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"Die Verharmlosung der Gewalt macht uns wütend": RWE-Mitarbeiter beklagen einseitige Berichterstattung zum Hambacher Forst

Mitarbeiter von RWE und Außenstehende prangern unfaire Berichterstattung im Hambacher Forst an

Seit Wochen blickt Mediendeutschland in den Hambacher Forst, wo der Energiekonzern RWE ab Mitte Oktober große Teile des Waldes roden will. Die Besetzung des Waldgebietes durch Aktivisten ist zum Symbol für den Kampf gegen den Braunkohleabbau geworden – und zum Dauerthema in den Redaktionen. Die Berichterstattung verläuft in den Augen einiger RWE-Mitarbeiter aber alles andere als fair. Auf Facebook prangern sie insbesondere die Verharmlosung von Gewalt an.

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Die Facebook-Gruppe „Wir im Rheinischen Revier für eine faire Berichterstattung“ hat inzwischen über 3.200 Mitglieder. Vor drei Jahren, als der Hambacher Forst noch lediglich ein lokales Thema war, die Besetzung des Waldgebietes aber schon längst einsetzte, gründete der RWE-Mitarbeiter Hermann Josef Münchrath die Gruppe. „Ich biete hier eine Plattform an um Diskussionen über die einseitige und negative Berichterstattung seitens des WDR & Co gegen RWE anzuregen oder Lösungen zu finden“, steht in der Gruppenbeschreibung.
Schnell ist die Community gewachsen. Erst im Kollegenkreis, später auch bei Anwohnern und Außenstehenden. In den Augen der Mitglieder ist die Berichterstattung der Medien zum Hambacher Forst verzerrend. Sie fokussiere sich zu sehr auf die vermeintlich legitime, aber nicht legale Besetzung des Waldgebietes. Dabei beherbergten die selbstgebauten Siedlungen von Anfang an auch Linksextremisten, die nicht zurückschrecken vor Gewalt gegen Polizisten.

„Das kann weder legal noch legitim sein“

Münchrath macht das schon lange wütend: „Es gibt Medien, die die Gewalt der Aktivisten im Hambacher Forst verharmlosen oder nicht richtig hingucken wollen“. Die Polizisten und Kollegen würden im Wald mit Steinen, Molotowcocktails und Fäkalien beworfen und mit Zwillen beschossen werden. „Das kann weder legal noch legitim sein“, sagt der RWE-Mitarbeiter, der in einem Technikzentrum des Konzerns in Frechen arbeitet, auf Anfrage von MEEDIA.
„Wenn Sie jeden Morgen zur Arbeit gehen und dort einen wichtigen Job ausüben – nämlich die Stromversorgung sicherzustellen -, dann ist das schon überraschend, wie wenig so ein Aspekt in den meisten Berichten vorkommt.“ Auch das Bild, das in den Medien gezeichnet wird, sei schief. So komme etwa die Aufforstung von RWE viel zu kurz. Bereits 10 Millionen Bäume habe der Konzern allein auf der Sophienhöhe, einer Außenkippe des Tagebaus Hambach, gepflanzt. „So entsteht manchmal der Eindruck, wir würden hier in einer schrecklichen Gegen leben. Das Gegenteil ist der Fall.“
In der Facebook-Gruppe werden Links zu Medienberichten ausgetauscht und diskutiert – die meisten davon aus Sicht der Mitglieder verfälschend. Wie medienkritisch und verschwörungstheoretisch die Mitglieder zum Teil sind, zeigt der Post eines Anhängers: „Das Gebühren finanzierte Parteiorgan von Bündnis 90/Die Grünen kurz WDR genannt hat in der Aktuellen Stunde mal wieder alles gegeben um RWE und damit die Mitarbeiter in ein schlechtes Licht zu stellen.“ Darunter ein Kommentar: „Der WDR ist der Propaganda Sender dieser Kriminellen und das schon über Jahre mit verdrehten Tatsachen.“
Ein anderer Nutzer postet Links zu Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sender, wo sich die Anhänger „über einseitige, manipulative Berichterstattung“ beschweren sollen. „Konfrontieren wir Sie mit FAKTEN“, heißt es weiter.
RWE selbst hat keinerlei Verbindung zu der Facebook-Gruppe. Sie werde weder finanziert noch inhaltlich von dem Konzern unterstützt, sagt ein Sprecherin auf MEEDIA-Nachfrage. „Gleichwohl schätzen wir natürlich das Engagement der Mitarbeiter, die sich hier selbst eine Stimme verschaffen.“ RWE teile den Eindruck, dass die Berichterstattung zu einseitig sei, aber nicht.

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