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Unternehmer macht SZ für geplatzten Mega-Deal verantwortlich: Gericht weist 78-Millionen-Euro-Klage ab

Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe: Ein ehemaliger Solar-Unternehmer forderte von der Süddeutschen Zeitung stolze 78 Millionen Euro
Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe: Ein ehemaliger Solar-Unternehmer forderte von der Süddeutschen Zeitung stolze 78 Millionen Euro

2013 berichtete die Süddeutsche Zeitung über "mutmaßlich krumme" Aktien-Geschäfte eines Mitgründers des mittlerweile insolventen Unternehmens Solar Millennium. Die Berichterstattung soll dem Manager weitere Geschäfte verhagelt haben, behauptete er – und forderte vom Süddeutsche Verlag Schadenersatz in Höhe von 78 Millionen Euro. Am gestrigen Donnerstag verkündete das Landgericht Nürnberg seine Entscheidung –und wies die Klage ab.

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Bei dem Kläger, der zur gestrigen Urteilsverkündung nicht persönlich erschienen war, handelt es sich um Hannes Kuhn, den die SZ damals bereits als “umstritten” bezeichnete. Das Blatt hatte 2013 über ein “auffälliges Aktiengeschäft”, wie sie es selbst beschreibt, berichtet. Die Berichterstattung stand im Zusammen zum “Niedergang” der Firma Solar Millennium, konkret sollte es um Insiderhandel gehen – was Kuhn bestritt.

Kurz vor Ablauf der Verjährung entschied der Unternehmer, die SZ für ihre Berichterstattung zu verklagen. Die Arbeit der Journalisten hätten ihn 78 Millionen Euro gekostet, weil aufgrund der Berichterstattung ein Deal mit einem Geschäftspartner geplatzt sei – eine Darstellung, die der Kläger dem Gericht offenbar nicht glaubhaft machen konnte.

“Aus dem Gesamtzusammenhang der Zeugenaussagen konnten wir nicht die Überzeugung gewinnen, dass dieser Artikel tatsächlich kausal war”, erklärte die Vorsitzende Richterin Monika Bieber bei der mündlichen Urteilsverkündung am Donnerstag. Grund sei unter anderem, dass der vermeintliche Geschäftspartner nicht durch die SZ, sondern durch den Schweizer Tagesanzeiger auf die Geschichte gekommen war. Das Blatt hatte die Berichterstattung der SZ am Tag nach Veröffentlichung aufgegriffen.

Das Gericht identifizierte jedoch gravierende Unterschiede zwischen den beiden Artikeln – beispielsweise dass in der Schweiz der Name Kuhns abgedruckt worden war. Vorsichtige Formulierungen der SZ seien im Tagesanzeiger deutlicher formuliert worden. Die Richterin betonte, dass die Verhandlungsteilnehmer das Original zudem nie gelesen hätten – somit sei er auch “nicht ausschlaggebend” gewesen.

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Die SZ hatte vor Gericht argumentiert, dass die Verdachtsberichterstattung keine unwahren Tatsachenbehauptungen enthalten habe. Schadenersatzforderungen in einer solchen Höhe hätten auf Journalisten einen “erheblichen Einschüchterungseffekt”. Im Verlag identifizierte man die Klage als Attacke auf die Pressefreiheit.

(ms)
Mit Material der dpa

 

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