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“Zu große Grauzone zwischen Werbung und Redaktion”: Karen Heumann fordert Medien-“Reinheitsgebot”

thjnk-Gründerin Karen Heumann ist Deutschlands bekannteste Werberin
thjnk-Gründerin Karen Heumann ist Deutschlands bekannteste Werberin

Karen Heumann, Gründerin der mittlerweile an WPP veräußerten Agentur thjnk, schaltet sich in die Debatte über die gerechte und verantwortungsbewusste Verteilung von Werbegeldern ein. Im Interview mit dem Handelsblatt betont Deutschlands wohl bekannteste Werberin, die Bedeutung von Qualitätsmedien. In der von G+J-Chefin Julia Jäkel angestoßenen Debatte weist sie aber auch darauf hin, dass die Qualität oft leide.

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Die Medienbranche diskutiert seit Monaten über die Verteilung von Werbebudgets. Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel hatte mit einem Vorstoß eine Debatte angestoßen. Sie appellierte an die Werbung treibende Industrie, ihre Budgets verantwortungsbewusster einzusetzen, es in – seit Jahren an Umsätzen verlierende – “Qualitätsmedien” zu stecken anstatt das Geld in in die Reichweitenkanäle Facebook, Google oder Amazon zu pumpen. Für diese Initative hatte sie aus der Branche viel Zuspruch geerntet, die Agenturen zeigten sich aber eher skeptisch.

Nun steigt Karen Heumann, Deutschlands wohl bekannteste Werberin, in die teils kontroverse Debatte ein. Im Handelsblatt äußerte sie sich zum Verhalten der Werbungtreibenden und Jäkels Plänen – verbunden mit eigenen Forderungen.

Auf die Frage, ob es nicht paradox sei, die Werbebudgets den großen Tech-Konzernen zuzuschieben, während diese massive Probleme mit Fake News und Hass auf ihren Plattformen haben, gab sich Heumann zunächst zurückhaltend. “Ich erlebe durchaus, dass sich immer mehr Unternehmen ihrer Verantwortung bewusst werden”, antwortete sie, gibt Medien aber im Kampf um Werbebudgets einen Tipp mit.

Um im Werbemarkt attraktiv zu bleiben und sich gegen die Tech-Konzerne und Plattformen abzusetzen, empfiehlt Heumann im Interview Maßnahmen, um die Glaubwürdigkeit zu steigern. “Parallel sollten etablierte Medien Reinheitsgebote für sich entwickeln.”Allerdings, macht Heumann auch deutlich, müssten sie zudem an der Qualität ihrer Medien arbeiten. Denn: “Menschen honorieren, wenn sich die Arbeit gemacht wird, möglichst objektiv berichten zu können. Umgekehrt gibt es leider zum Teil kampagnenartige Feldzüge und peinliches Clickbaiting bei manchen, die sich selbst als Qualitätsmedien einstufen. Das schadet diesen Marken und ist eine Art modernes Sturmgeschütz gegen die Demokratie – denn weil das Schlechte, das Angstmachende besser verkauft und die Medien um ihr Leben kämpfen, wird es nach vorn gestellt.”

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Und im Verhältnis von Redaktionen und Verlagen, sieht Heumann Probleme. “Die Grauzone zwischen Werbung und Redaktion ist doch heute vielerorts zu groß, und darunter leidet wiederum die Glaubwürdigkeit. Es braucht da klarere Trennungen.”

Aus dem Munde einer Marketing-Expertin und Werberin mag das zunächst überraschend klingen. Aber, so Heumann weiter: “Die Demokratie braucht glaubwürdige, wirklich unabhängige Medien.” Auch sie sei neben ihre Karriere in der Werbung auch Staatsbürgerin. Sollten die Medienhäuser sich mit ihren Forderungen in der Werbeindustrie allerdings nicht durchsetzen können, denkt die Werberin über Alternativen nach.

Sie sei überrascht von der “Verhaltensstarre”, in die Werbungtreibende nach Jäkels Vorstoß gefallen sein. “Vielleicht”, so Heumann, “ist es dann eine politische Frage, vielleicht brauchen wir eine Demokratieabgabe. Oder man muss Qualitätsmedien tatsächlich über Stiftungen finanzieren.” Für die privaten, gewinnorientierten und auf Unabhängigkeit bedachten Medienhäuser kann das kein attraktiver Vorschlag sein.

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Alle Kommentare

  1. Sturmschützen der Demokratie müssen mindestens wie Sturmgeschütze finanziert werden, denn sie sind systemelevant! (und zwar nach VO PR 30/53 + 6% netto + MWST.).

  2. Das hat die Dame ausgerechnet im Handelsblatt gesagt? Wo es vor PR im neuen Online-Lifestyle-Portal nur so strotzt? Von den Titeln und nicht selten Texten auf Klippschulniveau mal ganz abgesehen?

  3. “Menschen honorieren, wenn sich die Arbeit gemacht wird, möglichst objektiv berichten zu können.” Ich weiß, es ist ein Zitat. Dennoch dreht es mir die Zehennägel hoch, wenn ich so etwas lesen muss.

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