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Staffelstart von “Die Höhle der Löwen” bei Vox: Die Krallen sind leicht abgewetzt, aber noch scharf genug

Neu im “Löwen”-Rudel: Ex-ProSieben und -Premiere-Chef Georg Kofler
Neu im "Löwen"-Rudel: Ex-ProSieben und -Premiere-Chef Georg Kofler

Es war eine Rückkehr nach Maß für das Vox-Erfolgsformat "Die Höhle der Löwen". 18,8 Prozent Marktanteil für den Staffelstart in der jungen Zielgruppe sind ein absoluter Spitzenwert. Auch inhaltlich präsentierte sich die Gründershow unverändert stark. Die Macher versuchen erkennbar, das Interesse mit etwas mehr Drama unter den "Löwen" hochzuhalten. Das gelingt zum Auftakt, birgt aber auch Gefahren.

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Es war alles da, was “Die Höhle der Löwen” zum wohl erfolgreichsten Vox-Format macht: Interessante bis erstaunliche Erfindungen und Gründer, Konkurrenz unter den “Löwen” sowie das telegene Abkanzeln von utopischen Vorstellungen bei allzu nassforschen Startuppern. Neu ist in dieser Staffel, dass sich Judith Williams ihren Löwen-Stuhl mit dem früheren TV-Manager Georg Kofler teilt, was zu dem für Branchenfexe vielleicht ganz lustigen Umstand führt, dass Machtmann Kofler im Vorspann als einziger keinen eigenen Stuhl hat, sondern neben Frau Williams stehen muss.

Seine Rolle Löwen-Rudel muss Georg Kofler aber erst noch finden. Die Verteilung der Aufgaben ist ansonsten klar: Carsten Maschmeyer pocht darauf, dass die von den Gründern aufgerufene Bewertung viel zu hoch ist und sagt vorher gelernte Sinnsprüche auf. Frank Thelen redet irgendwas von Skalierbarkeit. Ralf Dümmel prahlt mit Regalmetern oder erklärt, er werde “Deutschland zupflastern” mit dem Plastikzeugs, was ihm da gerade wieder vor die Flinte gelaufen ist. Judith Williams hat die Beauty-Kompetenz, und Dagmar Wöhrl brauchte nur wenige Sekunden in der neuen Staffel, um mal wieder darauf hinzuweisen, dass sie ja in einem “Familienunternehmen” tätig ist.

Auch die Medien bekomme ihren Teil vom “DHDL”-Aufmerksamkeits-Kuchen, wenn dann nach der Sendung irgendwelche Deals völlig überraschend doch platzen, wie aktuell die Maschmeyer-Investition in eine sauteure, smarte Glas-Mosaik-Wand. Das mögliche Scheitern eines solchen Handels wurde in der Sendung sogar schon ein bisschen vorweggenommen, indem “Maschi” dem Zuschauer erklärte, dass man ja erst einmal eine Due-Dilligence-Prüfung machen müsse, um zu schauen, ob die Angaben aus der Präsentation alle korrekt sind. Auch das gehört zum üblichen “DHDL”-Zirkus.

In der vergangenen Staffel hatte Kofler Judith Williams krankheitsbedingt vertreten und dabei den Part eines “Ich kauf alles”-Typen übernommen. Wo die anderen Löwen zurückzuckten, stieg er beherzt mit ein. Der Neue darf halt noch nicht so wählerisch sein. Mal schaun, ob das zu seinem Markenzeichen wird. Neben der Halb-Neuverpflichtung Kofler, tönte der Sender im Vorfeld, dass diesmal in einer Staffel mehr Kohle rausgehauen wird als in allen Staffeln vorher zusammen. Außerdem seien die Gründer-Ideen jetzt so “mega” (ein neues Lieblings-Wort der Löwen), dass sich die Investoren um die Gründer zanken müssten und nicht mehr nur die Gründer die Geldgeber überzeugen.

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Damit versucht Vox verständlicherweise das Drama hochzuhalten. Entsprechend sahen wir in der ersten Folge gleich viel Getuschel unter den Löwen, und es entspann sich eine Bieterschlacht um das neuartige Wunder-Haarschneidegerät eines umtriebigen Frisör-Meisters. Statt der verlangten 500.000 Euro bekam der gute Mann gleich eine Million aufgetischt und falls das nicht reiche, gebe es noch mehr, lockte Carsten “die Maschine” Maschmeyer. Der Frisör ging dann aber natürlich doch lieber zum dynamischen Duo Williams/Thelen – wer kann es ihm verdenken? Zumal die beiden auch eine Mio. auf den Tisch legten.

“DHDL” folgt insofern der klassischen Dramaturgie eines TV-Formats. Der Neuigkeitseffekt ist ein bisschen abgewetzt, also werden die Summen erhöht, und man setzt auf Konflikte. Das funktioniert, wirkte in der Auftaktfolge der neuen Staffel aber auch hier und da ein kleines bisschen einstudiert. Es ist ein gängiges Prinzip, dass TV-Sender bei Abnutzungserscheinungen eines Formats anfangen, an der Drama-Schrauben zu drehen und mehr und mehr Elemente vorgeben, “scripten”, wie das heißt.

Das “beste” Beispiel dafür ist die RTL-Show “Deutschland sucht den Superstar”, die einst als Musik- und Talentshow begann und mittlerweile zu einer Art Trash-Dokusoap mutiert ist. Dieses Schicksal bleibt der “Höhle der Löwen” hoffentlich erspart. Der starke Staffelstart zeigt, dass die Sendung weiterhin Kraft hat, der Kern der Show funktioniert. Dass die Macher Änderungen bislang nur behutsam und sehr dosiert einführen, spricht dafür, dass sie ihre Marke pfleglich behandeln möchten. Das würden vermutlich auch die “Löwen” raten.

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