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TV-Magazin “Akte 2018” lässt Thügida ein Interview live streamen, Sat.1 distanziert sich

Moderiert seit 2017 die Akte: Claus Strunz
Moderiert seit 2017 die Akte: Claus Strunz

In einem Beitrag über die Geschehnisse in Chemnitz und Köthen hat das Sat.1-Magazin Akte 2018 unter anderem Ausschnitte eines Interviews mit Thügida-Gründer David Köckert gezeigt. Ein Kollege Köckerts durfte das Interview mit Einverständnis der Redaktion in voller Länger live auf Facebook streamen, noch bevor die "Akte"-Redaktion die Sendung ausgestrahlt und das Gespräch damit eingeordnet hat. Sat.1 distanziert sich.

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Das Video ist noch immer auf der Facebook-Seite der rechten Thügida-Bewegung zu sehen. Es beginnt, bevor das Interview gestartet hat. Man sieht, wie der Sat.1-Redakteur Köckert gegenüber bestätigt, dass er mit einer Live-Übertragung des Interviews einverstanden ist. “Wir sind da ganz offen, dass das gemacht wird”, sagt der Redakteur, der Köckert später auch interviewen wird. Die einzige Bedingung sei, dass weder die Kameraleute noch die Räumlichkeiten zu sehen sind, weil die nicht zur “Akte”-Redaktion gehören würde. Köckert bestätigt: “Haben wir ja so abgemacht”.

Anschließend folgt die Kamera dem Thügida-Mann in den Nebenraum, wo bereits das Sat.1-Team die Technik aufgebaut hat. Das Interview, in dem es insbesondere um eine Straßenrede Köckerts in Köthen geht, wird anschließend ungeschnitten von der Handykamera aufgenommen. Man sieht, wie sich der Thügida-Gründer zu klar rechten und systemkritischen Aussagen hinreißen lässt. Auch gegen Journalisten teilt er aus: “Sicherlich brauchen wir in Zukunft Journalisten. Ich denke mal, in dem einen oder anderen Gefängnis brauchen die auch, sag ich mal, eine gute Gefängniszeitung. Es sollte jedem klar sein, dass man für die Lügen eines Tages abgestraft wird.” Der Redakteur entgegnet: “Sie greifen da eine große Gruppe an Journalisten an, also ich mein jeden Journalisten”. Auch auf die Anfrage der “Akte”-Redaktion habe Köckert zunächst mit dem Vorwurf der “Propaganda-Bande” reagiert.

Das fast 30 Minuten lange Live-Video erschien unter anderem auf der Thügida Facebook-Seite und wurde auch in anderen rechten Facebook-Gruppen verbreitet. Rund 41.000 Views hat der Clip auf Facebook, 727 Mal wurde er geteilt. In einem Kommentar dazu erklärt ein Admin der Seite: “Sat.1 hat den Live-Aufnahmen zugestimmt. Da Interviews durch die Systemmedien immer wieder geschnitten oder falsch dargestellt werden, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.” Andere Interviewanfragen habe Thügida abgelehnt, da die Sender einer Aufzeichnung nicht zustimmten. Man muss daher davon ausgehen, dass ohne die Aufnahme auch das Sat.1 Interview nicht zustande gekommen wäre. “Was Sat.1 letztendlich daraus macht, liegt nicht in unseren Händen.”

Die Intention der Rechten ist klar: Durch die Übertragung des Interviews wollen sie zeigen, wie wenig sie der Presse vertrauen. Die Frage bleibt, warum sich “Akte” auf das Spiel einlässt und sich so gewissermaßen zum PR-Gehilfen der Thügida macht. Denn natürlich könnte solch eine Aktion den Eindruck verstärken, als könnte niemand mehr Journalisten bei ihrer Arbeit vertrauen, als müsste jeder Interviewte fürchten beschnitten, zensiert und falsch dargestellt zu werden und daher stets das Gespräch mitfilmen. Stichwort: “Lügenpresse”.

Die “Akte”-Redaktion überlässt Thügida ein eigenes journalistisches Produkt, noch bevor es die Redaktion um Moderator Claus Strunz selbst verwertet und eingeordnet hat. Ginge es allein um Transparenz, hätte der Sender das Interview auf der Seite live streamen oder im Nachhinein ungeschnitten hochladen können.

“Das hätten wir nicht gebilligt”
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Der Sender Sat.1 hat sich gegenüber MEEDIA zu dem Vorfall geäußert. “Sat.1 war keine Absprache mit Herrn Köckert bekannt. Diese hätten wir auch nicht gebilligt”, sagt eine Sprecherin des Senders. “Wir distanzieren uns an dieser Stelle klar davon.”

Produziert wird “Akte” von der Firma “META productions”, die der Journalist und langjährige Akte-Moderator Ulrich Meyer gegründet hat. Dessen Geschäftsführer Matthias Pfeffer gegenüber MEEDIA:

Herr Köckert hat vorab angekündigt, das Video mit einer eigenen Kamera mitzufilmen und zu streamen, um sicherzustellen, dass sein Interview nicht im Rahmen der Sendung „akte 20.18“ verfälscht dargestellt wird. Die Redaktion hat dem zugestimmt, weil das öffentliche Interesse an dieser Figur der rechtsradikalen Szene nach seinem volksverhetzenden Auftritt in Köthen enorm war und wir zudem nichts zu verbergen haben.

Weitere Absprachen soll es nicht gegeben haben – und offenbar auch keine Diskussionen darüber. Da die Redaktion dem Mitfilmen direkt zugestimmt hat, ist nicht klar, ob die Thügida-Verantwortlichen das Interview abgesagt hätten, wenn es anders gekommen wäre. So haben sie es laut eigenen Angaben bei anderen Sendern gemacht.

Pfeffer sieht hingegen einen anderen Aspekt: “Hätten wir uns geweigert, dass Herr Köckert das Interview selbst mitfilmt, hätten er dies in den sozialen Netzwerken vielmehr zum Anlass genommen, um weiter Stimmung gegen die sog. Lügenpresse zu machen”.

Über mögliche Konsequenzen will der Sender nun gemeinsam mit dem Produzenten sprechen.

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Alle Kommentare

  1. Die Frage bleibt, warum sich “Akte” auf das Spiel einlässt und sich so gewissermaßen zum PR-Gehilfen der Thügida macht.

    Aha, wirsindThügida.
    Offenbar sind die Äußerungen scharf, pointiert aber so zutreffend, dass man bei ungeschnittenem Senden des Interviews sich zum “Gehilfen” macht.

    Kein Wunder, dass die zukünftigen Knast-Medienschaffenden sich so gierig und unreflektiert auf ein ausgesuchtes Videoschnipsel der Antifaproleten gestützt hat; mit der Wahrheit hat es mancher Journalist nicht so.

  2. Und Geschäftsführer Pfeffer hat wegen des “volksverhetzenden Auftritt” in Köthen Strafanzeige gestellt?
    Oder outed er sich hier bloß als rechtsunkundiger, aber dafür populistischer Hetzer?

  3. Tja die Zeiten ändern sich. Heutzutage kann eben jeder Journalist werden mit einer eigenen Plattform werden. Und wenn jemand mit einem Sender ein Interview führt, heißt das doch nicht, dass er die Rechte am Material für seine eigene Plattform abtreten muss. Schließlich schauen bei den “Rechten” Millionen zu.
    Eine Sendung, wie akte sollte sich doch freuen die Gelegenheit zu bekommen, auf den großen Kanälen mithilfe von Youtube Verbreitung zu finden.
    Ich glaube kaum, das akte die Million Zuseher von SpiegelTV erreicht..und selbst 1 Million Views ist in Youtube Zeiten mickrig. Das macht selbst einer der Kamera und Mikro für 70 euro in seinem Schlafzimmer hat und Zeitungsartikel kommentiert.

  4. Aha – ab jetzt nur das presseamtlich, mainstreamamtlich genehmigte Interview! Meinungsfreiheit soll kontrolliert werden. Das erleben wir täglich. Wo ist der Skandal, ein Interview wird live Wort für Wort ungeschnitten gesendet?? Weil die Einheitsmedien den Gesprächspartner nicht mehr verfälschen können.
    Selbstentlarvendes Zitat: “…noch bevor die “Akte”-Redaktion die Sendung ausgestrahlt und das Gespräch damit eingeordnet hat.”
    Seit wann muss man Interviews einordnen? Die sprechen für sich. Die Ost–Blockpresseämter ordneten Interviews an und ein. Soweit sind wir nach 1989 schon wieder. Was für trauriger und gefährlicher Journalismus!

  5. Verstehe die Aufregung nicht. Ein Interview wird vom Interviewten live gestreamt. Wenn er das so will – bitte schön. Der Vorteil für den Zuschauer: Die Sache ist zu 100 Prozent authentisch. Bitte mehr davon. Der Sender sollte seinen Strunz loben.
    Schlimm, leider journalistischer Alltag, ist was anderes: Der Interviewte fordert die Fragen schriftlich vorab. Die Redaktion spurt.
    Und/oder der zu Interviewende lehnt bestimmte Fragen von vornherein ab. Die Redaktion spurt.
    Und/oder er verlangt, das Interview vor Veröffentlichung zur Autorisierung vorgelegt zu bekommen. Und die Redaktion spurt.
    Speziell bei Live-Interviews wird im Vorfeld häufig explizit verlangt, auf unangenehme Themen nicht angesprochen zu werden. Selbstverständlich wird darauf untertänigst Rücksicht genommen. Denn wehe, es wird trotzdem getan. Dann kann sich der kecke Interviewer aber eine Pfeife anstecken. Die Politiker nutzen ihre Mittel und Wege, sich ihre Hofjournalisten zu dressieren und an der Kandare zu halten.
    Von diesen verwerflichen Praktiken sollte sich der Sender mal distanzieren, anstatt den Wenigen im Hause, die die Fahne des Journalismus noch hoch halten, ans Bein zu pinkeln. Schande! Schande! Schande!

  6. Herr Strunz als Verfechter rechter Ideologien und Chef-Stratege der AfD gehört einfach nicht mehr zur deutschen Medienlandschaft. Dieser Heuchler sollte seinen Platz bei SAT 1 Menschen räumen die für Demokratie in Deutschland stehen.

    1. Haben Sie auch Argumente oder Belege für Ihre ehrabschneidenden Äußerungen? Vermutlich nicht. Aber andere Leute diffamieren, das können Sie. Toll.

    2. ÄH, nochmal langsam! Da hat es jemand gewagt, ein Interview live zu streamen, damit es nicht manipuliert werden kann. Die Journalisten haben dem zugestimmt. Und jetzt werden die angegriffen, dass sie sich mal ausnahmsweise anständig verhalten haben???? KRANKE WELT!

      Also wenn es nach ihnen gegangen wäre, dann hätte man das natürlich nicht streamen dürfen, damit die “Journalisten” frei Hand bei der Manipulation haben???? Und Sie bezeichnen andere als Heuchler??? KRANKE WELT!

  7. Das aufzeichnen von IV wird immer wichtiger .
    Gerade dann wenn man Systemkritisch ist.
    Wer genauestens dokumentiert sehen möchte wie IV verfälscht werden, sollte sich das Imad Karim Video ansehen das dieses Thema behandelt. Hier erklärt Imad Karim anhand seines Mitfilmens wie der ARD Aussagen verfälscht.
    Einfach googeln
    Imad Karim 24 Minuten

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