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Miriam Meckel über Zukunftsprojekt ada: “Wirtschaftsjournalismus ist auf dem weiblichen Auge eher getrübt unterwegs”

WiWo-Herausgeberin Miriam Meckel, Cover der ersten Ausgabe von ada: “80 Millionen DichterInnen und Denker zu 80 Millionen PionierInnen machen”
WiWo-Herausgeberin Miriam Meckel, Cover der ersten Ausgabe von ada: "80 Millionen DichterInnen und Denker zu 80 Millionen PionierInnen machen"

Mit ada hat die Handelsblatt Media Group ein ambitioniertes Projekt gestartet. Ein Team um WiWo-Herausgeberin Miriam Meckel will eine multimediale Plattform für die digitale Zukunft von Leben, Arbeit und Lifestyle schaffen. "Wir haben das Ziel, die Marke für die Zukunft zu werden", gibt sich Meckel gegenüber MEEDIA selbstbewusst. Es gehe darum, "das Mindset gegenüber Technologien zu verändern".

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Welche strategische Rolle spielt die Kooperation mit der Wirtschaftswoche für ada?
Miriam Meckel:
Die WirtschaftsWoche ist eine starke, gestandene Marke, die eine klar definierte Zielgruppe hat. Zum Start von ada ist das natürlich hilfreich, um Reichweite aufzubauen. So erhalten zum Start beispielsweise alle WiWo-Abonnenten die erste Ausgabe des ada-Magazins zum Kennenlernen im Bundle mit der WirtschaftsWoche. Langfristig wollen wir aber eine ganz eigenständige Marke aufbauen, denn wir setzen ja auf den Themenschwerpunkt digitale Zukunft und bedienen auch eine andere Zielgruppe.

Gab es im Laufe der ada-Konzeptionierung nicht Bedenken, dass Sie mit dieser Koop bei marktwirtschaftlich fokussierten Stammlesern der WiWo möglicherweise anecken?
Wieso das denn? Im Gegenteil: Aus vielen unserer Leserbefragungen wissen wir, dass sich die WiWo-Leserinnen und -Leser auch sehr um digitale Zukunftsfragen rund um Arbeit, Märkte, Gesellschaft und Leben interessieren und fundiertes Know-how im Bereich Digitalisierung und Technologie erwarten. In einem Magazin, das eine breite Palette von wöchentlichen Themen abdecken muss, geht da immer nur ein bisschen. Das können wir mit ada vertiefen.  

Die Namensgebung geht zurück auf Ada Lovelace, die in der ersten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts gelebt hat und heute als erste Programmiererin der Menschheitsgeschichte gilt. Wie sehen Sie die Mathematikerin Ada aus heutiger Sicht, und wie weiblich ist ada als Marke?
Ada Lovelace war eine sehr mutige und risikofreudige Frau, die Großartiges entdeckt und geleistet hat. Zu ihrer Zeit wurde sie leider verkannt, aber so geht es ja auch heute noch vielen Visionären, die für ihre innovativen Ideen zunächst verspottet werden. Erst viel später wird dann klar, was sie tatsächlich erfunden haben, und sie werden dafür gefeiert. Mit der Marke ada wollen wir in erster Linie den Entdecker- und Unternehmergeist der Menschen in den Fokus stellen – ganz unabhängig ob Frau oder Mann. Allerdings finden wir, dass der deutsche Wirtschaftsjournalismus auf dem weiblichen Auge bislang eher getrübt unterwegs ist. Es ist Zeit, das zu ändern.

“Magazin für Menschen, die Chancen nutzen wollen, statt vor Angst im Kaninchenbau stecken zu bleiben”

Schon auf den ersten Blick vermittelt ada einen starken Veränderungsimpuls. Was wollen Sie konkret anstoßen?
Natürlich wird uns die Zukunft immer wieder überraschen, alles andere wäre ja auch langweilig. Aber wer sich heute mit dem technologischen Fortschritt, mit der Künstlichen Intelligenz und allem drumherum auseinandersetzt, kann sehr viel entspannter nach vorne schauen. Wir sind ein Magazin für diejenigen, die nicht warten, dass andere über die Zukunft entscheiden, sondern selbst dabei sein wollen. Und für Menschen, die Chancen nutzen wollen, statt vor Angst im Kaninchenbau stecken zu bleiben.

