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“Euer Ernst, VDZ?”: Kritik am Verband der Zeitschriftenverleger wegen Auswahl der Laudatorin bei Ehrenpreis für Merkel

Kritik an Laudatorin für Angela Merkel (r.): In Jordanien, dem Heimatland von Königin Rania, ist Pressefreiheit ein Problem
Kritik an Laudatorin für Angela Merkel (r.): In Jordanien, dem Heimatland von Königin Rania, ist Pressefreiheit ein Problem

im kommenden Monat feiert der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bei der "Publishers' Night" in Berlin wie jedes Jahr die eigene Branche. Und auch in diesem Jahr verleihen die Verleger den Medienpreis Victoria. Ausgezeichnet für ihr "gesellschaftliches Engagement" wird Angela Merkel. Dass die Wahl ausgerechnet auf die derzeit vielfach kritisierte Kanzlerin fällt, wirkt nicht eben glücklich getimt. Für Aufsehen aber sorgt eine andere Preis-Personalie: Die Laudatio auf Merkel wird die Königin Jordaniens halten – deren Land auf der Liste der Pressefreiheit weit unten rangiert.

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Dass weniger die Kanzlerin als Preisträgerin, sondern die Laudatorin die Nachricht ist, hat auch der VDZ erkannt. “Königin Rania von Jordanien überreicht Goldene Victoria für politisches Leadership an Kanzlerin Merkel”, lautet die Überschrift der am Montag veröffentlichten Pressemitteilung, in der der Verband über die Entwicklung der Beziehungen von Jordanien und Deutschland sowie das Engagement der “Majestät” schreibt.

Unter anderem heißt es:

Unter der Führung seiner Majestät König Abdullah II agiert Jordanien als stabilisierende Kraft in der Region, verfolgt eine wichtige friedensstiftende Rolle im Mittleren Osten und in der ganzen Welt. Seine Frau Königin Rania konzentriert ihre Arbeit auf Bildung, Menschenrechte und die globale Notlage von Flüchtlingen sowie interkulturellen Dialog. Sie ist ein Vorstandsmitglied der Stiftung der Vereinten Nationen und die erste UNICEF Eminent Advocate für Kinder.

Doch die Personalie polarisiert. König Abdullah II und seine Führung stehen durchaus in der Kritik – auch mit Blick auf die Pressefreiheit, für die auch der VDZ regelmäßig eintritt.  Auf der Liste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen konnte sich Jordanien in den vergangenen Jahren zwar verbessern, belegte 2018 aber noch immer Platz 132 (von 180). Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat noch immer viele kritische Worte für Jordanien übrig, bemängelt unter anderem Zensur. Obwohl sich Jordanien auch 2017 der US-geführten Militärallianz, die im Irak und in Syrien gegen die bewaffnete Gruppe Islamischer Staat (IS) kämpfte, anschloss, stand das Land auch an der Seite Saudischer Truppen. Am gestrigen Mittwoch thematisierten Medien zudem neue Forderungen König Abdullahs im Nahost-Konflikt. “Der neue Krisenherd liegt in Jordanien”, titelte beispielsweise die Welt.

Kritik von Reporter ohne Grenzen und DJV

“Der jordanische Regierungskoordinator für Menschenrechte, Basil Tarawneh, hat im Mai im Rahmen des UNO-Staatenüberprüfungsverfahrens für Jordanien betont, dass Jordanien sich bereits für Menschenrechte einsetze. Aber die jordanische Regierung tut aus Sicht von Reporter ohne Grenzen zu wenig, um freie Berichterstattung und eine freie Debatte im Land zu ermöglichen”, erläutert Christian Mihr, Geschäftsfüher von Reporter ohne Grenzen. Die Organisation kritisiert vor allem den Umgang mit freien Journalisten, die ohne offizielle Presseausweise nicht haben über die jüngsten Demonstrationen gegen Steuer- und Wirtschaftsreformen berichten können. Auch das Cyberkriminalitätsgesetz stößt bei ROG auf Kritik. “Demnach können Online-Artikel und Social-Media-Posts mit Gefängnisstrafen belegt werden. Wegen dieses Gesetzes wurden zwei Journalisten von Jofranews im Januar kurzzeitig festgenommen.”

