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“Schrecklicher Fehler”: Autor entschuldigt sich für falsches Morricone-Interview im deutschen Playboy

“Farce eines Interviews”: Playboy-Chefredakteur Florian Boitin (r.), Filmkomponist Ennio Morricone
"Farce eines Interviews": Playboy-Chefredakteur Florian Boitin (r.), Filmkomponist Ennio Morricone

Das Interview des deutschen Playboy mit dem Filmkomponisten Ennio Morricone hat hohe Wellen geschlagen. Zuerst, weil Morricone in dem Interview ungebremst über Regisseur Quentin Tarantino und die Oscars herzieht. Später dann, weil sich herausstellte, dass das Gespräch in Teilen offenbar "nicht korrekt widergegeben war", wie der Verlag einräumte. Morricone hatte bereits juristische Schritte angekündigt. Nun hat seine Konzert-Agentur ein Entschuldigungsschreiben des Interviewers veröffentlicht, der zugibt, das Interview verfälscht zu haben.

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In dem Interview, das der deutsche Playboy in seiner Dezember-Ausgabe veröffentlichte, wird Morricone damit zitiert, dass der Regisseur Quentin Tarantino “ein absoluter Chaot” sei. “Er redet, ohne zu überlegen, er macht alles auf den letzten Drücker, hat kein Konzept.” Weiter heißt es, Tarantino sei ein “Kretin” und klaue nur bei anderen. Morricone möge dessen Filme nicht, die seien “Trash”. Auch die Oscars bekommen in dem Text ihr Fett weg. Die Verleihung, auf der er seinen zweiten Oscar für die Musik zu Tarantinos “The Hateful Eight”erhielt, bezeichnet Morricone laut Playboy als “langweilige Veranstaltung”. Er habe „keine Lust mehr, in dieses fürchterliche Amerika zu reisen mit diesen aufgeblasenen Wichtigtuern, diesen Peinlichkeiten wie den Oscars und dem ganzen Firlefanz“.

Morricone wies die Aussagen auf seiner Website von sich und kündigte rechtliche Schritte an. Der Burda-Verlag, in dem der deutsche Playboy erscheint, wies zunächst seinerseits die Vorwürfe Morricones zurück. Das Medienhaus zeigte sich dabei “irritiert” darüber, “dass Teile der veröffentlichten Aussagen so nicht getroffen worden sein sollen“.

Der Chefredakteur erklärte kurz darauf dann aber doch, dass man leider davon ausgehen müsse, dass das im Interview gesprochene Wort von dem Autoren “in Teilen nicht korrekt wiedergegeben wurde.” Der Interviewer Marcel Anders ist ein freier Journalist, der in der Branche durchaus bekannt ist und u.a. auch für den Musik Express, die Süddeutsche Zeitung und den Deutschlandfunk gearbeitet hat.

Morricones Kontertagentur General Entertainment Associates veröffentlichte nun eine Erklärung zur Sache. Am Sonntag, 11. November, sei Ennio Morricone demnach darauf aufmerksam geworden, dass er im deutschen Playboy und zahlreichen anderen Medien falsch zitiert wurde. Viele internationale Medien hatten die Story des deutschen Magazins wegen der brisanten Aussagen nämlich aufgegriffen. Darauf veröffentlichte Morricone die Stellungnahme auf seiner Website, mit der er sich von den Aussagen im Playboy distanzierte.

Die Agentur stellt jetzt klar, dass Marcel Anders von Semmel Concerts, dem deutschen Präsentator von Morricones Konzertauftritten, eingeladen wurde, ein Interview mit Morricone zu führen. Offenbar wurde in erster Linie besprochen, dass das Interview für den Deutschlandfunk geführt würde. Dort erschien auch ein entsprechender Beitrag zu Morricones 90. Geburtstag: “Hausbesuch beim Maestro“. Freilich ohne die brisanten Aussagen.

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Andere Personen, die bei dem Interview anwesend waren, u.a. von Semmel Concerts und eine Übersetzerin, hätten bestätigt, dass Ennio Morricone während des Gesprächs keine negativen oder herabsetzenden Bemerkungen mit Bezug auf Quentin Tarantino oder die Oscar Academy gemacht habe, so die Agentur in ihrer Mitteilung. Morricones Agentur hat daraufhin Marcel Anders gebeten, seine Geschichte zurückzuziehen und ein Entschuldigungsschreiben zu schicken. Dieses Schreiben wird in der Presseerklärung von General Entertainment vollumfänglich zitiert:

Dear Mr. Douwes, I sincerely apologize to the Maestro and everybody involved. I should have sticked to the original interview conducted in Rome and not have added anything that is incorrect.
That was a terrible mistake to do. Please accept my apology. Yours sincerely, Marcel Anders

General Entertainment hat nach eigenen Angaben auch via Anwalt Kontakt zu Burda aufgenommen, um eine Berichtigung zu erreichen. Man habe aber noch keine Antwort von Burda erhalten. Eine Anfrage von MEEDIA, ob es eine Berichtigung geben wird, konnte der Verlag nicht beantworten, kündigte aber einen Sondernewsletter von Playboy-Chefredakteur Florian Boitin zum Thema an.