Wie würden Sie der Klientel der auf Aufstieg fixierten Topmanager den Benefit von ada für deren Leben und Karriere erklären?
Unser Mission ist es, heute schon das Morgen zu verstehen. Das gilt sowohl für Topmanager als auch für junge Berufseinsteiger. Mit ada setzen wir komplexe Themen und  Sachverhalte wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotic, etc. so um, dass man Lust hat, sich mit ihnen zu beschäftigen. Lernen soll keine zeitraubende Quälerei in dunklen Räumen mit Frontalbeschallung und schlechtem Kaffee sein, sondern wir wollen mit unseren Inhalten eine wirkliche Inspiration schaffen, die Spaß macht und wovon man gerne mehr erfahren möchte. Dafür gibt’s Sonntags den wöchentlichen „Brief auf der Zukunft“, mit unserem ada-Podcast regelmäßig was auf die Ohren und jetzt auch das Magazin, digital und gedruckt.

Mit dem Magazin und der Digitalplattform wird ab kommendem Jahr auch ein umfangreiches Bildungsprogramm gestartet. Wie sieht da das Konzept aus und wie wollen Sie sich von den zahlreichen Wettbewerbern in diesem Segment abheben?
Bildung ist etwas Faszinierendes, wenn ich merke: Ich verstehe was und habe was davon. Genau da setzen wir an. Sich mit den Zukunftsthemen auseinanderzusetzen, ist nicht nur wichtig, es kann richtig Spaß machen. Mit unserer journalistischen Kompetenz haben wir einen anderen Ansatz: Wir können Geschichten erzählen darüber, was neue Technologien bringen. Dabei werden wir mit einigen großartigen Partnern aus dem Bildungssektor zusammenarbeiten und mit der deutschen Wirtschaft. Die Politik hat Digitalisierung in Deutschland sträflich vernachlässigt, die Wirtschaft weiß, worum es geht. Deshalb bauen wir an einer Plattform gemeinsam mit einigen deutschen Unternehmen, die nächstes Jahr in die Startup-Phase geht und danach für immer mehr Partner offen sein wird.

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Das erste ada-Magazin wirkt thematisch recht spitz – sorgen Sie sich nicht, dass es zu avantgardistisch angelegt ist, um langfristig auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein?
Ach, wissen Sie, ich neige nicht dazu, mir immer erstmal umfänglich Sorgen zu machen, sondern ich probiere, was geht. Wie beschrieben haben wir uns sehr bewusst entschieden, nicht im traditionellen Geschäftsmodell der Verlage zu bleiben, sondern eine neue Strategie zu wählen. Wir nehmen gerne die Einnahmen aus Anzeigen und Vertrieb mit, und das hat beim ersten Magazin schon mal nicht schlecht geklappt, aber eigentlich geht es um etwas anderes: In Deutschland endlich das Mindset gegenüber Technologien zu verändern. Wir wollen 80 Millionen DichterInnen und Denker zu 80 Millionen PionierInnen machen. Wenn das Schritt für Schritt klappt, haben wir die besten Chancen für ein Wirtschaftswunder 4.0 Das industrielle Internet ist wie gemacht für Deutschland. Aber wir müssen jetzt auch mal machen.

Mit ada postulieren Sie eine Zukunftsperspektive aus “ökonomischer Vernunft und technologischem Optimismus”. Wenn man aktuell sieht, wie die deutschen Autokonzerne und deren Vorstände um die Verantwortung in der Diesel-Affäre herumlavieren, scheint unsere Wirtschaft davon noch weit entfernt…
Klar, es gibt immer Beispiele dafür, wie Dinge schief gehen. Aber das kann ja nicht bedeuten, dass wir es dabei belassen. Nochmal: Wir haben mit der deutschen Wirtschaft gute Chancen, und es gibt viele Beispiele, wo die längst genutzt werden. Insgesamt muss aber mehr passieren und es muss schneller gehen. Das kann man nicht erzwingen. Aber man kann überzeugen.

Die Marke ada setzt stark auf persönlichen Nutzwert gegenüber der reinen Informationsvermittlung. Sehen Sie darin die wesentliche Zukunftsaufgabe für die Medien?
Medien haben, wenn sie gut gemacht sind, immer einen Nutzwert. Der ergibt sich einmal aus der Information, denn mit ihr kann ich meine Sicht auf die Welt und die Entscheidungen die ich treffen muss, anreichern. Und er ergibt sich daraus, dass ich überrascht werde, einen anderen Blick auf die Dinge bekomme, der mir persönlich neue Wege eröffnet, Mittel an die Hand gibt, besser zu werden. Wir machen doch Journalismus nicht für Journalisten, sondern für diejenigen, die aus unseren Inhalten etwas für sich machen können.

Welche Synergien nutzen Sie mit der WirtschaftsWoche, deren Herausgeberin Sie sind?
Ein Teil meines Teams kommt aus der WiWo-Redaktion, und wir arbeiten in der Gestaltung und Produktion natürlich auch zusammen. Vor allem aber gehören wir alle zur Handelsblatt Media Group. Da ergeben sich insgesamt sehr viele Synergien.

Haben Sie sich Reichweiten-Ziele für Magazin, Newsletter-Abonnenten sowie Podcast-Abrufe gesetzt? Oder anders: Nach welchen Kriterien werden Sie in zwei oder fünf Jahren definieren, ob ada ein Erfolg ist?
Wir haben das Ziel, die Marke für die Zukunft zu werden.  Das muss natürlich auch ökonomisch funktionieren, aber eben nicht allein auf Grundlage des traditionellen Verlagsgeschäfts. Wenn ada in zwei oder fünf Jahren noch da ist, dann ist es ein Erfolg.

 

MEEDIA gehört zur Handelsblatt Media Group.

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Alle Kommentare

  1. Ich verstehe immer noch nicht, wer diese Zeitschrift lesen soll. Leser von Wirtschaftszeitungen interessieren sich nicht für Gender-Perspektiven und Feministinnen interessieren sich nicht für Wirtschaftszeitungen. Oder sollen alle obligatorischen Tabellen und Diagramme durch bunte impressionistische Bilder ersetzt werden damit es schön “leicht” und gefühlig wird?

  2. Wirtschaft für Frauen. Weil…..die bisherigen Frauen überfordert waren mit Wirtschaft für Frauen und Männer laut Mekel?!
    Oder ist es eher die persönliche Überforderung? Wann gibt’s die Autozeitung für Frauen, die Wochenzeitung für Frauen, die Kochzeitung für Frauen, die Fernsehzeitung für Frauen? Die sexistischen Kreuzzügler*innen

    1. Mekel:
      “Wir wollen 80 Millionen DichterInnen und Denker zu 80 Millionen PionierInnen machen.”

      Wau, also doch keine Bäckerei.

      1. Pionierinnen (und auch Pioniere) brauchte schon die SED-Regierung in der DDR zum Aufbau des Sozialismus.

  3. “Mit ada setzen wir komplexe Themen und Sachverhalte wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Robotic, etc. so um, dass man Lust hat, sich mit ihnen zu beschäftigen.”

    Sie hat die “Dark Blockchain” vergessen und seit wann wird Robotik wie F95.9 (ICD-10) geschrieben?

    Das ist derselbe Müll wie dereinst “Konr@d” bzw. “Tomorrow” (never knows); nur mit dem zeitgeistigen Missy-Magazin/Edition-f Twist für die ellbogenorientierte bourgeoise Fotze statt für das männliche Gegenstück.

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