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Springer will tarifliche Gehaltserhöhung verrechnen: Betriebsräte protestieren in offenem Brief an CEO Döpfner

Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner
Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner

Nach Tarif angestellte Journalisten des Axel-Springer-Konzerns sollten in diesem Jahr nicht mit einer geregelten Gehaltserhöhung zu rechnen. Wie der Betriebsrat erklärt, werde der Vorstand die zugesagten 1,9 Prozent mit außertariflichen Zulagen verrechnen. Eine "neuerliche Nullrunde für viele Kollegen", so die Kritik. Der Konzern verteidigt sich mit der Marktentwicklung.

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Die Mitteilung an die Mitarbeiter sei ganz und gar nicht ihre Aufgabe, schreiben Gesamt- und Bild-Betriebsrat, aber die Personalabteilung habe dies für sich abgelehnt. In einem offenen Brief an CEO Mathias Döpfner, der auch MEEDIA vorliegt, erklären sie, dass nach Tarif angestellte Journalisten des Hauses in diesem Jahr mit keiner geregelten Lohnerhöhung rechnen können. Der Verlag behalte sich vor, die 1,9 Prozent Gehaltssteigerung (rückwirkend zum Mai 2018), die Gewerkschaften und der Arbeitgeberverband BDZV ausgehandelt hatten, mit außertariflichen Zulagen zu verrechnen.

“Eine neuerliche Nullrunde für viele Kollegen”, schreibt der Betriebsrat, der mit seinem Brief für ein Umdenken beim Vorstandschef sorgen will und vor allem Gerechtigkeitsaspekte anspricht. Während sich Aktionäre des Konzerns in den vergangenen Jahren über steigende Dividenden freuen durften (zuletzt lag sie bei zwei Euro pro Aktie) sowie Umsätze wie Gewinne weiter klettern (Springers Halbjahres-Ebitda legte zuletzt um zwölf Prozent auf 355 Mio. Euro zu), gestehe man den Angestellten nicht einmal den Inflationsausgleich zu. “Hart trifft es die vielen Redakteurinnen und Redakteure im Haus, die seit Jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen haben und sich mit ihrem Netto immer weniger leisten können”, so die Betriebsräte. Die ausfallende Erhöhung für Tarifangestellte werte man auch für außertariflich Beschäftigte als schlechte Nachricht. “Auch sie dürfen wohl Gehaltssteigerungen in den Wind schreiben.”

Nach Konzernangaben betrifft die aktuelle Entscheidung rund zwei Prozent der Gesamtbelegschaft. Im Geschäftsbericht für das vergangene Jahr listete Axel Springer weltweit 15.836 Mitarbeiter auf. Betroffen sind demnach etwas mehr als 300 Mitarbeiter, die noch in der Bild GmbH & Co. KG angestellt sind. Seit 2014 nimmt Springer die Anstellung neuer Mitarbeiter überwiegend in außertariflichen Gesellschaften wie beispielsweise der Bild KG vor.

Der Ausfall der tariflichen Lohnerhöhung ist für die etwas mehr als 300 Mitarbeiter eine schlechte Nachricht in komfortabler Position. Es bedeutet, dass die Journalisten bereits über dem Tarif entlohnt werden, mit der 1,9 prozentigen Erhöhung würde aber das Grundgehalt gesteigert und an die Inflation angepasst. Dass die Zulagen nun angerechnet werden, empfinden die Arbeitnehmervertreter als ungerecht. “Man darf davon ausgehen, dass übertarifliche Zulagen nicht ohne Grund gezahlt werden, sondern auf Grund guter oder sehr guter Leistungen, oder weil man den ein oder anderen sonst nicht von Axel Springer als Arbeitgeber hätte überzeugen können.”

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Bemerkenswert ist auch, dass Döpfner Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ist, der den Manteltarif ausgehandelt hat. Darüber hinaus einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auf eine einmalige Sonderzahlung in Höhe von 500 Euro – diese wird gezahlt und darf nicht mit den 1,9 Prozent verrechnet werden.

Kritik kommt auch seitens der Gewerkschaften. „Die außerordentlich gute wirtschaftliche Lage bei Springer ist auch den jetzt Betroffenen zu danken“, kritisiert DJV-Hauptgeschäftsführer Kajo Döhring. Es sei bemerkenswert, dass CEO und Verlegerpräsident Döpfner das ausgehandelte Tarifergebnis im eigenen Verlag nicht durchgängig umsetze, während die Vorstände “Rekordbezüge” erhielten.

Das Unternehmen verteidigt seine Position mit den Entwicklungen am Markt der Tageszeitungen. Seit Jahren schwinden die Auflagen, das Anzeigengeschäft erodiert. Auch Springer verdient einen großen Teil seiner Umsätze mittlerweile im nicht-journalistischen Digitalgeschäft. Gegenüber MEEDIA führt eine Konzernsprecherin weiter aus: “Die gute Entwicklung des Unternehmens und die Sicherung der Arbeitsplätze bei Axel Springer sind nur deshalb möglich, weil wir schon in der Vergangenheit immer rechtzeitig moderate Maßnahmen ergriffen haben. Die bekannten strukturellen  Veränderungen können und dürfen wir nicht ignorieren, um auch weiterhin Wachstum für das Unternehmen zu erzielen und damit attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, die Anzahl der Mitarbeiter kontinuierlich zu steigern und das wollen wir so auch beibehalten.“

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Alle Kommentare

  1. Also diejenigen die uns seit Jahrzehnten im Auftrag des seriösesten aller seriösen, des qualitativsten aller Qualitätsverlage von Herzen und mit der richtigen Haltung die Segnungen neoliberaler Reformen verkaufen, die protestieren jetzt wenn sie selber in den Genuss der Besten aller Ideologien kommen?

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