Partner von:
Anzeige

Laura Himmelreich zum Vice-Exodus in Austria: “Möchte nicht Chefin von Leuten sein, die nicht zu meinem Team gehören wollen”

Laura Himmelreich wird Chefredakteurin von Vice DACH und muss als erste Aufgabe die Österreich-Redaktion neu aufstellen
Laura Himmelreich wird Chefredakteurin von Vice DACH und muss als erste Aufgabe die Österreich-Redaktion neu aufstellen

Laura Himmelreich übernimmt die redaktionelle Verantwortung für alle deutschsprachigen Vice-Redaktionen und gleich ein ganzes Team schmeißt hin. Am Montag erklärte die Austria-Redaktion, das Unternehmen zu verlassen, weil sie unter neuer Führung und Struktur eine "Entmachtung" sowie den Verlust ihrer "Autonomie" fürchte. Im Interview reagiert die Chefredakteurin auf den Exodus und erklärt, was sich unter ihrer Führung ändern soll.

Anzeige

Frau Himmelreich, Vice macht Sie zur Chefredakteurin für die DACH-Region und prompt schmeißen Ihre Kollegen in Österreich hin. Wie persönlich nehmen Sie das?
Es ist schade, dass die Entwicklungen in Österreich so turbulent geworden sind. Ich bin den Kollegen von Vice Austria sehr dankbar dafür, was sie in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Ich bin aber überzeugt davon, dass der Weg, den wir jetzt gehen werden, der richtige ist. Wir bündeln die Ressourcen aller deutschsprachigen Länder, um das zu erreichen, woran ich seit zwei Jahren in Deutschland arbeite: die kontinuierliche Qualitätssteigerung, die kontinuierliche Steigerung der Relevanz von Vice-Inhalten, die kontinuierliche Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber für unkonventionelle, kreative Journalistinnen und Journalisten. Die engere Zusammenarbeit in der DACH-Region macht Ressourcen dafür frei. Und es ist extrem schade, dass es uns nicht gelungen ist, die Kollegen in Österreich – anders als in der Schweiz – auf diesem Weg mitzunehmen.

Trotzdem noch einmal die Frage: Nehmen Sie die Entscheidung der Österreich-Redaktion persönlich?
Die Entscheidungen sind individuell getroffen, einige haben ihren Rücktritt vor der Verkündung meiner neuen Position eingereicht, andere als Dominoeffekt oder als Ergebnis der bisherigen Entwicklungen. In Summe stimmt der vermittelte Eindruck nicht, dass die Redaktion gemeinsam geplant zurücktritt. Es wird beispielsweise Chefredakteur Markus Lust dem Unternehmen erhalten bleiben, allerdings in neuer Rolle, die wir zeitnah bekannt geben werden. Ein weiterer Kollege, zuständig für Social Media, bleibt in der Redaktion, ein weiterer überlegt noch, wie er sich nach seiner Bildungskarenz, weiterentwickeln möchte. Es sind also nicht alle weg, da ist die Darstellung ein wenig dramatisiert. Andererseits möchte ich aber auch nicht die Chefin von Menschen sein, die eigentlich nicht zu meinem Team gehören wollen. Insofern ist es eine Summe von Einzelentscheidungen, die aus professioneller Sicht richtig sind. Ein solidarisches, inspirierendes Team, mit hart arbeitenden aber auch gut gelaunten Leuten, die gerne zur Arbeit gehen, ist für den Erfolg einer Unternehmung wie Vice unabdingbar. Wenn das für die Kollegen der österreichischen Redaktion aufgrund der neuen Struktur nicht möglich ist, empfinde ich es als extrem schade. Es ändert aber nichts daran, dass es der richtige Weg ist. Ich glaube, dass die DACH-Strategie am Ende für alle Vorteile haben wird.

Um bei den provokanten Fragen zu bleiben…
Sie kennen meine Biografie. Ich bin relativ schwer zu schocken. Also bitte.

Müssen Sie der Redaktion in Österreich nicht dankbar für die Aktion sein, weil sie Ihnen möglicherweise unangenehme – wie man so schön sagt – Restrukturierungsmaßnahmen abgenommen hat?
Ich bin dankbar für die bisherigen Leistung und alles, was wir bisher in Österreich mit Vice erreicht haben. Jetzt schaue ich optimistisch nach vorne. Ich bin überzeugt, in sehr kurzer Zeit eine funktionierende Redaktion aufzustellen. Meine bisherigen Gespräche laufen vielversprechend. Ich bedauere die Art und Weise der Kommunikation, die Form der Aufmerksamkeit ist für eine Umstrukturierung schon ungewöhnlich. Das hätte ich mir für meinen Einstand so natürlich nicht gewünscht.