Gegenüber MEEDIA erklärt auch Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes, sein Unverständnis: „Es mag ja sein, dass die Königin für Bildung und Menschenrechte eintritt, wie der VDZ in seiner Pressemitteilung hervorhebt. Das ändert aber nichts daran, dass Jordanien im RoG-Ranking auf einem der hinteren Plätze steht. Ich hoffe, dass der VDZ diesen Widerspruch erklären kann.”

Auf erste Kritik reagierte der VDZ bei Twitter. Die “Publishers’ Night” sei “immer auch ein Format des Dialogs”.

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MEEDIA fragte nach, wie dieser aussehen und vom Veranstalter sichergestellt werden könnte. In seiner Antwort schreibt der VDZ, dass man davon ausgehe, dass die Königin der Veranstaltung auch nach Preisverleihung beiwohne. “Die Details der Reiseplanung sind jedoch noch in Abstimmung.”

VDZ: “Setzen ein klares Signal für Pressefreiheit”

Darüber hinaus verweist der VDZ darauf, in diesem Jahr auch zwei Journalisten zu ehren, “die ihren journalistischen Mut und Anspruch mit dem Leben bezahlten.” Gemeint sind die in Malta bei einem Bombenanschlag ermorderte Journalistin Daphne Caruana Galizia  sowie der ebenfalls ermorderte slowakische Investigativ-Journalist Jan Kuciak. “Im Dialog mit den Preisträgern der Goldenen Victoria und in starken Bildern wird der Wert der Pressefreiheit auf der Veranstaltung gegenüber allen Gästen, Laudatoren und Preisträgern deutlich gemacht. Auch die Auswahl der Journalistin Düzen Tekkal als Laudatorin auf die Journalisten setzt hierzu ein klares Signal”, so der VDZ weiter.

Zur Wahl der Königin für die Laudatio wiederholt der VDZ Erläuterungen aus seiner Pressemitteilung. Jordanien sei in “herausfordernden Zeiten ein Wichtiger Anker der Stabilität im Nahen und Mittleren Osten”. Gemeinsames Engagement “im Rahmen der Flüchtlingskrise, im Kampf gegen Extremismus, in Bildungs- und Integrationsprojekten verbindet Jordanien mit Deutschland schon sehr lange”. Die Königin setze sich persönlich “für zahlreiche gesellschaftliche und soziale Projekte ein und mit ihrer klaren Position gegenüber dem IS setzt sie politisch wichtige Signale”.

Für die Königin ist es nicht die erste Begegnung mit Kanzlerin Merkel auf der Bühne einer Preisverleihung. 2015 verlieh Angela Merkel ihr den Walther-Rathenau-Preis für „ihre Arbeit als herausragende Fürsprecherin für Frieden und Verständnis zwischen Ost und West.“ 2016 wurde Rania von Jordanien mit dem Ehrenpreis “Das Goldene Herz” der Bild-Initiative Ein Herz für Kinder ausgezeichnet. 2007 erhielt sie zudem den von Hubert Burda Media verliehenen Bambi für ihr Engagement um Frauenrechte, die Laudatio auf die Königin hielt der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

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Alle Kommentare

  1. Hat Bibi aus dem Beautypalace etwa immer noch Babypause? Die hätte doch genau das richtige Format, um unserer fetten Königin eine Lobhudelei auf Augenhöhe zu halten.

  2. “Goldene Victoria für politisches Leadership” – sind Sie wirklich sicher, dass es sich hier um den “Verband der *deutschen* Zeitschriftenverleger” handelt? Nicht etwa den “Verband der denglischbrabbelnden Zeitschriftenverleger”?

    Ja, hier setzen die Herrschaften wirklich gleich mehrfach Zeichen. Ich kann mir keinen Mitwirkenden am Pulitzer-Preis vorstellen, der bei so einem Ausverkauf des Journalismus und der Sprache nicht vor Scham umsinken würde.

    Aber dafür haben wir ja unsere deutsch-denglische Verlegerschaft, die vor allem gerne ihre Köpfe vor Kameras aller Art hält. Hauptsache, die Frisur sitzt!

  3. Wären die linkspopulistischen Hasstrolle wenigstens konsequent und würden sich auch an schmierigen Preisverleihung für Merkel stoßen.
    Denn so passt es doch. Islam und Merkel- zwei die zusammengehören.

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