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Sendepause für Hinrich Lührssen: AfD-Funktionär bekommt keine Aufträge von Radio Bremen mehr

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Radio Bremen (RB) vergibt keine Aufträge mehr an den freien Fernsehreporter Hinrich Lührssen, solange der 59-Jährige im Landesvorstand der AfD sitzt. Das hat jetzt die Leitung der kleinsten ARD-Anstalt beschlossen. Nach Angaben des Senders ist nicht die Parteimitgliedschaft der Grund dafür, sondern die Funktionärstätigkeit, denn sie vertrage sich nicht mit der politischen Unabhängigkeit von RB.

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Von Eckhard Stengel

Der bislang parteilose Lührssen war Anfang Juni in die AfD eingetreten und bereits nach wenigen Wochen zum Mitglied des Landesvorstands aufgestiegen: Die Bremer Parteiführung berief ihn als zusätzliches Mitglied in das Gremium.

Für Radio Bremen kam Lührssens politisches Engagement völlig überraschend. Vertreter der Unternehmensleitung trafen sich in den vergangenen Tagen zweimal mit ihm. Schließlich fiel jetzt die Entscheidung: Lührssen erhält keine Aufträge mehr, solange er Mitglied des Landesvorstands ist. „Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, abgewogen und geprüft“, sagte RB-Pressesprecher Michael Glöckner am Donnerstag zu MEEDIA.

In einer Stellungnahme, über die vorab die Süddeutsche Zeitung berichtete, begründet die Unternehmensleitung ihre Entscheidung so: „Die Mitgliedschaft in einer Partei ist Privatsache und Radio Bremen fragt seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch nicht danach, welche Partei sie unterstützen. Etwas anderes ist eine herausgehobene Funktion in einer Partei: Ein Partei-Funktionär handelt nicht mehr nur als Bürger, sondern vertritt offiziell eine Parteilinie und ist ein Repräsentant seiner Partei.“ Funktionäre aber dürften nicht als Journalisten im Programm auftreten. „Dies gilt für alle politischen Parteien gleichermaßen.“

Für den Sender sei es „entscheidend wichtig“, in seinen Programmen die politische Unabhängigkeit zu wahren, so die RB-Erklärung weiter. Programmdirektor Jan Weyrauch: „Für unser Publikum soll immer klar sein, dass Radio Bremen seine redaktionellen Entscheidungen jenseits aller Parteipolitik trifft. Wir sollten schon den Anschein vermeiden, dass dies anders sein könnte. Unsere Glaubwürdigkeit steht an erster Stelle.“

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Nach Angaben von Chefredakteurin Andrea Schafarczyk hat sich RB schon vor einiger Zeit auf einen Ehrenkodex verständigt, der für alle redaktionell Mitarbeitenden gelte. Sie müssten „professionelle Distanz zu den Gegenständen ihrer Berichterstattung wahren, d.h. auch zu Politikerinnen und Politikern“, so Schafarczyk. „Auch bei beruflichen oder privaten Nebentätigkeiten darf diese Unabhängigkeit nicht berührt werden.“

Abschließend hebt die RB-Erklärung hervor, dass der Auftragsstopp für Lührssen nur für die Zeit gelte, in der er im Landesvorstand sitze.
Auf Nachfrage von MEEDIA mailte der Reporter in alter Rechtschreibung: „Ich bedauere diese Entscheidung. Ich bin mir sicher, daß viele Zuschauer mich vermissen werden.“ Im Landesvorstand sitze er ohne Stimmrecht. Er sei per Vorstandsbeschluss dorthin berufen worden. Eine reguläre Wahl durch eine Mitgliederversammlung sei erst für 2019 vorgesehen.

Der 59-Jährige arbeitet auch für „stern TV“, nach seinen Angaben seit 28 Jahren. Von dort erhält er derzeit ebenfalls keine Aufträge. „Es sind auch keine in Sicht“, so Lührssen. „Nach 28 Jahren Zusammenarbeit wären sicherlich weitere Beiträge möglich gewesen. Es besteht selbstverständlich ein Zusammenhang mit dem Sitz im AfD-Landesvorstand“, vermutet er. Thomas Konzett, Sprecher der zuständigen Produktionsfirma „i&uTV“, erklärte dazu auf MEEDIA-Nachfrage: „Die Aussage von Herrn Lührssen ist uns neu. Bislang haben wir mit ihm nicht darüber sprechen können. Fest steht, dass unabhängig von der momentanen Diskussion kein aktueller Einsatz von Hinrich Lührssen geplant war und ist.“

Der freie Reporter hatte seinen AfD-Beitritt damit begründet, dass Bremen eine „starke konservative Kraft“ brauche, die „auf die Sorgen der Bewohner endlich eingeht“. Abweichend von der Parteilinie tritt er dafür ein, die öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin mit Gebühren zu finanzieren. Die Bremer AfD gilt als besonders rechtslastig. Laut Medienberichten unterhalten Parteifunktionäre sogar Kontakte zu den rechtsextremen „Identitären“.

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Alle Kommentare

  1. “Schweigen können zeugt von Kraft,
    Schweigen wollen von Nachsicht,
    Schweigen müssen vom Geist der Zeit.”

    (Carl Julius Weber)

    1. Da werden die Medien mal von möglicher parteipolitischer Einflussnahme befreit, dann ist es den „Lügenpresse“-Schreihälsen auch nicht recht: Es trifft ja einen von ihnen! Wie bigott ist das denn?

  2. Bemerkenswert daran ist schon einmal der Satz der politischen Unabhängigkeit von Radio Bremen. Als jemand, der seit über 30 Jahren mit der Politik in Bremen vertraut ist, grenzt das schon an Frechheit. Ich erinnere mich noch an zwei aufmüpfige Reporter von buten&binnen in den frühen 80ern, als der regierende Bürgermeister sagte, wenn der noch was werden will, dann soll er mal schön vorsichtig sein. Also rb ist eine Unterabteilung der regierenden SPD und ein wenig auch der Grünen.
    Die größte Frechheit aber ist die Behauptung, dass Lührssen Vorstandsmitglied der AfD ist. Er wurde auf Grund seines Sachverstandes in den Vorstand kooptiert, hat dort aber keine Rechte eines gewählten Vorstandsmitgliedes. Das zur Behauptung eines “Politikwissenschaftlers”, er würde die Politik der AfD mitbestimmen.
    Das ist ein klassischer Fall eines Berufsverbotes und ein schwerer Eingriff in die Pressefreiheit.

    1. Das ist exakt der Punkt, der mich jedesmal richtig aufregt. Sie gehen in ihrer Borniertheit offensichtlich davon aus, daß außerhalb ihrer Blase niemand die manipulativen Chiffren und dreisten Methoden durchschaut, mit der sie eine bestimmte Gesinnung verpflichtend machen wollen, eine Verhöhnung der Rezipienten. Ein Kodex journalistischer Unabhängigkeit, das assoziiert US-Medien, die in der Regel einen solchen vorgeben und bei dem schon die Teilnahme an einer Demonstration und an Aktionen in sozialen Netzwerken sanktioniert werden. Bei Radio Bremen, wo “Haltungsjournalismus” Pflicht ist, Realsatire.

  3. Wenn du nicht meiner Meinung bist, dann zerstöre ich halt deine berufliche Existenz: Deutschland im Jahr 2018. Bitter, ein Armutszeugnis für die öffentlich-rechtlichen Medien!

      1. Leser sagt:
        30.08.2018 um 14:24 Uhr

        Wenn du nicht meiner Meinung bist, dann zerstöre ich halt deine berufliche Existenz: Deutschland im Jahr 2018. Bitter, ein Armutszeugnis für die öffentlich-rechtlichen Medien!

        Ganz meine Meinung!

        Schulze Ulrich sagt:
        30.08.2018 um 17:11 Uhr

        nichts verstanden vom Thema und den Grundrechten. Schade.

        Das nicht … ! Was hat das mit Grundrechten zu tun?

  4. Aber ein lt. Spiegel Online ehemaliger Wahlkampfleiter der Grünen bekommt eine hohe Positionen im Haus, eine eigene Redaktion und die Erlaubnis, gegen Andersdenkende zu hetzen und diese zu Nazis zu erklären – man erinnere sich an die Debatte um Akif P. – nachzulesen in “Attacke auf den Mainstream” von Pirençci und Lombard (Hrsg.).

    Was noch? Die Zugangsberechtigungen zum Rundfunkrat werden geändert, um die AfD draußen vor zu lassen; gegen den Mainstream andenkende Künstler (Beispiel Xavier Naidoo) werden nicht mehr gespielt, nachdem ein Song der Söhne Mannheims einseitig interpretiert und rechts verortet wird (die Debatte kann man ja auch bei Meedia nachlesen), während ebenso eindeutig linksextrem verortbare Bands wie Feine Sahne Fischfilet in Sendungen eingeladen werden.

    Dass all dieses radikal auf die Radio Bremen-interne Redaktionskommunikation umschlägt, in der wahrscheinlich nur noch Linksmeinungen gelten und geduldet werden, darf zumindest vermutet werden…

    1. WAS haben wir denn von DIESEN Leuten erwartet ? Sie wollten schon 68 eine Räte- Diktatur- nun sind sie erst mal Rundfunkräte geworden. Komisch ? Wer darüber noch lachen kann.

  5. Korrektur eines Flüchtigkeitsfehlers in meinem Kommentar: Das ‘ebenso’ gehört natürlich nicht in den Satz um Naidoo und FSF und bleib beim Kürzen meiner Erstfassung übrig.

  6. Die „politische Unabhängigkeit“ von Radio Bremen ist ja hinreichend bekannt. Diese allen Ernstes zu behaupten, grenzt schon an Satire. Für mich sind solche verdeckten Berufsverbote ein Rückfall in finsterste Zeiten, egal mit welchen Ausreden sie beschönigt werden.

  7. Es kommt beim Journalismus wie in jedem Beruf nicht auf die politische Funktion, sondern auf die Arbeit an. Neutral berichten muss man auch dann, wenn man eine klare politische Meinung hat und diese öffentlich vertritt. Wer dazu fähig ist, darf nach GG Art. 3 nicht wegen seiner politischen Funktion benachteiligt werden.

    Soviel zu den journalistischen Grundsätzen, die von einer Menge Medienleuten mit Füssen getreten werden. Vieles was man – auch in GEZ finanzierten Medien – liest und sieht ist Systempropaganda. DOPPELMORAL!

  8. was, wenn ich – wegen eines Auenleidens – richtig gelesen habe, der Hinweis . . . “in alter Rechtschreibung . . .” ?

  9. Wenn AfD-Mitgliedern aus im Grunde egal welchen Gründen verboten wird, einen Beruf auszuüben, mit dem sie in der Öffentlichkeit stehen, finde ich das per se begrüßenswert. Wenn’s nach mir ginge, dürfte es auch keine Richter oder Polizisten mit AfD-Partbeibuch geben. Und einige der AfD-Sprachrohre müssten für ihre multiplen verfassungswidrigen Äußerungen im Gefängnis sitzen.

    Dass Ihr AfD-Freaks Euch immer wieder gern auf Prinzipien des Rechtsstaats und der Meinungsfreiheit beruft, obwohl diese Partei -zig Mal bewiesen hat, dass sie von beidem nichts hält, ist schon kurios. Genauso kurios wie der rechte Mob in Chemnitz, der wegen eines getöteten Linken auf die Strasse geht.

    Ich fand den Lührssen auch immer lustig – seit ich weiß, dass er in der AfD ist, möchte ich ihn nicht mehr sehen.