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Alle Kommentare

  1. Herr Holzinger,

    ich verharmlose hier sicher gar nichts. Ganz im Gegenteil, ich überlege als enorm empathischer Mensch krampfhaft wer aller Opfer sind und unter welche spezielle Kategorie diese jeweils fallen könnten.

    Vor allem fehlt noch die feministische Wahrnehmung der weiblichen Opferschaft. Hat man diesbezüglich hoffentlich schon die zuständigen Expertinnen befragt? Strafrechtsjuniorprofessorinnen, Frauenrechtlerinnen und Aktionsjournalistinnen?

    Weder ein Gnadenbild, noch eine Zelebrität dürfen verhöhnt werden. Eine durch und durch viktimäre Gesellschaft schon gar nicht.

    Klar, das muss von vorne und frontal angegangen werden, immerhin muss man das ganze Opfermitleid richtig kanalisieren.

    1. Was hat denn jetzt Feminismus in dieser Causa verloren? Sind Sie ein Troll? Oder üben Sie gerade Bierzeltwitze?

  2. Kein Grund zur Verharmlosung

    So etwas geschieht niemals als Patzer, auch nicht aus Versehen oder per Irrtum, und Vergesslichkeit oder gar Verwirrung disqualifizieren jeden (auch freien) Mitarbeiter für solche Aufgaben unwiderruflich – dann hat man in diesem Bereich schlichtweg nichts weiter zu suchen.

    Der Schaden ist weitaus massiver, als es wohl auf den ersten Blick vermittelt werden kann. Als Autor, hier sogar als Interviewer, einer weltberühmten Ikone solche Statements über andere Zeitgeist-Persönlichkeiten in den Mund zu legen, ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt. Es zeugt vielmehr von einem wahrscheinlichen Defekt in der eigenen Persönlichkeitsgestaltung. Der Vorgang ist schlicht ein Fußtritt für den Pressekodex und bescheinigt Herrn Marcel Anders das ungenierte Fehlen einer mehr denn je unabdingbaren Berufsethik.

    Es ist schon höchst unprofessionell, wenn die Redaktion den Abdruck durch eine dokumentierte Freigabe der finalen Druckfassung (zweisprachig) nicht einholt, um sich damit Rechtssicherheit zu verschaffen, gegenüber dem Interviewten wie auch dem freischaffenden Interviewer.

    Nicht nachvollziehbar ist auch das bislang zögerliche Verhalten des Hauses Burda (Verlagshoheit), mindestens aber der zuständigen Playboy-Chefredaktion. Aussitzen hilft hier sicherlich genau sowenig wie Ausschwitzen. Das weitere Verschleppen, anstatt einer akkuraten Handlungsweise, spricht für eine schlechte Vorbereitung im Krisenfall, deutet aber auch auf möglichen Unwillen hin.

    Einen international nun genau beobachteten Journalismus-Gau – um nichts anderes handelt es sich hier – entschärft man souverän und verpflichtet, und zwar immer von vorn, nie von hinten, von der Seite oder gar von unten.

    Interessant darf sein, was Playboy-Redakteur Herr Boitin unter einem “Sondernewsletter zum Thema” verstehen wird.

    Michael Holzinger

  3. “Der Chefredakteur erklärte kurz darauf dann aber doch, dass man leider davon ausgehen müsse, dass das im Interview gesprochene Wort von dem Autoren …”

    “dem Autoren”? Sind Sie Bayer? Die deklinieren immer so eigenartig – und das Konjugieren (“ich bin gesessen”) ist auch oft schräg.

    1. Diese Baierinnen haben eine sehr eigenwillige Sprache, und ein zum Teil sehr joviales Sprachgefühl, da muss ich Ihnen beipflichten. Allerdings sind die sprachlichen Gepflogenheiten durchaus ein Identitätsmerkmal. Sowas müssen die sich aber nicht nehmen, und schon gar nicht verargen lassen. Gell.

  4. Für den Herrn Anders findet sich nach dem Journalismus-Aus bestimmt etwas als Texter einer Sexhotline o.ä. Da gibt es immer Bedarf, und kreativ erfinden kann er ja.

    1. Wieso Journalisten_Aus?
      Patzer. Versehen. Irrtum. Vergesslichkeit. Verwirrung. Sünde. Alles menschlich.
      Aus Fehlern lernt der Mensch. Was sonst?

      Der Beschiss an sich ist allerdings immer unverzeihlich.

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