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Hambacher Forst: Journalisten beklagen Behinderungen durch Polizei, DJV übt Kritik

Großeinsatz der Polizei im Hambacher Forst – Reporter berichten von Behinderungen durch Einsatzkräfte

Seit Tagen blickt Mediendeutschland zum Hambacher Forst, in dem sich Umweltaktivisten gegen die Rodung des Waldgebietes durch den Energiekonzern RWE wehren. Die Aktion sorgte für einen umstrittenen Großeinsatz der Polizei, die an der Räumung arbeitet. Dabei kam es offenbar auch zu Behinderungen von Berichterstattern. Journalisten beklagen das Vorgehen der Behörden, werden in ihrer Arbeit aber auch von Aktivisten bedroht.

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Die umstrittene Räumung des Hambacher Forsts, in dem der Energiekonzern RWE Braunkohle abtragen will, ist Stand Montagvormittag zur Hälfte vorangeschritten. Seit Jahren kämpfen Umweltaktivisten für den Erhalt der Waldfläche, seit einigen Tagen spitzt sich der Streit zu – eine Entwicklung, die Reporter aus ganz Deutschland nach Nordrhein-Westfalen lockt. Doch die Einsatzkräfte vor Ort scheinen die Arbeit mehrerer Berichterstatter verschiedener Medien offenbar zu behindern.
Darüber hatten am Wochenende einige Journalisten via Twitter berichtet. So schrieb der WDR-Journalist Jürgen Döschner, dass Reportern der Zugang zum Wald versperrt worden sei. „Angeblich Abstimmungsprobleme zw. Landes- u Bundespolizei“, lautete eine mögliche Begründung. In weiteren Tweets protokollierte er Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und dem eigenen Pressesprecher.

„Habe Situation als bedrohlich empfunden“

Derartige Vorfälle habe es allein im Beisein Döschners an drei verschiedenen Kontrollpunkten gegeben, wie der Reporter gegenüber MEEDIA berichtet. Dabei habe der Pressesprecher der Aachener Polizei immer wieder versucht, den Journalisten Zutritt zum Gelände zu verschaffen. Bundespolizisten hätten diesen aber verwehrt und den Polizeisprecher als nicht weisungsbefugt abblitzen lassen.
https://twitter.com/jdoeschner/status/1041268100266696704
Nach Überwinden einer zweiten Polizeisperre seien die Reporter erneut von Polizisten zu Fuß und auf Pferden aufgehalten worden, so Döschner. Die Stimmung sei mittlerweile aggressiver gewesen, Einsatzkräfte der Bundes- und Landespolizei seien lauter geworden. „Ich habe diese Situation – insbesondere wegen des Auftretens der berittenen Polizisten – als bedrohlich empfunden“, so der WDR-Journalist. Mathea Schülke, eine Kollegin, ergänzt: „Es ist für mich nicht ersichtlich gewesen, ob das Aufhalten von Journalisten aufgrund eines Kompetenzwirrwarrs zwischen Bundes- und Landespolizei entstand oder ob Taktik dahinter stand. Aufgrund des aggressiven Auftretens einiger der Polizisten würde ich allerdings letzteres vermuten.“
https://www.instagram.com/p/Bn1OLCUBoai/?taken-by=meedia.de
Nach insgesamt fast zwei Stunden seien die Reporter schließlich in den Wald gelangt und konnten sich „weitgehend ungehindert bewegen“, berichtet Döschner weiter. Zumindest habe es keine weiteren Zwischenfälle gegeben. Auf Anfrage von MEEDIA bei der einsatzleitenden Polizei in Aachen gab es bislang keine Rückmeldung.
Der Deutsche Journalistenverband betonte in diesem Zusammenhang die „große gesellschaftliche Bedeutung“ der Geschehnisse im Forst und appellierte an die Polizei, die freie Pressearbeit zu ermöglichen. „Was dort passiert, müssen die Menschen aus den Medien erfahren und nicht aus dem Polizeibericht“, so der Bundesvorsitzende Frank Überall.
https://twitter.com/sat1nrw/status/1040246119685672960
Polizisten sind unterdessen nicht die einzigen, die Journalisten vor Ort behindern. Auch zwischen Medienvertretern und Aktivisten kommt es vereinzelt zu Zusammenstößen, wie beispielsweise ein Reporter des Fernsehsenders Sat.1 protokolliert hatte.
Zu brenzligen Situationen oder gewalttätigen Übergriffen ist es bislang aber offenbar nicht gekommen.
Update 17.9.2018, 21.11 Uhr: Am frühen Abend hat die Polizei über ein Kommissariat des Landkreises Coesfeld auf die Anfrage von MEEDIA reagiert und die Komplikationen am Hambacher Forst bestätigt. Zuvor veröffentlichte die Polizei Aachen ohne Reaktion auf die Anfrage von MEEDIA eine Pressemitteilung, in der sie dies ebenfalls bestätigte. Nach Aussagen von Zeugen handelte es sich um mehrere Journalisten verschiedener Medien, die von der Polizei zeitweise vor Ort behindert wurden. 
 

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