    1. Den Linken war der Tote egal bis es eine Demo gab.Er wurde sogar als Rechter hingestellt…

      Anscheinend verfolgen sie keine Nachrichten,sonst wüssten sie das dies nicht der erste Vorfall in Chemnitz war.

      paar Beispiele:
      https://www.freiepresse.de/chemnitz/sexuelle-uebergriffe-in-chemnitz-fast-jeden-tag-ein-neuer-fall-artikel10222057

      Und in Deutschland dürfte wie auch in Wien nur 1% aller Straftaten überhaupt veröffentlicht werden-keine VT sondern eine Untersuchung des Linken CORRECTIV.

  10. Dieser Staatsfunk hat jegliche Legitimation verloren und kann seine regierungskonforme Meinungsmache nur weiter betreiben, weil er seinen Segen von den höchsten Richtern dieses Landes hat, die ebenfalls von der Politik eingesetzt werden. Deutschland verwandelt sich in großen Schritten in eine Bananenrepublik.

    1. Keine Schritte.
      Da sind wir längst.

      Sonst wäre die tiefgreifende Umvolkung nicht ohne heftigste parlamentarische Diskussionen möglich gewesen.

  11. „professionelle Distanz zu den Gegenständen ihrer Berichterstattung wahren, d.h. auch zu Politikerinnen und Politikern“

    *rofl*

  12. Die Alt-Nazis haben es genauso gemacht, wie die Neo-Nazis in der Bremer Anstalt. Da lungert die Pressesprecherin der Fraktion der Linken ungeniert im Rundfunkrat rum, sehen aber die politische Unabhängig von RB in Gefahr, wenn ein freier Reporter Beiträge verfasst.
    Dämlicher gehts nicht mehr.

  13. Dafür sitzt eine durch Kopftuch ausgewiesene Islamistin im Rundfunkrat.
    Bremen – a shithole.

  14. Der derzeitige Intendant Bremens ist Klaus Sondergeld. Er war Sprecher einer Bremer SPD-Regierung. Die Rundfunkräte haben meist Parteizugehörigkeit, da nimmt man es mit der Überparteilichkeit offensichtlich nicht so genau…..Wunder über Wunder…

    1. Gaaaaaanz schlecht recherchiert! Intendant von Radio Bremen ist Jan Metzger. Klaus Sondergeld ist Vorsitzender des Rundfunkrats.

  15. Ab sofort seid ihr bei mir passee!! Ein durchsetzter Schleimhaufen mit SPD und Grünen.

  16. Die Absätze über die parteipolitische Unabhängigkeit von Radio Bremen sind Comedy pur. Niemand, nicht mal ein seit Geburt in rote Wolle gefärbter SPD-Funktionär, könnte die Worte “parteipolitische Unabhängigkeit” und “Radio Bremen” in einem Satz unterbringen ohne losprusten zu müssen. Im Ernst, hört euch einmal die Nachrichten dieses Senders an und ihr wisst woher der Wind weht.

  17. Die AfD will die BRD nach ihrem Gusto ausmisten, wenn man mal an der Macht ist. Oft genug kann man das aus der Partei hören.
    Wohlgemerkt nach ihrem Gusto. Nicht nach dem des Grundgesetzes! Wer nicht begreift, dass diese Partei am liebsten von Tür zu Tür gehen würde um zu prüfen wie “deutsch” die Bürger dieses Landes sind, der bemerkt auch den Tritt eines Pferdes mitten in sein Gesicht nicht mehr.

    Zu der Behauptung es handele sich bei der AfD um eine rechtstreue Partei die das Land, die Gesetze und die Menschen schützen möchte, gehört eine für normal denkende Menschen kaum zu ertragende Minusintelligenz bei der pathologische Ignoranz die Führung übernommen hat.

  18. Warum war das bei Michel Friedmann damals kein Problem? Der war im CDU Bundesvorstand und gleichzeitig für den ÖR tätig.

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