Partner von:
Anzeige

“Plötzlich stehen sie vor deiner Tür”: Satiriker Schlecky Silberstein bekommt nach AfD-Hausbesuch Morddrohungen

Aus dem Satire-Video: Ein nachgestellter Wahlkampf-Stand der AfD
Aus dem Satire-Video: Ein nachgestellter Wahlkampf-Stand der AfD

Der Satiriker Schlecky Silberstein (alias Christian Brandes) wird wegen eines von der AfD gefilmten Hausbesuchs bedroht. Hintergrund ist ein Video seiner Produktionsfirma, das sich satirisch mit den Ereignissen der vergangenen Wochen in Sachsen auseinandersetzt. Die AfD hatte die Dreharbeiten zu dem Video dazu genutzt, Stimmung gegen Medien zu machen und der Firma vorgeworfen, Fakevideos zu drehen.

Anzeige

“Und plötzlich steht ein AfD-Abgeordneter im Hausflur und filmt dein Klingelschild”, beginnt der Satiriker seinen Beitrag. “Wenn Politiker bei Künstlern auftauchen, um ihnen zu zeigen ‘Wir wissen, wo Du wohnst’, dann sind wir wieder soweit, liebe Freunde.”

Anfang September hatte seine Produktionsfirma für das „Bohemian Browser Ballett“ von funk eine “Parodie auf den Wahnsinn von Chemnitz” gedreht. Darin zu sehen waren neben dem mittlerweile entlassenen LKA-Mann, der Kamerateams in Sachsen angepöbelt hatte, auch ein AfD-Stand und nachgestellte Demonstrationen von Rechten. Die Dreharbeiten zu dem Video fanden in Berlin statt, am Anton-Saefkow-Platz, wie Correctiv später herausfand.

Bei der AfD kam die Satire gar nicht gut an. Kurze Zeit nach dem Dreh veröffentlichte die Bundes-AfD einen Clip, der einige Szenen von den Dreharbeiten präsentierte. Darin ist zu sehen, wie sich Politiker der AfD über die Dreharbeiten echauffierten. Angeblich, so die Aussage der AfD, würden dort Fake-Nazi-Demos dargestellt, um die Partei in Misskredit zu bringen. Die Dreharbeiten seien ein “undemokratischer Versuch”, Politik mit Fakes zu betreiben.

Schnell wurde die Darstellung der AfD im Netz widerlegt. Unter anderem berichtete Correctiv, dass es sich dabei lediglich um die Dreharbeiten für das Satire-Format „Bohemian Browser Ballett“ handelte. Auch der SWR äußerte sich entsprechend. Zahlreichen Aushänge während der Dreharbeiten machten zudem deutlich, dass es sich um eine Filmproduktion handelte und keinen Protest mit falschen Protagonisten. Mittlerweile ist das produzierte Video auch online. Der Titel: “Volksfest in Sachsen”.

Anzeige

Die AfD aber blieb bei ihrer Darstellung. Und nicht nur das: der Berliner AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel ging mit einem Kameramann zur Privatadresse von Brandes’ Firmen-Partner, mit dem zusammen der Satiriker die Videos produziert hatte. Diesen Hausbesuch filmte Hansel mit und stellte ihn unter dem Titel “Fakevideo-Firma versteckt sich” auf Facebook. Auch das Klingelschild war in dem Video zu sehen.

In einem Blogeintrag schreibt der Satiriker dazu: “Das Video mit den Adressdetails wurde über den Facebook- und YouTube-Kanal der AfD-Berlin geteilt, wo viele Kommentatoren sehr erregt über den jüdischen Namen meines Partners waren.” Und weiter: “Spätestens wenn Juden im Spiel sind, greift bei Teilen der AfD-Klientel der alte Vernichtungs-Reflex. Die Morddrohung aus dem Antisemitismus-Baukasten ging am 16. September ein und ich lehne mich hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Ohne die Initiative von Bundes- und Berlin-AfD, wäre sie uns erspart geblieben.” Auf seinem Blog dokumentiert der Satiriker auch eine Morddrohung per Mail sowie das Video, in dem dazu aufgerufen wird, sein Büro zu aufzusuchen.

Silberstein alias Brandes warf der AfD vor, bewusst an der “perfiden Lüge” festgehalten zu haben, um Hass zu schüren. Gegenüber dem RBB äußerte sich ein Sprecher der Partei: “Es war für uns nicht absehbar, um welche Art von Video es sich handelt. Nur weil jemand sagt, dass es Satire sein soll, ist der Vorwurf nicht aus der Welt.” Erst im Nachgang habe man das Material einsehen können. Der AfD-Sprecher weiter: “Wenn wir befürchten müssen, dass unser Logo verwendet wird, um Propaganda gegen uns zu betreiben, müssen wir uns schützen. Es lag nah, dass über unsere Partei etwas Negatives verbreitet wird.”

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ach, wie hatten sich doch die einschlägigen Medien und Politiker amüsiert auf die Schenkel geklopft, als ein angebliches Künstlerkollektiv triumphierend verkündete, ein Grundstück direkt neben dem Haus von Björn Höcke und seiner Familie angemietet und ihn von dort aus ausspioniert zu haben und zu mobben.

