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“Dramatischer” Einbruch der Print-Absätze im Handel: Welte will mehr Präsenz in Bio-Märkten und Drogerien

Top-Speaker beim VDZ Summit auf St. Pauli: Funke-GF Andreas Schoo, FAZ-Manager Thomas Lindner und Burda-Zeitschriftenvorstand Philipp Welte
Top-Speaker beim VDZ Summit auf St. Pauli: Funke-GF Andreas Schoo, FAZ-Manager Thomas Lindner und Burda-Zeitschriftenvorstand Philipp Welte

Draußen herrschten 31 Grad und schönstes Spätsommerwetter, doch zum Auftakt des VDZ Distribution Summits im Hamburger Empire Riverside gab es vom Burda-Vorstand schockgefrostete News von der Vertriebsfront: Als „dramatisch“ bezeichnete Philipp Welte die Entwicklung. Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo warnte vor einer Tendenz im Grosso, die eine Verleger-Allianz gerade erst forciert hat, und FAZ-Boss Thomas Lindner sieht eine historische Chance – sofern die Branche an einem Strang zieht.

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Erstmals seit Jahrzehnten sei der Vertriebsumsatz im 1. Halbjahr 2018 um 7,2 Prozent eingebrochen, der Absatz journalistischer Produkte sank sogar um mehr als 10 Prozent. Verantwortlich hierfür sei das veränderte Konsumverhalten sowie die Marktbedingungen im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel (LEH). So sei die Zahl der kleineren Supermärkte in den vergangenen zehn Jahren von 14.000 auf 6400 zurückgegangen. Dagegen sei die Zahl der Verbrauchermärkte mit einer Fläche von 1000 qm von 6000 auf 8000 gestiegen. Das Dilemma für die Vertriebe: Mit der zunehmenden Größe der Supermärkte sinke die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass ein Konsument an einem Zeitschriftenregal vorbeikommt.

Als Ausweg sieht Welte, dass die Printunternehmen ihre Flächenpräsenz im Handel ausweiten sollten. Ideal hierfür wären Bio-Supermärkte und Drogerien. Hier seien Zeitschriften unterrepräsentiert. So verfügen lediglich zehn Prozent der Bio-Supermärkte über ein Zeitschriftenregal, bei den Drogeriemärkten seien es 30 Prozent.

Kritisch beäugt Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo die Entwicklung auf dem deutschen Grossomarkt. Hier nehme die Konzentration dramatisch zu. Immer mehr Grossisten fusionierten in den vergangenen Jahren, um sich kosteneffizienter aufzustellen. Dabei hatte eine breit aufgestellte Verlags-Allianz erst im vergangenen Jahr den Grossisten in zum Teil erbittert geführten Verhandlungen eine weitgehende Modernisierung der verkrusteten Strukturen abverlangt und eine erhebliche Verkleinerung der Zahl der Anbieter gefordert.

Doch Schoo warnte nun eindringlich davor, dass das deutsche Grosso-System Verhältnisse wie in den USA bekommt. Hier dominieren nur noch zwei Anbieter den Pressevertrieb: Jim Pattison und James Cohen. Pattison deckt rund 60 bis 70 Prozent des Marktes ab, Cohen rund 25 Prozent. Sollte sich in Deutschland ein solches Oligopol etablieren, sie dies bedrohlich für die Branche. Er forderte deshalb die Teilnehmer auf, die Konzentration der Grossobetriebe nicht zu forcieren. Schoo: „Wir sollten die Schraube nicht überdrehen“.

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Die deutsche Verlagsbranche steht derweil vor einer großen Herausforderung. So plant der US-Technologieriese Apple demnächst mit einer Nachrichten-App, kurz Apple News, auf den deutschen Markt zu expandieren. In den USA ist die News App bereits gestartet. Hier laufen derzeit intensive Verhandlungen mit den Printhäusern, die ihre Medieninhalte zur Verfügung stellen sollen. FAZ-Chef Lindner sieht in der neuen App von Apple eine große Chance für die deutsche Verlagsbranche, um ihre Zeitungen und Zeitschriften zu vermarkten. Wichtig sei, dass hier möglichst viele Branchenteilnehmer an Bord sind.

Denn ohne Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, Focus, Welt oder Hannoversche Allgemeine Zeitung würde sich die App nicht am Markt etablieren. Dabei sollten die Verlage bei den Verhandlungen mit dem iPhone-Hersteller unbedingt an einem Strang ziehen. „Wir sind einflussreicher, wenn wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen“, erklärte der FAZ-Chef. Er forderte, dass der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) sowie der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hier eng mit den Verlagen und dem Handel zusammenarbeiten.

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Alle Kommentare

  1. Wenn die alten, weissen (linken) Medien den Abgang der alten weissen Männer als “Deutschensterben von der schönsten Seite”(Denis Yücel) begeistert feiern, dann vergesssen sie dabei, dass beide Seiten untrennbar miteinander verbunden sind, denn die jungen, bunten Frauen werden als Zukunftsdeutsche die Medien der Vergangenheitsdeutschen nicht lesen, bzw. konsumieren, weil sie dazu weder kulturell noch habituell einen Zugang haben. Sehr traurig, aber ist leider so.

  2. Es ist erstaunlich, dass diese Vertriebsheinis ihr Geschäft nicht verstehen. Einbrüche gibt es sowohl im Abobereich, als auch im EV. Im EV aber stärker als im Abobereich. Eine Tageszeitung besteht aber eben nicht nur aus einem redaktionellen Teil, sondern auch aus einem nicht—redaktionellen Teil, den Rubriken. Und dieser Teil, bis auf die Todesanzeigen ist stark digitalisiert worden. Damit schneiden aber diese Käufer aus, die früher überwiegend deshalb diese gekauft haben. Dazu kommt natürlich, dass ein Großteil doch nur dpa—Meldungen sind, bis auf wenig Lokalteil. Wozu brauche ich dafür eine Zeitung? Und von den Wochenzeitschriften brauchen wir nicht zu reden. Das journalistische Aufgebot ist doch dort nur unterirdischen.

  3. Ich könnte im Supermarkt an 10 Zeitschriftenregalen vorüber kommen, ich würde dennoch keine kaufen. Der Inhalt der Printmedien wird ja nicht dadurch besser, dass sie häufiger angeboten werden.

  4. Warum wird nicht auf türkisch oder arabisch publiziert? Der Deutsche ist doch eine aussterbende Rasse wird immer öfter behauptet. Also ran an die arabisch und türkisch sprechende Kundschaft. Das sollen mittlerweile mehr als 9.000.000 sein. Da könnten doch locker 2-3.000.000 Exemplare an den Mann gebracht werden.

    Warum wir noch immer keine türkische oder arabische Sendeanstalt beim ÖR haben ist mir auch ein Rätsel. Das müßte finanziell doch locker zu realisieren sein. Stattdessen sehen unsere Neubürger was aus Ankara oder Riad.

  5. Armselig, dass die deutschen Zeitschriften-Großverlage wieder mal nix ohne US-Unterstützung hinbekommen. Offenbar ist man in diesem Land nicht mehr in der Lage, selbst eine effektive Online-Plattform auf die Beine zu stellen. Da braucht es nun Apple, das dann die Profite macht.

    Anderseits ändert auch der Digitalkanal nichts daran, dass die journalistische Qualität und Glaubwürdigkeit letztlich das Problem der Branche sind. Was sich gerade wieder an der gemeinsamen Hetzjagd gegen den Verfassungsschutz-Präsidenten gezeigt hat. Eine hysterische Regierung und willige Systemmedien im Verbund.

  6. Der Markt und die Demografie wirken systemisch: in 86 Städten und Planungsregionen sind die Mieten explodiert, die nachwachsenden jungen Menschen mit umfassender Lesekompetenz und Lesefreude sind faktisch weniger als halb so zahlreich, wie Eltern- und Großelternjahrgänge.

    Dazu kommt internationale Zuwanderung: ausgerechnet diejenigen mit dem höchsten Informationsbedarf finden aber keine ausreichenden Englisch- und EU-Sprachangebote.

    Das größte Problem aber ist die Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge, die aufgrund hoher Mieten frühzeitig Abos kündigen, und umziehen müssen.

    Die Lage ist grundstürzend ernst! Denn auch die Demokratie steht auf dem Spiel!

    Schon jetzt sind zehntausende Gemeinderäte nicht besetzt. Parteien haben nur noch ca. 1,71% Rekrutisierungsgrad in der Bevölkerung (ab 16 Jahre, FU-Berlin 2017).

    Und die “Feinde der Zeitungen” sitzen mitten im System und in der Stadt!

    – Investoren ohne Gesicht zur Stadt, die keine Anzeigen schalten!
    – Agenturen, die Werbemittel in digitale Blindleistung und Entropie verwandeln!
    – Abteilungen für Unternehmenskommunikation (Presse/Marketing/CSR)
    – Lücken und “Raumzeit-Falten” im Vertriebssystem!

    Tip:
    Das Phänomen “Vertriebs-Schatten” sollte untersucht werden: wenn Zeitungen andere Zeitungen in der Auslage überdecken, und schleichend deren Auslistung befördern, weil das WaWi mangelndes Kauf-Interesse signalisiert.
    Der Vertriebsschatten wächst, wenn plötzlich Zuwanderer mit anderer Muttersprache die Auslage pflegen, oder Zeitungsläden in Spätis verwandeln.
    Dann geraten ganze Titel in Vergessenheit, wenn das WaWi ausgelistet hat.

    Problematisch auch die illegale Internet-Lotto-Konkurrenz, die traditionelle Zeitungsläden sterben lässt, und das Sterben allabendlich im TV inszeniert.

    Es ist Zeit für Disruption & Innovation und Syntegration!

    http://www.anzeigio.de

    Systemfrage: Wer investiert noch in “Public-Social Responsibility”?

    1. Soweit die schnöde Theorie, eines linkspopulistischen Verschwörungsfanatikers.
      Jetzt fehlt nur noch die Marschkolonne für die Abschaffung der Nationalstaaten und die Grundgesetzkonformität eines islamistischen Kalifats in Europa.
      Boris aus der Kolchose, geht Kaffee trinken, mit all den anderen “Rentnern” ohne Deutschkenntisse!

      1. Sorry, um Sie besser zu versteheh und das journalistisch einzuordnen!

        Sind Sie mündiger Bürger? Populist? Wutbürger?

        Oder “bölken” die Buchstaben nur so aus Ihnen heraus?

        Oder gehören Sie einer bezahlten Anonymous-Lobby an?

      2. Nein nein, Herr Springer, mit den ersten beiden Sätzen belegt er bereits, dass er ein kompetenterer Journalist ist, als Sie es jemals sein werden. Genau darum geht es.

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