Partner von:
Anzeige

Wie ein “rechtspopulistischer Lügentroll”: Grünen-Politiker Boris Palmer irritiert mit Falschmeldung über Merkel-Seehofer-Rücktritt

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) veröffentlicht die Falschmeldung auf Facebook
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) veröffentlicht die Falschmeldung auf Facebook

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sorgt mit einer erfundenen Nachricht über einen Rücktritt von Merkel und Seehofer auf Facebook für massive Kritik. Weil die von ihm in die Welt gesetzte angebliche "Eilmeldung" die Deutsche Presse-Agentur als Quelle angab, sah sich der dpa-Chefredakteur zu einem Dementi veranlasst. Palmer selbst sieht sich derweil im Recht – und kritisiert die dpa.

Anzeige

“Merkel und Seehofer stellen Ämter zur Verfügung”, steht in der Nachricht, die Palmer auf seiner Facebookseite am Sonntagvormittag verbreitet hat. Darin beschrieb er, dass beide “einen Neuanfang für Deutschland, Bayern und die Union ermöglichen” wollen. “Beobachter werten dies als Eingeständnis des Scheiterns in der Flüchtlingsfrage”, heißt es weiter, eine Zusammenarbeit sei nicht mehr möglich. “Der Zeitpunkt des Rückzugs soll der CSU die Chance erhalten, die heutige Wahl in Bayern in letzter Minute zu gewinnen”. Als Quelle dieser “Eilmeldung” gab Palmer an: “dpa/BP”.

Dass “BP” für Boris Palmer steht, darauf hätte der Leser kommen können – oder eben nicht. Das Kürzel “dpa” deutete jedenfalls auf die Deutsche Presse-Agentur als Urheberin hin. Innerhalb von wenigen Stunden verbreitete sich die Meldung, die an die über 38.000 Facebook-Fans gerichtet war, deshalb mehrere Dutzend Mal.

“Verkrampfte Satire-Versuche von Kommunalpolitikern”

Die dpa nahm auf Twitter zu der Falschmeldung Stellung: “Dabei handelt es sich selbstverständlich um keine @dpa-Meldung”, heißt es in einem ersten Tweet. Später schreibt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann, dass er “verkrampfte Satire-Gehversuche von Kommunalpolitikern” normalerweise nicht kommentieren würde. In diesem Fall sei dies aber notwendig, in Zeiten, in denen “die Glaubwürdigkeit von Medien regelmäßig angezweifelt wird”. Er hätte sich gewünscht, dass sich ein “Amtsträger entsprechend verantwortungsvoll verhält”.

Die dpa hat Palmer gebeten, den Quellenhinweis zu entfernen, woraufhin der Politiker seinen Post aktualisierte.

“Besser hätten es Russia Today und die AfD nicht machen können”

In der Zwischenzeit zog die Fake-Nachricht auf Facebook und Twitter Kritik nach sich. Unter anderem bezeichnete die Grünen-Abgeordnete Renate Künast die Meldung von Palmer als “Blödsinn”. So würde sich ein Bürgermeister disqualifizieren. Besonders scharf kritisierte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Sven Kindler, die Aktion: “Besser hätten es Russia Today und AfD nicht machen können”, schreibt er auf Twitter. “Boris Palmer ist mal wieder als rechtspopulistischer Lügentroll unterwegs. Nur noch kaputt.”

Anzeige

Der Grünen-Politiker rechtfertigte seine Eilmeldung in drei weiteren Facebook-Posts, die er im Laufe des Sonntags und Montagmorgens absendete. Darin beteuert er, dass “Satire keine Fake News” seien und stellt seine Aktion unter anderem mit der von Jan Böhmermann initiierten Fakegeschichte “Varoufake” gleich. Dabei hatte der Satiriker vorgegeben, ein Video des ehemaligen griechischen Finanzministers manipuliert zu haben, obwohl er dies eigentlich nicht tat. Jeder sehe außerdem, dass die Kanzlerin noch im Amt ist. Das sei das Gegenteil von Fake News, so Palmer weiter.

Außerdem kritisiert der Grünen-Politiker die dpa dafür, auf die Meldung reagiert zu haben – das sei “der eigentliche Witz”. “Ist es Aufgabe der dpa, Lerneffekte per Ferndiagnose und ohne Auseinandersetzung mit der Sache anzumahnen?”, fragt er in einem Post. “Wenn dpa heute nichts über meinen Beitrag geschrieben hätte, wäre das besser für die Glaubwürdigkeit der Medien gewesen”, heißt es weiter.

