  Der “Veriss”, sorgte für Diskussionen – auch bei MEEDIA. Redaktionsvolontär Robert Tusch widersprach der Einschätzung. Anders als Altrogge ist der 21-Jährige seit Jahren großer Fan des Vox-Formats “Die Höhle der Löwen”, von dem er keine Sendung verpasst – womit er definitiv zur Zielgruppe des Magazins gehört. Damit war klar, dass die Rezension der zweiten Ausgabe der Zeitschrift seine Aufgabe sein würde.

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