Sie befinden sich derzeit in Wien. Haben Sie bereits damit begonnen, nach neuen Leuten für Österreich zu suchen?
Ich habe bereits den gesamten Montag damit verbracht, mit potentiellen neuen Kollegen zu sprechen, aber auch mit Freien, mit denen ich gerne weiterhin zusammenarbeiten möchte. Ich bespreche mit der aktuellen Redaktionsleitung, wie wir eine möglichst reibungslose Übergabe organisieren können. Ich bin hier, um unmittelbar ansprechbar zu sein.

Sie haben vorhin gesagt, Ihr Ziel sei es, die Qualität kontinuierlich zu steigern. Das lässt zwischen den Zeilen mitklingen, dass Sie sie noch nicht in allen deutschsprachigen Ländern auf demselben Niveau empfinden. Woran machen Sie das fest?
Vice wird von jungen Leuten definiert, unser Durchschnittsalter ist Ende 20. Wir alle müssen lernen und uns gegenseitig inspirieren, um voranzukommen. Um diesen Weg zu gehen, haben wir bei Vice Deutschland mit Sara Schurmann eine Textchefin eingestellt, die ihren Job zukünftig ebenfalls auf DACH-Ebene weiterführen wird. Ich achte darauf, dass wir innerhalb des Teams eine gute Mischung aus redaktionserfahrenen Journalisten und Quereinsteigern haben, um sowohl die Unkonventionalität von Vice, wie auch die professionelle Entwicklung zu wahren. Mit der übergeordneten Verantwortlichkeit für Deutschland, Österreich und Schweiz wollen wir auch sicherstellen, dass länderübergreifend relevante Themen wie Liebe, Sex, Clubkultur aber auch Rechtsextremismus oder soziale Gerechtigkeit gleichermaßen in allen Ländern laufen können. Dadurch gewinnt jede Redaktion mehr Luft für Recherche, Reportage und exklusive Inhalte.

Anzeige

Hanna Herbst, die den Rücktritt der Österreich-Redaktion bekannt gemacht hat, sieht darin eine “Entmachtung” der einzelnen Länderredaktionen und sieht die “Autonomie” der Österreichausgabe in Gefahr.
Ich kann das schwer nachvollziehen, weil gerade der Zugriff auf Ressourcen in Deutschland den kleineren Redaktionen ja Luft gibt, sich auf eigene Geschichte und originäre Inhalte zu konzentrieren. Die bisherigen Strukturen haben dazu geführt, dass bei meinem Vorgänger Tom Littlewood zu viel Micromanagement hängen geblieben ist. Heißt: Bei ihm als übergeordnetem Chefredakteur landete zu viel Arbeit an einzelnen Stücken. Das ist bei 50 Leuten nicht zu leisten. Diese Aufgabe sollte unsere Vertical-Chefs, die Textchefin und erfahrene Redakteure übernehmen. Der lokale, nationale Inhalt bleibt für Vice Austria von höchster Bedeutung. Schon alleine, weil unsere Zielgruppe Geschichten aus dem eigenen Land lesen und sehen möchte. Hier haben die jeweiligen Redaktionen auch die Expertise. Dazu braucht es Vertrauen. Ich würde selbst als ehemalige politische Journalistin mit wenig Ahnung von deutschem Hip Hop ja jetzt auch nicht auf die Idee kommen, dem Noisey-Chef zu sagen, wie er seine Themen auswählen soll.

Werden Sie die Situation nutzen, die Redaktionsgrößen zu reduzieren?
Nein. An der Redaktionsgröße wird sich in keinem der Länder etwas ändern. In Deutschland werden wir sogar ausbauen, um unseren Ansprüchen in der Region gerechter zu werden. In dieser Woche werden wir die mir in Deutschland nachfolgende Redaktionsleitung für Vice.com bekannt geben, die zeitnah zwei weitere Leute mitbringen wird. Hinzu kommt, dass wir in allen Ländern die Videoproduktion ausbauen werden. In der Schweiz bleibt die Zusammensetzung der Redaktion auch wie bisher bestehen.

Das heißt, dass auch die Schweizer Chefredakteur, Sebastian Sele, seinen Posten nicht räumen muss?
Die Zusammenarbeit mit der Schweizer Redaktion ist bereits recht eingespielt. Auf eigenen Wunsch wird sich Sebastian Sele in Zukunft wieder vermehrt eigenen Recherchen und Texten widmen und Verwaltungsaufgaben in die DACH-Redaktionsleitung abgeben. Ich freue mich ihn als seniorigen Redakteur für die Schweiz auch in Zukunft an Board zu haben. Es geht darum, Rollen und Aufgaben besser zu verteilen und uns als Redaktion für die Zukunft optimal aufzustellen.

Was wird sich personell noch ändern?
Wir haben unterschiedliche Rollen definiert, die für Entlastung sorgen. Kai Strehler ist ab September als Director Marketing DACH für den Ausbau und die Strategie unserer Reichweite in allen drei Ländern verantwortlich. Das erlaubt es mir als Chefredakteurin, mich konsequenter auf die journalistische Weiterentwicklung zu konzentrieren. So etwas ist keine Entmachtung, das ist ein effizientes Setup, von dem alle profitieren.

Trifft das auch auf das Snapchat-Team in Deutschland zu? Die Discover-Funktion wird von allen vier Gründungspartnern in Deutschland gefeiert, auch Vice freut sich über eine noch mal jüngere Zielgruppe. In der Snapchat-Redaktion haben Sie aber Personal gekürzt.
Wir sind nach wie vor sehr zufrieden mit Snapchat Discover. Wir haben mehr als eine Million Subscriber und vier Millionen Monthly Active Users. Snapchat ist ein unglaublich reichweitenstarker Kanal für uns. Es ist richtig, dass wir mit einem etwas größeren Team in Deutschland gestartet sind und es über die Zeit angepasst haben. Unser Team leistet aber weiterhin tolle Arbeit. Wir haben uns nur etwas verkleinert, weil wir in diesem Fall gemerkt haben, dass wir lokal organisierte Aufgaben europaweit bündeln können. Durch die Märkte in UK und Frankreich sind Synergien entstanden, die wir nutzen. Das war eine strategische Entscheidung.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

    1. Mhmm, so wird die Vice-Neuaufstellung zu einer belebenden, goldenen Dusche für den Journalismus. Kann man das wirklich noch wertiger und relevanter machen? Wir dürfen gespannt sein.

    2. Qualtativ gehobener Journalismus definiert man bei den Experten Himmelreich und Konsorten eben etwas anders.
      Kein Wunder, dass das Personal wegrennt.

  1. Wir bündeln die Ressourcen aller deutschsprachigen Länder, um das zu erreichen, woran ich seit zwei Jahren in Deutschland arbeite: die kontinuierliche Qualitätssteigerung, die kontinuierliche Steigerung der Relevanz von Vice-Inhalten,….

    …relevante Themen wie Liebe, Sex, Clubkultur aber auch Rechtsextremismus oder soziale Gerechtigkeit…

    Auf diese abgebrochenen Existenzen Ende 20 hat der Konsument sicher gewartet. Immerhin ist der Ausschnitt wieder tief. Zur Not dann eben wieder ein inszeniertes Skandälchen mit Hilfe der Genossen von der antifaschistischen Abwehrfront.

    1. Dass Sie Lob für Spätentwickler einfordern, kann man anhand Ihrer Beiträge verstehen, aber interessieren würde mich schon: Wann fangen Sie denn mit dem Entwickeln an?

  2. Ich habe nach dem ersten Absatz aufgehört zu lesen. Marketingsprech ohne Inhalt und voller Plattitüden. Da muss ich mir die Artikel dieses Magazins erst gar nicht ansehen…

  3. >Sie kennen meine Biografie. Ich bin relativ schwer zu schocken. Also bitte.

    Sie reitet echt *immer* noch auf dem größten Ereignis (Brüderle) ihres traurigen Mittelschichtsschnepfenlebens rum.
    Na, immerhin hat sie diese krumme Tour (den angeschickerten Brüderle provozieren und dumm von der Seite anlabern und dann dessen Replik nach über einem Jahr kurz vor der Wahl skandalisieren & rumheulen und sich selber wichtig machen, ohne freilich ihren Anteil an der Gesprächsentwicklung zu erwähnen) an ihre heutige Position gebracht.

    Das ist alles so unfassbar ekelhaft schmierig.

    1. Anscheinend das Einzige, das diese Dame jemals erreicht hat. Aber immerhin wird man damit Chefredakteurin, nicht schlecht…

    2. „Das ist alles so unfassbar ekelhaft schmierig.“

      Was jetzt? Die dumme Brüderle Anmache oder Ihr Beitrag?

  4. Mit Verlaub, aber dass eine gewiss nicht klassisch attraktiv aussehende, für manche gar schlichtweg hässliche Frau gerade aus ihrer Optik (über Bande) eine Karriere gemacht hat, finde ich wunderbar ironisch. Und es stellt eine Leistung dar.

    Dass sie unangenehm und führungsschwach klingt, ist sekundär.

    Ich wünsche ihr weiter viel Erfolg.

    1. Mit der fortschreitenden politischen Radikalisierung nach Links nimmt die Hässlichkeit der meisten Frauen dramatisch zu.

      In der Natur kennen wir dieses Phänomen als Aposematismus, zum Beispiel beim Feuersalamander oder bei Pfeilgiftfröschen.

      Auch die voll entwickelte linksradikale Feministin nutzt gerne auffällige Färbungen, zum Beispiel bei Kopfhaar, Achselhaar, Tätowierungen oder Latzhosen um auf ihre Giftigkeit hinzuweisen.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia