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„Digitales radikal und ohne Kompromisse in den Mittelpunkt“: Funke Mediengruppe stellt Zeitungsstrategie auf den Kopf

Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo (re.), redaktioneller Digital-Chef Carsten Erdmann: “Print alleine verteidigen zu wollen, ist der falsche Weg“
Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo (re.), redaktioneller Digital-Chef Carsten Erdmann: "Print alleine verteidigen zu wollen, ist der falsche Weg“

Online first: Die Funke Mediengruppe schwenkt um, spät, aber konsequent. Das Essener Verlagshaus setzt bei den Zeitungstiteln - darunter Hamburger Abendblatt und WAZ - künftig massiv aufs Digitale und nicht auf Print. Dabei soll das Online-Team der Berliner Zentralredaktion eine entscheidende Rolle spielen. Die Neuausrichtung ist auch ein Signal an die Branche, alle Kraft aufs Digitale zu lenken.

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Bei der Funke Mediengruppe bahnt sich ein Strategieschwenk an. Das Regionalzeitungshaus, das sich bislang vor allem aufs Gedruckte konzentrierte, will das Zeitungsgeschäft künftig voll aufs Digitale ausrichten. „Wir gehen diese Offensive konsequent an und stellen das Digitale radikal und ohne Kompromisse in den Mittelpunkt. Print alleine verteidigen zu wollen, ist der falsche Weg“, sagt Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo. Damit schlägt Funke den Weg des Berliner Konkurrenten Axel Springer ein, der sich seit Jahren zu einem reinen Digitalverlag entwickelt.

Konkret: Statt Print will die Funke Mediengruppe bei seinen Zeitungen – darunter Hamburger Abendblatt, WAZ – künftig auf digitale Abomodelle zu setzen. So will der Essener Verlag über die Webportale seiner Zeitungsmarken Abonnements anbieten, die „technisch unkompliziert und auch über kurze Zeiträume abgeschlossen werden können“, so Funke. Hintergrund für den neuen unternehmerischen Kurs dürfte sein, dass Print bei den Lesern zunehmend an Akzeptanz verliert. Zudem dürfte das Zeitungshaus auf deutlich steigende Papierpreise reagieren. Die Neuausrichtung des Zeitungshauses ist ein deutliches Signal an die Branche, alle Kräfte aufs Digitalgeschäft zu lenken.

Die neue Konzernstrategie hatte sich bereits vor Wochen angekündigt. Beim Hamburger Abendblatt hatte der Verlag eine neue Online-Strategie getestet. „Ein Pilotprojekt beim Hamburger Abendblatt hat gezeigt, dass es eine wachsende Bereitschaft gibt, für regionalen und lokalen Qualitätsjournalismus im Netz zu zahlen“, betont Funke. Die Neuausrichtung dürfte aber auch die Arbeitsweisen in den Redaktionen ändern.

Wie MEEDIA bereits gestern berichtete, sollen die Arbeiten von Produktion und Reportern getrennt werden. Damit sollen die Journalisten mehr Zeit bekommen, um die Berichterstattung und damit die Qualität der Zeitungen zu verbessern. Unterstützung sollen die Nachrichtenportale der Zeitungen durch das Online-Team der Berliner Zentralredaktion bekommen. Die Einheit unter Leitung von Carsten Erdmann fungiere als „gruppenweiter redaktioneller Impuls- und Taktgeber“, heißt es. Fraglich ist, in welcher Größenordnung die neue Struktur zur personellen Verschiebungen führt.

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Zudem drohen bei der Bergedorfer Zeitung Einschnitte. „Angesichts der betriebswirtschaftlichen Situation der Bergedorfer Zeitung müssen wir handeln, um den Titel in die Zukunft zu führen“, erklärte ein Sprecher der Funke Mediengruppe gegenüber MEEDIA. Die dort einzusparenden Kosten könnten zu 80 Prozent durch Fluktuation, auslaufende Zeitverträge, Altersteilzeit und Auflösungsverträge aufgefangen werden, heißt es. Derzeit suche die Geschäftsführung mit den Mitarbeitern nach Lösungen, um „auch die letzten 20 Prozent eben nicht durch betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen.“ Deshalb sei es nicht richtig, dass es in „etwa zehn Kolleginnen und Kollegen trifft“.

Damit weist der Funke-Sprecher die Info des Betriebsrats zurück. Der hatte in einem Schreiben konkret betont: „Neben den ausscheidenden Bergedorfer Geschäftsführern Pirch und Claussen trifft es etwa zehn Kolleginnen und Kollegen. Letzte Klarheit besteht noch nicht.“ Auch zur Höhe der Sparmaßnahmen wurde der Betriebsrat deutlich. Wörtlich: „In Bergedorf sollen bei den Mitarbeitern 1,1 Millionen Euro eingespart werden, 600.000 in der Redaktion und 500.000 im Verlag. Das kann nicht mehr durch auslaufende Zeitverträge, Fluktuation, Verschiebung in andere Verlagsbereiche, Altersteilzeit und Auflösungsverträge aufgefangen werden“.

Hintergrund für die Sparmaßnahmen ist, dass die Bergedorf Buchdruckerei und die WBV Wochenblatt Verlag GmbH in die Verlustzone gerutscht sind. Gebündelt sind die beiden Tochterfirmen in der Zeitungsgruppe Hamburg. Sie gibt auch das Hamburger Abendblatt heraus: „Die Zeitungsgruppe Hamburg gibt das Hamburger Abendblatt heraus. Die Tochterfirmen schreiben leider rote Zahlen, das Hamburger Abendblatt definitiv nicht“, betont ein Sprecher der Funke Mediengruppe gegenüber MEEDIA.

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Alle Kommentare

  1. Ein kleiner Tipp an die Kollegen von Media. Bergedorfer Zeitung wie Hamburger Wochenblatt-Verlag haben jeweils eigene Betriebsräte. Wer denn erfahren möchte, was vor Ort los ist, sollte mal mit uns sprechen.

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