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Der tragische Tod von Vergissmeynnicht: YouTuber dokumentierte das Leben der Aktivisten im Hambacher Forst

Der Blogger war am Mittwochnachmittag von einer Brücke in 15 Meter Höhe gestürzt
Der Blogger war am Mittwochnachmittag von einer Brücke in 15 Meter Höhe gestürzt

Tragischer Todesfall: Im Hambacher Forst ist am Mittwoch ein Videoblogger und Journalist ums Leben gekommen. Der junge Mann war durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und mindestens 15 Meter tief gestürzt. Mehrere Wochen hatte er zuvor unter dem Account "Vergissmeynnicht" das Leben der Aktivisten im Netz dokumentiert und über Rodung und Räumung des Walds berichtet.

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Im Netz trat der Blogger unter dem Namen “Vergissmeynnicht” auf. Er war Teil eines neuen Netzwerkes, das sich “Presse Netz” nennt und das auf Twitter und YouTube seit diesem Monat ebenso über die Aufräumaktionen und den Protest in dem Waldgebiet berichtet. Die Situation vor Ort kannte der Blogger also sehr gut.

Die genaue Ursache für den Unfall ist derzeit noch unklar. Möglicherweise hatte er beim Überqueren der Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern das Gleichgewicht verloren. Aber auch eine morsche Stelle im Holz könnte zu dem Unfall geführt haben. Für ein Ergebnis ist es noch viel zu früh. Die Umstände werden nun ermittelt.

Laut Polizei habe es zum Zeitpunkt des Unglückes keine Maßnahmen in der Nähe des Bloggers oder direkt am Baumhaus gegeben, auf dem der Blogger unterwegs war. Die Polizei will weitere Gefahrenstellen in dem Areal aber nun absichern.

Das letzte Video des Bloggers auf Twitter zeigt jedoch, wie die Polizei ganz in der Nähe seines Baumhauses einen Aktivisten mit einer Hebebühne von den Bäumen holt. Immer wieder ist zu sehen, in welchen schwindelerregenden Höhen sich die Aktivisten aufhalten und welche Gefahr von den morschen Ästen und wackeligen Brücken ausgeht. Mit seinen Filmdokumentationen hatte der junge Journalist Einblicke in die archaisch anmutende Welt des Widerstands hoch oben in den zur Rodung bestimmten Baumwipfeln gegeben, die bislang kaum in den Medien zu sehen gewesen sind.

In einem Video des Journalisten warnen die Aktivisten etwa eine Einheit der Polizei vor einem morschen Ast, der durch die Räumungsarbeiten abzubrechen droht. Auch wies der Blogger des öfteren in den Sozialen Netzwerken darauf hin, wie gefährlich die Offensive der Polizei sein kann. Demnach haben sich viele Aktivisten auf Traversen positioniert, die miteinander verbunden sind. “Wird eine durchgeschnitten bedeutet das Lebensgefahr für die Leute auf den anderen Traversen”, schrieb “Vergissmeynnicht” auf Twitter.

Auch auf YouTube war “Vergissmeynnicht” unterwegs, dokumentierte dort in einem Video eine Razzia der Polizei bei den Baum-Besetzern. Auf der Suche nach gefährlichen Gegenständen beschlagnahmte die Polizei Hauptsächlich Paletten, Klettermaterial und Technik.

Weil der Journalist seit über sieben Tagen regelmäßig über die Vorgänge in dem Wald bloggte, darf man davon ausgehen, dass er sich in dem Gebiet auskannte und mit den Baumhäusern und deren Struktur vertraut war. Die Ermittlungen der Polizei sollen klären, was genau die Ursache für den tragischen Unfall war.

Die NRW-Landesregierung hat nach dem Tod des Bloggers am Mittwoch die Räumung auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. „Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) gestern Abend. „Ich habe eine Riesenbitte an alle Menschen, die irgendwie mit dem Wald, dem Gelände, den Häusern, den Bäumen zu tun haben: Dass sie bitte die Gefahr, die davon ausgeht, einfach jetzt zur Kenntnis nehmen und möglichst nicht im Wald rumlaufen und nicht auf den Bäumen rumklettern und nicht in die Häuser gehen.“

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Auch RWE reagierte auf den Unfall. Der Energiekonzern teilte über Twitter mit: „Wir sind zutiefst erschüttert und bedauern den tragischen Unfall im Hambacher Forst sehr.“

Auf Twitter ist die Anteilnahme groß:

Auch die Aktivisten meldeten sich zu Wort und forderten in einem Blogpost die Polizisten und Mitarbeiter von RWE auf, den Wald zu verlassen:

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Alle Kommentare

  1. Ist eigentlich jeder Blogger, Netzwerker und Youtuber Journalist?

    Und da wundert man sich, wenn die Polizei die Nase voll hat von “Aktivisten” die anschließend bei ihrer Festnahme von Pressefreiheit fabulieren und der Bürger kein Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien hat.

    Es ist schlicht unfassbar, wenn mit dem Tod dieses Menschen nun weiter versucht wird politische Forderungen durchzusetzen.

  2. Welche journalistischen Qualifikationen hatte dieser „Blogger“, die es berechtigen, ihn als Journalisten zu bezeichnen? Oder war es einfach nur einer der beteiligten „Aktivisten“ (besser gesagt: Kriminellen), der PR für diese Linksextremisten gemacht hat?

    Und sollte er tatsächlich irgendwelche Qualifikationen besessen haben, durch die man ihn als Journalisten bezeichnen könnte: Was hat er dort auf der Brücke zwischen den Baumhäusern der Linksextremisten zu suchen gehabt?

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