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Mediatheken-Rekorde, Chartbreaker, aber schon die Hälfte des linearen TV-Publikums verloren – die "Babylon Berlin"-Zwischenbilanz

Die erste Staffel der aufwändigen ARD-Serie „Babylon Berlin“ ist schon zu Ende – an drei Abenden zeigte Das Erste die Folgen 1 bis 8. Und sie sind ein exzellentes Beispiel für den Medienwandel. Im linearen Fernsehen verlor die Serie bereits die Hälfte ihres Publikums, in der Mediathek bricht sie allerdings Rekorde.

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Als „Babylon Berlin“ am 30. September seine Free-TV-Premiere im Ersten feierte, war die Serie schon fast ein Jahr alt, denn am 13. Oktober 2017 lief sie schon bei Sky an. Dennoch schien sich ein Megahit für Das Erste anzubahnen. Die ersten drei Folgen sahen am Sonntagabend 7,88 Mio. Leute, der Marktanteil lag bei 24,4%. Schon wenige Tage später blieben davon allerdings nur 5,19 Mio. und 17,8% für die Episoden 4 bis 6 übrig. Am Donnerstag dieser Woche wurde die erste Staffel mit den Folgen 7 und 8 abgeschlossen – und wieder sahen deutlich weniger zu: 4,38 Mio. waren es noch, die Marktanteile betrugen noch 14,8% und 14,7%. Ein Flop ist „Babylon Berlin“ damit noch lange nicht, der erhoffte Megahit aber auch nicht mehr.
Gleichzeitig meldet Das Erste aber Mediatheken-Rekorde: 3,39 Mio. Video-Abrufe verzeichnete man nach eigenen Angaben in den ersten neun Tagen „Babylon Berlin“. Die ersten acht Folgen waren dort direkt zur Serien-Premiere abrufbar. Sicher hat auch das Netz dem linearen Fernsehen damit Zuschauer abgenommen, Neugierige, die nicht bis zur Ausstrahlung im Ersten abwarten wollten. Das Minus von 3,5 Mio. Zuschauern von Folge 1 bis 3 zu 7 und 8 ist allein damit aber logischerweise nicht zu erklären. Die Serie scheint also doch zu komplex für viele zu sein, die Neugier und Lust auf „Babylon Berlin“ ließ schnell nach.
Auch Begleit-Produkte wie Bücher, DVDs, Blu-rays und Musik-CDs, bzw. -Dateien und -Streams tragen dazu bei, dass „Babylon Berlin“ trotz des schrumpfenden Publikums noch ein Erfolg für die ARD bleibt: Die Blu-ray-Box der beiden ersten Staffeln liegt bei den Vorbestellungen auf Amazon.de derzeit auf Platz 5 – geschlagen nur durch die neue „The Walking Dead“-Staffel und Blockbuster wie „Mamma Mia“. Der Soundtrack zur Serie stieg auf Platz 43 der deutschen Album-Charts ein, die Single „Zu Asche, zu Staub“ sogar auf Rang 22. Die iTunes- und Amazon-Charts führte der Song kurzfristig sogar an und auf YouTube verzeichnet der Clip zum Hit 2,2 Mio. Abrufe:
https://www.youtube.com/watch?v=uekZpkYf7-E
Trotz all dieser Faktoren: Entscheidend bleibt für die ARD der Erfolg im linearen Fernsehen, denn dort sind trotz aller Netz-Hypes immer noch die größten Zuschauermassen zu erreichen. Sollte die zweite Staffel in den kommenden Wochen weitere Millionen Zuschauer verlieren, könnte sich die frühe Bestellung einer weiteren Staffel noch als Entscheidung heraus stellen, die angesichts der hohen Kosten für viel interne und externe Kritik sorgt. An den kommenden Freitagen werden ARD-Programmdirektor Volker Herres und seine Kollegen morgens noch aufgeregter als sonst auf die Quoten des Vortages warten.

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