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Wochenrückblick: Erstaunlich, wer da so alles für die Spiegel-Chefredaktion im Gespräch war …

In diesem Wochenrückblick: Nazi-Pranger in der Bild, Fast-Spiegel-Chefredakteur C. Schwennicke, Frauenversteher Leif Lasse Andersson, Ulle-Versteher Dirk Amarell
In diesem Wochenrückblick: Nazi-Pranger in der Bild, Fast-Spiegel-Chefredakteur C. Schwennicke, Frauenversteher Leif Lasse Andersson, Ulle-Versteher Dirk Amarell

Die Zeit offenbarte diese Woche, wer so alles für den Posten des Spiegel-Chefredakteurs in Frage kam. Die Bild pflegt eine Kolumne für unrasierte, alte, weiße Männer und stellt Nazis an den Medienpranger. Und der Kölner Express ruft dazu auf, Jan Ullrich vor den eigenen Artikeln bitte in Ruhe zu lassen. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Vor ein paar Tagen war im Spiegel ein großes Stück über die Zeit und eine dort angeblich herrschende Führungskrise zu lesen. Diese Woche widmete wiederum die Zeit der anstehenden Demission von Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer eine ganze Seite im Wirtschafts-Ressort. Die Zeit-Geschichte über “Misstrauen, Intrigen und ein buntes Casting” fiel dann aber vergleichsweise zahm aus. Noch-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer kommt dabei ganz gut weg als einer, der sich nicht dem Willen der Mitarbeiter KG beugen wollte und gemeinsam mit Online-Chefin Barbara Hans kurz vor seinem Rauswurf noch ein Konzept für die Redaktionsfusion Print/Online ausgetüftelt hat. Bemerkenswert ist für Branchen-Heinis an dem Text aber vor allem die Aufreihung, mit wem alles über den Spiegel-Chefposten geredet worden sei. Da wären also NDR-Frau Anja Reschke, die beim Spiegel eine viel beachtete und gelobte Blattkritik gehalten haben soll. Der aktuelle Co-Chefredakteur der Süddeutschen, Wolfgang Krach. Holger Stark, selbst Mitglied der Zeit Chefredaktion, der mit einem Tweet die Berichterstattung über den Spiegel-Chefwechsel erst losgetreten hatte. Dann noch einigermaßen überraschend Handelsblatt-Vize Sebastian Matthes und Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke. Der war zwar schon mal stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros beim Spiegel, aufgrund des konservativen Profils des Cicero wäre er unter Umständen bei den alten Kollegen aber nur schwer vermittelbar gewesen. Man erinnere sich an das Gedöns, als Wolfgang Büchner (wer erinnert sich?) Bild-Mann Nikolaus Blome kurzzeitig zum Sturmgeschütz der Demokratie holte. Angeblich waren der Vertrag mit Schwennicke schon so gut wie unter Dach und Fach. Was die Verpflichtung dann letztlich verhinderte – man weiß es nicht. Die nun erfolgte Ernennung von Manager Magazin-Chefredakteur Steffen Klusmann zum Vorsitzenden der Spiegel-Chefredaktion ist jedenfalls die weitaus langweiligere Personalie. Wobei: So ein bisschen lange Weile in Sachen Führungswechsel tut dem Spiegel vielleicht auch mal ganz gut.

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Ist Ihnen schon die Ü50-Männer-Kolumne “Die unrasierte Wahrheit” in der Bild aufgefallen? Verfasst wird die von einem gewissen Leif Lasse Anderson. Das ist ein ganz toller Hecht, der auch via Twitter gerne den einen oder anderen Schenkelklopfer raushaut.

Vice hat sich nun an Leif Lasse Andersson abgearbeitet und der Text (der von Vice, nicht die unrasierte Ü50-Kolumne) ist durchaus amüsant zu lesen. Interessant auch, dass es sich bei Leif Lasse Andersson um ein Pseudonym handelt (wer hätte es für möglich gehalten?). Der Träger des Pseudonyms soll laut Vice Mitglied der Bild-Chefredaktion sein, über 50 (natürlich), drei Kinder haben und seit über 20 Jahren als Journalist arbeiten. Fröhliches Raten!

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Bild hatte für einiges Aufsehen gesorgt, als die Zeitung nach den G20-Krawallen von Hamburg Fotos von polizeilich gesuchten Randalierern samt Fahndungsaufruf veröffentlichte. Dafür gab es dann eine Missbilligung durch den Presserat. Nicht wegen der Veröffentlichung der Bilder an sich, sondern wegen des Fahndungsaufrufs. Die Abgebildeten würden hierdurch an einen öffentlichen Medienpranger gestellt, so der Presserat. Nach den Krawallen von Chemnitz fragte nun Übermedien-Macher Boris Rosenkranz, ob Bild “aus all den Hitlergrüßen in Chemnitz auch so eine funny Fahndungs-Collage” basteln würde, wie einst mit den Fotos der G20-Randalierer.

Womöglich hat Rosenkranz nicht damit gerechnet, aber die Bild hat es – so ähnlich zumindest – tatsächlich gemacht:

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Mal sehen, ob es nun auch wieder Beschwerden bei Presserat gibt. Die Hitler-Grüßer werden von der Bild allerdings in sehr viel kleinerer Aufmachung gesucht als damals die “Krawall-Barbie” von G20, die es auf den Titel schaffte. DerNeo-Nazi-Fahndungsaufruf ist in der Freitags-Ausgabe auf Seite 3, ganz unten. Woran das wohl liegen mag?

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Zum Schluss noch ein paar Grüße ins Glashaus, in dem die Express-Redaktion in Kölle sitzt. In einem Kommentar in der Boulevardzeitung forderte Dirk Amarell, man solle den gefallenen Rad-Helden Jan Ullrich “endlich gesund werden” lassen. Gut gemeint aber das Gegenteil gemacht. In derselben Express-Ausgabe, in der der “Lasst Ulle in Ruhe”-Kommentar steht, wird mit “Ullrichs Sex-Beichte” groß aufgemacht. Motto: Was stört mich das Geschwätz von Seite 2? DWDL-Chefredakteur Thomas Lückerath hat den Fall von Boulevard-Schizophrenie auf Twitter zu recht aufgespießt.

Ein schöne Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt diesmal über die Medien und die Krawalle von Chemnitz, über den Wirbel um das neue Buch von Thilo Sarrazin und über das sehenswerte Doku-Format “Unsere Schule” bei Vox. Viel Spaß beim Reinhören!

Korrektur-Hinweis: In einer ursprünglichen Version dieses Textes hieß es, die Neon-Nazis hätten es mit dem Fahndungsaufruf nicht an den “Print-Pranger” der Bild geschafft und seien nur online veröffentlicht worden. Das war ein Fehler, tatsächlich wurde der “Fahndungsaufruf” auch in der vergangenen Freitags-Ausgabe der Bild-Zeitung auf Seite 3 unten relativ klein abgedruckt. Ich hatte das übersehen und bitte, den Fehler zu entschuldigen.

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