Ist das nun souverän?Immerhin, der dpa-Chefredakteur erkennt schon mal an, dass meine Satire rechtlich nicht zu…

Gepostet von Boris Palmer am Sonntag, 14. Oktober 2018

Dabei ist weiterhin fraglich, was der Politiker mit dieser Aktion eigentlich bezwecken wollte. Wenige Stunden nach der “Eilmeldung” wertete er auf Facebook die Reaktionen zu seinem Beitrag aus. Die Meldung habe “auf vortreffliche Weise gezeigt, wie hysterisch und unreflektiert rechts wie links drauf los gedroschen wird”. Besonders im rechten Spektrum sei die Neigung groß gewesen, an den Rücktritt zu glauben, schreibt er. In den Kommentaren unter den Posts ist jedoch eher von Verwunderung und Kritik zu lesen, als dass ein Nutzer die Meldung geglaubt habe. Ein Nutzer schreibt etwa: “Ich finde das gefährlich. Ich werde Sie als Tübinger Bürger nicht mehr wählen.” Ein anderer kommentiert: “Sie stiften nur Verwirrung, bedienen sich des guten Namens der dpa, und witzig ist es leider auch Null.” Insbesondere kurz nach der Veröffentlichung fragten sich etliche User in der Tat verwundert, ob die Nachricht ein “Fake” sei oder nicht.

Parallel zu seinem “Satire”-Post verbreitet Palmer gleich die nächste bizarre Falschmeldung: Auf der Seite 24aktuelles.com, bei der jeder Nutzer Witzmeldungen online stellen und in Nachrichtenoptik erscheinen lassen kann, ist über seine vermeintliche Hochzeit mit Maike Pfuderer zu lesen, einer Referentin bei den Grünen. Palmer hat diese Nachricht auf Facebook geteilt und sich später über Medien lustig gemacht, die darauf hereingefallen sind. Was er damit bezwecken wollte, weiß wohl nur er selbst.

Die falsche Rücktrittsmeldung ist nicht die erste Aktion des Politikers, die für Aufsehen sorgt: Vor zwei Jahren rief Palmer in einem offenen Brief im Zuge der Erdogan-Affäre mit Jan Böhmermann dazu auf, dem Satiriker “die Eier abzuschneiden”.

Update 14:42 Uhr: Ein Sprecher der dpa hat MEEDIA darüber hinaus eine Richtigstellung zu einem Detail in Palmers Facebook-Postings geschickt. Palmer behauptete, die dpa hätte über seine Fake-Nachricht “eine Meldung” verfasst. Dies sei nicht der Fall. Im kompletten Statement von dpa-Chefredakteur Sven Gösmann heißt es:

Von rechtlichen Schritten sehen wir ab, da Herr Palmer seinen Fehler eingeräumt und öffentlich korrigiert hat, wie seine mehrfachen Rechtfertigungsversuche belegen. Einzig einen neuen Fehler von Herrn Palmer muss ich noch korrigieren: dpa hat keine Meldung über seine Facebook-Aktivitäten verfasst. Für uns als dpa ist der Fall damit erledigt. Wir haben heute Wichtigeres zu tun.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Der Palmer ist zwar ein Grüner, aber irgendwie ist er mir sympathisch. Und je mehr die Lügenpresse ihn hasst, desto mehr mag ich ihn.

    PS: Was ist eigentlich aus Jan Böhmermanns Eiern geworden? Hat die jetzt unser Präsident Erdogan? Oder wurden sie schon vorher von Merkel weggeschnitten?

    1. Köstlich, der Erdogan-Fanboy jetzt als „IrishTV“! In diesem Zusammenhang: Was machen eigentlich Ihre Eier? Wurden die inzwischen auch von jemandem weggeschnitten?

      1. Das ist aber eine indiskrete Frage, Suhaj.

        Weil ich heute gute Laune habe, antworte ich Ihnen allerdings: Meine Eier werden immer größer und dicker in je mehr Landtage die AfD einzieht. Freu mich schon auf Hessen in 2 Wochen.

        Was machen Ihre Eier? Hatten Sie jemals welche?

      2. Tja Hessen. Da gab es mal vor langer Zeit eine Legislaturperiode, in der die NPD vertreten war, und eine, bei der es die REPs nicht geschafft hatten. Deren Wahlkreise werden jetzt wohl von den AfDlern übernommen werden, was viel über deren politische Einordnung aussagt. Immer wiederkehrendes Motto: „Wir sind ja keine Nazis, ABER …“

        Aber Hessen ist nicht Bayern und noch lange nicht der Osten, weswegen man sich über Ihre Weichteile vielleicht doch Sorgen machen sollte!

      3. Ronald, Ihnen ist ihrer Verzweiflung auch kein Scheinargument zu blöd als dass Sie sich vielleicht einmal scheuen würden, es zu bringen.

        Das böse Nazi-Sachsen war Anfang des 20. Jahrhunderts übrigens eine SPD-Hochburg, und dann später eine KPD-Hochburg. Was sagt Ihnen das über die politische Einordnung dieser beiden Parteien?