    War das eigentlich noch vor oder nach dem “antifaschistischen” Dorfrundgang von 200 aufrechten angereisten “Antifaschisten” mit Klingelputz bei Höcke?

    Das war nur eins der prominentesten Beispiele für “antifaschistische Besuche” oder “Outings” der letzten Jahre.

    Schlecky Silberstein scheint ja noch mal mit Schrecken davon gekommen zu sein.
    Und auch das Auto wurde, im Gegensatz zu denen vieler AfD-Funktionäre, kein Opfer der Flammen.

  2. Antifaschistischer Hausbesuch andersrum und GEZ sofort voll so MIMIMI Opferhaltung aye

    1. Rechte Hetze und „Habeck befiehl, wir folgen“ gleich sofort so MIMIMI und Opferhaltung Prost

  3. Ich wundere mich, warum alle Journalisten / Kabarettisten / Aktivisten sowie sonstige -isten sich nur engagieren, wenn es um die einzige Oppositionspartei dieses Landes geht, die bisher noch nie in Regierungsverantwortung war. Früher zeigten obige Gruppen noch Mut und haben sich mit den Mächtigen dieses Landes angelegt, inzwischen fungieren sie als deren Hofnarren und Schoßhündchen. Irgendwie feige und erbärmlich.

    1. Volker Pispers, Andreas Thiel, Dieter Nuhr…gab noch paar andere, aber muss man wirklich suchen.

      international: Steven Crowder, Joe Rogan….

      1. Na logisch, wer sich nicht mit Rechtsradikalen ins Bett legt, muss vor “der Verfolgung!!1!11 durch das System” eingeknickt sein. Aber in welchem Paralleluniversum das stattfindet, soll der Leser nun raten!1!11!!!?

  4. Wow – und sofort wird in den Kommentaren relativiert und der erste Kommentar wenn es hier in einem Artikel um die afd geht, oder gegen rechts kommt natürlich vom User ‘RTE2018’. Nicht ansatzweise wird sich mit dem auseinander gesetzt um was in dem Artikel geht, nein, sofort, die anderen aber.
    Scheint auch nicht zu stören, dass aus afd-Anhänger-Kreisen antisemitischer Dreck verbreitet wird, nein nein …
    Und dann natürlich noch die übliche Antifa-Hetze, das sind ja die wahren Faschisten.

    Nix gelernt aus der Geschichte, wie man hier sehen kann.
    Das macht einem Angst, richtig Angst.

    1. Tina sagt:
      18.09.2018 um 10:34 Uhr

      Wow – und sofort wird in den Kommentaren relativiert und der erste Kommentar wenn es hier in einem Artikel um die afd geht, oder gegen rechts kommt natürlich vom User ‘RTE2018’.

      Na und?

    2. Sorry, aber das hatte ich vergessen, paßt so schön zu diesem Kommentar

      Tina sagt:
      18.09.2018 um 10:34 Uhr

      Und dann natürlich noch die übliche Antifa-Hetze, das sind ja die wahren Faschisten.

      Nix gelernt aus der Geschichte, wie man hier sehen kann.
      Das macht einem Angst, richtig Angst.

      Ich verlinke jetzt mal auf eine von der AfD in Teilen veröffentlichte Strafanzeige, die von der AfD gegen Unbekannt gestellt worden ist. Da hat wohl jemand (von der ANTIFA?) auf indymedia erklärt wie man AfD-Politiker mit einer gewöhnlichen nicht modifizierten Gaspistole töten kann. Ich verzichte mal auf die detailliertere Anweisung bei indymedia zu verlinken.

      Man stelle sich vor dieser Aufruf wäre durch die AfD, Reichsbürgern oder anderen nicht genehmen Personen/Gruppierungen iniziiert worden. Der Aufschrei wäre noch auf dem Planeten Jupiter zu vernehmen. Das hier von Medien/Politik null Reaktion kommt, zeigt was schief läuft im „bunten, weltoffenen, tol(l)eranten und vielfältigen Deutschland“.

      1. Dort ist nicht einmal ein Screenshot “veröffentlicht”, geschweige denn eine Strafanzeige (der Text übrigens inklusive der inkriminierten Schilderung, wie man töten kann. Das wirkt auf mich sehr geistreich und seriös). Um was es geht, soll man wohl glauben müssen.

        Und am Ende des dürftigen Wortsalats wird noch versucht, andere Parteien mit diesem Vorwurf zu assoziieren. Es handelt sich hierbei mindestens in Teilen um typisches rechtsextremes Dreckschleudern, sicher gut für die künftige Materialsammlung des VS.

        So ein kleines bisschen sollte man seine Behauptungen schon belegen, insbesondere, wenn es um Straftaten geht, reichen Behauptungen nicht unbedingt aus.

        Die zahlreichen rechtsextremen Übergriffe auf engagierte Bürger und völlig Unschuldige sind belegt.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia