Anzeige

Verlage stürmen und die Mitarbeiter auf die Straße zerren: die Gewaltfantasien der AfD-Hochtaunus gegen Journalisten

Während in Chemnitz der braune Mob „Das System ist am Ende, wir sind die Wende“ brüllte, sinnierte die AfD-Fraktion im Hochtaunuskreis bei Facebook öffentlich darüber, dass bei einer „Revolution“ Funkhäuser und Presseverlage gestürmt und Mitarbeiter „auf die Straße“ gezerrt würden. Darüber sollten die “Medienvertreter” nachdenken, “denn wenn die Stimmung endgültig kippt ist es zu spät!”. Später kippte bei der AfD selbst die Stimmung sie änderte den Text. Doch Facebook vergisst nicht.

Anzeige

Besucher der Facebook-Seite der AfD-Fraktion Hochtaunus sehen mittlerweile über einer Zitat-Kachel mit dem Foto von “Tagesthemen”-Anchor Ingo Zamperoni einen kritischen, aber nicht übermäßig scharfen Text. “Auch für Medien gibt es Grenzen”, heißt es dort nun. Diese Grenzen seien in der Berichterstattung über Chemnitz deutlich überschritten worden. Der Text endet mit einer typischen Tirade in Richtung der vermeintlichen Systemmedien:

Merken die Pressevertreter nicht, dass es im Volk brodelt und sie sich immer mehr zum bloßen Hofberichterstatter eines sich an die Macht klammernden Systems machen, das immer mehr Menschen durchschauen?

Tatsächlich sind diese Sätze die abgeschwächte Version einer unverhohlenen formulierten Drohung gegen Journalisten, die dort zuvor zu lesen war. Mit Hilfe der Facebook-Funktion “Bearbeitungsverlauf” lässt sich für Interessierte nachvollziehen, wie der Text wenige Stunden zuvor noch lautete. Dort hieß es:

Zu Beginn einer Revolution haben die Staatsberichterstatter noch die Chance sich vom System abzuwenden und die Wahrheit zu berichten!
Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Presseverlage gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten die Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken, denn wenn die Stimmung endgültig kippt ist es zu spät!

Entdeckt wurde die Attacke auf die Pressefreiheit vom Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse, Matthias Thieme. In einem Kommentar zu dem Posting und den Krawallen in Chemnitz schreibt der Journalist: „Solche Gewaltfantasien dürfen niemals Realität werden. Heute sind Einwanderer, Juden und Journalisten das Ziel – morgen vielleicht schon Behinderte, oder andere Gruppen unserer Gesellschaft. Darum muss der Staat jetzt hart durchgreifen. Es geht nicht um ‚besorgte Bürger‘, sondern es geht um Extremisten, die unsere Grundordnung umstürzen wollen, um Radikale, die bald auch zu Terroristen werden könnten.“

Thieme sieht die Gefahr, dass der Mob schon bald noch heftiger Journalisten attackieren könnte. Dabei besucht schon heute schon kaum noch Kamerateam eine Demo in Sachsen ohne eigene Sicherheitsleute.

Die Gewaltfantasien der AfD aus dem Hochtaunus sorgten allerdings auch für unerwartete Solidarität. So bot Wetter-Experte Jörg Kachelmann Journalisten Asyl in Haus und Garten an. “Wir reden noch mal kurz über Hitze und Dürre und organisieren den Widerstand.”

Anzeige