  2. Böser Palmer, hat er es doch gewagt, die Fake-Meldung von den angeblichen Hetzjagden in Chemnitz anzuzweifeln. Also das geht gar nicht. Da ist es nur logisch, dass man ihm jetzt aus allem einen Strick drehen will. Satire? Das darf der nicht! So etwas ist nur dem Establishmentstricher Böhmermann gestattet.

  3. Ein lustiger Vogel ist er schon, der Boris Palmer. Gar nicht so uncharmant und mit gutem Humor ausgestattet. Das haben Politiker (und die Presse) bekanntlich eher selten.

    Die Ehe mit einer lesbischen Transfrau hätt aber sicher auch einen Reiz. Heut ist so vieles möglich, man muss nur Mut haben.:)

    1. Meinen Sie mit der „lesbischen Transfrau“ Alice Weidel oder sich selbst?

      1. Oh, schon wieder der minimalistische Pleytegeyer! Alles bestens?
        Ach so, die Weidel gefällt Ihnen. Naja, schaut eh gut aus, so zackig und resch. Ein bissl gschreppert ist sie halt schon auch, aber wenn Ihnen das zusagt, es ist Ihre Sache.

        Nein, zum Lesbentum bin ich völlig ungeeignet, hatte zu viele schwerst traumatisierende Erlebnisse mit Emanzen. Da war dann auch ziemlich Schluss mit Feminismus.

      2. Also die Weidel ist schon süß. So eine Mischung aus Sharon Stone und Buchhalterin.

        Besonders attraktiv finde ich sie, wenn sie im Bundestag über aktuelle volkswirtschaftliche Daten referiert und darüber, die Merkel das Land heruntergewirtschaftet hat. Und die Perlenkette steht ihr ganz ausnehmend gut.

      3. Ja, Perlen jeder Art machen uns Frauen gleich ein bisserl jungfräulicher, das kann durchaus anziehend wirken, vor allem, wenn eine eh schon die Ausstrahlung einer süßen Maus hat, dann kann dies jenes nur noch betonen.

        Ein Drama ist das mit der deutschen Wirtschaft, das stimmt, vor allem bin ich seit geraumer Zeit sehr, sehr unzufrieden mit den Handwerkern, die pfuschen und sich nichts auskennen und sehr schlechte Arbeit leisten. Persönlich steh ich sehr auf gute Qualität, Professionalität und Leistung, und das alles schüttelt man nicht aus dem Ärmel, dazu muss man sich reinknien.

        Was sagen Sie eigentlich zu Weidels Turnschuh?

      4. Perlen finde ich deutlich besser als Tattoos oder Piercings. Mit dem modernen “Körperschmuck” sehen Frauen immer so nuttig aus, und so links. Fehlen nur noch lila Haare und ich ergreife sofort die Flucht.

        Von Weidels Turnschuhen weiß ich gar nichts. Was hat es damit auf sich? Ich hab nur die Schuhe von Katha Schulze von den Grünen öfters in Großaufnahme gesehen und fand die bemerkenswert. Jemand mit dem eigenen Namen auf den Schuhen hab ich vorher das letzte Mal in der Grundschule gesehen…

      5. Nuttiges Aussehen? Das hängt ja auch davon ab wofür man sich selber hält. Aber ja, Tattoos und Piercings sind Ausdruck von sehr origineller Individualität, und durchaus ab und an von Revoluzzertum; sogar unsere ewig junge, wunderschöne und liebe Kaiserin Sisi hat sich einen Anker auf der Schulter einbrennen lassen, der Ehegatte war natürlich total entsetzt. Dafür mochte sie keinen Schmuck, trug ihn nur zu seltenen repräsentativen Zwecken und rauchte filterlose Zigaretten, außerdem “kokste” sie intravenös.
        Turnschuh sind bequem und man sieht sportlich aus, kämpferisch, fast kriegerisch, finde ich bei Frauen besonders gut;

        Schnabelschuhe sind allerdings meine absoluten Lieblingsschuhe. Weil sie keine Massenware sind.

  4. Ein Grünen-Natzi! Oh mein Gott! Campino bitte komm und mach ein Konzert gegen rääääächts…

    1. So ein Blödsinn, der Palmer ist doch kein Nati, einfach ein Querulant mit eigenen Ansichten. Er sagt grad raus was er meint, sich denkt, ist direkt, offen und unverblümt, und eckt damit klarerweise an, so jemand ist für andere immer “ungut”; daran arbeiten sich andere ständig ab, die wenig eigenes Hirn haben.
      Mein Gott, ist halt so.

      1. Ehrlich wahr?
        Sarkastisch gemeint?
        Nie im Leben wäre ich drauf gekommen.
        Nie und nimmermehr.
        Da sieht man wie dumm ich schon geworden bin vor lauter Anpassung.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia