Partner von:
Anzeige

Hamburger Morgenpost-Chefredakteur Frank Niggemeier: “Wir planen in absehbarer Zeit keine Paywall”

Im neuen Newsroom: Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier
Im neuen Newsroom: Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier

Die Hamburger Morgenpost richtet sich neu aus. Im Interview mit MEEDIA erklärt Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier, wie er den Digitalableger mopo.de stärker monetisieren will, um damit die Erlössituation des schrumpfenden Printprodukts aufzufangen. Zudem kündigt er an, dass die Mopo am Sonntag auf dem Prüfstand steht und der Verlag über ein neues Wochenendkonzept nachdenkt.

Anzeige

Herr Niggemeier, die Hamburger Morgenpost hat einen Newsroom bekommen. Wie verändert sich dadurch die Arbeitsweise der Journalisten?
Die Redaktion der Hamburger Morgenpost hat auch schon am alten Standort in der Griegstraße konvergent gearbeitet. Das heißt, wir haben ein Schicht- und Rollenmodell eingeführt, das die Arbeitsteilung in Print und Digital aufhebt. Mit dem neuen Newsroom haben wir jetzt auch den richtigen räumlichen Rahmen dafür: Kurze Wege, direkte Kommunikation, Verlag und Reaktion sitzen nun auf einer Etage. Das erleichtert Kommunikation und Arbeitsweise ungemein.

Verbessert sich dadurch das Zusammenspiel mit Print?
Ja. Im Newsroom sitzen die Verantwortlichen von Print und Digital an einem gemeinsamen Desk. Dadurch können wir die Inhalte für die gedruckte Zeitung und den Digitalauftritt ohne große Reibungs- oder Zeitverluste produzieren. Die täglichen Themenkonferenzen sind kürzer und finden papierlos im Stehen vor einer Digitalwand statt. Das ist deutlich effizienter als die frühere Konferenzstruktur, die vor allem an den Notwendigkeiten von Print orientiert war.

Nach dem Ausscheiden des langjährigen Digitalchefs Henning Langer und des Vize-Chefredakteurs Frank Wieding werden beide Positionen mit Alexander Krug besetzt. Steuern Sie im Digitalbereich einen neuen Kurs?
Mit Alexander Krug kommt Mitte November ein sehr erfahrener Digitalexperte an Bord. Gemeinsam mit ihm werden wir neue Erlösmodelle für unsere Contentkanäle entwickeln. Bislang war unsere digitale Strategie vor allem auf die Reichweite ausgerichtet, die wir auch weiterhin ausbauen wollen. Dennoch ist ein nur an Reichweite orientiertes Digitalkonzept nicht zukunftsfähig. Wir müssen deshalb ertragsfähige Bereiche wie Native Advertising oder Video ausbauen und durch kreative Vermarktungs-Konzepte ergänzen.

Reicht das? Die Funke Mediengruppe fährt beim Hamburger Abendblatt einen neuen Kurs und zieht im Digitalen die Paywall hoch. Haben Sie vor, mit inhaltsstarken Stücken Geld zu verdienen?
Mopo.de ist inzwischen das reichweitenstärkste Nachrichtenportal in Norddeutschland. Das Hamburger Abendblatt hat sich bereits vor Jahren aus dem Reichweiten-Wettbewerb verabschiedet und sich für einen anderen Kurs entschieden. Ob dieser erfolgreich ist, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube aber nicht, dass Paid Content in dieser Form für einen Boulevardtitel wie mopo.de Sinn macht. Wir planen deshalb auch in absehbarer Zeit keine klassische Paywall. Unsere Herausforderung liegt darin, unsere hohe Reichweite effizienter zu monetarisieren.

Was haben Sie vor?
Wir überlegen beispielsweise, eine Registrierungspflicht einzuführen. Sprich: Unsere Leser können sich kostenfrei anmelden, wenn sie auf bestimmte Inhalte zugreifen wollen. Damit können wir dann gezielter Werbung ausspielen, und in einem nächsten Schritt auch zum User passende Inhalte für die mobile Nutzung. Auch dadurch wollen wir Reichweite und Vermarktungschancen unseres Digitalauftritts steigern.

Wann kommt die Registrierungspflicht?
Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr für ausgewählte Inhalte eine Registrierungsmöglichkeit auf mopo.de einführen.

Die Mopo veröffentlicht ihre Digitalinhalte auch auf Focus Online. Die Mopo-Mitarbeiter ärgern sich, dass sie für ihre Texte kein Honorar aus der Zweitverwertung bekommen. Ändert sich hier etwas?
Wir sind Teilnehmer des Partnerprogramms von Focus. Hier sind mittlerweile 60 bis 70 Medienpartner an Bord. Unsere Mitarbeiter werden für ihre Texte honoriert und erhalten zudem Geld aus der VG Wort. Die Diskussion, ob Mopo-Mitarbeiter ein Zweit-Honorar bekommen, gilt aus meiner Sicht vor allem für Freie. Hier sind wir in Diskussionen und haben in den meisten Fällen einvernehmliche Lösungen gefunden.

Überlegen Sie ihre digitalen Inhalte anderen Medienhäusern anzubieten, beispielsweise T-Online?
Kooperationen sind ein wichtiger Baustein, um die Zukunft der Mopo abzusichern. So arbeiten wir beispielsweise mit Hamburg 1 zusammen. Der TV-Sender stellt uns täglich bis zu fünf Videos zur Verfügung. Das sind regionale Video-Inhalte, die gut zur Marke Mopo passen. Dabei profitieren beide Partner von diesem Kooperationsmodell. Darüber hinaus sind wir in interessanten Verhandlungen mit mehreren neuen potentiellen Partnern.

