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"Vorsätzliche Verfälschungen": Burda kündigt Strafanzeige wegen Betrugs gegen Morricone-Interviewer an

"Farce eines Interviews": Playboy-Chefredakteur Florian Boitin (r.), Filmkomponist Ennio Morricone

Florian Boitin, Chefredakteur des deutschen Playboy, hat in einem Sondernewsletter an die Leser des Magazins angekündigt, dass der Burda-Verlag Strafanzeige wegen Betrugs gegen den freien Journalisten Marcel Anders erstatten wird. Anders hatte für den Playboy ein Interview mit dem Filmkomponisten Ennio Morricone geführt, diesem aber offenbar Aussagen in den Mund gelegt, die er gar nicht gesagt hatte.

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Das Interview mit Ennio Morricone im deutschen Playboy schlug international hohe Wellen. Kein Wunder, lästerte der Maestro doch in dem Gespräch ungebremst über den Regisseur Quentin Tarantino und die Oscar-Verleihung. U.a. war zu lesen, Morricone bezeichne Tarantino als „Kretin“, seine Filme seien „Trash“. Dabei hatte Morricone für die Musik zu Tarantinos Western „The Hateful Eight“ seinen zweiten Oscar erhalten.
Morricone distanzierte sich auf seiner Website von dem Interview. Er erklärte, solche Aussagen nie getätigt zu haben und kündigte rechtliche Schritte an. Unterdessen meldete sich auch die Konzertagentur Ennio Morricones zu Wort und veröffentlichte ein Entschuldigungsschreiben des Interviewers Marcel Anders. In dem Schreiben gibt der Journalist zu, das Interview verfälscht zu haben, bezeichnet dies als „schrecklichen Fehler“ und bittet um Verzeihung.
Anders ist ein in der Branche bekannter freier Musikjournalist, er schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung, den Musikexpress. Er arbeitet aber auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wie den WDR oder den Deutschlandfunk. „Ein höchst erfahrener Journalist also, der in der Branche einen tadellosen Ruf genießt – und uns in den vielen Jahren der Zusammenarbeit niemals Anlass gegeben hatte, an seiner Integrität oder seinen Fähigkeiten zu zweifeln“, so Playboy-Chef Boitin.
Es handle sich bei dem Sachverhalt „nach unserem Kenntnisstand also mindestens um unverantwortliche Ungenauigkeiten, schlimmstenfalls um bewusste Täuschungen des Autors. In jedem Fall aber stellen diese vorsätzlichen Verfälschungen einen nicht hinnehmbaren Verstoß gegen die journalistische Ethik dar“, so Boitin weiter. Er habe „allerhöchste Hochachtung“ vor Ennio Morricone und seinem musikalischen Lebenswerk. Boitin drückt sein „allergrößtes Bedauern“ aus, „wenn durch die – man muss es so sagen: vorsätzlich unrichtigen Darstellungen – eines von uns beauftragten Autors Herr Morricone in ein falsches Licht gerückt wurde.“
Morricones Konzertagentur verlangte nach eigenen Angaben via Anwalt eine Berichtigung des Interviews. Hierauf geht Boitin nicht ein. Der Playboy-Chefredakteur kündigt aber an, weiter „an einer raschen und vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes“ zu arbeiten. Außerdem erklärt er, werde der Verlag Strafanzeige wegen Betrugs gegen den Autoren stellen. Boitin bittet in seinem Newsletter auch die Leser um Entschuldigung dafür, „dass es uns nicht gelungen ist, Sie vor dieser Farce eines Interviews zu bewahren“.

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