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Nach Entmachtung: Klaus Brinkbäumer verlässt den Spiegel und ist ab sofort nicht mehr Chefredakteur

Verlässt den Verlag: Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer
Verlässt den Verlag: Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer

Nun also doch: Knapp zwei Monate, nachdem die Gesellschafter Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer das Vertrauen entzogen und ein von Steffen Klusmann geführtes Führungstrio zum 1. Januar 2019 installiert haben, gehen der Noch-Chef und das Nachrichtenmagazin getrennte Wege. Dies teilte der Verlag am Montagmorgen mit. Zuletzt war spekuliert worden, ob Brinkbäumer aufgrund einer vertraglichen Option als Korrespondent nach New York wechselt.

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In einer Pressemitteilung heißt es: “Der Spiegel-Verlag und Chefredakteur Klaus Brinkbäumer haben sich nach intensiven Beratungen einvernehmlich auf eine Beendigung des Vertragsverhältnisses zum 31. März 2019 geeinigt. Bis dahin wird er dem Haus als Autor verbunden bleiben.”

Weiter heißt es in der offiziellen Verlautbarung: “Der Verlag bedankt sich bei Klaus Brinkbäumer für dessen leidenschaftlichen Einsatz der letzten mehr als 25 Jahre, in denen er durch seine Arbeit in Krisengebieten, an zahlreichen Titelgeschichten und durch preisgekrönte Reportagen das Blatt geprägt hat. Unter Klaus Brinkbäumers Führung entstanden herausragende Geschichten wie ‘Das Kartell’ und die ‘Schulz-Story’ oder Titelbilder wie das mehrfach ausgezeichnete ‘America First’.” Brinkbäumer sei es zudem zu verdanken, “dass der Spiegel optisch erneuert und das Investigativ-Netzwerk EIC gegründet wurde. Auch seine Verdienste für das digitale Bezahlangebot Spiegel Plus sind hervorzuheben.”

Brinkbäumer selbst scheint zumindest nach außen hin seinen Frieden mit der für ihn unerwarteteten und “nicht nachvollziehbaren” Abberufung als Erster Journalist im Hause Spiegel gemacht zu haben. Am Montag twitterte er ein Bild mit einer Karikatur des stern-Cartoonisten Til Mette, das ihn als kopflosen Journalisten zeigt und merkt kämpferisch an: “Das wollen wir doch mal sehen.” Seinen “Freundinnen & Freunden beim Spiegel” dankt er zudem für “25 wundervolle Jahre” und fügt sybillinisch hinzu: “And now: off to New York City.” Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass man den scheidenden leitenden Angestellten Klaus Brinkbäumer in den nächsten Monaten an der Ericusspitze kaum mehr antreffen dürfte.

Damit endet das Tauziehen um die künftige Rolle Brinkbäumers beim Spiegel, bei der es u.a. um eine angeblich im Chefredakteurs-Vertrag des 51-Jährigen vereinbarte Rückkehr-Option als Berichterstatter in New York und – wie stets in solchen Fällen – um viel Geld ging. Unterm Strich einigte man sich auf eine “einvernehmliche” Regelung, die nach allem, was zwischen Verlag und Brinkbäumer zuletzt vorgefallen war, auch die erwartbare und beste Lösung ist. Schon lange hatte es schließlich unüberhörbare Stimmen aus dem Umfeld des Topmanagements wie auch der einflussreichen Mitarbeiter KG gegeben, die sich unzufrieden mit der Performance ihres wichtigsten Angestellten gezeigt hatten. Die Zeichen auf eine bevorstehende Ablösung waren über Monate nicht mehr zu ignorieren; Brinkbäumer indes wollte sie offenbar nicht wahrhaben.

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War sein Vorgänger Wolfgang Büchner nach nur gut einem Jahr als glücklosester aller Chefredakteure in der Geschichte des Nachrichtenmagazins geschasst worden, geht Brinkbäumer als der farbloseste in die Spiegel-Annalen ein. In der Redaktion zwar beliebt, aber ohne fassbares Profil, blieb das Blatt in den rund dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit zu oft unter seinen Möglichkeiten, war vor allem die Markenführung wie das Einzelverkauf am Kiosk so wichtige Magazin-Cover ohne Konturen oder eine erkennbare Handschrift. Vor allem in der Polit-Berichterstattung setzte Der Spiegel unter Brinkbäumer falsche Akzente, u.a. im Hinblick auf die US-Präsidentschaft von Donald Trump oder auch die Bundespolitik sowie die Anbahnung und das Wirken der Großen Koalition in Berlin.

Dass im Zuge seiner Abberufung überdies von Unternehmenskreisen kolportiert wurde, Brinkbäumer habe die von den Gesellschaftern angestrebte Fusion von Print und Online verschleppt, erscheint unfair. Der Chefredakteur hatte sich vielleicht nicht gerade an die Spitze der Bewegung gesetzt, sie aber keineswegs boykottiert. Doch da war die Entscheidung über seine Zukunft beim Spiegel offenbar schon gefallen. In der Folge ging es nur noch um die Modalitäten, die nun final vereinbart sind. Brinkbäumer selbst hatte hier durch die Verpflichtung der Berliner Kanzlei Schertz einen der größten Spiegel-Kritiker und Kontrahenten des Hauses in etlichen Klageverfahren verpflichtet – eine Drohkulisse, die offenbar Wirkung zeigte und die Einigung beschleunigte.

 

 

 

 

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