Anzeige

Der Mopo-Anteilseigner DuMont hat die Hauptstadt-Redaktion aufgelöst. Dadurch ist die Zukunft für die Mopo-Mitarbeiter ungewiss, die nach Berlin gegangen sind. Bekommen sie nun einen neuen Job in Hamburg oder erhalten sie Aufhebungsverträge?
Betroffen von der Maßnahme sind fünf Politik-Redakteure, die für die drei Boulevardtitel der DuMont Mediengruppe tätig waren bzw. noch sind. Zum 1. November kehren sie teilweise wieder nach Hamburg zurück, teilweise werden sie für das Redaktionsnetzwerk Deutschland arbeiten, das künftig die überregionalen Politikinhalte für uns erstellt. Die gute Botschaft dabei: Wir werden niemandem kündigen.

Nun wird die Politik-Berichterstattung künftig vom RND-Netzwerk bestückt. Haben Sie wirklich Einfluss auf die gelieferten Inhalte?
Es handelt sich hierbei um ein Joint-Venture zwischen den Mediengruppen Madsack und DuMont. Bei den Inhalten, die aus Berlin und Hannover zugeliefert werden, haben die jeweiligen DuMont-Chefredaktionen natürlich ein Mitspracherecht. Die drei Boulevard-Titel werden dabei – wie bislang auch – mit Inhalten beliefert, die auf diese Zeitungsgattung zugeschnitten sind. Die ersten Schritte für die Zusammenarbeit waren sehr gut und vielversprechend.

Sie hatten Anfang des Jahres der traditionsreichen Regionalzeitung einen neuen Kurs verpasst. Aus einer reinen Boulevard-Zeitung wurde teilweise ein Debatten- und Meinungstitel. Doch die Neuausrichtung hat nicht gefruchtet. Der Titel verliert weiter massiv an Auflage und hat vor allem im wichtigen Einzelverkauf im 2. Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahresquartal fast 14 Prozent an Auflage abgegeben. Wollen Sie einen neuen Kurs einschlagen?
Nein. Wir werden unseren Kurs nicht verlassen, den wir nach wie vor für richtig und konsequent halten. Nach dem Relaunch haben wir eine große Umfrage unter mehr als 1.000 Stammlesern vorgenommen. Die Kernfrage dabei lautete: Wie gefällt Ihnen das, was wir verändert haben? Die Antwort war eindeutig: Die Leser sind mit dem neuen Blattkurs sehr zufrieden – vor allem mit den Meinungsstücken wie dem „Standpunkt“ auf der ersten Doppelseite.

Dennoch ist der Einzelverkauf nach dem neuen redaktionellen Konzept eingebrochen …
Die Auflage war schon vorher deutlich rückläufig. Aber wir müssen klar sagen: Der Relaunch hat nicht in dem erhofften Maß dazu beigetragen, den Auflagenrückgang zu bremsen. Der Markttrend trifft auch uns mit voller Härte. Ganz gleich ob in München, Köln oder Berlin – die regionalen Boulevardtitel stehen weiterhin unter massivem Auflagendruck. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir uns im Digitalen neue Erlösquellen erschließen.

Die taz hat jüngst das Ende ihrer Print-Ausgabe für 2022 angekündigt. Nun ist die taz kein Boulevard. Dennoch. Wird die gedruckte Mopo bald vom Markt verschwinden?
Dass sich die taz aus Print zurückzieht, ist in der Tat bemerkenswert. Doch die Zeitung hat eine andere Marktstellung als die Mopo und ist ein Sonderfall in der deutschen Medienlandschaft. Die Hamburger Morgenpost wird im nächsten Jahr 70 Jahre alt. Wir sind die älteste deutsche Boulevardzeitung. Und unsere Absicht ist es selbstverständlich, die gedruckte Ausgabe solange wie möglich auf den Markt zu bringen.

Die Papierpreise steigen deutlich. Sie haben den Copypreis um 10 Cent auf 1,10 Euro angehoben. Gibt es weitere Preiserhöhungen?
Preissteigerungen werden auch in Zukunft Teil des Printgeschäfts bleiben. Die Leser werden sich daran gewöhnen, dass Zeitungen – wie auch andere Produkte – teurer werden. Die Erwartungshaltung, dass Zeitungen immer unverändert das Gleiche kosten, ist unrealistisch, vor allem angesichts des Marktdrucks.

Auch die Mopo am Sonntag steht unter Auflagen- und Vermarktungsdruck. Gibt es hier ein neues Konzept?
Zeitungen am Wochenende haben ein anderes Leser-, Kunden- und Anzeigenpotenzial als die Ausgaben an Werktagen. Wir schauen uns das genau an und prüfen, welches Wochenend-Konzept in Zukunft am besten zur Marke Mopo passt.

Sie wollen unter dem Label „Mopo 2020“ das Event- und Corporate Publishing-Geschäft ausbauen. Dazu gehört auch ein virtueller 3D-Erlebnishafen. Wie weit sind Sie?
Auskunft zu diesem Projekt gibt am besten die Geschäftsführung. Dennoch kann ich soviel sagen: Der Erlebnishafen ist auf einem hervorragenden Weg. Ein sehr attraktiver Standort in unmittelbarer Nähe zur Elbphilharmonie und das Konzept stehen fest, demnächst wird der Starttermin kommuniziert. Das virtuelle Hafen-Projekt soll eine weitere Erlössäule der Marke Mopo werden. Dazu gehören auch das Magazin-Portfolio, unsere Events, und der Bereich Corporate Publishing. Das alles verschafft uns die Chance, von der Tageszeitung unabhängiger zu werden.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia