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“Angemessen, aber nicht ausreichend” – die Medien und das Staufener Urteil oder: Dr. Prantls gesundes Volksempfinden

Ex-Bundesrichter Thomas Fischer (li.), SZ-Kommentator Heribert Prantl zum Urteil im Staufener Missbrauchs-Prozess: “Verhängung von Freiheitsstrafen jenseits von 12 Jahren plus Sicherungsverwahrung als Feigheit vorm Feind gegeißelt”
Ex-Bundesrichter Thomas Fischer (li.), SZ-Kommentator Heribert Prantl zum Urteil im Staufener Missbrauchs-Prozess: "Verhängung von Freiheitsstrafen jenseits von 12 Jahren plus Sicherungsverwahrung als Feigheit vorm Feind gegeißelt"

Das Landgericht Freiburg hat diese Woche das Urteil im „Fall Staufen“ verkündet und die beiden Angeklagten  wegen Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und anderem zu Freiheitsstrafen von zwölf Jahren und sechs Monaten und zwölf Jahren verurteilt; gegen einen Angeklagten wurde (anschließende)  Sicherungsverwahrung angeordnet. Nicht nur Boulevardmedien sparten beim Prozess gegen die "Horror-Mutter" nicht mit Justizkritik und Urteilsschelte. Einige Anmerkungen von MEEDIA-Gastautor Thomas Fischer.

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Das Verfahren, in dessen Umkreis auch mehrere Verfahren gegen andere Tatbeteiligte geführt wurden, hat für großes Aufsehen gesorgt. Nun, da das Urteil verkündet ist, ist unweigerlich die Stunde der Schlaumeier gekommen. Hierzu ein paar Gedanken.

 

Abscheu

Die deutsche Sprache hält zahllose Worte bereit, um Emotionen Ausdruck zu verleihen, die im Umfeld von „fassungslosem Entsetzen“, „verzweifelter Traurigkeit“ und „panischem Ekel“ liegen; auch der „tiefe Hass“ kann auf eine breite Palette sprachlicher Ausdrucksformen zurückgreifen. Die meisten dieser Worte sind in den letzten Monaten benutzt worden, um den Verfahrensgegenstand des Freiburger Strafprozesses zu beschreiben. Für jeden „Horror“ und jedes „Grauen“, jede „Fassungslosigkeit“ und jedes „Entsetzen“, dass sich die Redakteure ausdachten, fällt den Lesern, Kommentatoren und Postern immer ein noch furchtbareres „Monster“, ein noch superlativeres Leiden, eine noch entsetzlichere Fassungslosigkeit ein.

Der Monster-Wettbewerb ist eröffnet. Auf Focus Online kann man – nur beispielhaft – folgenden Rechtsfolgenvorschlag eines engagierten Bürgers lesen: „„Ich würde sie zur Arbeit schicken Wo? Es werden genügend Leute für den Kernkraftwerk-Rückbau benötigt. Am Tage im Kernkraftwerk ohne Schutzkleidung versteht sich, und abends ab in den Knast. Stoppt Tierversuche – nehmt Kinderschänder. Wer Kindern so was antut, muss seine Rechte verlieren.“ Ich habe keinen Zweifel, dass Umfragen unter den deutschen Kinderfreunden ein große Vielzahl noch elaborierterer Quälungs- und Hinrichtungsfantasien hervorbringen würden, gern auch angereichert mit „spiegelnden“ Folterstrafen, die den verurteilten Tätern den Spaß an der Geschlechtlichkeit schon austreiben sollten.

Das ist, wie man leider sagen muss, „normal“ und aus ähnlichen Verfahren vertraut; es ist auch kein genuines Phänomen des Internet-Zeitalters. Das Monsterhafte sitzt eben nicht allein im „Kinderschänder“, sondern auch in gar manchem Tier- und Kinderfreund ziemlich dicht unter der Oberfläche und  wartet, dass sich ein Türchen der Unbeobachtetheit oder der Legitimation öffnet. Dann steigt es aus dem Sumpf empor und reißt seinen Opfern mit bloßen Händen den Leib auf.

Lassen wir also die Flut des Abscheus über uns ergehen, ein jeder Sprecher oder Schreiber immer noch ein wenig entsetzter als der vorige. Die Frage drängt sich auf: Hat das gemeinschaftliche Baden im angeblichen Entsetzen irgendeinen nachvollziehbaren, dem Verständnis förderlichen Sinn?  Reicht es nicht aus, ein Verbrechen „schwer“, ein Leiden „schlimm“ zu nennen? Warum begeben sich intelligente Journalisten und Politiker in einen Wettlauf um die höchstmögliche Quantität von „Betroffenheit“? Schon die Tatsache, dass sie dies tun, zeigt dem Kundigen, dass nicht Mitgefühl empfunden, sondern Sprechpflicht erfüllt wird.

Was ist „der schlimmste“ Terroranschlag des  Monats Juli? Welches ist der „entsetzlichste“ Mord des ersten Quartals? Welches war der „ekligste“ Kindesmissbrauch der letzten Woche? Wer solche Fragen zwar nicht selbst offen formuliert, aber in Schlagzeilen immer wieder so beantwortet, als seien sie gestellt worden, bewegt sich auf der entmenschlichten Ebene des Verbrechens als Sport, des Leidens als Rekord und der Opferzahl als Qualitätsmerkmal.

 

Schuld

Ein Kind ist vergewaltigt und verletzt worden. Jemand trägt daran die Schuld. Schuld ist: Verantwortung. Schuld ist nicht: Ursächlichkeit. Wäre Schuld genau dasselbe wie Kausalität, wären wir alle an sehr vielen schrecklichen Ereignissen „schuldig“. Alle Gesellschaften haben seit jeher zwischen die bloße Ursächlichkeit und die (persönliche) Verantwortung verschiedene Filter gesetzt. Wäre das nicht so, wären ja viele Millionen Deutsche „schuld“ am Tod jenes an den europäischen Strand geschwemmten ertrunkenen Kindes, dessen Fotografie vor zwei Jahren einmal kurz für Aufsehen sorgte. Und es wären ja in jedem Jahr fünf Millionen Menschen in Deutschland schuldig daran, dass wehrlose Kinder gepeinigt, geschlagen, vernachlässigt, missbraucht werden: Nicht in Nigeria, sondern in Deutschland.

Das sieht der so genannte Normalbürger natürlich etwas anders, weil er die Dinge nimmt, wie sie kommen bzw. ihm am besten passen. Deshalb ist Berrin T. eine „Horrormutter“ (Bild), und die großflächig tätowierten S-Bahn-Benutzerinnen zwischen Berlin Ostkreuz und Zoo sind es nicht, obgleich sie ihre fettleibig-zitternden Zwillinge in die Buggies schlagen, dass es nur so staubt, und dabei den Humor nicht verlieren und die Wut auf das für den Lebensstress verantwortliche „Scheiß-Amt“ auch nicht. Nebendran sitzt der jeweilige Lebensgefährte der Wahl. Von Penzlauer Berg über Bochum bis Staufen lauter Kinderfreunde! Und immer eine Task Force oder ein besorgter Untersuchungsausschuss auf der heißen Spur des allgegenwärtigen „Versagens“, dass schon dadurch erwiesen ist, dass etwas geschah, was nicht hätte geschehen sollen. Da Jugendämter und Familiengerichte die Kinder beschützen sollen, ist jeder Fall des Nicht-Beschützens schon per se ein Beweis für „Versagen“ – zu fragen und zu klären bleibt dann nur noch, welcher überlastete Mitarbeiter vor fünf Jahren am meisten gegen die jeweilige Dienstvorschrift verstieß, dass nichts passieren darf.

Man kann nicht verlangen, dass jeder sich für alles zuständig und verantwortlich fühlt. Aber man kann doch voraussetzen, dass jeder ein bisschen Mitgefühl mit sich selbst hat. Damit beschäftigt sich ja eine ganze Milliarden-Industrie: Sie führt uns täglich 24 Stunden lang die „Berrin T.“s und die gescheiterten „L’s“ dieser Welt, die „Chancenlosen“, die „Untüchtigen“, die Gedemütigten, Kranken und Perversen vor – als „Opfer“ mal des einen, mal des anderen Missstands. Die „Horror-Mutter von Staufen“ wäre zwanzig Jahre lang als optimaler Talkshow-Gast durchgegangen.

Nun lesen wir in Leser-Foren: Sie wird im Knast kriegen, was sie verdient, denn die „Pädophilen“ werden dort besonders gequält. Zwar ist die Angeklagte gar nicht „pädophil“; aber das ist allen völlig egal. Irgendetwas „Fremdes“, Abartiges, Ausgrenzbares wird sie schon sein. Eine Mutter (!), die ein (eigenes) Kind sexuell missbraucht! Was für ein monströses „Tabu“ im Universum der ganz und gar tabulosen Hardcore-Pornografie. Unvorstellbar ist schon der der Gedanke daran den Hunderttausenden von schlabbernden, saugenden, küssenden, pressenden, kichernden, sich ohn‘ Unterlass verströmenden Muttis, Mamas, Tanten, besten Freundinnen.

Ein wenig Strafrechts-näher: Nach 35 Jahren Strafrechts-praktischer Erfahrung und einigen tausend Strafverfahren wegen Sexualdelikten gegen Kinder erlaube ich mir zu sagen, dass am Staufener Fall in seiner inhaltlichen Struktur wirklich gar nichts sensationell, nichts „unfassbar“ und nichts „einmalig“ ist. Er spiegelt, auf beinahe allen Ebenen, eine kriminologische Wirklichkeit, die jedem überaus vertraut ist, der sich damit beruflich befasst. Das ist für das tiefe Bedürfnis der global-unermesslichen Empathie eine zweifellos enttäuschende Auskunft, weil die gerade erst gefeierte Weltjahresbestleistung an Unfassbarkeit bestritten wird. Aber ich kann es nicht anders sagen.

 

Verantwortung

In Deutschland werden in jedem Jahr ein paar Millionen Straftaten gegen Personen begangen. Manche werden angezeigt, andere nicht; manche werden aufgeklärt, manche nicht. Viele werden strafrechtlich abgeurteilt, mit diesem oder jenen Ergebnis. Dabei sind aber zwei Dinge immer gewiss: (1) Die strafrechtliche „Schuld“ ist nicht der Urgrund der Verantwortung, sondern die Spitze des Eisbergs. Und (2) Wäre der Lauf der Dinge anders gewesen, wäre es anders gelaufen.

Das bedeutet: Es gibt kein Verbrechen ohne „Ursache“. Hätte die  Gemeinschaftskunde-Lehrerein des Wirtschaftsverbrechers ihre Pflicht erfüllt, hätte er nicht sozialschädlich Steuern hinterzogen. Hätte das Jugendamt der Stadt München oder Hamburg seine Aufgabe erfüllt, wann auch immer, wären aus den vor 20 Jahren auffälligen Kindern und Jugendlichen keine Straftäter oder Süchtigen geworden. Hätte nicht irgendjemand in Ihrer eigenen Biografie, sehr geehrte Leser, versagt, hätten Sie in den letzten zehn Jahren ihre Kinder nicht geschlagen, Ihre Lebenspartner nicht erniedrigt und Ihre Vertragspartner nicht betrogen. So ist das; daran beißt die Maus keinen Faden ab. Zwischen Ihnen und der Horrormutter von Staufen liegt also eine gewisse Distanz, aber kein Universum.

Irgendjemand muss also „schuldig“ sein hinter der Schuld der Täter; irgendjemand muss „versagt“ haben. Denn – so ist die Annahme – es gibt eine Verpflichtung des Staats und aller seiner Bediensteten, für absolute Sicherheit und Störungsfreiheit zu sorgen. Nun sitzen also mäßig fachkundige Politiker, mittelmäßig sorgfältige Journalisten und twitternde Sachverständige für Alles zu Gericht über die „Richterin V.“, das Jugendamt hier und das Landratsamt dort. Und über die Verbindung zwischen der Schuld, der Verantwortung und dem Schicksal gelangen wir zur unvermeidlichen „lückenlosen Aufklärung“. An diesem Begriff beginnt die ozeanische Sphäre der „Beauftragten“, der „Sprecher“ und der mahnenden Chefredakteure. Wenn in der Medienwelt etwas gewiss ist, dann die Behauptung, die Menschen erfülle ein tiefes Verlangen nach „lückenloser Aufklärung“. Jede geschichtliche Erfahrung lehrt freilich, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Menschen sind lange vor jedem Ansatz zur „Lückenlosigkeit“ zufrieden und munter; es reicht die Einordnung in ein gewohntes Bewertungs-Schema und die Verkündung, beim nächsten Mal werde dasselbe gewiss nicht wieder geschehen.

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Lückenlose Aufklärung ist, im Verlautbarungs-Sprech, erstens „Gebot der Stunde“ und zweitens stets „schonungslos“, drittens selbstverständlich „unverzüglich“: Schon die Ankündigung, die Landesregierung von Baden-Württemberg werde bis September mit der Offenbarung der Lückenlosigkeit warten, sorgt für Unmut im fiebernden Volk. Dann wird das Geheimnis gelüftet werden, ob, wenn das Jugendamt X und das Oberlandesgericht Y anders entschieden hätten, es möglicherweise anders gekommen wäre. Man hört, dass aus politischen Kreisen „Fortbildungen für Familienrichter“ gefordert werden, auf dass in Zukunft die Richter wissen, woran man eine Lüge erkennt, und dass man niemandem trauen kann.

Auch heute werden in Deutschland wieder 5.000 Entscheidungen getroffen von Jugendämtern, Gerichten, Behörden oder Sachverständigen, die das Schicksal von Kindern, Müttern, Vätern, Opas+Omas und der jeweiligen Lebensgefährt(inn)en steuern und daher „verantwortlich“ sind. Auch heute wieder werden Umgangsregelungen getroffen, Gefangene entlassen, Bewährungsauflagen ausgesetzt, Prognosen getroffen worden. Wie viele davon, verehrte Leser, kennen Sie? Wie viele sind richtig, wie viele falsch? Wie viele Fragen sind nicht gestellt worden, von denen wir in drei Jahren erfahren, dass sie hätten gestellt worden sollen? Und woher wissen wir das heute?

Und woher wissen wir, nach welchen Kriterien sich die „Schwere“ bestimmt? Warum ist die sozial verachtete Frau A ein „Monster“, wenn deren jeweils aktuell „große Liebe“ das ungeliebte Kind missbraucht, und ein armes Opfer der brutalen Welt, wenn zufällig nichts passiert? Warum gibt es keine „Horror“-Berichte über Berliner Anlageberaterinnen oder Münchner Rechtsanwälte, deren Kinder von bekoksten Kindermädchen malträtiert werden, während Papa und Mama letzte Hand an den Schriftsatz legen?

Man musste (in der SZ vom 8. August, Seite 1) lesen, dass irgendwelche Menschen die Familienrichter im „Staufener Fall“ wegen „Rechtsbeugung“ (§ 339 StGB) angezeigt haben und dass „die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet“ habe. Der Vorwurf der „Rechtsbeugung“ ist offenkundig abwegig, denn er würde voraussetzen, dass die Richter vorsätzlich (!) falsch gegen die Interessen des betroffenen Kindes entschieden hätten und mit einem Bein in der Beihilfe zu den abgeurteilten Taten stünden. Das ist  ungefähr so naheliegend wie die Annahme, die Chefredaktion der SZ bestehe aus nordkoreanischen Agenten. Es stellt sich die Frage, warum die große SZ über solchen Nonsens berichtet. Die Meldung, „Vorermittlungen (seien) eingeleitet“ worden, kokettiert mit dem weit verbreiteten, von der Presse selbst immer wieder genährten Fehlverständnis, dass, wenn „die Staatsanwaltschaft ermittelt“, die Schuld schon halb bewiesen sei. Auf derselben subkutan-denunziatorischen Ebene liegt die Überschrift „Der Richter und sein Kronzeuge“ (SZ, 8. August, S. 2): Ein weiteres Mal wird ein aus fünf Richtern bestehendes Kollegialgericht auf eine Person reduziert; der unterstellt wird, eine quasi persönliche Bevorzugung des Angeklagten L. (als „sein Kronzeuge“) vorgenommen zu haben. Das ist infam und überdies sachlich falsch, denn es handelt sich um die schlichte Anwendung des § 46b StGB, einer Vorschrift, die sonst gern als wichtiges Mittel der Aufklärung gelobt wird.

 

Richter

Die vom LG Freiburg verhängten Strafen sind, so schrieb Heribert Prantl in seinem SZ-Kommentar am 8. August, „angemessen, aber nicht ausreichend“. Mir scheint, dass hieraus eine sprachliche Rest-Erinnerung an das geltende Recht spricht. Aber „angemessen, aber nicht ausreichend“ ist eigentlich gesundes Volksempfinden pur,  in der Camouflage des Moralisten. Es passt dies in den Rest der Berichterstattung: „Offene Fragen im Missbrauchsfall Staufen“ (Seite 1) – als ob noch irgendwelche dunklen Geheimnisse zu enthüllen seien. Und eine halbe SZ-Seite mit zweifelhaftem Gemäkel über die angeblich unzureichenden Strafen (bei zwölf Jahren plus – lebenslange – Sicherungsverwahrung!).

Das geltende Recht sagt: Eine Strafe, die „angemessen“ ist, ist „richtig“ – da mögen Herr P. oder Frau X. noch so umeinander schimpfen und eine dreifach verfluchte lebenslange Höllenstrafe für das Mindeste halten. Sie haben, wo sie sind, Verantwortung. Deshalb dürfen sie nicht ihre mehr oder minder dahingerülpsten Lebenserfahrungen mit der Analyse der Welt verwechseln; sonst sind sie kein bisschen besser als die erbärmlichen Kastrierer, Augenausstecher und Massakrierer aus dem Internet, die vor lauter Geilheit auf die Gewalt kaum mehr sprechen können, die sie den Gewalttätern antun möchten.

„Angemessen“ ist: rechtsfehlerfrei. Alles andere wäre falsch. Jedenfalls nach den Maßstäben der in Deutschland seit 1949 geltenden Verfassung, die beim Leitenden Redakteur Dr. P. normalerweise in liebevollen Händen liegt. Deshalb schreibt die SZ auch gefühlt zweimal pro Woche, dass die Daten-Ausspähung durch Sicherheitsbehörden ein verfassungsvernichtendes  Teufelswerk sei – woran viel Richtiges ist. Wenn dieselbe Zeitung auf der gerade gegenüberliegenden Seite („Thema des Tages“) nun einen unermesslich intensivierten Austausch aller Behörden fordert, die zum Schutz von Kindern vor Straftaten oder Verwahrlosung oder Verletzung einen Beitrag zu leisten haben, stellt sich dem Leser die Frage, was die über alle Maßen entsetzte Journalisten-Schar denn nun eigentlich will: Komplette Überwachung oder „Lücken“? Denn sagen wir es einmal so: Hätte es „Staatstrojaner“ gegeben, und hätte es genügend Kapazitäten gegeben, sie  gegen Frau T. und Herrn L. einzusetzen und deren Internet-Kommunikation lückenlos zu überwachen, und hätte es eine „Task-Force Freiburg“ gegeben, und hätte es einen permanenten Datenaustausch zwischen allen jemals beteiligten Behörden gegeben, und hätten alle Mitarbeiter aller beteiligten Behörden sich ganz und gar auf den Fall konzentriert: Dann wären die Taten gegen das Kind von Frau T. gewiss nicht begangen worden.

Allerdings gab es, solange die früheren Entscheidungen getroffen und die Taten unbemerkt von der Süddeutschen Zeitung begangen wurden, auch weitere 5.000  Fälle in Baden, die unter Umständen ähnliche Probleme und Konstellationen enthalten könnten. Und auch sind wieder Umgangsrechte gewährt, Verfahren eingestellt, Anhörungen durchgeführt worden, und kein Redakteur auf der weiten Welt weiß, ob nicht in sieben Jahren sich herausstellt, dass es des Reporters Schuld war, nicht nachgefragt zu haben.

Damit soll natürlich nicht behauptet werden, es sei „alles egal“, es sei belanglos, ob Vorschriften eingehalten, Maßstäbe ernst genommen und Pflichten erfüllt werden. Aber nichts spricht, soweit erkennbar, derzeit dafür, dass ein solches  schwerwiegendes „Versagen“ im vorliegenden Fall passiert ist. Es ist unredlich, einerseits „Ausklärung“ zu fordern und andererseits deren Ergebnis schon bedeutungsvoll-andeutend vorwegzunehmen. Was als „Versagen“ durch die Presse gezogen wird, ist oft nicht mehr als eine Kausalitäts-Behauptung, gekoppelt mit nachträglicher Besserwisserei.

 

Väter

Frau Berrin T. ist, soweit wir wissen, ein „Opfer“ ungünstiger Umstände. Herr L. ebenso. Die Geschichte der Großeltern und der Stiefgroßeltern und der Urgroßeltern ist noch nicht aufgearbeitet. Auch die Geschichte der Grundschullehrerinnen und der Sozialarbeiter, die Persönlichkeitsstörungen der Richter, die Lebenssituation einer Staatsanwältin, die mitgeteilt haben soll, die Höchststrafe solle auf 25 Jahre angehoben werden… All das ist da, immer zugleich. Alles hat Gründe, Wirkungen, Bezüge.

Wir wissen das doch eigentlich! Immer und immer wieder werden, in jedem Jahr wieder, die jeweils „unermesslichsten“ und „entsetzlichsten“ und „beispiellosesten“ Fälle ins Volk geblasen – mal als angebliches Sprachrohr des Volkswillens, mal als verächtliche Dokumentation seiner Verirrungen. Die Süddeutsche Zeitung hat eine „Professorin für Psychoanalyse“ ausgegraben – einer durchaus umstrittenen, eher vom Glauben als vom Wissen inspirierten Therapie-Disziplin, die kaum geeignet erscheint, fachliche Stellungnahmen zu konkreten Fällen abzugeben, vor allem ohne jegliche Kenntnis der beteiligten Personen. Das Interview mit der strahlenden Analytikerin offenbart, dass (ich fasse zusammen) das Tatopfer praktisch keine Chance habe, der psychischen Verelendung zu entgehen, und dass dies auf einer Art von „Gesetzmäßigkeit“ beruhe.

Das ist, mit Verlaub, nicht nur dummes Zeug, sondern auch wenig hilfreich. Die SZ-Analytikerin hat das Tatopfer nie gesehen; sie weiß nichts Konkretes und hat auch keine Belege für die von ihr aufgestellten empirischen Regeln. Sie hat einen guten Willen. Aber wer hätte das nicht?  Wir lesen, dass es dem Tatopfer gut gehe. Das ist wunderbar und sollte doch allen Anlass geben, einfach einmal den Schnabel zu halten und das Kind in Ruhe zu lassen. Nicht jeder zerbricht am Unglück und am Unrecht, und es erscheint mir oft eher abstoßend, wie sich Medien damit befassen – mit Sensations-Berichterstattung auf Kosten und zu Lasten des Opfers.

Der Gag des Tages aber war die Forderung von Heribert Prantl im Kommentar vom 8. August, der Landesvater von Baden-Württemberg möge seine Pflicht als Landesvater erfüllen und die Fäden der Gerechtigkeit, der Emotion und des Rechthabens zusammen bringen. Ich will nicht sagen, dass ich Herrn Prantl nicht auch irgendwie verstehen kann. Die Sehnsucht nach einem Vater wird bekanntlich immer dann besonders brennend, wenn wieder einmal mehr ein solcher angeblich versagt hat. Obwohl Herr L. ja, wie man bedenken sollte, gar kein Vater war. Hier kommt nun wieder die Mutter ins Spiel, aber wir haben dazu keine Auskunft einer „Psychoanalytikerin“, und halten uns daher wissenschaftlich bedeckt, vor allem auch, weil wir nicht wissen, ob bei der SZ jemand weiß, was „Psychoanalyse“ überhaupt ist und was sie zur Aufdeckung von allfälligen Skandalen beizutragen hat.

Jedenfalls: Dass die Süddeutsche Zeitung einmal eine ganze Seite lang die Verhängung von Freiheitsstrafen jenseits von 12 Jahren plus Sicherungsverwahrung als Feigheit vorm Feind geißeln und den ganzen väterlichen Einsatz des Staats in Gestalt eines „Landesvaters“ fordern könnte zur Rettung unserer Kinder vor verbrecherischen geilen Müttern, hätte ich bis vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Joa, jetzt hat’s auch der Herr Fischer zu weit getrieben. Nicht inhaltlich, aber stilistisch. Bin nach ein paar Absätzen rausgeflogen, aber recht wird er bestimmt haben, der Mann.

    Neuer Versuch, neues Glück, würd ich meinen.

    1. Ich habe auch vor dem Ende des Artikels aufgegeben. Wie zynisch der Herr Fischer doch schreibt. Wenn jemand keine Empathie hat oder zumindest in diesem Artikel zeigt, dann er. In endlosen, oft künstlich an den Haaren herbeigezogenen Salbereien empört er sich über die nur allzu menschliche (ja, sie ist menschlich!) Empörung von Journalisten und Öffentlichkeit und übertreibt dabei selbst maßlos. Den Prantl-Kommentar habe ich nicht gelesen und kann dazu nichts sagen. Doch Fischer verurteilt nicht nur ihn, sondern auch alle “entsetzten” Kommentare. Würde der Mensch sich nicht mehr empören können, wäre es jedoch schlecht um ihn bestellt. Vor allem legen die Worte des ehemaligen Richters nahe, dass zwischen diesem grausamen – das ist es nämlich tatsächlich – Kindesmissbrauch und Eltern, die ihr Kind lieblos in den Buggy quetschen oder schlagen (was selbstverständlich auch zu kritisieren ist), kein allzu großer Unterschied besteht. Und wieso er die Behörden und das System schützt, das hier selbstverständlich versagt hat, erschließt sich mir auch nicht.

      1. Sehen Sie es jetzt als Aufgabe der Journalisten den Emotionen des Tieres nachzugeben, dass da Homo Sapiens heisst?
        Ich jedenfalls nicht, ich sehe in den Journalisten die Aufgabe eine ausgewogene Berichterstattung der Wahrheit abzuliefern.

        Und Herr Fischer schützt nicht das System, er beschreibt die Verlogenheit von Prantl, den anderen wütenden Menschen und auch von Ihnen – die da aufgrund eines Falls(!) vom “Versagen des Systems” schwafeln und etwas fordern, was nicht praktikabel ist.

        In der Mitte des Artikels fällt folgender Satz: “Warum ist die sozial verachtete Frau A ein „Monster“, wenn deren jeweils aktuell „große Liebe“ das ungeliebte Kind missbraucht, und ein armes Opfer der brutalen Welt, wenn zufällig nichts passiert?”

        Aus meiner Sicht wird hier die Verlogenheit von allen die von “Versagen”, “Monster” und ähnlichem sprechen überdeutlich.

      2. Ich befürchte, dass Sie den Inhalt des Textes nicht ganz richtig verstanden haben. Weder den Schreck über die Taten kritisiere ich noch dessen Ausdruck noch gar das Mitleid mit dem Tatopfer.
        Ich meine nur, dass man ein bisschen “relativieren” sollte, d.h. die Dinge im richtigen Verhältnis sehen.
        Und Menschen, die vor lauter Mitleid (sog. “Empathie”, wie es heute scheinbar heißen muss, obgleich das eigentlich etwas ganz anderes bedeutet) mit dem Gewalt-Opfer kaum laufen können, sich dann aber seitenlang in Folterungsfantasien als angeblich “gerechte Strafe” ergehen, sind ja eigentlich auch bemitleidenswert, oder eklig – je nach Geschmack. Oder beides.

        Die Aufgabe von Journalismus ist es nicht, “Empörung” darzustellen, in sich überbietenden Kaskaden von Begriffen. Die Journalisten wissen, dass der Fall von Staufen nicht “monströs” ist, was die Taten betrifft. Nur die Beteiligung der MUTTER löst diese überschäumenden Hassreflexe aus. Darüber könnte man durchaus einmal nachdenken – in der SZ und anderswo uin der Gender-Gesellschaft, die sonst jede Menmge Schaum vor dem Mund produziert, wenn Sonderpflichten von “Frau + Mutter” auch nur laut gedacht werden… Wenn eine minderbegabte, persönlichkeitsgestörte Sozial-“Verliererin” mit Opfergeschichte ihre “MUTTER-Instinkte” vergisst und ihre MUTTER-Pflichten für scheißegal hält, bricht kollektives Entsetzen und Strafbedürfnis aus. Dabei unterscheidet sich Frau T. in Biografie und Persönlichkeit, soweit man lesen konnte, ja eigentlich wenig von zahlreichen (um nicht zu sagen: zahllosen) männlichen Tätern, denen die SZ und andere Leitmedien nach der Aburteilung in der Regel auch keine “ausreichenden” Strafmaße nachrufen.
        Wenn Sie ernsthaft meinenm, es bestehe zwischen Eltern, die ihre Kinder “lieblos … schlagen” und solchen, die sie “entsetzlöich … missbrauchen”, keinerlei Zusammenhang, dann haben Sie wirklich sehr wenig verstanden.
        Die “Diskussion” über die (angeblich) “angemessene” Strafe kommt mir vor wie das Wehklagen von Menschen, die, mit vollen Backen ein Mettbrötchen mit zermatschen Schweinen für 4 Euro das Kilo fressend, in Tränen über einen beinamputierten Cockerspaniel ausbrechen.
        Man müsste halt einmal sagen, Frau Ute Wolter, was denn so esentlöich BESSER wäre, wenn Frau T ein Jahr mehr Strafe gekriegt hätte, oder zwei. Und ob wirklich eine große Mehrheit der Gesellschaft BERUHIGT und mit dem Staat versphnt ist, wenn die Verbrecher möglichst lange weggesperrt und irgendeine Beamtin als “schuldig” ausgedeutet wird, die vielleicht einen vermeidbaren Scheiß-Fehler gemacht, eine naheliegende Frage nicht gestellt, einmal von 2000 malen “versagt” hat. Wie oft pro Woche “versagen” Sie selbst? Und was könnte (!) da alles passieren?
        Die Behauptung, “DAS System” oder “DIE Behörden” hätten “versagt, ist wohlfeil, billig, letztlich wenig sinnvoll. Was für ein “System” hätten Sie gern? Eines, das keinerlei Fehler ermöglicht? Das kriegen Sie auf dieser Welt nicht. Hinterher, wenn etwas passiert ist, zu schreien, es “hätte nicht passieren dürfen”, ist von allen intellektuellen Engagements das einfachste und preisgünstigste.
        Sind Sie ernsthaft sicher, dass es ein “Recht” der Bürger gibt, dass bei “den Behörden” nie ein Fehler gemacht wird?
        Was tun Sie selbst dazu? Wieviel von Ihren “Salbereien” (?) setzen Sie in aktive Verantwortung um? Wieviele von Gewalt oder Missbrauch bedrohte Kinder in Ihrer Wohn-, Arbeits-, Lebensumgebung kennen oder beobachten Sie? Was haben Sie in den letzten 10 Jahren dagegen unternommen?

      3. Herr Fischer, es kann sein, dass ich Sie nicht vollständig verstanden habe, aber das liegt möglicherweise daran, dass Sie das, was Sie in Ihrer Antwort postulieren „Ich meine nur, dass man ein bisschen “relativieren” sollte, d.h. die Dinge im richtigen Verhältnis sehen“ eben nicht getan haben. Was Sie in Ihrem Artikel schrieben, geht über Relativieren weit hinaus. Oder sagen wir: Differenziert ist es nun nicht gerade. Aber das ist ja ohnehin das Übel vieler Diskussionen hierzulande. Man kann doch das eine sehen, ohne das andere zu verschweigen oder zu vernachlässigen. Nein, mir ist Ihr Artikel zu tendenziös. Übrigens, was die zum Teil unterirdischen Ausschweifungen so mancher Mitbürger betrifft inklusive Folterfantasien, so kann ich mich damit auch so gar nicht identifizieren, da sprechen Sie die Falsche an. Aber ich sehe, dass Sie mich überhaupt falsch verstanden haben und meine Worte so drehen, wie es Ihnen passt, um Ihren Text zu verteidigen. Zum Strafmaß habe ich mich übrigens auch nicht geäußert, daher fühle ich mich nicht angesprochen. Wenn ich Ihre Antwort so lese, Herr Thomas Fischer, kann es keine wirkliche Diskussion mit Ihnen geben, es sei denn, man stimmt Ihnen zu.

      4. “Sehen Sie es jetzt als Aufgabe der Journalisten den Emotionen des Tieres nachzugeben, dass da Homo Sapiens heisst?” Nein, Herr oder Frau Con. Wie kommen Sie darauf?

      5. Und selbstverständlich sind Empathie und Mitleid nicht dasselbe, auch wenn ein Mensch, der Mitleid empfindet, in der Regel empathisch ist. Aber auch Psychopathen sind empathisch, wenn man der Definition folgt, sich gut in andere Menschen hineinversetzen zu können (um sie zu manipulieren). Mit(leid)empfinden können sie jedoch nicht.

      6. Frau Ute Woter:
        Vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Antwort!
        Aber Sie sagen, befürchte ich, in der Sache leider nichts Neues, sondern behaupten nur, dass ich Sie “überinterpretiert” habe – ohne zu sagen, Wo und Wie das geschehen sein soll.
        Das mag ja sein; aber ich habe es gewiss nicht aus bösem Willen getan. Sagen Sie mir halt, was Sie “eigentlich” meinen, und wo ich Sie missverstanden habe.
        Und sagen Sie mir, was KONKRET Sie an meinem Text unzutreffend finden. Allgemeine Beschuldigungen, der/die jeweils andere sei entweder dumm oder böswillig, helfen ja nicht weiter. Meine Meinungen sind nicht autoritativ oder per se “richtiger” als Ihre. Man muss nur versuchen, sich auf einer Ebene von menschlichem Anerkennen und auf der Grundlage von Rationalität zu unterhalten. Das ist der Sinn der Sache und die Lösung von Vielem. Wenn Sie ein paar gute (d.h.: vermittelbare, vernünftige) Argumente haben für Ihre Meinung, ist doch alles gut! Man muss nicht immer “Recht” kriegen – weder als Journalist noch als Kolumnist noch überhaupt.
        In meinen Texten stelle ich – wenn’s klappt – Fragen, die sonst vielleicht nicht gestellt werden. Diejenigen, die sowieso schon immer alles wissen, finden das schrecklich; und andere empören sich endlos darüber, WIE ich die Fragen stelle.
        Ganz ehrlich: Geschenkt!
        Es erscheint mir wichtiger, mit 20 Menschen in ein inhaltliches Gespräch zu kommen, als von 200 “Followern” Ge-“Likt” zu werden, die gar nicht verstanden haben, was ich meine und an Ihnen selbst kritisiere.
        Insofern fände ich es gut, wenn Sie sich, jenseits aller “Fischer-Reflexe”, doch noch einmal überlegen würden, ob es vielleicht im Text und im Forum dazu ein paar Fragen gibt, die TIEFER gehen als bis zur allgemeinen Übereinstimmung darin, dass man “empört” sei.
        Denn DAS ist ja nun wirklich das ALLER-Wenigste, und es ist wirklich ebenso erstaunlich wie deprimierend, dass und wie viele Menschen es für notwendig halten der Welt mitzuteilen, dass sie “schocklert” seien über schwere Verbrechen gegen ein Kind.

    1. Sehr geehrte Sabine Prinz,
      alles klar für den Anfang!
      Jetzt müssten Sie nur noch irgendetwas sagen, was sich wie ein Argument anhört. Dann antworte ich Ihnen, so gut ich kann.
      T.F.

      1. Es soll Menschen geben, die Wichtigeres zu tun haben, als gelangweilten Pensionären, deren Wohl und Wehe von der medialen Aufmerksamkeit abhängt, zu antworten, Herr Fischer. Menschen, die nicht Tag und Nacht online sind, um Ihnen zu antworten.

        Richtig, ich gehöre nicht dazu)

        PS: Hat Ihnen nun auch SPON die Plattform für Ihre Selbstdarstellung entzogen? Schön wäre es ja.

    2. Krank ist maximal diejenige Gesellschaft, die sich am Leid, den Schmerzen, der Vulnerabilität anderer abarbeitet.
      Ich habe nie verstanden wozu sich einige, so auch Lehrer, Helferleins und Psychofritzen besonders echauffieren, sich besonders reinknien, ganz besonders einen Fall aufblasen, wo es um die psychosexuelle Integrität eines Menschen geht.Vor allem wollen sexuell Missbrauchte, psychosexuell Angegriffene nicht auch noch beschämt werden. So, das ist das eine. Das andere ist die Ursachenforschung. Und die Frage der Entgrenzung.
      Es gab und gibt immer wieder besonders engagierte Missbrauchs -Forscherinnen, die sofort sex Übergriffe witterten u massiv evozierten. Auch dies war durchaus kontraproduktiv.
      Ich bin persönlich davon überzeugt man kann besser hilfreich sein, wenn man Kinder stärkt, indem man sog Scheidungen von deren unfähigen Eltern, Müttern, Vätern ermöglichte.

      Horroreltern gibt es wie Sand am Meer.

  2. Sehr geehrter Herr Fischer,

    was soll denn dieser polemische Mist mit den koksenden Kindermädchen, etc.? Als Reporter, der fast alle Verhandlungstage in dieser Prozess-Serie miterlebt hat, kann ich schwer an mich halten, wenn ich Ihre Zeilen lese. Denn Sie, so mein Eindruck, nutzen den “Fall Staufen” in allererster Linie hier zur Selbstdarstellung. Und dann auch noch so schludrig: Wenn Sie sich sich in einer ellenlangen Tirade zur (in der Sache sicher nicht immer unberechtigten) Medienkritik berufen fühlen, dann sollten Sie doch wenigstens beim Abschreiben des Namens der Verurteilten (Berrin T., nicht Berit T.) oder der Wiedergabe der Behauptung, es gehe dem Opfer gut (Wo stand das? Auf einer Milchtüte? Wer im Prozess saß, hat das sehr viel differenzierter und inhaltlich anders gehört! Und ja, man sollte das Kind in Ruhe lassen, vielleicht auch als eitler Juraist…) sorgfältig und sachlich richtig arbeiten. Es ging in dem Verfahren auch nicht um die Frage nach “Staatstrojaner” oder “Lücken”, sondern um ganz klar definierte Sachfragen, wo es zwischen Behörden im vorliegenden Fall gehakt hat, Sachfehler, nicht polemisches Blabla.

    Natürlich kann man Prantls Kommentar diesbezüglich angreifen, weil er populistisch ist. Aber warum dieser Zynismus dabei? Sie selbst heizen hier doch die populitische Debatta an. Oder warum sonst geben Sie eine angebliche Forderung der StAin (“25 Jahre”) wieder, deren Beleg Sie schuldig bleiben? Ich jedenfalls habe sie das nicht fordern hören. Und wie gesagt, ich war die meiste Zeit im Gericht dabei. Und habe mit genügend Ermittlern gesprochen, die sagen, dass diese Konstellation von Tätern eben nicht alltäglich ist. Freilich, die haben vielleicht nicht Ihre 35 Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Und ich mach den Job auch erst 20 Jahre, was kann ich da schon wissen aus der Betrachtung vor Ort, das Sie ohne dort gewesen zu sein nicht längst wissen und beurteilen könnten…

    1. Sehr geehrter herr Eckert,
      1) Darf ich fragen, für welche Zeitung Sie berichtet haben?
      2) Die StA’in hat nicht “25 jahre gefordert”, sondern dem Jopurnalisten der SZ erklärt, sie hielte diese Höchststrafe für angemessen(er). Lesen Sie halt die SZ vom 8.8.
      3) Die “Konstellation der Täter” ist nicht alltäglich. Die Taten sind es aber (leider) schon.
      4) Dass etwas “gehakt” hat, ist offensichtlich, denn sonst wäre ja nichts passiert. Beim nächsten Mal “hakt” dann halt etwas anderes. In den übrgen 1000 Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Baden-Württemberg in jedem einzelnen Jahr hat ja auch etwas “gehakt”, und mir ist nichts von Landtagsausschüssen bekannt, die dies lückenlos aufarbeiten.
      5) Dem geschädigten Kind geht es, wie ich ungefähr zehn mal gelesen habe, “erstaunlich gut” oder “dern Umständen entsprechend gut”. Das ist sehr erfreulich. Welche anderen Inform,ationen haben Sie, und woher?
      6) Welche Erkenntnisse – genau – haben Sie durch Anwesenheit in der Hauptverhandlung gewonnen, die meinem Text widersprechen? Haben Sie als Reporter darüber berichtet? Wo?
      TF

      1. Guten abend Herr Fischer,

        zu 1) und 6) Sehen sie mir es nach, wenn ich in Foren nicht mit Realnamen poste? Glauben sie mir einfach, dass es so ist.
        zu 2) Stelle gefunden. Waren ja einige Beiträge. Da steht auch das mit der Rechtsbeugung. Das können die jurisitsch vermutlich wenig bewanderten Anzeigeerstatter doch reinschreiben wie sie wollen, oder? Dass es das nicht war als Tatbestand, kann ja dann die StA immer noch feststellen, auch da fand ich, dass Sie einen überzogenen Wirbel machen.
        zu 3) Gerade die Konstellation war aber ja einer der Aspekte, die das Thema so herausgehoben haben. Die koksenden Kindermädchen etc. haben Sie hingegen “dahingerülpst”, um in Ihrem Duktus zu bleiben.
        zu 4) Selbst wenn nichts gehakt hätte, wäre das Paar eine ganze Weile unterm Radar geblieben. Hätten Sie sich mit dem Prozess befasst, so wäre Ihnen das bewusst.
        zu 5) Dazu wurde auch geschrieben, die Schlafprobleme des Kindes wurden in der Begründung des Richters auch öffentlich gemacht und darauf verwiesen, dass die weiteren Probleme Tiel der nö Verhandlung waren. Sie hätten in mancher VÖ zur Verhandlung auch lesen können, dass alle belastenden Aspekte für eine negative Entwicklungsprognose im Fall Staufen zutreffend sind. Das hat der Gutachter “dahingerülpst”.
        zu 6) Siehe erste Antwort und z.B. das ende von Antwort 5.

      2. Sehr geehrter Herr R.D. (Geheimname!, extrem verschlüsselt!),
        ich glaube, dass Sie eigentlich recht gutt wissen, was ich meine.
        “Anzeigeerstatter” können selbstverständlich “reinschreiben”, was sie wollen. Aber große Tageszeitungen müssen nicht über jeden Unsinn berichten, als ob er eine bedeutende Angelegenheit sei. Ich selbst z.B. erhalte – ungelogen – pro Woche etwa fünf “Anzeigen” oder “”dringende Hinweise” auf “Rechtsbeugung” durch irgendwelche Behörden (!) – Heute früh z.B. gekoppelt mit “leistende Vergewaltigung” – , denen ich bittesehr “nachgehen” solle. Wenn die SZ berichtet, verschiedene Bürger hätten die Vorsitzende Richterin V angezeigt, weil sie angeblich vorsätzlich und mit der bewussten Absicht, dem betroffenen Kind schwer zu schaden, wieder besserees Wissen das Recht gebaugt habe, und dann hjinzufügen, dass “die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet” habe, ist das alles zwar möglicherweise die Wahrheit, eber dennoch grob tendenziös. Denn natürlich weiß die SZ, dass die StA IMMER “Vor(!)-Ermittlungen einleitet”, bei jeder Anzeige, und sei sie noch so abwegig. Denn sonst könnte sie das Verfahren, das mit Anzeigeeingang beginnt, ja nicht einstellen.
        Zum Rest Ihrer Antwort kann ich nichts Neues sagen. Niemand bezweifelt, dass es sich um schwere Verbrechen gehandelt hat. Niemand bezweifelt auch, dass sie vermutlich nicht geschehen wären, wenn die Angeklagten mit höchster Aufmerksamkeit kontrolliert und beobachtet worden wären.
        Andererseits wäre es wohl auch denkbar gewesen, dass die Täterin – als von den Gerichtengequälte “liebende Mutter”, der empathielose Amtspersonen ihr Kind weggenommen haben, in irgendeiner nachmittags-Talkshow herumgeweint hätte und sich auf Facebook ein Sturm der unflätigen Beschimpfung des Gerichts entfaltet hätte.
        Was ich kritisiere, ist nicht Mitgefühl für das Opfer und Strafbedürfnis gegenüber den Tätern. Sondern das absurde Überziehen und das Gemeinmachen mit niederen Rache-Instinkten. Es wäre Aufgabe der Presse, dem gerade entgegenzuwirken, nicht, es anzuheizen. Nach allem, was ich gelesen habe, ist das Strafverfahren in Freiburg sorgfältig, zügig, umfassend geführt worden; alle Täter sind zu (recht) hohen Freiheitsstrafen (und teilweise Sicherungsverwahrung) verurteilt worden. Wenn die Strafen drei Jahre höher ausgefallen wären, wäre nichts an dem Fall besser, keine Tat weniger schlimm und das leiden des Opfers nicht geringer.
        Die Behörden und Gerichte haben sehr glaubhaft bekundet, dass die Lücken, die die Taten (auch) ermöglicht haben, sorgfältig untersucht und wenn möglich geschlossen werden sollen. Das heißt nicht, dass nicht in einem anderen Fall eine andere kleine Lücke, trotz besten Willens, wiederum eine schlimme Tat ermöglicht. Es gibt hier wie auch sonst keine “absolute” Sicherheit; es gibt immer die Möglichkeit eines Irrtums, einer Täuschung, eines Versehens usw. Es kommen hier wie auch sonst (und bei jedermann) ständig viele kleine Fehler vor. Zum Glück passiert meistens nichts.
        Hätte die Frau, die kürzlich unkontrolliert in den Münchner Sicherheitsbereich gelangte, 50 Menschen in die Luft gesprengt, wäre noch heute ganz Deutschland im Ausnahmezustand. So, da nichts passiert ist, geht die Sache inzwischen als “Gag” durch, und der Sicherheits-Verantwortliche des Flughafens muss sich dafür rechtfertigen(!) und beschimpfen lassen, dass er Fluggästen den Start in den Urlaub verdorben hat.
        T.F.

    2. Mich hat Ihr als “polemischer Mist” titulierte Absatz eher zum nachdenken angeregt, dass Missbrauchs- und Gewalterfahrungssituationen kein Unterschichtenproblem sind.
      Alles was ich bis jetzt zu dem Thema seriös lesen konnte, bestätigt dass das Thema alle (!) Gesellschaftsschichten betrifft. Dieser Fall, jedoch wurde aus meiner Perspektive extrem in den Mittelpunkt des Sommerlochs gezogen und gerade beispiellos wurde unsachlich und mit dem Unterton “asozialen Unterschicht” die Täter noch zusätzlich an den Pranger gestellt.
      Empathie ist keine Einbahnstraße. Es sollte nicht sein, dass ein Journalist Täter ohne Empathie beschreibt, selbst aber an dieser in seiner Berichtserstattung missen lässt.
      Das ist mir verdammt wichtig: Es geht nicht darum die Tat oder die Schuld der Täter zu relativieren! Es geht darum, dass auch die Täter eine Missbrauchs- und Gewalterfahrung gemacht haben, in ihrer Biographie. Das rechtfertigt natürlich rein gar nichts. Aber unsere Rechtsordnung will so einen Zusammenhang berücksichtigen und wenn wir sachlich darüber nachdenken, können wir auch die Hintergründe verstehen… Aber dazu braucht es Abstand zur Emotion…

  3. Sie haben insofern recht, als dass tat- und schuldangemessen bedeutet, “ist juristisch korrekt”. In welchen Sanktionsrahmen man diese Begriffe einbettet ist indes eine andere Frage.

    Das Gericht hat mit Freiheitsstrafen von 12 Jahren recht weit hoch gegriffen, wenn man den geltenden Strafrahmen bzw. die geltenden Strafzumessungsregeln zugrundelegt. 12 Jahre, das ist die Strafe, dort gelten die Strafzwecke (Vergeltung, Generalprävention, Spezialprävention) und maßgeblich für die Strafhöhe sind eben Tat- und Schuldschwere. Kann man persönlich für zu viel oder für zu wenig halten, wie auch immer. Die Sicherungsverwahrung hingegen ist keine Strafe, sondern eine Maßregel der Besserung und Sicherung, dort geht es um Gefährlichkeit, deren Vollzug (theoretisch) lebenslang andauern kann.

    Das m.E. an der aktuellen Rechtspraxis nicht Nachvollziehbare ist, dass bei Anordnung der Sicherungsverwahrung der im Vorwege stattfindende Strafvollzug in besonderem Maße auf Resozialisierung ausgerichtet sein MUSS, damit eine SV im Anschluss überhaupt vollzogen werden DARF. Dabei geht es nach einiger Zeit auch stets darum, Erprobungsräume in Freiheit zu schaffen, wenn auch anfänglich unter Aufsicht. Das BVerfG hat vor einiger Zeit entschieden, dass bei diesen Erprobungen “bis an die Grenze des für die Allgemeinheit Zumutbaren” gegangen werden muss (korrigieren Sie mich gern, wenn ich da falsch liegen sollte). Soll heißen: Bei Verurteilten, die besonders schwere Delikte begangen haben – und dies nicht zum ersten Mal – greift das Primat der Resozialisierung im Besonderen.

    Wissen Sie, ich halte sehr viel von Präventionsprogrammen wie z.B. “Kein Täter werden” o.Ä. Auch geht es mir nicht darum, JEDEN Gewalt-/Sexualstraftäter bis ans Lebensende wegzuschließen. Bei schwersten Gewalt- und Sexualtätern, die zudem auch schon in der Vergangenheit (mehrfach) auffällig wurden, muss eine Gesellschaft allerdings das Recht haben, diese aus der freiheitlichen Gemeinschaft dauerhaft auszuschließen – ohne besondere Resozialisierungsbemühungen.

    1. Zu Martin Cichy:
      Vielen Dank für Ihre Kritik!
      Nein, ich denke, dass nicht der Resozialisierungs-gedanke “in besonderem maß” greift, wenn die Tat besonders schwer war – jedenfalls nicht im Sinn einer “besonderen Großzügigkeit”. Für Verurteilte mit anschließender Sicherungsverwahrung gilt im Grundsatz nichts anderes als für alle zu Freiheitsstrafe Verurteilten.
      Die Anordnung der SV findet aber auf der Grundlage der Erkenntnisse zum Zeitpunkt der Aburteilung statt: Es handelt sich also um eine Prognose, ob und wie gefährlich der Täter nach (Voll)Verbüßung seiner Freiheitsstrafe noch sein wird. Eine Prognose muss immer eine sachliche Grundlage haben. Und es wäre wenig sinnvoll, einen Menschen 12 oderv 15 jahre vollständig von allem zu isolieren und dann gutachtlich zu prüfen, ob er vielleicht (?) nich “gefährlich” ist. Das heißt: Man muss – in den “zumutbaren” Grenzen – die Möglichkeit einräumen, “Ungefährlichkeit” zu üben oder wahrscheinlich zu machen.
      Dass jemand, der mehrfach versagt und in Verfahren “Einsicht und Reue” gezeigt, abnschließd aber einschlägig rückfällig geworden ist, es in der Zukunft äußerst schwer haben wird, eine “positive Prognmose” zu erhalten, liegt auf der Hand. Schon heute ist es so, dass die durchschnittliche Dauer der Unterbringungen in der SV deutlich angesteigen ist, weil sich kaum noch ein Gutachter “traut”, positive Prognosen zu erstellen und sich anschließend – in den nicht häufigen Fällen des Irrtums – als Opferfeind und Täterkomplize beschimpfen lassen zu müssen.
      Ihr Ansatz “bei schwersten Gewalt- und Sexualtaten” ist problematisch. Sie müssten hier eine Grenze finden, von der an Menschen (Täter/Verurteilte) NOCH wie Subjekte oder SCHON wie Objekte behandelt werden. Das ist, nach der seit 70 jahren ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, unzulässig, weil es gegen Art. 1 Abs. 1 GG verstößt. Ich weiß schon, dass viele (zurecht empörte) Menschen meinen, die Menschenwürde stehe Personen nicht mehr zu, die die Würde und das Lebensrecht anderer mit Füßen getreten haben. Das ist aber, letzten Endes, von der Theorie des NS-Strafrechts nicght weit entfernt, in der der Täter “ehrlos” wurde und der bloßen “Verniochtung” anheimfiel, also aus der “Volksgemeinschaft” und damit dem Kreis der büprgerlichen Subjekte ausgetoßen wurde. Die Bundesrepublik ist mit der Maßgabe gegründet worden, dahin nie wieder zurückzukehren. Es ist ermüdend und gelegentlich beangstigend zu erleben, wie schnell und laut nach schweren Verbrechen diese Grundsätze im Namen einer “Gerechtigkeit”, die rein persönlich, subjektiv formuliert ist und vom Staat wenig verstanden hat, für obsolet erkklärt werden.
      Ich will Ihnen nicht unterstellen, dies zu vertreten. Sie müssen aber sehen, dass wir sdchon heute eine Vielzahl von Menschen in lebenslanger Fereiheitsstrafe und/oder Sicherungsverwahrung halten, die tatsächlich “lebens-lang” eingesperrt bleiben. Die geschichte von der angeblich “milden” Justiz ist, gerade bei Sexualstraftaten, eine Mär.
      Und wer sich einmal ein bisschen mit den zahlreichen Themen des langzeit-Vollzugs befasst hat, weiß, dass sich nach 10 oder 12 Jahren sowieso nichts mehr “bewegt”, keine “Schuld” mehr “aufgearbeitet” und Verantwortung kaum mehr erkannt wird. Auf sehr lange Dauer ist es viel schwieriger und aufwändiger, die Folgen der Hospitalisierung, Abstumpfung und Lebensuntüchtigkeit solcher Gefangener in den Griff zu kriegen als ihnen irgendwelche formalen Bekenntnisse des Besserunmgswillen abzufordern.

      1. Haben Sie recht vielen Dank für diese ausführliche Antwort!

        Mir geht es in der Tat nicht darum, Schwerstkriminelle bei Wasser und Brot darben zu lassen bzw. als Objekte zu behandeln. Der Vollzug, egal ob Straf-, Behandlungs- oder Verwahrvollzug, muss stets einen Rest an Humanität aufweisen – auch gegenüber den schlimmsten der Schlimmen.

        Nur muss die Gesellschaft das Recht haben, bei Menschen, die (z.T. wiederholt) schwerste Straftaten begangen haben, im Zweifel der Sicherheit Vorrang zu geben. Das soll keineswegs ausschließen, dass der Inhaftierte auch in der Haft seinem Leben einen Sinn geben soll, sei es durch Arbeit oder die Ausübung von Hobbies – natürlich alles mit Einschränkungen.

        Sie führen den Artikel 1 des GG bzw. die laufende Rechtssprechung des BVerfG hierzu an. Dazu kann ich nur sagen: Die Würde des Menschen mag unantastbar sein; aber was eben gerade als menschenwürdig gilt, steht nicht im Gesetz, das festzulegen unterliegt in hohem Maße dem geltenden Zeitgeist. Vielleicht stuft das BVerfG den derzeitigen Strafvollzug eines Tages als verfassungswidrig ein – oder erklärt die absolute lebenslange Freiheitsstrafe, vielleicht sogar die Todesstrafe (über welche dogmatischen Verrenkungen auch immer) irgendwann wieder für zulässig. By the way: Ich wünsche mir weder das eine noch das andere Extrem.

        Wie heißt es so schön: panta rhei – alles fließt.
        Etwas freier übersetzt: Alles geht den Bach hinunter …

  4. Hat den Artikel jemand gegen gelesen? Da haben sich einige Rechtsschreibfehler eingeschlichen … aber für mich persönlich sehr beruhigend, dass ich mit meiner Schreibschwäche nicht alleine dastehe…

    Zum Inhalt: Trump lässt grüßen. Den Leuten aufs Maul schauen und das wiedergeben. Das es dann selbst Qualitätsmedien betrifft, na ja, so wirklich überrascht bin ich jetzt nicht.
    Schlimmer geht immer …

    Was mich allerdings ein wenig verwundert, dass in allen Artikeln gar nicht thematisiert wird, das Täter in der Regel auch erst Opfer waren und es sehr selten ist, dass quasi Satan in einen Täter fährt und einen Menschen ohne Vorbelastung solche Taten verüben lässt. Das soll natürlich keine Entschuldigung sein, soll aber aufzeigen, dass Prozesse oft eine komplexe Veranstaltung sind.

    1. Was ist daran so schlimm, schwerste Verbrechen als solche zu benennen und ggf. eine Strafe als zu milde zu erachten?
      Sie wollen doch nicht etwa am Thema vorbei einfach nur gegen den vermeintlichen Rechtspopulismus und gegen Trump polemisieren …

      1. @Martin Cichy: Rein gar nichts (!), außer das ich mit Ihnen nicht übereinstimme was die Milde betrifft.
        Waren Sie schon einmal gefangen?
        Wissen was es bedeutet gefangen zu sein?
        Satire ON: Natürlich sind Gefängnisse ausschließliche Wohlfülloasen und die Besserung zum sogenannten Guten ist natürlich programmiert. Da klappt alles wie es soll. Von Problem im Strafvollzug hört man nur Märchen und übelste Nachrede…
        Satire OFF

        Es geht mir ausdrücklich nicht darum die Tat zu relativieren, ich denke über Gerechtigkeitsgefühle werden wir auf keinen Nenner kommen …

        Mit geht es ausschließlich um den Differenzierungsaspekt!

        Wir werden, leider (!!!!!!), selbst wenn die Strafen noch so drakonisch sein sollten, solche Taten, trotzt bester Fürsorge nicht vermeiden können. Gesellschaften sind nun einmal divers. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Kommen noch soziokulturelle Bedingungen und Missbrauchs- sowie Gewalterfahrungen hinzu, dann ist die Wahrscheinlichkeit doch da, dass es irgendwann Wiederholungen geben wird.
        Selbst in Staaten die mit dem Tode drohen, als Maximalstrafmaß, hilft die Härte eben (!) nicht. Sie verhindert ausschließlich das der Täter bestimmt nicht mehr zum Täter wird und noch jahrelang in einen Vorhof der Hölle geschickt wird, indem der Täter noch jahrelang auf die Urteilsvollstreckung warten müssen… da ja Hochsicherheitsgefängnisse bekanntermaßen, natürlich auch unter den Aspekt Wohlfühlen fallen, insbesondere amerikanische heben sich gerade zu musterhaft hervor…

        Ich persönlich finde es nicht in Ordnung Personen, die selbst eine Historie hinter sich haben, die es ihnen an Empathie mangeln lässt, so krass in den medialen Mittelpunkt zu stellen und dann noch den Respekt vor der Justiz zu verlieren.
        Vielleicht bin ich ein Träumer, aber ich bin mir sehr sicher, dass die Richter und Schöffen sich das Urteil nicht leichten Herzen gefällt haben. Es wird bestimmt Rechtsgründe geben, warum nicht das Höchstmaß der Strafzumessung gegeben wurde. Da muss wohl die Presse dann noch die schriftliche Urteilsbegründung abwarten (siehe Analogie NSU Prozess) aber das interessiert dann wirklichen (fast) keinen Journalisten mehr, denn dann müsste man sich ja mit den Sinn der Gesetze auseinander setzen und es dem inzwischen nicht mehr aufgebrachten Publikum mühsam erklären, warum Missbrauch nicht analog zu Mord bestraft wird, was die Hintergründe sind, etc.
        Jedenfalls finde ich keine mediales Weiterarbeiten im gleichen Umfang, wenn die Urteilsbegründung vorliegt und aus Perspektive der Rechtsdogmatik verstanden werden kann, was die Beweggründe waren/sind…
        Zudem können sich die Täter ja überhaupt nicht wehren und die Resozialisierung, die auch ein wichtiger Aspekt unserer Rechtsordnung ist, wird auch hier schwerer.

        Mir dann zu unterstellen, ich wollte polemisieren, da ich Reizwörter wie Trump verwende, finde ich nicht in Ordnung. Es sollte eigentlich einen Unterschied, zwischen einer Berichtserstattung einer BILD Zeitung geben und einer Süddeutschen! Und zwar inhaltlicher Natur und aus dem Aspekt, selbst emotionale Themen differenziert zu betrachten. Ich weiß, ich weiß, … leider alleine auf weiter Flur, gerade wenn Gefühle durchdrehen.
        Bei den Simpsons gab es mal eine Episode, in der ein entlaufener Bär Auslöser bezüglich eines Anti-Bären-Sicherheits-Apparates wird, der sich in höhere Steuern niederschlägt, die sich dann in Ausländerfeindlichkeit niederschlägt. Die hysterische Meute – beim Bürgermeister – ruft: “Denkt an die Kinder, denkt an die Kinder”. Hauptsache Aktionismus, gleich welche Konsequenzen es haben sollte.
        Daher ist es ja so wichtig, auch unpopuläre Gegenmeinungen mit der Zielsetzung der Versachlichung in die Diskussion mit einzubringen, da Emotionen eben nicht die Grundlage von Gesetzen sein sollten…

    2. “Schreibschwäche” würde ich das nicht nennen, eher Tipp-Schwäche. Man kann nicht alles haben; aber ich entschuldige mich ausdrücklich dafür, dass mein Zweifuingersystem gelegentlich den Gedanken nicht folgen kann… Der Rest ist Redaktions-Sache.

      Zum Inhalt: Ja, Sie haben Recht. Die “Opfer”/”Täter”-Position schwankt außerordentlich stark, willkürlich und ungerecht. Im vorliegenden Fall ist, nach allem, was wir lesen, die verurteilte Kindesmutter geradezu lehrbuchmäßig ein “Opfer der Verhältnisse” (oder ihrer Eltern, oder der Verwaltung, oder ihrer früheren Partner, oder …). Die meisten Journalisten, die sie jetzt als “Monster” und “unfassbar” beschreiben, hätten vor zwei Jahren eine herzerweichende Doku über sie gedreht, wie sie sich durchs Leben leidet, mogelt, lügt, “kämpft”. Und – reine Spekulation, aber mit Überzeugung! – kein einziger der DOKU-Filmern hätte anschließend die Polizei alermioert, weil das Kind der Frau T. gefährdet sei.
      Will sagen: Die Wirklichkeit ist nicht so schwarz/weiß, wie sie dargestellt wird. Die Grenzen sind nicht so klar! Von Status des armen Opfers in den des verachteten Täters zu fallen, ist nicht schwer, und es bestimmt sich nach Anforderungen und Maßstäben, die schwer erkennbar und für die Betroffenen kaum erreichbar sind.
      Wie viele Täter von Gewalt und sexuellem Missbrauch sind früher selbst Opfer der nämlichen Straftaten geworden? Fast jeder – die Presse allzumal – kennt diesen Zusammenhang. Man müsste offener und weniger panisch über diese Grenzen diskutieren. Aber dem schlägt eine mächtige Angst-Maschine entgegen.

    3. Zu meinen Worten und zu Ihrer Reaktion darauf:

      Ich habe lediglich geschrieben, dass nichts dagegen spricht, eine Strafe “ggf. als zu milde zu erachten”. Das impliziert noch nicht einmal, dass mir persönlich diese Strafe zu milde ist, sondern dass man diese Position vertreten KANN. Soviel dazu. Des weiteren haben Sie geschrieben:

      “Zum Inhalt: Trump lässt grüßen. Den Leuten aufs Maul schauen und das wiedergeben. Das es dann selbst Qualitätsmedien betrifft, na ja, so wirklich überrascht bin ich jetzt nicht.
      Schlimmer geht immer …”

      Nur weil Herr Prantl das Urteil für milde hält (unbeachtet der Tatsache, ob er damit recht hat oder nicht) müssen Sie darauf nicht mit derartigen Bemerkungen (Trump etc.) reagieren.

      Es war gewiss nicht meine Absicht, Sie persönlich vor den Kopf zu stoßen, aber wer derart abwegige Zusammenhänge konstruiert, muss auch damit leben können, Contra zu bekommen.

      1. @Martin Cichy. Selbstverständlich KANN man die Position vertreten, ein Urteil sei zu milde und ich finde es auch richtig, das Gegenpositionen und ein Diskurs gestartet wird.
        Allerdings dann bitte auch mit sachlichen Begründungen!
        Es ist eben nicht sachlich begründet, wenn Täter als “eiskalt” beschrieben werden.
        Soll das für das höchste Strafmaß reichen?
        Es gibt in der Regel Gründe, warum die Täter ohne Empathie sind und wenn das als Grund reichen soll, dann bitte mit Erklärung, wie bei einem analogen Prozess geurteilt werden sollte und wie der Grad “eiskalt” dann ermittelt wird.
        Wenn sich inhaltlich die Berichterstattung der Süddeutschen und einer BILD in fast nichts unterschied, beide das staatliche Versagen anprangern bzw. dem unsäglichen Trend fördern und folgen, “asoziale Individuen” haben ein beispielloses Verbrechen begangen und einen ähnlichen Duktus verfolgen, dann denke ich ist “TRUMP” und den Leuten aufs Maul schauen, nicht so weit hergeholt.
        Würde die Täter nun gelyncht, aufgrund dieser Berichterstattung, wer wäre dann verantwortlich? Auch der Staat, weil diese die Presse nicht im Zaum hält? Soviel Reflexion müsste eigentlich sein …
        Abgesehen davon ist es schon sehr widersprüchlich, dass gerade die Medien, auf vielen anderen Ebenen, den Fürsorgestaat kritisieren, wo es ihnen möglich ist, Nannystaat, etc. aber wenn etwas nicht optimal läuft, aus dem schäumen vor dem Mund über einen unfähigen Staat nicht herauskommen.
        Die kritische Frage lautet eigentlich auch: Wie versagt eigentlich die Presse/Medien bei dem Thema Missbrauch? Wird genug getan das Thema im aktuellen Fluss zu halten oder haben wir inzwischen eine reine Erregungskultur? Ich meine, meiner Wahrnehmung letzteres zu erkennen …

  5. Treten wir also einer mächtigen Maschine entgegen, welche eine Angst erzeugt davor, ohne Panik diskutieren zu können, was es bedeutet, daß Opfer sexueller Gewalt später selber zu Sexualtätern zu werden drohen. Soweit der Versuch einer Zusammenfassung des letzten Absatzes.

    Unser Land ist stark reguliert. Auch über diese Gründe könnte man zu diskutieren versuchen. Nur: mit wem? Denn man könnte darauf stoßen, daß es den Bürgern Angst machen würde, weniger reguliert zu sein. Und warum dies den Bürgern Angst macht. Eine Angst, die womöglich keiner maschinellen Verstärkung bedarf müßte demnach überwunden werden, nicht etwa um sich vor offenbar vor vererbbare Handlungen von Sexualstraftätern zu schützen, sondern um diese Verhaltenskategorie überwinden zu können.

    Ein anderes, ein selbstbewußtes Volk muß her.Trotz Angst-Maschine laufen da lschon einige Experimente.

    1. „Ein anderes, ein selbstbewußtes Volk muß her.Trotz Angst-Maschine laufen da lschon [sic!] einige Experimente“? Das würde mich nun doch mal sehr interessieren, um was für Experimente es sich hier handelt!

      Auch allem deswegen, weil Sie hier als ziemlich stramm-rechter Diskutant bekannt sind. Sollte Mengele immer noch nicht tot sein?

    2. Na ja: Sie einmal wieder.
      Da ist das VOLK nicht weit.
      Ihre “Regulations”- und Deregulations-Fantasien beschränklen sich meist auf eher vage Andeutungen, die man nicht verstehen, aber vermutlich irgendwie “wichtig” finden soll.
      Besser wäre es, Sie würden einfach sagen, was Sie zur Sache (1) zu kritisieren und (2) vorzuschlagen haben.

      1. Ich nehme an, mit: Naja, Sie mal wieder um 15:01 war ich gemeint.

        Zu

        “Ihre …….-Fantasien beschränklen sich meist auf eher vage Andeutungen, die man nicht verstehen, aber vermutlich irgendwie “wichtig” finden soll.”

        Na bitte. geht doch….

        Zu: “Besser wäre es, Sie würden einfach sagen, was Sie zur Sache (1) zu kritisieren und (2) vorzuschlagen haben.”

        Mein Vorschlag stand eigentlich unter dem Beitrag:

        Ein anderes, ein selbstbewußtes Volk muß her.Trotz Angst-Maschine laufen da schon einige Experimente. Er war allerdings eigentlich ironisch gemeint.

        ich werde es für Sie neu ormulieren, in der Hoffnung, daß es dadurch klarer vielleicht verständlicher wird.

        Wo Sie hinschauen, wo immer sie sich bewegen, Sie können nirgendwo einem starken Regulierungsanspruch entgehen, ihn nicht übersehen. (Stimmt es eigentlich, daß die meisten Gesetzestexte dieser Welt in Deutsch formuliert wurden. Ich füge es besser gleich hinzu. Ironie)

        Stellen Sie sich mal an irgend eine größere Straße und versuchen, die Anzahl der Verkehrs-Schilder zu zählen. Nachdem Sie sich über meinen sicher profanen Ansatz eines Erklärungsversuches hoffentlich beruhigt haben, können wir meinen Eindruck untersuchen, ob dieser Regulierungsanspruch lediglich einer Art Übermotivation des Staates entspringt, oder doch eher die bestehenden Bedürfnisse der Bürger befriedigt.

        Sollte – aus welchen Gründen auch immer – letzteres in Frage kommen, dann hätten wir es mit Menschen zu tun, die nach Guidance verlangen, einer externen Führung bedürfen.

        Mit jenen nun , die Sie ja hier gelegentlich beschreibend hervorheben wollen Sie: “ohne Panik diskutieren” können, was es bedeutet, daß Opfer sexueller Gewalt später selber zu Sexualtätern zu werden drohen.

        Diese Diskussion bedarf der persönlichen Souveranität der angepeilten Diskutanten, also irgendwann der Gesellschaft insgesamt, die jedoch in dieser Gesellschaft schlicht nicht vorhanden ist.

        Sonst würden übrigens auch ganz andere Entwicklungen bei uns so nicht möglich sein.

        Das ist meine Befürchtung.

        Dies stellt also keineswegs irgendeine Forderung von mir dar. Ich habe keine Forderungen.

        An meiner abschließende Bemerkung:

        Ein anderes, ein selbstbewußtes Volk muß her. Trotz Angst-Maschine laufen da schon einige Experimente“

        halte ich fest, wenngleich ich diesmal der offenbar unzureichenden Verständlichkeit wegen hinzufüge, daß diese Bemerkung nur als Ironie verstanden werden kann.

        Für dieses Mißverständnis entschuldige ich mich

        Ist Ihnen aufgefallen, wie wenige kritische ( kritische !) Stimme sich noch in der Öffentlichkeit erheben bzw in dieser wiedergegeben werden? Halten Sie dies für den Normalzustand ? Glauben Sie, Sie befinden sich hier im Powerhaus der intellektuell möglichen Gegenrede dieser Republik? Und wenn nein: wo wäre dies dann? In der Zeit? Existiert es vielleicht nicht? Nicht mehr? Oder zeigt es sich lediglich nicht? Sie kreuzen hier Ihre Klinge zu Personen wie Herr Prantl. Nachdem Sie sich in ihrer besonderen Weise zu diesem geäußert haben, müßte Ihnen irgend etwas etwas auffallen.

        Es fehlt an Leuten, mit denen man fehlgeleitetes Sexualverhalten, vor allem jedoch auch andere, im Ergebnis sicherlich ähnlich weit reichende Fragen öffentlich erörtern könnte.

        Das wars schon wieder vom “Sie mal wieder”
        .

  6. Ein toller Artikel, dem man anmerkt, dass hier nicht geschrieben wird, um eine „Sprechpflicht“ zu erfüllen.

    Ich finde es auch erstaunlich, wie bei allen medial gehypten Verbrechen ein nahezu identischer Forderungskreislauf in Kraft tritt, der sich nur darum dreht Gesetze zu verschärfen und Behördenversagen anzuprangern.

    Und dann kommt zum Schluss immer nochmal Rainer Wendt zu Wort und darf betonen, wie wichtig die Vorratsdatenspeicherung doch sei.

  7. Was mich wütend macht, sind die Aussagen z.B.: “schwere/schlechte Kindheit/ Jugend; selbst Missbrauchsopfer usw.”: Da fehlt mir Verständnis. Und ich bin missbraucht worden, bis ich 16 war. Geprügelt, dass ich nicht zur Schule gehen konnte etc. Das ist KEIN Grund selbst Kinder zu misshandeln, zu missbrauchen oder für Sex zu verkaufen.
    Ihre Schelte, Herr Fischer, gegen die Medien und die Hasstiraden in den sozialen Medien teile ich. Ihr unterschwelliges Mitleid mit den Angeklagten/Verurteilten nicht.

    1. Sie sollten darüber nachdenken, das es in Ihrer Biographie eventuell Menschen gab, die Ihnen Empathie bzw. Zuspruch geben konnten.
      Viele Täter hatten in ihrer Entwicklungsbiographie eben keinen dieser sozialen Anker, welche, so wird jedenfalls in aktuellen Studien behauptet, in der frühkindlichen Entwicklungsbiographie gesetzt wird.
      Fehlt diese, können Menschen keine empathischen Bindungen mehr bzw. kaum aufbauen und selbst im Erwachsenalter können diese Brüche kaum mehr therapiert werden.
      Es ist bestimmt nicht einfach aufgrund ihrer eigenen Biographie vielleicht nachzuvollziehen, dass die Beeinträchtigungen an Empathie, diverse Grade erreichen kann.
      Das soll natürlich überhaupt nichts entschuldigen oder relativieren. Vielleicht denken Sie mal darüber nach, warum der Gesetzgeber überhaupt Strafrahmen gibt, was der Sinn dahinter ist und warum auch die Biographie der Täter ein Gesichtspunkt bei der Strafzumessung sein könnte (natürlich nicht der hauptsächlich relevante) und was damit eigentlich erreicht werden soll.

      1. Weder Empathie noch Zuspruch gab es damals. Der Anker von dem Sie sprechen, war in meinem Umfeld nicht zu finden.
        Meine Mutter erklärte mir – als ich schon 40 war und sie auf die Situation ansprach – dass ich mich z.B. an die Sachen als Kleinkind nicht erinnern könnte und mich nicht aufregen soll.

        Es ist nicht immer so, wie einige Forscher behaupten. Aber ich sage, dass jeder irgendwann selbst Verantwortung für sein Leben übernehmen muss.

      2. @Dudenbaum: Dann stellen Sie die sehr positive Ausnahme dar!
        Fehlt der frühkindliche Empathieentwicklung, ist es sehr wahrscheinlich das die betroffenen Personen psychopathische Störungen entwickeln. Forschungen haben bis jetzt aufgezeigt, dass es jedoch immer einen Sozialbezug gab, sei es beste/r Freund/in, Verwandtschaft, Schule/Lehrer, Vereine, etc. der selbst schlimmste Ereignisse verarbeiten lässt – die Forschung nennt dies Resilienz! Vielleicht ist ihnen aufgefallen, das ich nicht im absoluten Duktus kommuniziere – sprich die Ausnahme ist immer möglich.
        Jedoch bleiben Sie mir meine Rückfragen schuldig, warum der Gesetzgeber seine Gesetze so formuliert wie diese im Moment sind.
        Ihr erlebtes Leid mit absoluten Respekt … entbindet es aber nicht, auch sachlich sich dann der Diskussion zu beteiligen.
        Von sich auf andere zu schließen, sehe ich immer kritisch, da andere ein anderes Leben, andere Voraussetzungen haben/hatten und Gefühle keine Leitfaden für Gesetzen sein können …

    2. Ich glaube, diese – ja durchaus weitverbreitete – Wut kommt daher, dass es sehr nach Ausrede klingt. Man spricht über eine furchtbare Tat und bekommt das Gefühl, dass behauptet werden soll, der Täter könne aufgrund seiner Vergangenheit ja gar nichts dafür. Das ist meines Erachtens aber der falsche Ansatz.

      Natürlich gibt es keinen solchen Automatismus, dass Missbrauchsopfer später zu Missbrauchstätern werden. Trotzdem kann ich mir schon vorstellen, dass das etwas in einem auslöst, was man möglicherweise nie wieder ganz los wird. Da mag ja auch jeder anders sein. Ich kann aber auch nicht ausschließen, dass jemand mit einer solchen Vergangenheit, aufgrund welcher psychologischen Verknüpfungen auch immer, später eine Tendenz entwickeln kann, zum Täter zu werden.

      Es gibt keinen Grund, Mitleid mit einem solchen Täter zu empfinden. Gleichwohl müssen solche Umstände, wenn sie möglicherweise eine Kausalität zur Tat aufweisen, thematisiert und eingeordnet werden – freilich nicht pauschal, sondern ganz individuell.

    3. Zu Dudenbaum:
      Ich verstehe, was Sie meinen. Selbstverständlich gibt die Erfahrung eigenen Leids niemandem ein “Recht”, anderen Leid anzutun. Und sehr viele Menschen, die in ihrer (kindlichen) Biografie schlimme Erfahrungen gemacht haben, schaffen es, sich davon und von den Kreisläufen zu befreien – so wie es auch viele Kinder aus suchtgeprägten Familien schaffen, das nicht zu wiederholen.
      Dennoch ist es eine Tatsache, dass die Gefahr, selbst anzugleiten, durch solche Startbedingungen stark erhöht wird; das bestreitet niemand. Daraus ergibt sich weder “Rechtfertigung” noch Verständnis für die Taten, die solche Menschen begehen, aber doch vielleicht auch Mitleid mit ihnen und ihrem zerstörten Leben.
      Die Täterin von Staufen ist – schauen Sie die Fotos und die Berichte an – zugleich ja offensichtlich das geradezu klassische “Opfer”, Das macht ihre Taten nicht besser. Aber Sie wissen: Nur ein ganz kleiner “Dreh” in den Redaktionskonferenzen von BILD & Co., und die sog. “Sozialen Medien” reden nicht über die “Horror-Mutter” und oder das “Monster von Staufen”, sondern über eine von einem kalt berechnenden Verbrecher zu Furchtbarem getriebene, geistig minderbegabte, von Leben überforderte Verliererin, die “nie eine Chance” hatte …, die sich nicht wehren
      konnte gegen L., usw. usf.
      Jeder halbwegs intelligente Journalist kriegt es hin, dass sich die Stimmung dreht und und der Volkszorn sich gegen das empathielose Gericht und den gnadenlosen Psycho-Gutachter richtet… Es folgt dann eine empathische Doku über Frau T in der JVA: Erstmals im Leben frei, auf dem Weg zjum Hauptschulabschluss…
      Wass die (Medien)-Sache in Staufen entscheidend geprägt hat, war der “MUTTER”-Aspekt. Das ist das angeblich “Unfassbare”; da entädt sich eine unglaubliche hasserfüllte Emotion, die von der Presse stetig noch beflügelt wird.
      Tatsache ist aber doch auch: Es gibt zahlreiche (!) Fälle, in denen sich Sexualstraftäter gezielt an (“schwache”) Frauen mit (kleinen) Kindern heranmachen in der Absicht, diese zu missbrauchen. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Frauen / Mütter sexuelle und vor allem auch Gewalt-Übergriffe auf ihre Kinder verleugnen, nicht zur Kenntnis nehmen, aus Angst vor dem verlassenwerden tolerieren oder sogar aktiv mittragen.
      Die Diskussion über die “MUTTERINSTINKTE” und deren “Versagen” im Fall Staufen hat m.E. etwas Gespenstisches. Sie rückt das Nachdenken über Verbrechen und ihre Ursachen in die Nähe von (geschlechtsspezifischen) Natur-Gegebenheiten und (tierischen) “Instinkten”. Frauen oder Mütter, die Kinder misshandeln oder missbrauchen, sind kein bisschen besser als Männher/Väter, die das tun. Aber auch kein bisschen schlimmer.

      1. Ja so ist es. Die Natur hat ein Fürsorgekonzept vorgesehen. Betrifft in erster Linie die Sorge um die eigene Brut. Mütter und Väter sind allerdings ersetzbar, wenn sie zu inkompetent sind. Wo es da hapert, sollten gerade keine gefühlsbesoffenen Leute mitmischen und schon gar keine sog empathischen FamilienRichter.
        Da muss man sich dann jeden Fall genau anschauen.

        Aufgabe der Psychoanalyse wäre es zu heilen u Ruhe rein zu bringen. Aufzuarbeiten usw.

        Danke für den Artikel!!

  8. Mal wieder ein Referat von Herrn Fischer, wie ermüdend. Insbesondere wenn er seine Betroffenheit zur Messlatte macht und alles was zur Beschreibung der Staufener Missbrauchsfälle über “schlimm” und “schwer” hinaus geht nicht mehr als Mitgefühl wertet, sondern nur “Sprechpflicht” unterstellt.

    1. Letzteres, die “Sprechpflicht” hat mich auch ziemlich abgestoßen. Eine böse Unterstellung, wenn er die Empörung als nicht echt abqualifiziert.

  9. Es wäre hilfreich, Meedia hätte auf den Prantl-Kommentar verlinkt und hilfreich, die Leser des Fischer-Ergusses hätten den Prantl denn auch vorher gelesen. Dann weicht doch recht viel Luft aus der aufgeblähten Fischer-Glosse. Und aufgebläht ist sie; der dauerironisierende Grundton mag in typischer Glossenlänge erträglich oder gar erheiternd sein, aber in dieser epischen Breite bleibt nur Atem- und Ratlosigkeit. Was soll uns das?

    Anstatt sich auf Prantl oder zumindest journalistische Urteilsschelte zu beschränken, arbeitet sich Fischer auch noch an dem so dankbaren Thema der wüsten, anonymen Internet-Kommentare ab. Er brambarisiert über NutzerInnen der Berliner Verkehrsbetriebe, als wenn er letztlich auch noch der bessere Psychoanalytiker wäre, die er en passant gleich auch noch abkanzelt. Herr Fischer, Ihre schon aus Zeit-Tagen weidlich bekannte Maßlosigkeit schadet doch vor allem Ihnen selbst. Die durchaus vorhandenen lesenswerten Gedanken zu Ihrer ureigenen Sache, der Juristerei, gehen in dieser klebrigen Masse unter und werden durch sie entwertet.

    Prantl fragt, wo, wenn nicht hier, sollte die vorgesehene Höchststrafe von 15 Jahren verhängt werden. Das kann man sicher sachlich argumentieren und die Urteilsbegründung wird dazu sicher etwas sagen. Diesen Gedanken nur als Ausdruck des Fischer verpönten Volksempfindens abzuqualifizieren, ist wohl eher unsachlich und wenig hilfreich. Prantl fordert, die im Vorfeld gemachten Fehler der befassten Behörden müssten untersucht werden, damit daraus Regeln erwachsen, die ähnliches in Zukunft verhindern helfen. Auch das ist auch weder unredlich, noch dumm. Man könnte lebensabgebrüht wohl meinen, daß es in diesem Land genug Regeln gibt, nur leider deren Einhaltung nicht sonderlich streng kontrolliert wird und – gerade bei Behörden-Handeln – keine geeigneten Sanktionen vorgesehen sind. Wie überhaupt Recht (und seine Durchsetzung) sich schwertut, wenn viele “Umstände” zusammenkommen und eine eindeutig einer Person zuzuschreibende Schuld nicht auszumachen ist. (Man denke an die Loveparade oder die eingestürzte Eislaufhalle von Bad Reichenhall.) Aber lebensabgebrühte Fatalisten werden nie etwas zum Positiven wenden, insofern kann man die Forderung Prantl’s nach konstruktiven Konsequenzen nur begrüßen. Es sei denn halt, man paddelt selbstgenügsam im Meer der eigenen Ergüsse ohne wirkliches Interesse am verhandelten Gegenstand.

    1. Überlegung Sie doch mal warum Prozesse so sachlich wie möglich geführt werden und die Grundlage von Urteilen keine Gefühle sind, sondern Gesetze. Dann sollte sich Ihnen erschließen, warum der Gesetzgeber (der nicht Herr Fischer ist, sondern den wir alle wählen) die Gesetze so gebaut hat, wie diese im Moment sind und was der Hintergrund ist, warum es Strafrahmen gibt, deren Sinn, etc.
      Würden wir nach Gefühl verurteilen, könnten wir eigentlich das Rädern wieder einführen, obwohl es dann bestimmt noch genug Schreihälse geben würde, die brüllen würden” …viel zu harmlos!”

    2. Haben Sie vielen Dank für Ihre so tiefgründigen wie freundlichen Lebens-Ratschläge und Persönlichkeits-Analysen.
      Es ist mir immer wieder etwas rätselhaft, wieviel Worte manche Leser für die Erregung darüber verwenden, dass ich ihrer Ansicht nach zu viel Worte verwende.

      Zur Sache selbst: Gemeinhin ist es nicht der SZ und Herrn Prantl Stil, nach Verkündung von Strafurteilen eigene, abweichende Strafzumessungsvorschläge zu verkünden. Vor allem nicht, wenn in der Überschrift steht, das verkündete Strafmaß sei “angemessen”.
      Und wenn ein so differenzierter und sachkundiger Jounalist wie Herr Prantl schreibt, verhängte Strafmaße seien “nicht ausreichend”, müsste er wohl auch dazu sagen, FÜR WAS sie denn nicht ausreichen (obwohl sie “angemessen” sind). Für die Rache? Für den Volkszorn? Für das Schuldmaß? Die ersten beiden Varianten wäören, wie Prantl weiß, ohne Belang in einem Rechtsstaat. Und die dritte Variante lässt nur entweder das eine (“angemessen”) oder das andere (“nicht ausreiched” zu, abver nicht beides zuglöeich. Und den Paragrafen 46b StGB kennt Herr Prantl auch. Also mal schlicht gefragt: Was wäre bei 14 Jahren jetzt wesentlich BESSER?
      Und: Ja, Regeln gibt es. Es gab sie auch schon vorher. Sie zeigten, aus der Vergangenheit betrachtet, kleine Lücken, die die Taten ermöglichten. Man wird sich gewiss bemühen, sie zu schließen. Es wird aber andere kleine Lücken geben, und irgendwann wird wieder etwas passieren. Man muss sich bemühen, die Gefahr möglichst gering zu halten, aber es ist nicht möglich, sie auf Null zu reduzieren. Es passieren jedenm tag eine menge schlimme Dinge aufgrund kleiner Lücken, Versehen und “Unvorhersehbarkeiten”, bei denen in 99,9 % der Fälle eben nichts passiert. Ich meine, dass dies für die seriöse Presse kein Anlass sein sollte, eine Empörungswelle über das “Staatsversagen” aufzublasen und den oder die EINEN “Schuldigen” zu finden. Eine Woche später wird dann wieder darüber gejammert, dass die Wut- und Empörungskultur des schlimmen Internet schuld sei an “Staatsverdrossenheit” und “Populismus”. Fehler müssen, wenn möglich, erkannt und beseitigt werden; kein Zweifel. Ein “angemessenes” Urteil nach einem sorgfältigen Prozess schon wieder auf Seite eins mit “Offene Fragen “, auf Seite zwei mit dem Ruf anch einer höheren (“ausreichenden”) Strafe und nach dem “Landesvater” zu beantworten, liegt m.E. unter dem Standard der SZ (meiner Lieblingszeitung übrigens!).

  10. “Hätte die Gemeinschaftskunde-Lehrerein des Wirtschaftsverbrechers ihre Pflicht erfüllt, hätte er nicht sozialschädlich Steuern hinterzogen. ”

    Tatsächlich ? Hört sich für mich ziemlich albern an.

    Apropos, “großflächig tätowierten S-Bahn-Benutzerinnen”: Ist das der ganz normale Klassenhaß, der immer wieder bei Ihnen durchschimmert ?
    Sich Arme und Nazis als Triebabfuhr auszusuchen, zeugt nun nicht gerade von intellektueller oder charakterlicher Überlegenheit.

    P.S. Ich meine selbstverständlich deutsche Arme.

    1. Aber nein, G. Noreikat! Es treibt mich nicht der Klassenhass, schon gar nicht auf die “Klasse” der Nazis. Und
      Die S-Bahn-Geschichte kam so über mich, in Erinnerung an eine S-Bahn-Fahrt auf der genannten Strecke, die ich in der vergangenen Woche mit eben dem erwähnten Erlebnis absolviert habe. Freundliche Ermahnungen zur Mäßigung wurden mit eher unfreundlichen Gewalt-Androhungen beantwortet.
      Dass mein Beispiel mit der Gemeinschaftskundelehrerin albern ist, haben Sie zutreffend bemerkt. Es diente ja auch – ausdrücklich – zur Demonstration des Umstands, dass wir solche “Kausalitäten” eben albern oder fernliegend finden. Obwohl sie zweifellos “richtig” sind: “Kausal” ist ja auch die Mutter des Verbrechens, die ihn geboren hat. Die Gesellschaft macht sich – in veränderlicher Form – immer ein Bild und eine Vorstellung davon, wie weit “Verantwortung” reichen darf. Hier sucht man nun nach den “schuldigen” Jugendamts- oder Gerichts-Mitarbeitern. Man könnte auch bei anderen Suchen: Nachbarn, Bekannten…
      Die Frau, die in der S-Bahn ihre heulenden Kinder in den Kinderwagen geworfen und zusammengeschrien hat, könnte sie möglicherweise am nächsten Tag schwer misshandelt haben. Hätte ich dann “versagt”, weil ich sie nicht schon am Vortag angezeigt habe? Oder hätte man mit bei der Polizei oder beim Jugendamt gesagt, ich solle mich nicht so wichtig machen; es sei ja nichts passiert?

      p.s.: Beachte “Anlage-Berater- und Rechtsanwalt-Exempel! (Immer schön zuende lesen, bevor man sich zu früh festlegt.)

  11. In Bezug auf die nach weiten Teilen der veröffentlichten Meinung evident fehlenden 2,5 bzw. 3 Jahre Freiheitsstrafe – anscheinend klar erkennbar wie die ew’gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst – können die Befürworter der “ganzen Härte des Rechts” noch froh sein, dass das Gericht die bereits erfolgten und noch zu erwartenden Persönlichkeitsrechtsverletzungen der Beschuldigten (die [bevorstehenden ]Haftentlassungen in Sachen “Gladbeck” und “9/11” zeigen ja, dass Julian Reichelt ein Todfeind der Resozialisierung ist) nicht noch (ausdrücklich) zu Gunsten der Täter berücksichtigt hat.

  12. Abstand zur Emotion – das habe ich hier in irgendeinem der Postings gelesen.
    Auch, wenn man Thomas Fischers Text keine vollkommene Freiheit von seinen Emotionen attestieren mag, habe ich diesen Text – trotz aller polemischen Zuspitzungen und den von manchen gar entdeckten Zynismus – offenbar etwas anders gelesen, als viele.
    Zu lang war er mir auch. Was mich aber weiterlesen ließ, war die in meinen Augen wohltuende systematisch Rückführung darin auf eine eigentlich recht einfache Einsicht: Wenn man Ereignisse wirklich analytisch durchdringen will um sie zu bewerten, hilft nur eines: Von vornherein und auch zwischendurch immer wieder “den Schaum vom Mund wischen”. Fischer zeigt m. E. in seinen Ausführungen vor allem und mahnt auch die Presse dazu, sich bei allen nachvollziehbaren emotionalen Regungen “freizzustrampeln” und zur Sachlichkeit zurückzufinden.
    Weil, wie der Autor m. E. schlüssig aufzeigt, eben im sich Hingeben und folgenden Übersteigern emotionalen Ausdrucks die “Brücke über den Hades” liegt; einem schleichenden Tür und Tor öffnen dafür, dass die “niederen Instinkte” über die “kritische Vernunft” obsieht – und so letztlich nur ein Quell neuer Grausamkeiten entsteht (dieses Mal dann gegenüber den Tätern).
    Ich finde, für diese – wenn auch emotional und polemisch durchsetzte – Rückbesinnung auf den kritischen Verstand gebührt Thomas Fischer absolutes Lob! Und auch dafür – das zeigt m. E. seine “Authentizität”, sein auch zu sich stehen – dass er sich auf die Diskussion hier in den Postings mit seinen Kritikern einlässt. Davon wünsche ich mir mehr! Und ich hoffe inständig, dass diese Art einer von mir im Alltag oft schmerzlich vermissten Haltung im Kern jenes Eigenschaftskanons steht, der Menschen im Richteramt auszeichnet.
    Zur juristischen Seite: Ich habe “aufgeworfen” als ich die Strafzumessung hörte!
    Mein Eindruck: Das Gericht hat sich hier beispielhaft der Mühe unterzogen, Strafrecht, StPO und Signalwirkung “unter einen Hut” zu bringen – und, ohne die (ja, auch die gibt es!) Rechte der Täter zu verletzen – ein deutliches Signal mit ihrem Urteil zu senden.
    12 Jahre und – in einem Fall – anschließende SV sind “kein Pappenstiel”. Ein geringeres Strafmaß hätte meine Aufmerksamkeit nicht erregt. Auch aus der – gefühlsgetriebenen? – Wahrnehmung heraus, deutsche Gerichte lassen Gewalttäter vielfach zu “gut wegkommen”.

  13. Auch ich finde Auseinandersetzung mit den Kommentatoren ein selten positives Merkmal. Dass Herr Fischer oft zu viel schreibt ist mir egal. Dass er überhaupt das Wort ergreift und die Medien für ihre teilweise unerträgliche Meinungsmache kritisiert, reicht mir völlig. Mehr davon!

    1. … hier der link zum Prantl Kommentar: https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauchsfall-staufen-kommentar-1.4084586
      ——
      Prantl hinterfragt ja nicht nur die Strafe, vielmehr richtet er sein Plädoyer, nö, nicht ‚gen Himmel, sondern an ‚den Landesvater‘ und mehr noch, an ‚den Staat‘, der uns ‚den Bürgern‘ etwas schulde. Keine Ahnung, ob dem so ist und was Prantl da bewegt.

      Jedenfalls, sexuelle Gewalt und Missbrauch in allen erdenklichen Ausführungen findet statt, nicht erst seit gestern, zu häufig, zu selbstverständlich und in jeder Gesellschaftsschicht. Dies könnte/sollte/müsste/dürfte man (Mann & Frau) wissen. Ebenso den Umstand, dass die Täter(innen) Achtung: Tabu) meistens aus dem engen Umfeld kommen.

      Allerdings auch bei jedem Fall aufs Neue, Kameraschwenk: Haustür geht auf, die Nachbarin / der gute Bekannte / der engste Freund / der Hausarzt, (Reihe beliebig fortsetzbar) schauen in die Kamera und wiederholen einer Endlosschleife gleich, das schon Erwartbare: Nie im Leben hätten wir das (was auch immer) gedacht. Er/sie war ein guter Nachbar / Freund / Bekannter / Schülerin … immer die Stimmungs-kanone beim Grillfest, … hatte doch immer ein Ohr für die … bitte einsetzen … Älteren, Bedürftigen, Kranken etc. …) oder dasselbe in Grün, dann negativ konnotiert, statt Bestürzung, Empörung.

      Bleiben wir bei Prantl und seinem Verlangen nach dem Starken Über-ich im letzten Absatz:
      Der „Rechtstaat“ mag seinen Bürgern ein Urteil gegen die Täter schulden.
      Beruflich involvierte „Staatsdiener“ mögen Rechenschaft und Transparenz – zumindest eine ‚schonungslose Untersuchung‘ (je)des Falles in all seinen Facetten schulden.
      Aber jeder von uns, „Bürger dieses Staates“ könnte/sollte/müsste die Verpflichtung haben aus jedem einzelnen Missbrauchsfall zu lernen.

      Und sei es nur, dass „Betroffenheit“ oder „Empörung“ elementarer Teil der Aufmerksamkeitsökonomie sind – und wohlfeil. (Was nicht heißt, dass Sie (To whom it may concern) diese Gefühle nicht tatsächlich empfinden, sie demnach ‚echt‘ sind. Die Frage ist ja eher, ob sie das Maß aller Dinge sein können/müssen/sollen?)

      Verhindert wird damit jedenfalls weder der nächsten Missbrauchsfall, Missbrauch an sich sowieso nicht und schon gar nicht der (mediale) Missbrauch des Missbrauchs.

    2. … Völlig RICHTIG!

      Und außerdem schreibt Herr Fischer überhaupt nicht “zu viel”.
      Sondern es ist ja gerade die Kunst, zu viel zu schreiben und trotzdem gelesen zu werden. Obwohl doch alle Fachleute immerzu sagen, dass der vollkommen bekloppte Bürger draußen im Lande sich keinesfalls mehr als 3.000 Zeichen (incl. Leezeichen) lang konzentrieren kann!

      Stilkritik ist natürlich jedem Selbstkritisch-Aufgeschlossenen (die wir ja allesamt sind!) stets “willkommen” und wird immerzu “ernsthaft geprüft”. Wenn allerdings Twitter-Schriftsteller ein ums andere Mal mitteilen, es sei dem Menschen an sich unerträglich, einen Fischer-Text ein- oder zweimal zu lesen, denke ich mir rein gar nichts mehr.

      Ich kenne übrigens berühmte Journalisten und Journalistinnen, die spätetens nach dem dritten Glas Wein krähen, es sei ihnen “scheißegal”, was irgenwelche bescheuerten Leser meinen, und deren “Dreck” auf den Kommentar-Foren für die “lieben Leser” würden Sie im Lebtag nicht anschauen. Kann man das machen. Man kann dann immer noch großmächtige Leitartikel schreiben über die Medienkultur und den Niedergang des Niveaus.
      Ich habe gar nichts gegen Journalisten; ganz im Gegenteil. Ich mag nur diese dreimal verdrehte Larmoyanz über die Unterforderung durch die Blödheit der Konsumenten im Hinblick auf die Unterforderung der Konsumenten durch die Blödheit von Journalisten nicht. Die Menschen sind doch gar nicht so abgrund-blöd. Sie können Ihr Telefon programmieren und beim Media-Markt den richtigen Gefrierschrank kaufen. Sie können entweder die Klimaanlage A oder die Klimaautomatik B in ihrem neuen Golf konfigurieren.
      Da wird doch die Süddeutsche Zeitung einmal zwei ganze Seiten lang halbwegs genau erklären können, warum Frau T. aus Staufen ist, wie sie ist, und was das mit uns zu tun hat, und was wer wie dagegen tun kann. Und zwar fast ganz ohne Fotos.
      Es könnte ja immerhin theoretisch sein, dass ein Rezept gegen den Verfall von Qualität die Steigerung von Qualiät sein könnte!

      1. boah … war das jetzt ein Jesusbildchen mit Glitzer? Ich nehme das mal so – wurde mir ein solches ja schon zu Grundschulzeiten nur äußerst selten zuteil.
        ——————————————————–

        Zu: „Sondern es ist ja gerade die Kunst, zu viel zu schreiben und trotzdem gelesen zu werden“ + „Stilkritik“.

        Gradwanderungen … die Entscheidung zu einer Übersicht stiftenden Langfassung (gegen die schlagzeilenträchtige Verkürzung) und dazu der Kunstgriff zum konkreten Bild, am besten alltagstauglich, wo sich die gängigen, sprich die meisten Erfahrungswerte tummeln.

        Anschauliche Beispiele amüsieren, verärgern, verkürzen, was auch immer. Unumgänglich sind sie, damit wenigsten ein Hauch dessen sichtbar wird, was mit Begrifflichkeiten gedeckelt und unter Sachangelegenheiten verborgen sein könnte.
        Beispiele sind und bleiben was sie sind: ein der Sache (Thema + den Leser bei der Stange halten) dienender, aber relativ willkürlicher (Verständnis)Vorschlag, der durch endlos viele andere ersetzt werden könnte … Hängt der Leser (pardon: + die Innen) sich daran fest, baumelt er/sie tatsächlich …

        Wie drastisch versinnbildlicht wird ist gewiss Geschmacks- und Tagesform abhängig. Die Eingängigkeit, die Form, die Geschmackssache ist ja die leidige Krux, da nie klar sein kann, was beim Leser/Gesprächspartner, wie, ankommt … Jedes Wort erregt den Gegensinn sagt schon Goethe‘s Ottilie … und damit bin ich wieder beim Ausgangspunkt gelandet.

      2. Ja.

        Das ganz und gar “Umstrittene” und dem lieben FAZ-Redakteur Unfassbare Leser ist übrigens, die kontra-evidente Schlagzeile mit der längst-möglichen Herleitung zu verbinden. Ein bisschen volksnäher formuliert: In einen Text über eine sozialphilosophisch /rechtliche Frage, über die man tatsächlich einmal nachgedacht hat, alle paar Zeilen das Wort “Scheiße” einbauen! Das ruft zuverlässig verschiedene Feuilleton-Redakteur/innen der Qualitätspresse aus dem Schlaf, die alsbald (für 500 € pro Stück) bedeutende Kommentare dazu verfassen, ob man – “als Bundesrichter” (a.D.) – sich der “Fäkalsprache” bedienen dürfe.
        Da zittert der Bundesrichter, und das Volk erbebt, und der FAZ-Leser beim BGH postet zum 25. Mal einen flammenden Appell zur Mäßigung. Seit dem 24. Mal hat er /sie allerdings 250 Revisionen ganz und gar unmäßig als “offensichtlich unbegründet” verworfen, obwohl er/sie das angefochtene Urteil, dessen “offensichtliche” Rechtsfehlerfreiheit er/sie in der ganz+ gar festen Überzeuigung unterschrieben hat, keinen “FEHLER” zu machen und alle REGELN eingehalöten und hjeder GEFAHR nach besten Kräften entgegengewirkt zu haben, bestenfalls aus drei Metern Entfernung jemals zur Kenntnis genommen hat.
        (Dies alles aber nur ganz nebenbei, zum Freitagnachmittag.)

    3. Es gibt nicht „die Medien“ (als Handlungseinheit), genau so wenig wie „die Menschen“, „die Deutschen“, „die Handwerker“ etc pp

  14. Vielleicht ist die Ursache der Aufregung ein gesellschaftlich noch nicht ausreichend gegendertes (zum besseren Verständnis: Gender, davon also abgeleitet: gegendert) Entsetzen, es hier mit einer Mutter als Täter(in) zu tun zu haben.

    Es könnte sich um die Ausbringung eine kantig formulierten Wohlwollens gegenüber der SZ und Herr Prantl handeln, verbunden mit der Anregung, sich auch in dieser Beziehung weiterzuentwickeln.

    (Hier würde noch etwas zu Herrn Voßkuhle und der SZ hineinpassen. Aber ich möchte polemisch bleiben).

    Mitgefühl hat viele (also mehr als zwei) Seiten, es ist eher ein Würfel. Der Appell daran, mithin die Instrumentalisierung stellt ein verdammt mächtiges Werkzeug dar, welches sich in leider jeder Richtung verwenden läßt. Mir schien es bisher, als ob es eher Frauen wären, die solcherart ausgebrachter Motivation Folge leisten würden.

    Ich versuche mich mit Mitgefühl zurückzuhalten. Ich mag nicht beurteilen, wie die richtige Antwort der Gesellschaft in derartigen Fällen auszusehen hat, ob also das Strafmaß zu hoch oder zu niedrig sei, oder ob man hier überhaupt noch mit Strafe wird arbeiten können. Ich weiß es einfach nicht. Mich packt das Grauen, wenn ich an den Junge denken soll, also nehme ich die Hinweise leichtfertig dankbar an, wonach es ihm gut gehen könnte.

    Ich mag darüber nicht nachdenken müssen, auch dann nicht, wenn hier versichert wird, daß es oft und schlimmere Fälle gibt.

    Das Grauen könnte andere also ebenso packen. Wie gesagt: Mitgefühl ist eine janusköpfige Sache, die einem, besonders als Deutschen, schwere Stunden einbrocken kann und, wenn Mitgefühl gekonnt gespielt wird, ganze Gesellschaften in Gefahr bringen dürfte, wenn aus vielleicht pädagogischer, oder gar ideologischer Hintersinnigkeit an Mitgefühl appelliert und jene, die sich dem entziehen dann Unmenschlichkeit, und Kälte, wenn nicht Schlimmeres angehängt wird. Daß auch mal die Antifa vorbeischaut ist die 7. Seite des Mitgefühl- Würfels.

    Eine funktionierende Gesellschaft benötigt Gesetze, an die ein jeder Einzelne zu binden ist. Die Stärke des ausgeübten Bindungszwanges mag abhängig sein von Lebensalter und geistiger Verfassung. Wenn wir anfangen, das Bestehen von persönlicher Verantwortung jedes einzelnen bis zur eigenn Handlungsunfähigkeit zu relativieren so mag dies modern sein, und/oder von besonders ausgeprägtem Mitgefühl künden.

    Eine Gesellschaft kann dies letztlich nicht überleben.

    1. Ich bin heilfroh das wir Gesetze aufgrund von Sachbezügen und kommunikativen Prozessen entwickeln und diese sich auch weiter entwickeln werden. Ob wir je ein Ideal erreichen werden, mag dahin gestellt sein. Als Gesellschaft geht es uns ja erst einmal grob gesagt gut. Andere soziale Rahmenbedingungen und gerade das Strafrecht und dessen Gesetze zeigen an diversen Stellen, dass diese auf die sogenannte Unterschicht ihre Aufmerksamkeit richten.

      Was völlig in der Diskussion nicht aufgegriffen wird, ist der Blickpunkt, dass Missbrauch kein Schichtenproblem ist, sondern alle Gesellschaftssichten betrifft. Es scheint da überhaupt keinen sozialen Bezug zu geben. Im Scheinwerferlicht der medialen Aufmerksamkeit, landen aber, oh Wunder, nur die sozial auffälligen, die vom ungesunden Volksempfinden als “asozial” verunglimpft werden.
      Genau diese Klischee, diese Abziehbild des Hasses, wurde doch über die Bildsprache dargestellt: Übergewichtige Perverse. Wären heute noch Lynchmorde an der Tagesordnung, ich bin mir ziemlich sicher, der Täter wären zerrissen worden …
      Natürlich spielt auch eine Rolle, dass in höheren sozialen Schichten das Strafrecht weniger Durchdringungskraft entfaltet, da doch die wirtschaftlichen Konsequenzen wesentlich stärker ins Gewicht fallen und der Bildungsaspekt der Täter wesentlich höher ist, was diese dann auch befähigt die missbrauchten Opfer wesentlich besser zu manipulieren. Jedoch deuten die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen darauf hin, dass die Thematik nichts mit sozialer Komponente zu tun hätte, bezüglich Häufigkeit, schwere der Vergehen, etc.
      Mich stört bei diesem Sommerloch Thema, dass zwei Täter nochmals zusätzlich verurteilt werden durch den medialen Fokus. In den Gefängnissen wird berichtet, dass Pädophile in der Knasthierarchie ganz unten stehen und Übergriffe an der Tagesordnung sein sollen…
      Bei tausenden von ähnlichen Fällen im Jahr, ist es eben nicht gerechtfertigt sich einen einzeln Fall herauszupicken.
      Welchen Brandartikel/Serie starten nun BILD/SZ & Co. damit endlich mehr Sozialarbeiter eingestellt werden, mehr Personal in den betroffenen Behörden? Bleiben die Medien mal Ball oder verläuft sich die Sache wieder bis der nächsten von BILD/SZ & Co. getriggerten Erregungswelle?

      Natürlich ist eine solche Tat kaum in Worte zu fassen aus Sicht des Opfers. Nichts kann diese Taten schuldigen oder relativieren. Welche Herausforderung auf ein Gericht warten, ganz besonders bei der schwere der Taten, was dies mit Richtern, Staatsanwälten, Anwälten, Angestellten der Justiz, Polizei und bestimmt vielen weiteren Personen macht, wie schwer es sein muss, nicht im Mitleiden aufzugehen und empathisch zu bleiben, sowie den gesetzlichen Auftrag nicht aus dem Auge zu verlieren, welchen Druck so ein Gericht, die Opfer, etc. aushalten müssen, gerade wenn sich der mediale Fokus auf so einen gepushten Fall richtet – ja das sprengt auch meinen Rahmen.

    2. “(Dies alles aber nur ganz nebenbei, zum Freitagnachmittag.)”

      Ja, substantiell, todernst, einzigartig genommenen Überzeugen und Werte – kommt man denen nahe gerät man schnell in ein Minenfeld.

      Ich mag ja den sogenannten jüdischen Witz (Z.B. den hier aus dem Holländischen, die Verortung in Polen habe ich weggelassen):

      Yankele läuft am Sonntagmittag einen Feldweg entlang. Ein Bauernknecht aus der Kirche kommend, kommt ihm entgegen und schlägt ihn plötzlich mit einem heftigen Faustschlag nieder.
      Yankele rappelt sich wieder hoch und fragt fassungslos: Weshalb hast du das getan?
      Der Knecht antwortet: ihr habt Christus ermordet …
      Yankele: aber das ist 2000 Jahre her!
      Knecht: aber ich hörte das gerade in der Kirche zum ersten Mal.

      (Bis hierhin: danke Herr Fischer)

  15. Die Krönung der Empörung: Die Empörung über die Empörung.
    Sicher ist es immer wieder wichtig, darauf hinzuweisen, daß wir alle zumindest potentielle Straftäter sind und uns schon darum nicht so sehr empören sollten, den regelmäßigen Forderungen nach immer höheren Strafen muß in der Tat immer wieder entschlossen entgegengetreten werden, das sehe ich auch so.

    Vieles erscheint mir jedoch etwas zu bagatellisierend.
    Den erfahrenen Strafrechts-Praktiker erschüttert inzwischen so ziemlich gar nichts mehr, der Fall sei nichts besonderes, alle wieder hinlegen.
    Ergebnis der differenzierten Betrachtung von “Schuld” und “Ursache”: Die Behörden trifft keine Schuld, vielleicht waren sie mit ursächlich, neben anderen Verhältnissen, die sich halt so verhalten und ebenso ursächlich sind. Ist ja nichts besonderes, denn ohne Ursachen gäbe es ja keine Straftaten, es ist zudem auch nur eine Frage des Blickwinkels und Menschen machen eben mal Fehler.
    Es ist halt, wie es ist.

    “… nichts spricht, soweit erkennbar, derzeit dafür, dass ein solches schwerwiegendes „Versagen“ im vorliegenden Fall passiert ist. Es ist unredlich, einerseits „Aufklärung“ zu fordern und andererseits deren Ergebnis schon bedeutungsvoll-andeutend vorwegzunehmen.”

    Ist das Ihr Ernst, daß Sie ein mögliches “Versagen” hier nicht einmal ansatzweise in Erwägung ziehen?
    Ich finde es keineswegs unredlich, in diesem Fall weitere Aufklärung zu fordern, und der Verdacht, es könnten hier Fehler im System liegen, ist keine Vorwegnahme des Ergebnisses, das würden Sie ja auch keiner (vor-)ermittelnden Staatsanwaltschaft unterstellen.
    Dieser Forderung nach Aufklärung dann gar “komplette Überwachung” und “Staatstrojaner” gegenüberzustellen, ist eine plakative Schwarz-Weiß-Skizze, eine Übertreibung, die Sie selbst doch gerade bei anderen kritisieren.
    Natürlich kann man sich am Begriff “lückenlos” hochziehen, ich finde ihn als Anspruch zunächst so richtig wie den Anspruch eines Gerichts bezüglich der “Wahrheitsfindung”.

    Der Sinn ist hier jedoch nicht die Feststellung von Schuld, sondern von Verantwortung und Ursachen, mit dem Ziel, möglicherweise systemimmanente Fehler zu identifizieren und zu beheben. Qualitäts- und Fehlermanagement ist selbstverständlich Pflicht eines Staates.

    Auch Ihre Aufregung über “Der Richter und sein Kronzeuge” halte ich für überzogen, ich nehme an, daß der Titel ohne tiefere Bedeutung lediglich an “Der Richter und sein Henker” erinnern soll, so wie Prantl das Bild des “Landesvaters” lediglich zur Abrundung des zu Beginn angesprochenen sprichwörtlichen “Vater/Mutter Staat” verwendet, das in diesem Fall bei der Frage der Inobhutnahme ja durchaus in gewisser Weise passend ist. Daß sein Artikel auch dadurch etwas weinerlich-moralisch gerät, ist unschön, jedoch nicht das erste Mal.
    Daß ausgerechnet Prantl das Strafmaß kritisiert, überrascht mich allerdings auch, paßt aber wiederum zum Bild des von “Vater Staat” enttäuschten Jungen.

  16. Zu Fotobiene:
    1) Ist eigentlich “Versagen” und “Fehler im System” dasselbe?
    Welches “schwere Versagen” liegt (hier) auf der Hand?
    Und wenn es auf der Hand liegt: Warum muss man es dann noch “dingend weiter aufklären”?
    Soweit ich bisher sehe/lese, sind Ermessensentscheidungen und Prognosen in Beurteilungsspielräumen getroffen worden. Keinem Beteiligten qwird vorgeworfen, sich über zwingende Regeln und Vorschriften bewusst hinweggesetzt zu haben. Wenn das so wäre, läge es vermutlich nicht am “System”, und man wüsste auch nicht so recht, was mnan dagegen – außer im Einzelfall vielleicht disziplinarisch – machen sollte. Wenn sich heraustellt, dass das System von Regelungen, Zuständigkeiten, Kontroll- und Überwachungsaufgaben es ermöglichte, dass die taten geschahen, wäre das gewiss nicht überraschend, denn es ist ja schon klar, dass sie geschahen.

    2) Selbstverständlich ist nicht “alles gleich” oder gar unerheblich! Aber es sind doch auch in dioeser Wioche wioeder von Jugendämtern und Jugendgerichten in Deutschland tausende von Prognose- und Abwägungsentscheidungen getroffen worden. Auch diese Woche haben doch hinderte von Familienhelfern und Jugendamtsmitarbeitern entschieden, welcher Fall vorrangig ist und welcher noch drei Wochen warrten muss. Es sind Anhörungen durchgeführt und auf deren Grundlage Entscheidungen getroffen worden. Die meisten waren vermuitlich richtig. Manche waren vermutlich falsch. Welche? Wenn 10 Prozent der Verurteilten, deren Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, einschlägig rückfällig werden: Haben dann “die Behörden versagt”?

    3) Ich empöre mich nicht über Empörung, sondern habe Probelem im Hinblick aufdie Verhältnismäßigkeit und im Hinblick auf das Zusammenspiel von medialer Darstellung und öffentlicher Meinung. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn ein gelernter Strafjurist und Mitglied der Chefredaktion der wichtigsten deutschen tageszeitung schreibt, ein “angemessenes” Urteil sei “nicht ausreichend” (12 Jahre plus Sicherungsverwahrung!) und behauptet, “der Staat” in Gestalt eines “landesvaters” schulde den Bürgern, dass keine Fehler passieren.
    Da meine ich dann schon, dass man thematisieren dürfe, dass derselbe Journalist fast wöchentlich über dern drohenden Überwachungsstaat und die “Sicherheitshysterie” der Bevölkerung schreibt, die von unverantwortlichen Politikern und Medien geschürt werde…
    Über die “Schwere” der Taten von Staufen will ich mich quantitativ (!) nicht äußern. Mir fiel auf, dass sich die berichteten Taten substanziell eigentlich nicht sehr von vielen anderen sehr schweren Taten unterscheiden, über die keineswegs mit solch langanhaltender extremer Emotion berichtet wird.
    Der Unterschied liegt m.E. vor allem darin, dass hier die MUTTER eine der Täterinnen war. Das “Unfassbare” soll sein, dass “die Mutterinstinkte” versagt haben. Erstaunlicherweise war aus dem organisierten oder unorganisierten Feminismus zu derlei Analysen kein Aufschrei zu hören.

    4) Es ist schon klar: Die Welt ist groß und die Sprache vielfältig. Und der “Landesvater” und “der Richter” und “sein(!) Kronzeuge” sind halt einfach so dahingesagt; es bedeutet gar nichts. Die Schlagzeilen von BILD bedeuten ja auch nichts. Dass der SZ-Redakteut Wiegand andeuten wollte, er habe Dürrenmatt gelesen, ist gewiss richtig. Die Frage ist halt, WARUM er das andeuten wollte. Er hätte ja auch “Der Richter und sein weißer Langbinder” oder “Der Richter und sein Gutachter” schreiben können.

    Tatsächlich ging es aber in dem Artikel gerade um die “Kronzeugen”-Eigenschaft des Angeklagten, der in hohem Maß (so die StA) “Aufklärungshilfe” (§ 46b StGB) geleistet hatte – siehe Presseerklärung des LG Freiburg vom 7. August 2018). Bei Anwendung dieser Vorschrift in Verbindung mit § 49 Abs. 1 mindert sich die Höchststrafe für jede Einzeltat auf drei Viertel der gesetzlichen Höchststrafe – bei Strafrahmen von zwei bis 15 Jahren (Vergewaltigung) auf sechs Monate bis 11 Jahre 3 Monate. Die bei mehreren selbständigen Taten aus den Einzelstrafen zu bildende Gesamtstrafe (§§ 53, 54 StGB) darf dann 15 jahre nicht übersteigen. Angesichts des Gewichts der Aufklärungshilfe ist hier – soweit ohne kenntnis der Urteilsgründe beurteilt werden kann – nicht ersichtlich, dass das Landgericht bei der Strafzumessung einen Fehler gemacht hat.

    Herr Wiegand weiß es besser: das Geständnis “wäre gar nicht nötig gewesen”, schreibt er. Das würde bedeuten, dass die Anwendung von § 46b ausscheiden muss (siehe dort Abs. 3). das wäre ein grober Fehler des Gerichts. Allerdings widerspricht Herrn Wiegands Rechtsauskunft den Feststellungen (siehe Pressererklärung), und im übrigen auch der Ansicht der Staatsanwaltschaft. Auch Herr Prantl meint: “Ein Kronzeugenrabatt hätte nicht eingeräumt werden müssen”. Das ist zwar nicht falsch, angesichts der Rechtsprechung des BGH und des BVerfG aber auch nicht so ganz unzweifelhaft richtig. Und bei der Gesamtstrafe gibt’s sowieso keinen “Rabatt”. Letzten Endes also eigentlich nur Gemäkel: Die Strafe sei nicht hoch “genug”. Wobei 12 Jahre plus SV ja selbst bei allergünstigstem Verlauf schon ziemlich heftig sind, und bei einem Täter mit manifester pädophiler Störung und mehrfach einschlägiger Rückfäiigkeit müsste schon ein Wunder geschehen, wenn der Verlauf “günstig” wäre.

    Die Anwendung des § 46b (“Kronzeuge” ist ein Begriff aus dem angloamerikanischen Recht, der im deutschen Gesetz nicht vorkommt) hat dem SZ-Redakteur ersichtlich missfallen. Dadurch wird der aufklärungsbereite Angeklagte aber nicht zum Kronzeugen “des Richters” – als ob dieser ihm eine ganz persönliche Wohltat zugeschustert habe. Sondern eine große Strafkammer mit fünf Richtern hat – in welchem geheimen Stimmverhältnis auch immer – entschieden, dass die Voraussetzungen des § 46b vorlagen. Der Vorsitzende hat das, wie es seine Pflicht ist, mündlich verkündet und begründet. Ob er selbst für oder gegen das Strafmaß gestimmt hat, weiß man nicht; er darf nicht “sein” Urteil verkünden, sondern das des Spruchkörpers, an dessen Entscheidung und Begründung (!) er gebunden ist. Die Überschrift “Der Richter und sein Kronzeuge” verdreht das bewusst und schürt ein objektiv gar nicht begründbares Ressentiment gegen den Vorsitzenden.

    5) Der Landtag von Bad.-Württ. ist sich, wie man las, einig, dass der Rechtsausschuss die Sache auf der Grundlage einer sorgfältigen Ablaufanalyse behandeln und ggf. erforderliche Abhilfemaßnahmen diskutieren soll. Nichts ( spricht dafür, dass irgendjemand in diser Sache etwas “verschleiert” hat oder verschleiern will. Warum Herr Prantl den “Landesvater” auffordert, alsbald einen “Untersuchungsausschuss” einzusetzen – der ja mit Sicherheit we der schneller noch besser wäre -, ist nicht ersichtlich.
    Prantl weiß auch schon, was herauskommt: “Das strukturelle Versagen von Jugendhelfern, Jugendamt, Familiengericht und Staatsanwaltschaft” (SZ, 8.8.). Also alles schon klar. Warum “muss” dann eigentlich Herr Landesvater noch einen U-Ausschuss erzwingen?
    “Der Staat schuldet (den Bürgern) die Zusage, dass sich dieser Alptraum (gemeint: die Tat) nicht wiederholen wird”, schreibt Herr Prantl. Man glaubt zu träumen. Es schreibt dies der Autor des Buchs “Der Staat als Terrorist”, der schon auf dessen Umschlag verkündet: In einem maßlosen Staat gibt es vielleicht ein wenig mehr Sicherheit, aber ganz sicher sehr vioel weniger Freiheit”. Und der uns immer wieder gern darüber informiert, dass es eine staatliche Garantie, dass “nichts passiert” und dass sich schlimme Taten nicht wiederholen, ganz gewiss nicht gibt. Sie wären nur auf der Grundlage eines totalitären Komplett-Überwachungsstaats möglich. Man könnte ja den empörten Bürgern einmal klarmachen, was es bedeuten würde, die Gefahr von Fehlentscheidungen rigoros zu vermindern: Z.B. jederzeitige unangemeldete Wohnungskontrollen durch Mitarbeiter des Jugendamts, tags wie nachts, bei “gefährdeten Familien”; monatliche Vorführung und Anhörung; Offenlegung des Internet- und Handyverkehrs und Einbau von jederzeitigen Zugriffsmöglichkeiten der Polizei auf allen Endgeräten von Personen, die wegen Kindesmissbrauchs oder Gewalt gegen Kinder vorbestraft oder einmal verdächtig waren; sofortige Trennung der Familie und Einweisung von Kindern aus “gefährdeten” Familien bei dem geringsten Anzeichen einer konkreten Gefahr; ständige Überwachung von Familien mit Suchtkranken, insb. Alkoholikern, von “Patchworkfamilien” mit Kindern unter 14 … Nur mal so als Anregungen. Ich wäre gespannt, was die SZ schreibt, wenn der Landesvater ein paar von diesen Maßnahmen vorschlägt.

    Aufgabe der Leitmedien ist es nicht, Verachtung und Misstrauen in “die Beghörden” und “den Staat” zu schüren, weil dieser seiner “Pflicht” nach absoluter Sicherheit (oder deren “Zusage”!) nicht genügt. Dies festzustellen, bedeutet nicht, Fehler für lässlich oder gar schwere Taten für belanglos zu halten.
    t.F.

    1. (Meine Antwort scheint im Filter zu hängen, vermutlich (erfahrungsgemäß) wegen mehr als einem Link im Text; ich habe daher in diesem zweiten Versuch zwei davon “gebrochen”)

      Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, Herr Fischer!

      Die in 1) von Ihnen aufgebauten Strohmänner “liegt auf der Hand”, “bewußt hinweggesetzt” und “überraschend” haben Sie ja erfolgreich selbst geköpft.
      Was bleibt, strukturiere ich in meiner folgenden Antwort nicht analog Ihrer Nummerierungen, sondern quasi zusammenfassend “quer”:

      “Versagen” ist für mich ein Oberbegriff, der verschiedene Möglichkeiten offenhält, die eben Gegenstand von Untersuchungen sein sollten, einige Beispiele, ungeordnet, wie sie mir gerade in den Sinn kommen:
      * Ist das System, das Konzept von “KURS”, lückenhaft ausgestaltet oder schlicht im Ansatz falsch?
      Hehres Ziel war: “Im Vordergrund stünden deshalb eine enge Abstimmung sowie kurze Informationswege zwischen Justiz, Maßregelvollzug, Bewährungshilfe und Polizei.”
      h ttps://www.justiz-bw.de/pb/,Lde/2007010/?LISTPAGE=2006140
      * Jugendämter fehlen hier – ein Fehler?
      * Waren möglicherweise die Zuständigkeiten nicht klar?
      * Gibt es möglicherweise ähnliche Fälle, die noch nicht bekannt geworden sind?
      * Oder haben sich lediglich einzelne Entscheider geirrt? Warum? Weil Irren menschlich ist oder weil Informationen fehlten?
      * Wurden Maßnahmen unterlassen, weil Mitarbeiter überlastet waren, weil jemand zu faul war oder weil Informationen aus Unwissen über die Pflichten nicht weitergegeben wurden?

      Es ergeben sich jedenfalls genug Fragen, folgt man z.B. dieser Darstellung im Stern:
      https://www.stern.de/panorama/stern-crime/missbrauchsfall-von-staufen–viele-wussten-es—niemand-handelte-7846580.html

      Trotz der Ermittlung von L. als “Geiler Daddy” bemerkt das LKA erst ein Jahr (!) später, daß L. trotz Ablehnung durch das Gericht bei dem Jungen und seiner Mutter wohnt.
      Das ist in der Tat auch für mich unfaßbar.
      Warum die Polizei daraufhin das Jugendamt informierte, das wiederum den Jungen aus der Wohnung holte – nicht nur den gegen seine Auflagen verstoßenden L. – ist mir unverständlich, die Rückgabe zur Mutter, der man irrtümlich vertraute, daher viel verständlicher.
      Daß die Mutter dann Widerspruch gegen sämtliche Auflagen einlegte, hätte das OLG – in Kenntnis der Sachlage bezüglich L.! – dann schon stutzig machen müssen, meine ich. Auch sie vertrauten der Mutter.

      Es ist daher m.E. genau andersherum, als Sie, Herr Fischer, meinen und Ihre Synapsen gleich mit Ihrem Lieblingsthema kurzschließen: “Das “Unfassbare” soll sein, dass “die Mutterinstinkte” versagt haben.”
      Nein. Das Unfassbare ist eher, daß die GERICHTE (und Behörden?) auf diese “Mutterinstinkte” vertraut haben!!

      Das Unfassbare ist, daß BEIDE, sowohl Mutter als auch L., einer behördlichen Kontrolle unterlagen (letzterer zudem als aktiver User “Geiler Daddy” (!) im Darknet identifiziert war, einem Spiegel-TV-Beitrag zufolge auf einer Plattform aktiv, zu der nur User Zutritt haben, die selbst Material LIEFERN!) und trotzdem diese Straftaten fortgeführt werden konnten.

      Sie haben ja völlig recht, wenn Sie in 5) Prantls Forderung nach einem Untersuchungsausschuß für überzogen halten.
      Aus dem Zusammenhang ergibt sich aber, daß dies ein Reflex auf die noch überzogeneren Strafanzeigen von Bürgern gegen Jugendamt und Richter sind (“Das kann nicht auf die Strafgerichte abgewälzt werden.”)
      Gleichwohl benutzt Prantl strafrechtliche Begriffe, spricht von “Schuld” und “Fahrlässigkeit”, dreht allerdings deutlich von der strafrechtlichen Linie ab, spricht nämlich vom Staat als “Schuldner” und “fahrlässige(r) Verwahrlosung öffentlicher Verantwortung”, die zu untersuchen nun Sache der Politik im Rahmen eines Untersuchungsausschusses sei.
      Sein Gedankengang ist, wie man hier sieht, auch ein wenig seinem eher literarisch-schöngeistig anmutenden Stil geschuldet, den er durchaus mal überdenken sollte.

      Diese im Endeffekt dann lediglich von der Justiz auf die Politik umlenkende Forderung sät in der Tat Mißtrauen, daß nämlich die Behörden selbst nicht Willens und/oder in der Lage seien, den Fall selbst gemeinsam aufzuarbeiten, was offensichtlich bereits umfangreich in Arbeit ist und man erstmal abwarten könnte.
      (Vgl. z.B. h ttps://www.welt.de/vermischtes/article177693462/Moegliches-Behoerdenversagen-Buerger-zeigen-Jugendamt-und-Richter-im-Missbrauchsfall-Staufen-an.html)

      Na gut, diesen überzogenen Forderungen gegenüber die ebenso überzogene Gegenposition einzunehmen (Willst Du nun DOCH plötzlich die TOTALE Kontrolle, Prantl?!) – kann man machen, okay.
      Daß ausgerechnet er als gelernter Strafjurist die Höchststrafe einfordert, ohne zumindest die schriftliche Urteilsbegründung gelesen zu haben, daß er wider besseres Wissen eine Unmöglichkeit einfordert, nämlich “die Zusage, dass sich dieser Albtraum nicht wiederholen wird”, ja, das ist Populismus pur und eines “Prantl” unwürdig, das tut auch mir weh.

      Was 4), also die Kronzeugendiskussion, betrifft, stimme ich Ihnen in der Sache völlig zu, ich halte auch die Anwendung des § 46b hier für völlig angemessen.
      Mein Hinweis betraf lediglich den gewollt-bildungsbürgerlich-belesenen Titel, in den alleine man inhaltlich nicht zu viel hineininterpretieren sollte – Sie selbst waren bereits “Opfer” schräger Titel der ZEIT-Redaktion…
      Danke jedenfalls, daß Sie bei dieser Gelegenheit noch einige Details zu § 46b ausgeführt haben!

      1. Untersuchungsausschüsse können keine Gerichtsverfahren ersetzen, in meinen Augen sind sie eigenlich nur ein potemkinsches Dorf eines Gerichtes. Falls “die Behörden” tatsächlich so schlampig wie im Stern beschrieben waren, muss diese Angelegenheit vor einem ordentlichen Gericht geklärt werden, und nicht nur von einem Untersuchungsausschuss nach einem politischen Verantwortlichen bzw. Sündenbock gesucht werden.

        Wenn “es” sowieso schon “jeder wusste”, dass dort entsprechende Untaten verübt wurden, wäre ja wohl auch ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung gegen die Wissenden fällig, nehme ich an.

        Zur Monstrosität: In “den Medien” werden sowieso nur noch Superlative verkauft, alles andere scheint in den Augen der Medienschaffenden das Interesse der Konsumenten nicht ausreichend zu wecken. Ich finde das grotesk, beim Wetter wird atemlos dem nächsten Temperatur- bzw Dürrerekord hinterhergehechelt, und ähnlich verhält es sich anscheinend bei den Berichten über Verbrechen. Dabei dürften die grössten Bestialitäten wohl in der deutschen Geschicte zu finden sein. Und ja, es tut trotzdem weh, derartige Berichte über aktuelle Verbrechen zu lesen.

        Zur Länge der Kolumnen: sie heben sich wohltuend von dem üblchen Einerlei ab. Die Kritik über die Länge rührt meines Erachtens eher daher, dass diejenigen Leser, deren felsenfeste Überzeugung durch die Texte erschüttert wird, sich davon unangenehm berührt fühlen. Recht zu behalten, scheint dem Deutschen besonders wichtig…..

        Im ersten Augenblick packt auch mich mitunter mit gesundem Volksempfinden eine gewissen Rachsucht, wenn ich derartige Geschichten lese. Man muss sich dann beruhigen, und das sollte “der Journalist” auch tun, bevor er/sie in wilder Wut einen undurchdachten Kommentar schreibt.

  17. Dafür, daß hier kaum jemand für Herrn Prantl Stellung beziehen mochte ist dies eine beachtlich umfangreiche Wortansammlung geworden.

    Womöglich deswegen, weil Weiteres mitzuschwingen scheint.

  18. (Meine Antwort scheint im Filter zu hängen, vermutlich (erfahrungsgemäß) wegen mehr als einem Link im Text; ich habe daher in diesem zweiten Versuch zwei davon “gebrochen”)

    Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort, Herr Fischer!

    Die in 1) von Ihnen aufgebauten Strohmänner “liegt auf der Hand”, “bewußt hinweggesetzt” und “überraschend” haben Sie ja erfolgreich selbst geköpft.
    Was bleibt, strukturiere ich in meiner folgenden Antwort nicht analog Ihrer Nummerierungen, sondern quasi zusammenfassend “quer”:

    “Versagen” ist für mich ein Oberbegriff, der verschiedene Möglichkeiten offenhält, die eben Gegenstand von Untersuchungen sein sollten, einige Beispiele, ungeordnet, wie sie mir gerade in den Sinn kommen:
    * Ist das System, das Konzept von “KURS”, lückenhaft ausgestaltet oder schlicht im Ansatz falsch?
    Hehres Ziel war: “Im Vordergrund stünden deshalb eine enge Abstimmung sowie kurze Informationswege zwischen Justiz, Maßregelvollzug, Bewährungshilfe und Polizei.”
    h ttps://www.justiz-bw.de/pb/,Lde/2007010/?LISTPAGE=2006140
    * Jugendämter fehlen hier – ein Fehler?
    * Waren möglicherweise die Zuständigkeiten nicht klar?
    * Gibt es möglicherweise ähnliche Fälle, die noch nicht bekannt geworden sind?
    * Oder haben sich lediglich einzelne Entscheider geirrt? Warum? Weil Irren menschlich ist oder weil Informationen fehlten?
    * Wurden Maßnahmen unterlassen, weil Mitarbeiter überlastet waren, weil jemand zu faul war oder weil Informationen aus Unwissen über die Pflichten nicht weitergegeben wurden?

    Es ergeben sich jedenfalls genug Fragen, folgt man z.B. dieser Darstellung im Stern:
    https://www.stern.de/panorama/stern-crime/missbrauchsfall-von-staufen–viele-wussten-es—niemand-handelte-7846580.html

    Trotz der Ermittlung von L. als “Geiler Daddy” bemerkt das LKA erst ein Jahr (!) später, daß L. trotz Ablehnung durch das Gericht bei dem Jungen und seiner Mutter wohnt.
    Das ist in der Tat auch für mich unfaßbar.
    Warum die Polizei daraufhin das Jugendamt informierte, das wiederum den Jungen aus der Wohnung holte – nicht nur den gegen seine Auflagen verstoßenden L. – ist mir unverständlich, die Rückgabe zur Mutter, der man irrtümlich vertraute, daher viel verständlicher.
    Daß die Mutter dann Widerspruch gegen sämtliche Auflagen einlegte, hätte das OLG – in Kenntnis der Sachlage bezüglich L.! – dann schon stutzig machen müssen, meine ich. Auch sie vertrauten der Mutter.

    Es ist daher m.E. genau andersherum, als Sie, Herr Fischer, meinen und Ihre Synapsen gleich mit Ihrem Lieblingsthema kurzschließen: “Das “Unfassbare” soll sein, dass “die Mutterinstinkte” versagt haben.”
    Nein. Das Unfassbare ist eher, daß die GERICHTE (und Behörden?) auf diese “Mutterinstinkte” vertraut haben!!

    Das Unfassbare ist, daß BEIDE, sowohl Mutter als auch L., einer behördlichen Kontrolle unterlagen (letzterer zudem als aktiver User “Geiler Daddy” (!) im Darknet identifiziert war, einem Spiegel-TV-Beitrag zufolge auf einer Plattform aktiv, zu der nur User Zutritt haben, die selbst Material LIEFERN!) und trotzdem diese Straftaten fortgeführt werden konnten.

    Sie haben ja völlig recht, wenn Sie in 5) Prantls Forderung nach einem Untersuchungsausschuß für überzogen halten.
    Aus dem Zusammenhang ergibt sich aber, daß dies ein Reflex auf die noch überzogeneren Strafanzeigen von Bürgern gegen Jugendamt und Richter sind (“Das kann nicht auf die Strafgerichte abgewälzt werden.”)
    Gleichwohl benutzt Prantl strafrechtliche Begriffe, spricht von “Schuld” und “Fahrlässigkeit”, dreht allerdings deutlich von der strafrechtlichen Linie ab, spricht nämlich vom Staat als “Schuldner” und “fahrlässige(r) Verwahrlosung öffentlicher Verantwortung”, die zu untersuchen nun Sache der Politik im Rahmen eines Untersuchungsausschusses sei.
    Sein Gedankengang ist, wie man hier sieht, auch ein wenig seinem eher literarisch-schöngeistig anmutenden Stil geschuldet, den er durchaus mal überdenken sollte.

    Diese im Endeffekt dann lediglich von der Justiz auf die Politik umlenkende Forderung sät in der Tat Mißtrauen, daß nämlich die Behörden selbst nicht Willens und/oder in der Lage seien, den Fall selbst gemeinsam aufzuarbeiten, was offensichtlich bereits umfangreich in Arbeit ist und man erstmal abwarten könnte.
    (Vgl. z.B. h ttps://www.welt.de/vermischtes/article177693462/Moegliches-Behoerdenversagen-Buerger-zeigen-Jugendamt-und-Richter-im-Missbrauchsfall-Staufen-an.html)

    Na gut, diesen überzogenen Forderungen gegenüber die ebenso überzogene Gegenposition einzunehmen (Willst Du nun DOCH plötzlich die TOTALE Kontrolle, Prantl?!) – kann man machen, okay.
    Daß ausgerechnet er als gelernter Strafjurist die Höchststrafe einfordert, ohne zumindest die schriftliche Urteilsbegründung gelesen zu haben, daß er wider besseres Wissen eine Unmöglichkeit einfordert, nämlich “die Zusage, dass sich dieser Albtraum nicht wiederholen wird”, ja, das ist Populismus pur und eines “Prantl” unwürdig, das tut auch mir weh.

    Was 4), also die Kronzeugendiskussion, betrifft, stimme ich Ihnen in der Sache völlig zu, ich halte auch die Anwendung des § 46b hier für völlig angemessen.
    Mein Hinweis betraf lediglich den gewollt-bildungsbürgerlich-belesenen Titel, in den alleine man inhaltlich nicht zu viel hineininterpretieren sollte – Sie selbst waren bereits “Opfer” schräger Titel der ZEIT-Redaktion…
    Danke jedenfalls, daß Sie bei dieser Gelegenheit noch einige Details zu § 46b ausgeführt haben!

  19. Das kausale Problem ist auch (!), dass die Justiz sich schon lange als Über-„Vater“ aufspielt und sich in ihrer frauenlobbyistischen „Beschützerrolle“ und politisch verordneten Parteilichkeit („Nein heißt nein“) längst in ihren eigenen Klischees verheddert hat, nach der Männer/Väter stets nur „Täter“ sein können und Frauen immer „Opfer“, Mütter generell nahe an der Heiligsprechung. So wurde aus der Autorität des Rechtsstaats heute eine Pseudo-Autorität, die längst die gesamte Rechtsstaatlichkeit delegitimiert.

    Deshalb haben sich die Verantwortlichen der Justiz hier auch – nach eigenen Aussagen – von der Mutter einlullen lassen und haben darauf „vertraut“, dass sie ihr Kind vor dem Pädokriminellen „schützen“ würde, mit dem sie in inniger Beziehung zusammenlebte. Hier geht es sehr wohl um Schuld und Kausalität! Arroganz und Hybris als Handlungsanleitung. Wenn was passiert, sind wie immer die jeweils andern schuld.

    Insbesondere die fehlende Anhörung des Kindes und die Aufhebung auch noch der notdürftigen gewissensberuhigenden „Auflagen“ der Familienrichterin durch das OLG nach der „überraschenden“ Beschwerde der Kindsmutter gegen die Auflagen, der sie zuvor noch zugestimmt hatte, sind gravierende Fehler der Justiz!

    Dieser Reflex, Frauen verfahrensentledigend (!) für „gut“ zu halten, parallel aber im Paarkonflikt auf Männer und Väter sofort juristisch einzudreschen und sie mit allerlei gesetzlichen Konstrukten wie „Kontaktverboten“ etc. auszugrenzen und zu stigmatisieren, ist praktizierter Alltag in der deutschen Justiz. In der Regel sind die Folgen nur nicht so gravierend wie hier und führen „nur“ zu Kontaktabbruch und irreversibler Bindungszerstörung von Kindern.

    In der Regel sind die „Stiefväter“, die sich Mütter nach Ausgrenzung und gerichtlich moderierter „konflikthafter“ Trennung von leiblichen Vätern so aussuchen, auch keine Pädokriminellen sondern evtl. „nur“ Prügler. Den Ämtern ist das egal, solange das Kind bei der Mutter „versorgt“ ist. Bindungsforschung, nie gehört….

    Nach all dem ist ein Untersuchungsausschuss sehr wohl angebracht!

    Und wieso sollte es – trotz all der dumpfen heuchelnden Empörung – kein bedingter Vorsatz sein, wenn Familienrichter ein Kind an eine Mutter ausliefern, die eine Beziehung mit einem Pädokriminellen unterhält?

    In diesem Land besteht ein deutliches Defizit, was die Verfolgung des Tatbestands der Rechtsbeugung und überhaupt der Verfolgung von Amtsdelikten angeht!

    1. Ad mdeeg

      Gerade bei den lächerlicherweise zu heiklen u sehr sensiblen Familiendramen hochgepushten Geschichten, sprich biologischen u nichtbiologischen Mütterund VäterAngelegenheiten und Versorgungs- und Erziehungsangelegenheiten, die ganz einfach lösbar wären, zeigt sich wie dumm, wie strunzdumm unsere heuchlerische Gesellschaft samt Behörden fallweise ticken.

      Da empöre ich mich. Denn oftmals ist es nur der persönliche Zugang zum Thema und die persönliche eigene Sichtweise einer Entscheidungsinstanz und die Zukunft ist vollkommen versaut.

      1. Zwei Muster kann man da hervorheben:

        Die Justiz macht keine Fehler: wer beim Paar-/Elternkonflikt die Rolle des Schurken, üblicherweise der Mann, zugewiesen bekommen hat, dem wird diese solange aufgedrückt, bis sich das ggf. durch Reaktionen auf Justizhandeln „bestätigt“. (Denken Sie an Mollath, der „Fall“ hat v.a. gezeigt, wie besessen man hier ist, Fehler zu vertuschen).

        Gleiches gilt für die „gute Mutter“, wie auch hier zu sehen. Die Realität und Fakten werden ggf. nahezu autistisch ausgeblendet.

        Zweitens werden gerade diese Fälle, wenn dann – durch Verschleppung, die Inkompetenz, die Repressionen und Stigmatisierungen von Strafjustiz und Familiengerichten in Wechselwirkung -die Folgeschäden (Dämonisierung des Vaters, Kindesentfremdung, Bindungsverlust) eingetreten sind, von der Justiz immer weiter und weiter beratungsresistent manifestiert und potenziert, anstatt hier durch Umkehr endlich zu retten was noch zu retten ist.

        Die über Jahre auf dümmste Art und Weise („Kindeswohl“….!) aufeinandergehetzten Eltern werden dann als unkorrigierbar „hochkonflikthaft“ etikettiert und die Justiz hat damit natürlich nicht das
        Geringste zu tun….

        Für mich ist das strukturelle Gewalt seitens einer Justiz, die zwar ganz viel „Wohlwollen“ gegen Mütter zeigt, die wie auch hier das Gericht erst einmal entlasten, aber draufhauen, sobald es einen „Störenfried“ im Verfahren ausmacht….

        Verfügungsgewalt (vgl. Albertstötter) von Müttern über Kinder ist ein strukturelles Problem und wenn es einen Untersuchungsausschuss braucht, damit die deutsche Justiz das auch endlich begreift, lässt das tief blicken.

      2. @Frau Geierwalli

        “…. die ganz einfach lösbar wären, zeigt sich wie dumm, wie strunzdumm unsere heuchlerische Gesellschaft samt Behörden fallweise ticken”.

        Die Behörden sind eingebettet in die Gesellschaft, die Sie als zu Recht auch als heuchlerisch bezeichnen könnten. Aber auch die Behörden können nur aus einem Umfeld heraus agieren, das ihnen die heuchlerische Gesellschaft aufs Fell gebrannt hat. .
        Dies gilt insbesondere dann, wenn die Anker einer Gesellschaft ebenfalls ins Rutschen geraten sein könnten. Wie das Recht. Die Gesetzgebung. Die Justiz.
        Herr Fischer meint dazu sinngemäß, daß es halt immer einen Prozentsatz von Fällen gäbe, der durch die Maschen rutschen wird. Bevorzugt beschreibt er dabei nicht die akuten Probleme unserer Gesellschaft. Die blendet die Gesellschaft, und die blendet damit auch er aus und gaukelt vor, daß die krassen Ausrutscher gerade ein Anzeichen wären dafür, wie insgesamt normal unsere Gesellschaft tatsächlich sei. Prantl wird vielleicht nur deswegen abgewatscht, weil er aus diesem Schauspiel “populistisch” auszuscheren schien.

        Eine Gesellschaft hat mehrere Anker. Keiner hält mehr.

        Das Grundgesetz, die Erfahrungen des Dritten Reiches wiedergebend und von Herrn Herr Fischer als Erfahrungsschatz aus dieser dunklen Zeit zitiert. Sein Kollege Di Fabio verfaßte für die bayerische Staatsregierung ein Gutachten zum (ich sage jetzt mal salopp:) Mißbrauch des Asylrechts. Die Bayerische Staatsregierung jedoch setzte sich zunächst auf dieses Gutachten drauf, hatte einen begründbaren Verdacht eines sich vollziehenden Mißbrauchs. Handelte aber nicht. Ich sage dies in Richtung von @ mdeeg und seiner Formulierung:
        „ In diesem Land besteht ein deutliches Defizit, was die Verfolgung des Tatbestands der Rechtsbeugung und überhaupt der Verfolgung von Amtsdelikten angeht! „

        Di Fabio, also ein Kollege von Herrn Fischer (im Recht) wurde für die Abfassung dieses Gutachtens öffentlich gerüffelt vom damaligen Finanzminister Schäuble. Heute Nachfolger von Claudia Roth, Parlamentspräsident.

        Die CSU hingegen wartete ab. Sie gibt neuerdings vor, nun doch dem Recht wieder Geltung verschaffen zu wollen, freilich wohl auch deswegen, weil sie in Bayern die AfD im Nacken hat. Das wäre dann ein relatives Rechtsverständnis.
        Derweilen hatte das Verfassungsgericht eine wohl ersatzweise angefertigte Klage eines Prof. Schachtschneider garnicht erst zur Entscheidung angenommen. Ohne Begründung. (Diese mögliche Versagung einer Begründung ist für sich betrachtet bereits ein Unding, und auch die Geschichte, wie es dazu kam). Ein durch die mittlerweile im Parlament vertretene AfD anhängig gemachte Klagen wurden mit der Bemerkung entgegengenommen. daß man bekanntlich wenig Zeit habe, eine Entscheidung sich wohl entsprechend hinziehen werde.
        Die erwünschte Entscheidungswilligkeit dieses Gerichts wurde auch nicht erreicht anläßlich einer anstehenden Verbotsklage über die NPD. Aus meinem Gedächtnis: der Vorsitzende Richter ließ die Gesellschaft wissen, daß die NDP offensichtlich verfassungsfeindlich sei. Man deswegen nicht entscheiden müsse und das Problem gefälligst den Instrumenten der Parteien überlasse, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen.

        Das mag alles richtig sein. Aber was ist das für eine Art von Recht? Mit einem womöglich rechtsstaatlich begründbaren Anspruch auf ein Urteil hat so etwas eher weniger zu tun.
        Ich nehme an, daß kein namhafter, mit Rechtsprechung sich befassender Journalist sich mit dieser Kneifzangen- Problematik hat besudeln wollen.
        Der oberste Richter, Präsident des Verfassungsgerichts, ausweislich seiner Aufsätze wohl ein erklärter Freund der Integration in sein Europa, gab gelegentlich Hintergrundgespräche. Dem Hörensagen nach über den eigentlichen Kern des Grundgesetzes. Dies mag problematisch sein oder nicht, auf jeden Fall schien ihm auch dies als nicht mehr ausreichend gewesen zu sein, sodaß er sich in der erklärten Lieblingszeitung des Herrn Fischer, der SZ, kritisch interviewen ließ zu Meinungsäußerungen von Politikern, die letztlich das Asylrecht, sowie die Begrenzung, also die Grenze unseres eigenen Rechtsgebietes zu verteidigen (und damit zu schützen) suchen. Dieses Schutzgut existiert offenbar nicht mehr. Deswegen brauchen wir auch keine Grenzen, keine Grenzsicherung mehr.

        Dieser Anker driftet ebenfalls.

        Parlamentarismus, parlamentarische Demokratie als Anker, als Platz der Verhandlung bestehender gesellschaftlicher Interessen? Wie steht es damit? Wer der Meinung zuneigt, in unseren Parlamenten wird zu unserem Schicksal, über unsere Belange verhandelt, unsere Zukunft entschieden, der liegt womöglich in einem Tiefschlaf, in den er durch wen oder was auch immer versetzt wurde. Entschieden wird in der EU-Kommission. Dort wird z.B. entschieden, daß ein polnisches Parlament nicht legitimiert sei, ihre Richter nach Erreichen einer nunmehr gesetzten Altersgrenze in die Rente zu verabschieden. Man darf darauf vertrauen, daß bei uns niemand fragt, wie denn diese EU- Kommission legitimiert ist. Sicher zu sein scheint mir: ein Herr Voßkuhle wird eine Antwort geben können.
        Nicht einmal das EU- Parlament hat, trotz inzwischen nachgeschobener Aufwertung mehr als nur beratende Funktionen der EU Kommission. Deswegen vielleicht erscheint der Herr Juncker so frohgemut, trotz akutem Ischias- Anfall. Kann man darauf vertrauen, daß auch diesbezüglich niemand nichts hinterfragt ?
        Das Scharnier in die Gesellschaft, der Transformationsriemen zwischen den wirkenden Kräften und dem eigentlichen Souverän, dessen diesbezügliche Erwähnung bisher noch nicht aus dem Grundgesetz getilgt wurde: das wären die Medien.
        Wenn die mal gerade nicht in Hintergrundgesprächen gebrieft werden müssen, so darf man doch fragen, ob diese darüber hinaus ihrer reklamierten und tatsächlich wohl existierenden Bedeutung für eine freiheitliche Demokratie nachkommen. Oder sitzen dort Leute mit Sehnsüchten nach irgendetwas anderem? Das wäre schon OK, allerdings: es ist neulich hier kurz andiskutiert worden, ob ein Journalist Haltung zeigen dürfe, oder dies neuerdings gar müsse.

        Die Frage müßte also lauten: was soll unter Haltung verstanden werden? Die Antwort darf eigentlich nur sein:

        Für einen Journalisten existiert nur eine legitime Art von Haltung: Er muß die Möglichkeit des freien Austausches unterschiedlicher Meinungen gewährleisten und verteidigen. Aktiv. Bewußt. Aus Überzeugung als Journalist. Er muß dafür einstehen, daß eine von seiner Auffassung abweichende Meinung Gehör finden muß. Alles andere ist Nebensache.
        Wenn er das nicht so sieht, dann ist er eher Agitator. Propagandist.

        Seine eigene Meinung kann und muß der Journalist äußern, er sollte nach Möglichkeit sich jedoch bewußt werden und auch bekunden, daß er sich der Tatsache bewußt ist, lediglich seine Meinung zu äußern. Diese Demut scheint mir für diese Berufung angebracht, ja erforderlich.

        Völlig illusorisch. Ein überzogenes Selbstwertgefühl in unserer Gesellschaft, und damit der allermeisten Journalisten läßt dergleichen nicht zu.

        Jedenfalls: dieser Anker der wichtigen Medien für eine freie, gar demokratische Gesellschaft ist schlicht abgerissen.
        Vor den Prägungen des inzwischen erreichten gesellschaftlichen Niveaus diskutieren wir nun über den sexuellen Mißbrauch von Kindern. Nachdem die Vor-Grünen auf ihrem Parteitag in der Gruga in Essen zunächst eine Freigabe von Sex mit Minderjährigen diskutiert hatten. Knapp 40 Jahre später werden zukünftig in Grundschulen die mannigfaltig inzwischen gleichberechtigten Sexualpraktiken gelehrt, noch lange bevor die Kinder ihre Pubertät erreicht haben. Sex, der dahinter verborgende Trieb ist ein ganz scharfes Instrument. Wer damit nicht umgehen kann, der ist geliefert. Ob es sich um eine Mutter handelt aus der Angst heraus, von einem Päderasten verlassen werden zu können , oder ein Kachelmann, heute ein halbwegs glücklicher Vorläufer der #metoo- Inquisition.

        Bereits in den späten 80gern, wurde bei den Grünen auch die aktuelle Flüchtlings-Geschichte diskutiert, da war ein Soros noch in England und spekulierte gegen das Pfund. Flüchtlinge die eigentlich herbeigelockte sind und nun unsere Gesellschaft teilen, weil nicht die Diskussion darüber das Mittel der Auseinandersetzung ist, sondern die Agitation. So hat man die freihändige Paßvergabe unter dem grünen Minister Fischer, Joschka inzwischen schlicht vergessen können, auch weil sie nie richtig thematisiert wurde.

        Thematisiert wurde dagegen die Befreiung der Frau, der Beendigung der Beschränkung der Geschlechter hinsichtlich Anzahl und Wahrnehmung, also alles Themen aus dem Umkreis der Sexualität, deren neue Interpretation jedem leicht eingängig zu sein hat, sofern dieser (sowie: “diese”) sich nicht als Nazi, Populist oder sonstwas argumentativ enthaupten oder entehren lassen will , oder sich von der Antifa besuchen lassen mag.

        Die absichtliche Verbreiten von Angst, verbunden mit gefordertem Gehorsam, das war das Merkmal der aufsteigenden Nazi- Diktatur schlechthin.

        Wer möchte in solchem Umfeld noch Handlungen oder Urteile verantworten, die dabei einem diffus aggressiven Zeitgeist gerecht werden müssen.

        Hoffen wir also vegeblich, daß zukünftig vor allem die Details besser gelöst werden, indem unsere Gesellschaft
        (Untersuchungsausschüsse ! ) sich in jene angestrebten Orientierungen begibt, die von einem Herrn Fischer und seinen Anhängern nicht anschließend als Ausdruck gestriger Über- oder auch als Unterregulierung kritisch kommentiert werden.

        Ich glaube zweierlei:

        der Stoff sollte ihm nicht ausgehen.
        Selbst er wird diesen Beitrag als zu lang empfinden.

      3. “…vollkommen…”

        Also Frau Geierwalli,

        da kann ich Sie beruhigen/trösten,
        vollkommen ist hier auf Erden äußerst selten
        etwas, es sei denn Sie glauben vollkommen
        an was vollkommenes. —

        Zum anderen entscheiden noch Menschen,
        bald werden es Maschinen sein, welche nicht viel
        anders sind als das was Sie und ich hier benutzen. –
        Jeder Benutzer dieser Maschinen ebnet den Weg
        zur (objektiv>er<en) Maschinenherrschaft. –
        Da gibt es dann nichts mehr zum Empören, weil
        festgestellt worden ist, dass die Maschinen unterm
        Strich die bessere/gerechtere Arbeit machen/
        Entscheidungen treffen.
        Wir fragen ja heute schon (lassen Google antworten oder entscheiden) zumeist die Google-Maschine und seltener Menschen. Oder?

        Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein nächster Weltkrieg,
        sollte er kommen, nicht nur von Maschinen entschieden wird, sondern auch ausgelöst d.h. befohlen und gesteuert wird. Wenn das auch im Hintergrund sich abspielen sollte.

        Die Maschine/das Menschenwerk umgibt uns von allen Seiten, sie bestimmt mehr und mehr nahezu ausschließlich über unser Schicksal, wie dazumal nur das Wetter. —

        Die Maschine/das Menschenwerk ist unser verbleibender Trost oder unsere verbleibende Trostlosigkeit,
        je nachdem wie man es sehen will.

        Ich meine an vielen Menschen beobachten zu können,
        besonders auffällig in den Neuen Bundesländern,
        aber genauso häufig hier, dass viele frustriert sind von
        ihrer täglichen Arbeit und überhaupt allen (vermeintlichen)
        Zwängen in denen sie sich finden/hinein gelebt haben.
        Es ist ihnen dann tatsächlich und offensichtlich ein enormer,
        ja oft rettender Trost, sich zum Frühjahr das neue Automodell, von ihrem immerhin noch recht üppigen Lohn, leisten zu können und zu leisten. Sehr verständlich, aber unausweichlich?
        Es bedient, umgibt, schützt und sogar wärmt sie, wenn ihnen kalt ist, fantastisch. ("Ich und Partner werden immer älter, Auto immer jünger…")
        Es ist ohne Frage der bessere, wenn nicht der perfekte/vollkommene – Partner.
        Da ist doch der Schritt zur Übergabe der Entscheidungskompetenz/Verantwortungslast an die Maschine/den PC nur noch ein ganz ganz kleiner. —

        Herr Fischer wäre vielleicht gut beraten einmal das zu machen, was er nicht so gut kann wie argumentieren,
        z.B. mit seiner ganzen Kraft und Kapital eine Solawi zu
        gründen und Gemüse anzubauen.
        Eine Gefahr des Menschen ist doch, dass man das gerne und somit bevorzugt tut, was man gut kann, z.B. argumentieren.
        Darin wird man dann leicht monströs immer besser, alles sonst vernachlässigend, und man fühlt sich beständig bestätigt von dem Blendwerk der Anerkennung/ des Erfolgs,
        verliert so den Blick auf das -Alles-.
        Andererseits, wenn man sich als einer von viel zu wenigen
        Sandsäckestaplern, an einem von Überflutung bedrohten Deich sieht, ist es schwierig sich zu erlauben aufzuhören, und die feine Linie die verantwortlich und verantwortungslos voneinander trennt ist spätestens überschritten, wenn der Deich bricht.
        Aber kann man wissen wann und ob das sein wird?

        p.s. Zugleich ein weiterer Versuch meinen letzten Kommentar in der Welt der maschinellen Kommunikation/Datenverarbeitung zu schreiben.

        von Trakiturnus

      4. @Ur Laub

        Die Vollkommenheit kenn ich nicht, mit der geben sich nur die Perfektionisten ab, die in einer Traumwelt leben, die es nicht gibt. Aber immer das bestmögliche geben und lang genug herumtüfteln, sich nichts zu einfach machen und nicht irgendeiner dummen Ideologie nachrennen, das wäre doch eine feine Sache. Kann eigentlich jeder, der einen normalen Hausverstand besitzt.

        Deshalb wäre es eben ganz wunderbar, wenn es zusehends mehr Menschleins begreifen würden, dass es kein absolut supertolles Leben gibt und Menschen fehlbar sind, genau das geht mir nämlich am Keks, der Irrglaube man könne sich ständig eine artifizielle Welt zurechtbasteln wie es einem grad passt. Und dann hätten alle nach der Pfeife jener zu tanzen, die nun beschlossen haben, dass wir jetzt sofort alles umändern und hauptsächlich rückwärts, dann wieder zur Gaude 2 Schritte vorwärts und dafür dann wieder 7 Schritte rückwärts gehen, weil es produktiver sei.

        Mich treibt jede Frozzelei zur Raserei. Aber da steh ich ganz alleine da.

      5. mdeeg

        Das Märchen von den immer guten Müttern (Weiblichkeit als ständig positiv besetzte Heiligkeit) und den immer bösen Vätern (Männlichkeit als ständig negativ besetzte Minderwertigkeit) kann ich eben nicht mehr hören.

        Und da kann/soll mir ebenso die Justiz mit ihren Väterdiskriminierungen ganz einfach gestohlen bleiben. Irgendwann kann man den Topfen echt nimmer hören.

      6. Lieber Trakiturnus!

        Habe das ps nicht überlesen, Sie sollten bitte keine letzten Versuche machen zu schreiben, denn jeder, der nicht mehr schreibt, fehlt und ist unersetzbar. Ich sehe das so, auch wenn der Rest völlig anderer Meinung sein mag.
        Irgendwelche Plappertexte und Zweiwortsätze wie auf twitter kann ein jeder, das schon, aber es gibt halt noch Menschen wie mich, die wahre Empfindungen, echte und nicht auf Show abzielende und damit auch die echte Persönlichkeit und den Charakter eines Menschen stets miteinfließende Texte brauchen, um sich ein Bild zu verschaffen und dann auch durchaus kunstvoll mäandernde Konstrukte über alles mögen und sich durch die schriftliche Sprache viel an kommunikativer und sachlicher Kenntnisse aneignen, das sowieso schon immer und wissend, wie wichtig gerade eine ausgereifte Mitteilungsfähigkeit in einer affektierten, gespielten u vorgetäuschten Welt ist, in der wir alle tagtäglich mit sprachlich und somit auch psychisch Verwahrlosten zu tun haben. Ich mochte und mag TFs Texte aufgrund Wortgewaltigkeit, Wortkünstlertum, und geballter Klarheit in der inhaltlichen Aussage.
        Ebenso schätze ich Kommentare wie die von Ihnen. Das hat alles mit Vertrauenswürdigkeit zu tun. Hat auch einen wesentlichen Sinn, weiß aber nicht, ob das jeder und jede begreift.
        Hoffe sehr, weiter von Ihnen und anderen und va von TF zu lesen.

      7. ad E Ekat

        Werde Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt nächste Woche ausführlich antworten, denn eine umfassendere Gesellschaftskritik, auf die sie abzielen, braucht eine längere Nachdenkphase – und gute Schreibmöglichkeit. Die haut man nicht mal einfach so aus dem Ärmel raus. Vor allem, wenn man so wie ich keiner expliziten Ideologie anhängt oder nicht massiv projeziert und damit für das eigene Unvermögen und die eigene Involviertheit und das eigene völlig falsche Urteilsvermögen blind wäre.

        Ich sehe ja die Welt nicht von oben, wie alle Götter, sondern von unten, von hinten, von vorne, von mittendrin vor allem auch, das ist eine andere Perspektive.

        Danke jedenfalls für Ihre Ausführungen an mich, die mich sehr erfreuen.

      8. Noch was Herr Deeg,

        wenn die Justiz (zsamm mit den Gutachtern, Behörden, Freunderlwirtschaft, feminist und männerhassenden Rechtsanwältinnen u sonstigen Mitmischern), offiziell natürlich keine Fehler macht, dann ist eben die Frage macht die die sogenannten Fehler
        -absichtlich,
        -aus Mangel an Können und Wissen,
        oder ähnliches?

        Oder tun die das (nur), weil sie einer bestimmten Ideologie anhängen oder sind dort so viele Machtgierige in den Positionen oder geht es um eigene Befindlichkeiten. Eine Superanwältin sagt einem ja auch wie sie das persönlich(!!!!)sieht bzw da vorgehen würde, wäre sie in der Lage u die sagt auch im Gerichtssaal was sie von Vätern hält, die nicht einwandfrei spuren, und diktiert gleich mal einigen wie sie zukünftig ihr Leben zu gestalten haben, weil sie die Sanktionsgewalt und die Zerstörungsgewalt inne hat, ich meine so viel Macht über das Leben anderer macht echt neidisch, da würd ich auch abheben vor lauter Arroganz, wenn ich sowas dürfte. Ehrlich, solche Frauen und perfekt dazupassende Richterleins, die einem vorsprechenden Mann gleich mal ebenso klar machen, dass er nur ein Würschtl ist, genau die alle braucht das Land, zumindest Österreich brauchte diese schon vor Jahren – , da ist eine FPÖ/ÖVPRegierung eine fast wohltuende Gschmackigkeit dagegen, wo man glaub ich zwischen den Geschlechtern sogar noch etwas Respekt gelten lässt, – denn der Untergang des Landes war in Familienpolitischen Angelegenheiten, also was die Keimzelle des Staates betrifft längst dem Untergang geweiht. In Österreich hat so wie in Deutschland die Familie keinen Wert mehr seit vielen, vielen Jahrzehnten. Uns zerreißt es die Gesellschaft. Schuld haben Politik und Justiz mit Sicherheit. Wer noch?

  20. Lieber Herr Deeg,
    da sind Sie ja!
    Ich hatte Sie förmlich erwartet und auch an Sie gedacht, als ich oben an Fischer schrieb:
    “Nein. Das Unfassbare ist eher, daß die GERICHTE (und Behörden?) auf diese “Mutterinstinkte” vertraut haben!!”
    Das ist ja auch in der öffentlichen Wahrnehmung einer der Hauptpunkte, wurde auch vom OLG selbst zugegeben, seitdem als “Der blinde Fleck” bezeichnet.

    “Sie muss so überzeugend gewesen sein, dass Jugendamt und zwei Familiengerichte letztlich der Ansicht waren, sie würde ihr Kind vor dem als gefährlich eingestuften Mann beschützen wollen und können. Ein fataler Irrtum.”
    (sueddeutsche.de/panorama/missbrauchsfall-in-staufen-der-blinde-fleck-1.4010756

    Alles spricht dafür, daß Fischer – reflexartig – die Sache mit der MUTTER genau verkehrt herum betrachtet und mißversteht.
    Oder sich lediglich an BILD, Focus oder n-tv orientiert.

    Die “Anklage” der Bürger richtet sich eben NICHT primär gegen die “Monster-Mutter”, die nun (mit angeblich viel zu niedrigem Strafmaß… blabla…) verurteilt wurde, sondern gegen die Gerichte und Behörden, die der Mutter wohl vor allem bereits darum vertrauten, weil sie Mutter ist.
    Fischers Bemerkung oben, “Erstaunlicherweise war aus dem organisierten oder unorganisierten Feminismus zu derlei Analysen kein Aufschrei zu hören”, geht fehl:

    So ist es beispielsweise “Die Linke – Breisgau”, die sich eben (korrekt feministisch) genau über die Entscheidung der GERICHTE beschwert, die die Mutter quasi zu einer “Übermutter” erklärten:
    http://dielinke-breisgau.de/2018/02/07/pressemitteilung-staufener-missbrauchsfall-systembedingtes-versagen/
    (Daß sie damit auch dazu tendieren, das Kind im Zweifelsfall eher zu früh in staatliche Obhut zu nehmen, ist die andere Seite der sozialistischen Medaille, die sie nicht sehen.)

    Über diese Ihre Bemerkung muß ich tatsächlich länger nachdenken:
    “Und wieso sollte es – trotz all der dumpfen heuchelnden Empörung – kein bedingter Vorsatz sein, wenn Familienrichter ein Kind an eine Mutter ausliefern, die eine Beziehung mit einem Pädokriminellen unterhält?”

    Vielleicht war es das, was Prantl als Fahrlässigkeit (“fahrlässige Verwahrlosung öffentlicher Verantwortung”) bezeichnete?

    1. Man sollte sich generell in unserer Gesellschaft Mütterkonzepte, Müttermythen und das Bild der scheinbar liebenden Mutter genauer anschauen.
      Kinder in die Welt zu setzen aus materiellen Gründen und reiner Prestige ist interessanterweise noch immer sehr weit verbreitet und zeigt ja deutlich es geht um menschliches Kapital und nicht um Werte wie Menschenwürde, Menschenliebe und Lebenssinn.

    2. Fotobiene:
      Nein, ich glaube, da über- und unterinterpretieren Sie gleichermaßen.
      1) Als das “Monströse” am Fall Staufen wird durchweg die (aktive) Beteiligung der Mutter beschrieben/angesehen.
      2) Die Empörung gegen das “Versagen des Staats” richtet sich dagegen, der (in Wahrheit bösen) Mutter blauäugig geglaubt zu haben. Das ist keine “feministische” Position.
      3) Frauen, die von der biologistischen Zuschreibung (friedlicher, weniger grausam, “defensiver” selbst in der Aggression) abweichen, werden durchweg als “Ausnahmen”, schockierend, verstörend empfunden und abgelehnt. Sie werden wohl auch von der Justiz oft “härter” behandelt. Das gilt in besonderem Maß für Mütter bei Straftaten gegen Kinder.
      Mütter, die ihre Kinder verhungern lassen, totschlagen, totschütteln oder Gewalttätern überlassen, erscheinen in der Darstellung in den allermeisten Fällen als extrem “schwach”, hilflos, abhängig, “überfodert” usw. Das kommt schon vor, ist aber kein Naturgesetz.

      Ich habe als Schwurgerichtsvorsitzender einmal eine (etwa 24jährige) Mutter verurteilt, die ihren beiden 2- und 5-jährigen Kindern zwangsweise einen Zitronen-Pudding mit dem (grausam wirkenden) Planzenschutzmittel BI 51 einfllößte, sie in der Wohnung einschloss und sich dann in die Disko begab. Als sie morgens um 4.00 zurückkehrte, war der 2jährige tot, der 5jährige noch nicht. Sie legte sich ins Bett und schlief bis um 9, in der Hoffnung, bis dahin werde er ebenfalls versterben (was zum Glück nicht geschah). Anschließend “alarmierte” sie den Notarzt und beschuldigte im Prozess das überlebende (5-jährige) Kind, seinen Bruder ermordet und den Mordversuch an sich selbst zur Tarnung vorgetäuscht zu haben. Das Motiv der Täterin war, dass sie einen netten jungen Mann kennengelernt hatte und sich seiner Werberkolonne anschließen wollte.

      4) Ob man der Täterin von Staufen glauben konnte, musste, durfte usw., ist retrospektiv leicht zu beantworten. Es gibt aber zahllose Fälle, in denen sich solche Fragen stellen. Man kann nicht immer alles nicht glauben. Wenn irgendwelche Stalker oder Familientyrannen Gewalt androhen, geht die Polizei auch hin und macht eine “Gefährderansprache” und “glaubt” zunächst vielfach einmal, dass dass hilft und der Betroffene sich nicht traut, eine (angedrohte) Tat zu begehen, wenn er weiß, dass er als Täter offenkundig ist. Manchmal täuscht dieses “Vertrauen”, wie man weiß. Trotzdem ist dann nicht jeder Fall ein “Versagen” der Polizei.
      Hier – im Fall Staufen – ist die Gefahr durch den Lebensgefährten mit der Täterin ausführlich erörtert und sie nachdrücklich ermahnt und angewiesen worden. Natürlich waren die Entscheidungen falsch, wie man jetzt weiß. Aber daraus gleich ein “Systemversagen” zu machen, ist voreilig. Volker Zastrow schreibt heute in der FAZ am Sonntag (FAS) von “tausenden” von Fällen, die passieren, einer (vermjutlich riesigen) Dunkelziffer, und schafft es, auch den Ehemann der Richterin V. einmal ganz nebenbei zu erwähnen. Er hält es für abwegig, einer Frau das Kind nicht wegzunehmen, die mit einem “Pädokriminellen” liiert ist. Das sagt sich – als allgemeine Regel – leicht dahin. Die Wirklichkeit ist aber komplizierter. Der starre Vollzug allgemeiner Regeln bietet keine Gewähr für Fehlerfreiheit und führt immer auch zu ungerechten Härten, über die dann auch wieder geklagt wird.

      Den Journalisten, die uns jetzt erklären, dass man alles hätte vorher wissen müssen, wäre zu empfehlen, einmal ein sechswöchiges Praktikum bei einem Jugendamt und/oder in der Sozialarbeit mit “problematischen” Familien zu absolvieren und dabei über die Anzahl von potenziellen (!) Fehlentscheidungen, die sie vorschlagen oder mittragen, genau Buch zu führen.

      Kleine Frage am Rande: Hat schon jemand gefragt, wie es passieren konnte, dass man Jan Ulrich nach dem Drama auf Mallorca einfach glauben konnte, er werde zwischenfallfrei und ohne Prostituierte zu würden in eine deutsche Suchtklinik reisen? Weiß man schon, wer versagt hat? Hat BILD rechtzeitig die Polizei alarmiert oder stattdessen eine rührselige “Neustart”-Geschichte über das “gute Bauchgefühl” veröffentlicht?

      1. …“Wenn irgendwelche Stalker oder Familientyrannen Gewalt androhen, geht die Polizei auch hin und macht eine “Gefährderansprache” und “glaubt” zunächst vielfach einmal, dass dass hilft und der Betroffene sich nicht traut, eine (angedrohte) Tat zu begehen, wenn er weiß, dass er als Täter offenkundig ist.“….

        Der massive Denkfehler, der hier besteht, sollte insbesondere bei Richtern endlich ankommen: wenn bspw. ein mehrfacher Vater durch pflaumig auftretende Polizeiobermeister unter „Kontaktverbot“ aus der Wohnung geschmissen wird oder ein von existentiellsten Verlustängsten geplagter junger Vater, der noch eben in
        Freude über sein Kind und das nun kommende Familienglück schwelgte, plötzlich eine von einer nörgeligen Kindsmutter mit borderlinehaftem Popanz beantragte gerichtliche „Gewaltschutzverfügung“ erhält, die ihm jedem „Kontakt“ zur Mutter und damit implizit zu seinem Kind „verbietet“, dann ist eine solche „Drohung“ mit behördlichen Strafen KEINE Abschreckung und Prävention sondern ein Trauma, das geeignet ist, erst schwerste Reaktionen und eben auch Tötungsdelikte zu verursachen!

        Wer Zeitung liest, kennt die Formulierung „…trotz bestehendem Kontaktverbot….“.

        Dass dieses sog. Konzept trotzdem ständig als „Erfolg“ gelobt wird, liegt wohl daran, dass in den vielen Fällen, in denen nichts passiert, auch sonst nichts passiert wäre, bspw. bei all den vermeintlichen Märchenprinzen, die Frau mit unsicher-ambivalentem Bindungsverhalten dann doch lieber wieder loswerden will und liebestoll plötzlich zu „Stalkern“ mutieren, die doch noch anrufen….weil „nein heißt nein“ und einen Missbrauch des Gewaltschutzgesetzes „gibt es nicht!“, wie mir eine Würzburger Staatsanwältin bei einer Podiumsdiskussion persönlich versicherte! Womit wir wieder beim Mythos sind…..

      2. Lieber Herr Fischer,

        der Fall Staufen ist aus verschiedenen Gründen “monströs”, nicht nur wegen des “fehlenden Mutterinstinkts”, auf den Sie aus meiner Sicht zu sehr reduzieren.
        Natürlich ist das ein großer Aufreger, weil schon statistisch Frauen weniger kriminell in Erscheinung treten als Männer, weil es um Taten an Kindern geht, zudem noch Sexualstraftaten, die nicht ohne Grund auch nach dem Strafrecht höher bestraft werden, und es die Mutter war, der (wie dem Vater, den es hier aber nicht gab) zu Recht eine besondere Schutzfunktion gegenüber ihrem Kind zugeschrieben wird.
        (Die feministische Volte im Link oben ist übrigens wie immer: Frau ist Opfer, Mann hat sie unter Druck gesetzt, Gerichte überbetonen Mutterverantwortung.)

        Alltäglich ist dieser Fall glücklicherweise nicht, auch wenn spätestens seit dem “Fall Weimar” klar sein dürfte, zu was auch Mütter in der Lage sind und wie sie gleichzeitig ihre Umgebung täuschen können.
        Hier kommt aber hinzu, daß ausgerechnet die Gerichte, die es doch – wie Sie – aus Erfahrung besser wissen müßten, UND verschiedene Behörden GLEICHZEITIG “versagt” haben.
        Darum ist es zwar richtig, wenn Sie wiederholen, daß Fehler niemals auszuschließen sind, aber wenn so viele Kontrollmechanismen GLEICHZEITIG nicht greifen, dann darf man als Bürger schon einmal fragen, was da schiefgegangen ist, und was man verbessern könnte, damit wenigstens solche krassen Fälle (möglichst) nicht mehr passieren können.

        “Der starre Vollzug allgemeiner Regeln bietet keine Gewähr für Fehlerfreiheit und führt immer auch zu ungerechten Härten, über die dann auch wieder geklagt wird.”

        Das ist absolut richtig, gerade, was die Inobhutnahme betrifft, gibt es wohl auch viele Fälle, in denen das zu früh geschieht (besonders besorgte Bürger sprechen gar von “Kinderklau” – auch das ist wieder so eine fürchterliche extreme Sicht).

        Was mich an Ihrem Beitrag und Ihren weiteren Kommentaren wirklich stört, ist Ihre Tendenz, zur Tagesordnung übergehen zu wollen, “shit happens – so what?”.

        Sich einerseits über die zu echauffieren, die sich in den Medien über “fehlenden Mutterinstinkt” empören, gleichzeitig aber genau dieselbe gedankliche Basis (also einen “Mutterinstinkt” vorauszusetzen) den Gerichten und Behörden NICHT anzukreiden, ist Messen mit zweierlei Maß!

        Darauf hinzuweisen, daß es verfrüht ist, ein “Systemversagen” zu konstatieren – okay. Aber zu behaupten, es sei keines auch nur im Ansatz erkennbar MÖGLICH, müsse also gar nicht untersucht werden, das geht ebenfalls ganz und gar nicht!

        Ihren Vergleich mit dem Fall Ullrich finde ich übrigens ausgesprochen zynisch.

    3. Liebe Fotobiene,

      schön, dass Sie an mich gedacht haben….!

      Gegen diese „Verwahrlosung öffentlicher Verantwortung“ braucht es dringend eine politische und juristische Generalprävention. Nach wievielen „Fällen“ wird aus Fahrlässigkeit Vorsatz!?

      Prantl und Fischer sind m.E. gar nicht so weit auseinander, nur kritisiert der eine eben v.a. eine strukturelle Ursache (Behördenversagen) und der andere strukturelle Folgen (Projektionen, Medien)….

      Die Politik, die Verantwortung für die Strukturen trägt, macht sich derweil einen schlanken Fuß. Gerade von den Sicherheitsfantasten und posenden Bayern wird mit dann doch unfassbar durchschaubarem, unredlichem und kosmetischen Populismus und blöder Hetze gegen leichte Opfer darauf gesetzt, von dem strukturellen Versagen, das Prantl sehr richtig benennt, so ablenken zu können. Wen interessieren noch Amtspflichtsverletzungen, wenn man „Monster“ vorweisen kann?

      Und dann wundert man sich als integrer Spitzenjurist, dass das ständige Geplärre aus der Politik und aus Teilen des Apparates (Wendt würde mal genannt) nach „härteren Strafen“ blabla, von den – dann doch plötzlich wieder obrigkeitshörigen – „Empörten“ hysterisiert weitergedreht wird?

      Die Justiz selbst muss sich erst einmal ehrlich machen und bekennen, dass es dieses strukturelle (!) Versagen gibt und, ja, dass die Justiz und ihre Hybris auf dem Rücken von Kindern, Bürgern, Rechtsuchenden hier selbst auch eine Rolle spielt! (Nur ganz schlichte Gemüter und Unwissende glauben, dass das mit zu wenig „Strafen“ zusammenhängt…).

      Noch eine Anregung zum oben angeführten Nachdenken:

      Nach eigenen Worten Fischers ist bei Richtern vorauszusetzen, dass sie in „Begriffen“ wie Vorsatz/Fahrlässigkeit „denken“, also dann auch beim EIGENEN Handeln:

      ….“So genannter „bedingter Vorsatz“ setzt nach ständiger Rechtsprechung voraus, dass der Täter einen schädigenden Erfolg seines Handelns für möglich hält und „billigt“ („in Kauf nimmt“). So genannte „bewusste Fahrlässigkeit“ ist gegeben, wenn der Täter den als möglich erkannten Schadenseintritt nicht will und nicht billigt. Die Rechtsprechung drückt das seit jeher so aus, dass der Fahrlässigkeits-Täter „ernsthaft darauf vertrauen (müsse), dass der Erfolg nicht eintritt“.

      Das klingt einfach, ist aber im Einzelfall schwierig: Erstens weil die Grenzen zwischen „Billigen“, „Sich Abfinden“, „Vertrauen“ , „Nicht Wollen“ schon begrifflich ziemlich dünn sind. Zweitens, weil die Menschen, die im konkreten Fall handeln, keine Strafrechtsprofessoren oder Richter sind und nicht in solchen Begriffen denken: Wer einem anderen im Kampf mit einem Knüppel auf den Kopf schlägt, überlegt nicht zunächst einmal , ob er „billigend in Kauf nimmt“, dass der andere umfallen, mit dem Kopf auf die Bordsteinkante fallen und daran versterben könnte. Und drittens ist die Feststellung dessen, was eine Person in einer monatelang zurückliegenden Sekunde gedacht, für möglich gehalten oder „gebilligt“ hat, ziemlich schwierig, denn die Beschuldigten werden selten vor Gericht erzählen, den Tod des Opfers hätten sie „billigend in Kauf genommen“. Also muss das Gericht Schlüsse aus Indizien ziehen: Wie gefährlich war die Tathandlung? Wie genau kannte der Beschuldigte die Abläufe, Möglichkeiten und Gefahren? Aus welchem Motiv handelte er?“….

      https://meedia.de/2018/03/20/das-raser-urteil-des-bgh-und-die-postwendende-analysen-kultur-von-medien-und-experten/

      Wenn nun Richterinnen und Richter „ständig“ Entscheidungen treffen, bei denen nach Ihrem Eindruck (!) „nichts“ geschieht und bei Suiziden, Eskalationen, Missbrauch und „sonstigen“ Folgetaten von konkreten Gerichtsentscheidungen (Sorgerechtsentzug, Kontaktverbot führt zu affektiven Morden etc.) im Zweifel sowieso die Täter „allein“ verantwortlich und gerne „psychisch gestört“ sind, wann ist dann der Punkt da, an dem Richter denken: „ein Pädokrimineller beim Kind? Wird schon gutgehen“….? Und: „die Anhörung des Kindes spare ich mir, die Mutter ist ja super“….

      Irgendwann ist „Inkompetenz“ oder „Überlastung der Justiz“ auch keine Entschuldigung mehr!

      1. mdeeg:
        Ehrlich gesagt: ich erhalte viele Zuschriften, die sich ähnlich anhören wie Ihre Kommentare: Immer ist gerade dieser eine (meist: der eigene) Fall das ultimative Versagen, die uiltimative Fehlentscheidung, meistens “vorsätzlich” und gern auch “Rechtsbeugung”. Und gern wird behauptet, nun “reiche es”, nun sei das Maß des Staats- oder Justizversagens voll und nun müsse alles “anders” werden. Nur: Wie, Durch wen? Zu welchem Preis?
        Meinen Sie, das Blockwart-Wesen des NS-Staats oder das System der “Wohnbereichs-Verantwortlichen” der DDR hätte Gewalttaten und Kindesmissbrauch verhindert? Wie viele “generalpräventive” (geschlossene) Heime möchten Sie bauen und betreiben, bevor es “sicher” genug ist?

        Was wollen Sie im Ergebnis sagen? Welche Justiz und welche Vewaltung möchten Sie sich backen? Mit welchen Maschinen-Menschen wollen Sie die staatliche Verwaltung aufbauen, die keine Fehler macht?

        Warum sind es eigentlich immerzu die Menschen, die eine Sache NICHT gelernt haben, sie NICHT beruflich machen, KEINE Erfahrung haben und die Probleme des Berufs nur aus der weiten Ferne kennen, die GANZ GENAU wissen, wie es geht, wie man es besser machen müsste und kann und wie böswillig oder dumm die andern sind?

        Sprüche wie “politische und juristische Generalprävention” sind wohlfeiler Quatsch. Was MEINEN Sie denn damit? Wollen Sie das machen, oder haben Sie irgendeine neue Gerichts-Instanz (!) oder “Behörde (!) im Auge, die demnächst mit eisernen Besen alle Verwaltungs- und Gerichtsentscheidung noch einmal ganz neu und ganz genau prüft und dann keinerlei Fehler mehr macht? Wieviele Millionen von Kontrolleuren möchten Sie dafür einsetzen? Da brauchen wir aber viele Immigranten aus Nordkorea dafür! (Und selbst dort soll es ja, aller “Generalprävention” zum Trotz, schon zu Fehlern gekommen sein.)

      2. Sie lassen mich an das Buch von Martin Walser denken
        “Finks Krieg” vielleicht lesen Sie es mal.
        Da wird ein hoher Beamter, von einem Kollegen, von seinem
        wohlverdienten Posten gedrängt, mit Mitwissen/Hilfe anderer, vor allem auch mit Hilfe von Personen, die verstanden haben, dass ihrer Karriere es schadet, in so einem Fall eingreifend zu helfen. (Das Ego – System)
        Der beschädigte Beamte geht dann wohl vorzeitig in den Ruhestand. Am Schluss kommt er dazu seinem
        Übeltäter zu danken, der ihm verholfen hat aus einem
        sozusagen naiven und engen Lebens- und Arbeitstrott
        aufzuwachen, zu einem intensiveren und umfänglicherem Bewusstsein und Leben.

        Wenn Ihr Kind einmal zu einer gewissen Reife kommt und Ihre Beiträge ließt, dann wird es Ihnen wohl möglich weit
        näher stehen, als es anders der Fall gewesen wäre und
        gewöhnlich Kinder zu ihren Eltern stehen.

      3. Th. Fischer:

        Der Herr Voßkuhle hat vor kurzem in der SZ per Interview folgende Aussage dokumentieren lassen: ….”Die Zeit der Halbgötter in Weiß ist vorbei. Das gilt auch für die Halbgötter in Schwarz oder Rot.”

        Wenn dem nur endlich so wäre!!

        Wenn vor allem Richter, aber auch Staatsanwälte und sonstige Zuarbeiter grenzenlos Mist bauen und Leben zerstören können, ohne dass sie auch nur in die Gefahr kommen, strafrechtlich, dienstrechtlich oder zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden und die Politik sich immer (!) kataloghaft mit Floskeln wie der „Unabhängigkeit“ der Justiz aus der Affäre zieht, gleichgültig wie schwer die Folgen sind, dann stimmt Grundsätzliches nicht mehr.

        Das denke ich mir nicht aus, das ist meine persönliche Erfahrung mit der bayerischen Justiz: seit 2003 wird mein Kind entfremdet, ich als Vater wurde und werde kriminalisiert und ausgegrenzt, als wäre es das Natürlichste der Welt. Meine Tochter habe ich trotz vollstreckbarem sog. „Umgangsbeschluss“ seit 2012 nicht mehr gesehen, die Mutter ist ungehindert untergetaucht. 2009/2010 wurde ich für insgesamt zehn Monate ohne Vorliegen einer Straftat und ohne Haftgrund in U-Haft/Unterbringung § 126a StPO eingesperrt. Trotz Freispruch (LG Würzburg, 814 Js 10465/09) habe ich bis heute keinen Cent Entschädigung erhalten, befreundete Richter decken sich zirkelschlüssig anhand selbst geschaffener Aktenlage, ebenso den Kumpel Provinz-Gutachter, der mit wirren Diagnosen den § 63 StGB gegen mich ohne jede Voraussetzung (Obergutachten Nedopil, München) gerichtsfest machen sollte….nicht nur ich halte dieses Vorgehen einer CSU-Clique für Freiheitsberaubung im Amt und eine Intrige, das Vorgehen der bayerischen Justiz für strukturelle Korruption! Und? Mit ein bis dreiseitigen Schreiben, die das alles floskelhaft per „Aktenlage“ in Abrede stellen, kann ich Räume tapezieren….So etwas kann man ebenso VERHINDERN wie den Missbrauchsskandal in Staufen, Herr Fischer!

        Ich war vor dieser Lebenszerstörung durch die bayerische Justiz fünfzehn Jahre Polizeibeamter in BW. So etwas, DAS hätte ich vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten! Und auch bei der Polizei glauben viele, mit allem durchzukommen….

        Mit Generalprävention meine ich daher ganz konkret, dass endlich auch Justizjuristen haften und zur Verantwortung gezogen werden. Amtsenthebung, Anklage, Strafe! Dafür braucht es keinen Systemwechsel und keinen Blockwart aber ein Hinterfragen der Hybris.

        Jeder Mist wird zur „Anklage“ gebracht, wenn Staatsanwälte motiviert sind – und es irgendwelche lästigen Bürger oder Feindbilder trifft.

        Das eine sind Fehler der Justiz, das andere der Umgang mit diesen Fehlern, die Vertuschung, das Leugnen, der pauschale Freibrief. Auch bei Verdacht auf Rechtsbeugung, Strafvereitelung, Gemauschel und völlig bizarre „Irrtümer“.

        Kritik an der Justiz wird aus der Richtung durchweg arrogant als „Fundamentalkritik“ oder das Geplapper von Unwissenden, politisch Verwirrten oder sonstigen schrulligen Typen abgetan.

        Der Präsident des LG Stuttgart, der sich wie Voßkuhle auch um den Rechtsstaat „sorgt“, analysiert zwar schön, hat aber auch einen blinden Fleck – die Justiz selbst hat mit dem Autoritätsverlust des Rechtsstaats wie immer nichts zu tun:

        …“Der Rechtsstaat und seine Einrichtungen würden zum Teil offen angefeindet. „Und das nicht nur von den sogenannten Reichsbürgern“, so Singer…..Das Gewaltmonopol des Staates werde zunehmend infrage gestellt. „Das berührt das Fundament unseres friedlichen Zusammenlebens. Diese Entwicklung ist für unsere Gesellschaft brandgefährlich“, sagt Singer.“

        https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.landgericht-stuttgart-neuer-gerichtspraesident-sorgt-sich-um-den-rechtsstaat.0921f436-465c-445f-8cb7-3f710f68fef4.html

        Gerade aus dem NS-Staat und der DDR, die Sie anführen sollte man auch gelernt haben, dass blinder Kadavergehorsam und Obrigkeitshörigkeit das Grundübel sind.

        Wieso also fordern Sie genau das, wenn es um die Robenträger in diesem Rechtsstaat geht?

        Und wie geht das mit dieser Ihrer Aussage von oben zusammen:

        …“Da zittert der Bundesrichter, und das Volk erbebt, und der FAZ-Leser beim BGH postet zum 25. Mal einen flammenden Appell zur Mäßigung. Seit dem 24. Mal hat er /sie allerdings 250 Revisionen ganz und gar unmäßig als “offensichtlich unbegründet” verworfen, obwohl er/sie das angefochtene Urteil, dessen “offensichtliche” Rechtsfehlerfreiheit er/sie in der ganz+ gar festen Überzeuigung unterschrieben hat, keinen “FEHLER” zu machen und alle REGELN eingehalöten und hjeder GEFAHR nach besten Kräften entgegengewirkt zu haben, bestenfalls aus drei Metern Entfernung jemals zur Kenntnis genommen hat.
        (Dies alles aber nur ganz nebenbei, zum Freitagnachmittag.)“

      4. @Deeg, @Fischer

        Nein, Herr Deeg,
        “Amtsenthebung, Anklage, Strafe!”
        DAS meinte ich eben NICHT!

        Ich meinte auch nicht “Rechtsbeugung” oder gar “Staats- und Justizversagen”. Und Ihre Phantasie von “Generalprävention” meinte ich schon gar nicht.
        Genau DIESE überschießende “Kritik”, die gleich am gesamten demokratischen (!) “System” zweifelt, prangert Herr Fischer zu Recht an!

        Andererseits ist es auch nicht richtig, wenn Sie, Herr Fischer, rhetorisch fragen, wie ausgerechnet Menschen, die den jeweiligen Beruf nicht ausüben, angeblich alles besser wüßten.

        Zwischen “alles Mist” und “alles paletti, Sie haben bloß keine Ahnung” liegt die (selbst-)kritische Betrachtung, die eine Demokratie jedem Bürger und jedem Amtsträger erlaubt bzw. dazu verpflichtet.

        Daß Herr Fischer gerade einer derjenigen ist, der genau das für seine “Branche” immer wieder tut, haben Sie, Herr Deeg, gerade selbst zititiert.
        Daß auch er Fehler macht, wird er nicht bestreiten, alleine darum lohnt es sich ja, mit ihm hier zu diskutieren, weil ER sich der Debatte stellt.

        Ich habe weiter oben versucht zu beschreiben, was ich mit möglichen “Systemfehlern” meinte, welche FRAGEN (!) m.E. gestellt werden müssen. Sie betreffen nicht “DEN Staat” oder “DIE Justiz”, sondern das Konzept “KURS”, das ein bestimmtes Ziel verfolgt.
        Liest man das Konzept, klingt es gut, nämlich weder nach NS-Staat noch nach “darf einfach frei rumlaufen”.

        Mir liegt der Schwerpunkt der Diskussion hier auch viel zu sehr auf der Jugendamt- und Familiengericht-Seite, auf die Sie Herr Deeg, hier anspringen.
        Insofern hat Herr Fischer ja Recht, wenn er kritisiert, daß sich zu sehr auf die “Monster-Mutter” fixiert wird.
        Dazu fand ich auch Ihren Satz, Herr Deeg, sehr gut:
        “Wen interessieren noch Amtspflichtsverletzungen, wenn man “Monster” vorweisen kann?”
        Es war nämlich u.a. ausgerechnet die Staatsanwältin Nikola Novak, die die Headline der BILD bestimmte, indem sie sagte: “Bis heute ist es schleierhaft, dass ihre Mutterinstinkte nicht funktioniert haben.”

        Auch darum fordert der Mißbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Rörig zu Recht eine Aufklärung der Ursachen (!), soweit sie bei staatlichen Stellen liegen könnten.

        Ich habe bereits oben ausgeführt, daß – sollte die Darstellung im Stern stimmen – die Fehler eher beim LKA oder der Bewährungshilfe zu suchen sind, da man wußte (hätte wissen können/müssen), daß L. auf einer Darknet-Plattform unterwegs war, auf der man Material liefern (!) musste UND dieser Mann über 1 Jahr (!) gegen die Auflage verstieß, sich Kindern zu nähern, gar weiterhin bei der Mutter mit Sohn wohnte!
        Die Polizei schob das dem Jugendamt zu, und selbst danach noch scheint die Kontrollfunktion für die Auflagen irgendwo zwischen den Behörden versackt zu sein, die sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschoben, anstatt daß beide Behörden ihre jeweiligen Kontrollaufgaben auch wahrnehmen.
        “Scheint”. Das meine ich ernst.
        Das muß (neben anderen Fragen) aufgeklärt werden, denn sonst können wir auf gerichtliche Entscheidungen gleich ganz verzichten, wenn ihre Durchführung schlicht nicht wie angeordnet stattfindet und dies erst durch einen “Zufall” (?!)(anonymer Hinweis auf Filme mit dem Jungen im Darknet) aufgedeckt wird.

      5. mdeeg:

        Nun werfen Sie aber (wieder einmal) alles auf einen Haufen und durcheinander.
        Dass wir hier nicht “Ihren” Fall diskutieren können, wissen Sie selbst. Und gewiss könnte man es nicht, ohne alle anderen Beteiligten dazu zu hören und die Akten der entsprechenden Verfahren zu kennen. Manches klingt mir – sponatan – ein wenig abenteuerlich, ehrlich gesagt.

        Ich fühle mich auch nicht so recht als richtiger Ansprechpartner: Dass ich z.B. die Rechtsprechung zur § 339 (Rechtsbeugung) für zu restriktiv halte, habe ich seit vielen Jahren oft genug gesagt und geschrieben…
        Dasselbe gilt, wie Sie zutreffend sehen und verlinken, für meine grundsätzliche Einstellung zur Fehler-Resistenz der Justiz.

        Aber Sie wissen auch, dass nicht jede Fehlentscheidung eine “Rechtsbeugung” sein kann: Sonst hätten ja das ganze Rechtsmittelsystem und der rechtsstaatliche Instanzenzug (siehe auch Art. 19 Abs. 4 GG!) keinen Sinn. Selbstverständlich müssen Richter sich irren können, ohne deswegen mit Strafe verfolgt zu werden. Es wird ja auch nicht jeder Arzt, der sein Bestes (aber unglücklicherweise das Falsche) getan hat, wegen Totschlags eingesperrt.

        Hellhörig werde ich (und sollte man werden), wenn sich das Unrecht, das skandalisiert wird, in der Darstellung zu einem monströsen System ausweitet: Alle (!) Behörden, Gerichte, Gutachter und die eigenen Rechtsanwälte machen immerzu alles (vorsätzlich) falsch. Das ist meistens falsch. Es mag die Gefahr geben, dass sich selbst bestätigende wechselbezügliche “Meinungs”-Systeme den Blick verstellen; und diese Gefahr darf in der Tat nicht unterschätzt werden. Das liegt (leider) in der Natur von Routinen, Hierarchien, Regelhaftigkeiten, hat aber sehr selten mit Vorsatz, Willkür oder und Rechtsbeugung zu tun. Es kommt darauf an, Entscheidungs-Routinen zu “stören” und zu “hinterfragen”, z.B. durch Supervision, Einbringen von Außen-Sicht, Rotation, Hierarchie-Abbau. Das hat auch die Öffentliche Verwaltung schon lange begriffen, und tut auf vielen Ebenen viel mehr zur Abhilfe, als es in zahllosen Unternehmen bis heute möglich ist – trotz aller Hypes von “Compliance-Programmen”. Die in Foren der Empörung herrschende und verbreitete Vorstellung der öffentlichen Verwaltung als einem Hort von Beschränktheit, Selbstgenügsamkeit und Interessenlosgkeit ist falsch und verfehlt. Der Öffentliche Dienst, gerade im Bereich der Sozialverwaltung, ist dominiert von hochmotivierten, sehr gut ausgebildeten, intelligenten und interessierten Mitarbeitern, die sich für wenig Geld einer ununterbrochnenen (medialen) Kritik ausgesetzt sehen, nicht “genug” zu tun, schon wieder zu “versagen”, “bürokratisch” zu sein, usw. usf. Ich bin mir sicher(!), dass die “Bürokratie” und die “Fehlerkorrektur-Kultur” in der Redaktion der SZ oder der FAZ strukturell/organisatorisch deutlich kritikwürdiger sind als bei jedem Jugendamt in Berlin oder Stuttgart.

        Es wäre gut, wenn Sie Ihren eigenen Fall (oder: Ihre Fälle) von dem Thema des Textes und des Forums trennen und dieses nicht als “Gelegenheit” benutzen würden, Ihr eigenes – angebliches oder tatsächliches , das kann und will hier niemand beurteilen – Schicksal zu beklagen. In der Strafsache Staufen gibt es ein (nicht rechtskräftiges) Urteil und zahlreiche Geständnisse, also gravierende Anhaltspunkte für die “Wahrheit”. Die möglichen Fehler von Behörden in diesem Fall haben mit den möglichen Fehlern in Ihrem Fall nichts zu tun.
        Etwas plapsiger gesagt: Wegen zwei möglicherweise falschen Schiedrichter-Entscheidungen muss man weder den Fußball verbieten noch alle Schiedrichter wegen betrugs verurteilen oder durch vor Spielbeginn ausgeloste Laien-Gruppen aus dem Publikum ersetzen.

        Abschluss: Ich habe als Schwurgerichtsvorsitzender einmal einen Angeklagten wegen (mehrfachen) Mordversuchs durch Inbrandsetzen eines Wohngebäudes zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Schwurgerichtskammer hatte die Beweiswürdigung sehr intensiv und lange diskutiert. Kurz nachdem das Urteil rechtskräftig wurde, meldete sich ein Zeuge und legte ein Geständnis ab: Er selbst habe die Tat begangen; der Verurteilte sei unschuldig. Das Wiederaufnahmegericht ordnete die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Es stellte sich dann heraus, dass der “geständige” Zeuge gekauft war. Aber es war eine sehr eindrückliche (und bis heute nachwirkende) Erfahrung, plötzlich vor der Möglichkeit zu stehen, dass man sich trotz aller Anstrengung getäuscht und einen Unschuldigen für viele Jahre eingesperrt und aller Lebenschancen beraubt haben könnte…
        Wer behaupten wollte, die Schwurgerichtskammer (oder das Revisionsgericht, oder die Wiederaufnahmekammer) habe damals ein “Versagen der Justiz” vollzogen oder gar “Rechtsbeugung” begangen, würde trotzdem irren.

        Wie unendlich oft haben sich die Großkommentatoren und Chefredakteure, Herr Reichelt und Herr Prantl, die Gutachter und Experten und Berater schon geirrt? Und wieviele Lebensentscheidungen und wieviel Unglück haben ihre Irrtümer und Fehler verursacht?

        Das zu fragen bedeutet ja nicht, Fehler für irrelevant oder “sowieso unvermeidlich” zu halten: das wäre vom deutschen Bürger denn doch zu viel verlangt, der jährlich 300.000 Prozesse wegen fehlerhafter Angaben in Urlaubsprospekten für Billig-Hotels führt. Wo sitzen sie nur alle, diesen Milliarden von Abzockern, “Betrügern”, Fehlermachern”? Wo verstecken sie sich? WIR sind es ja nicht; WIR sind immer nur die OPFER der unermesslichen Fehlerquote und Schlamperei, der Verantwortungslosigkeit und des Niedergangs der guten Ordnung!

        Ich weiß, dass Sie das alles nicht beruhigen wird, mdeeg: Aber erforschen Sie doch mal, wieviel Kindsmorde und Gewalttaten Notzuchten und Fehler es gab unter der Herrschaft des engsten generalpräventiven Gesetzeswerks, das jemals in (heute) deutschen Landen galt: Des Preußischen Allgemeinen Landrechts (ALR) von 1792 – mit über 20.000 detailliertesten Paragraphen zur Vermeidung jedes Fehlers und zur Bekämpfung jeder Gefahr! Wie der Arzt mit der Fehldiagnose leben muss und trotzdem nicht glaubt, dass “die Schulmedizin” reines Teufelswerk ist, muss der Richter mit Fehlentscheidungen leben: Es beim nächsten Mal bessser machen, dazulernen und trotzdem nicht glauben, dass “die Justiz” ein Ort des Unrechts sei.

      6. Th. Fischer:

        Herzlichen Dank für die facettenreiche, umfassende Antwort.

        Sie schreiben:

        …“Es mag die Gefahr geben, dass sich selbst bestätigende wechselbezügliche “Meinungs”-Systeme den Blick verstellen; und diese Gefahr darf in der Tat nicht unterschätzt werden. Das liegt (leider) in der Natur von Routinen, Hierarchien, Regelhaftigkeiten, hat aber sehr selten mit Vorsatz, Willkür oder und Rechtsbeugung zu tun.“….

        Wie selten ist „sehr selten“ und ab wann wird es bspw. in einer Region strukturell?

        Ich kann Ihnen versichern, in meinem Fall geht es um Vorsatz, um Machtmissbrauch, persönliche Motive und eben Rechtsbeugung, eingebettet in lauschige Netzwerke, die alles entspannt in „eigener Sache“ abblocken. Es geht um unbedingten Willen zur Freiheitsberaubung im Amt gegen einen erkennbar Unschuldigen. „Brillante“ bayerische CSU-Richter, die einen lästigen Antragsteller unter dem Etikett „Sicherheit“ sozial vernichten wollten.

        Deshalb gehe ich auch an die Öffentlichkeit, auch wenn das natürlich angreifbar macht und man schnell ein Etikett bekommt – die Gefahr für jeden Kritiker, der Aufmerksamkeit ja erst einmal generieren muss.

        Ich bin niemand – ungelogen – der einen Hang zu Verschwörungstheorien hat oder die dumpfe Empörung gegen Behörden als „ Hort der Beschränktheit“ teilt. Was Sie oben schrieben, sehe ich ebenso, in der Regel gilt bei Behörden: hochmotiviert, sehr gut ausgebildet, intelligent, interessiert….

        Aber ich mache eben auch die Erfahrung, dass ich, obwohl ich ein sehr gut ausgebildeter und intelligenter ehem. Polizeibeamter bin, von Leuten, die m.E. in einem Rechtsstaat keine verantwortliche Funktion ausüben dürften, (neben der irren Tatsache, dass ich seit 15 Jahren gegen die Justiz (!) um Kontakt zu meinem Kind „kämpfen“ muss) über zehn Monate auf Grundlage eines unberechtigten Tatvorwufs eingesperrt war und versucht wurde, mich mittels eines Fehlgutachtens dauerhaft wegzusperren. Alles, was dieser Zielsetzung zuwiderlief, wurde unter den Tisch gekehrt. Nach Freispruch wurde höhnisch genüsslich nachgetreten, indem man die zugesprochene Entschädigung verweigerte, das Instanzengericht OLG Bamberg. Seither wird der Rechtsweg blockiert, offenkundig um eine faktenbasierte Aufklärung zu verhindern. Unterstellt einfach einmal die Tatsache, dass ich jemand bin, der Menschenkenntnis hat und eine Ente als solche erkennt, wenn er eine sieht, auch wenn zehn Leute behaupten, das sei ein Adler….

        Dass Sie sich unzuständig auf „Nichtwissen“ berufen, ist logisch. (Und die Trittbrettfahrer, die überall „Rechtsbeugung“ wittern, kenne ich auch!) Aber auch das Bundesverfassungsgericht tut das lässig ab, z.B., und die haben die Akten. Die Polizei hier in BW, die von Missbrauch des Tatortprinzips redet, ist an eben dieses gebunden.

        ………

        Oben antworteten Sie auf einen Kommentar:

        ….“Wenn Sie ernsthaft meinenm, es bestehe zwischen Eltern, die ihre Kinder “lieblos … schlagen” und solchen, die sie “entsetzlöich … missbrauchen”, keinerlei Zusammenhang, dann haben Sie wirklich sehr wenig verstanden.“….

        Eben. Und diesen Zusammenhang gibt es eben auch zwischen meinem „Fall“ und dem zahlreicher anderer Väter – und dem Missbrauch hier: nämlich die Wahrnehmung von Müttern und die rollenspezifischen Projektionen durch die Justiz. Klischees und Meinung statt objektive unparteiische Amtsermittlungen, das „Kindeswohl“ eine Begrifflichkeit, die sich effizient daran orientiert, dass das Kind „versorgt“ zu sein scheint.

        Ich will das hier nicht breittreten, aber mich hat in keiner Weise überrascht, dass sich die Gerichte hier von der Mutter so manipulieren ließen. Ich kenne es nicht anders: vor Gericht werden Zusicherungen gemacht, kurz darauf kommt der Knall auf dem Schriftweg, der alles zuvor Vereinbarte „im Interesse des Kindes“ zunichte macht. Das „Spiel“ darauf abzielend, Zeit zu gewinnen, Fakten zu schaffen und weiter Kontrollmechanismen auszuhebeln. Das funktioniert beim Umgangsboykott und es funktionierte in Staufen. Man muss ja nicht mal überobligatorisch Menschenkenntnis haben, aber merken, wenn man immer nach dem gleichen Muster verarscht wird, sollte man schon.

        Das wäre ja so, als ob Sie als Schwurgerichtsvorsitzender im oben erwähnten Fall trotz des Wissens, dass es sich um ein gekauftes Geständnis gehandelt hat, an Ihrem Reflex festhielten, einen Unschuldigen verurteilt zu haben und seither lieber alle freisprechen, um ja keinen Falschen zu treffen….

        Es ist ja auch kein Zufall, dass die Mutter in Staufen die Verantwortlichen genau da packte: indem sie den Vorwurf erhob, dass nach dem „ Fall“ des Kindes Alessio die Ämter nun immer auf „Sicher“ gehen und auch ihr deshalb nun ihren Sohn wegnähmen:

        …“Dann tritt Berrin T. auf. Sie erwähnt den Fall Alessio, das beeindruckt Linde-Rudolf. Und nur deshalb sei ihr der Sohn weggenommen worden, habe die Mutter erklärt. “Das deckte sich mit meinen Einschätzungen, seit dem Fall Alessio gab es viele Inobhutnahmen, über die wir entscheiden mussten”, sagt die Richterin.“…

        https://www.suedkurier.de/ueberregional/baden-wuerttemberg/Kindesmissbrauch-in-Staufen-Jugendamt-griff-trotz-Hinweisen-der-Kripo-nicht-ein;art417930,9805411

      7. Lieber Herr Deeg!

        Sie sind mit Sicherheit kein Einzelfall.

        Denn: Wenn jemand vor Gericht mit Sicherheit alles geglaubt wird, und sei es die allergrößte Lüge, dann den Müttern. Da kann sich ein Mann, ein Kindsvater, auf den Kopf stellen.
        Sagt die Frau/Mutter, nein, ich will das jetzt so, dann wird das so gemacht, sagt sie später, nein, jetzt will ich das ganz anders, dann wird das anders gmacht, auch Jugendämter können ein Lied davon singen was da abläuft und wie da Spielchen ohne Ende betrieben werden, für mich persönlich sind das Psychopathenspiele, und sonst nix. Da geht es überhaupt nicht um Kindeswohl, es geht nur darum, dass die Mutter ihre Egomanie ausleben kann mit freundlicher Unterstützung. Das ist auch Kindemissbrauch, psychischer, und der ist auch sehr, sehr ungsund. Man züchtet damit Menschenkinder heran, die nicht wirklich lernen dürfen, dass es im Leben um Kompetenzen geht, die man braucht und sich aneignen muss, sondern eh alles GERICHTET wird.
        Ja, das ist sehr schlecht, aber das gefällt vielen in unserer Gesellschaft, weil die damit ihre schönen Machtgelüste und eigenen unguten Befindlichkeiten ausleben können.

        Spätestens die überübernächste Generation wird aber etwas anders ticken und macht da nimmer mit, davon bin ich überzeugt. Bis dahin Augen zu und durch! Und vor allem eiskalt die Gefühlsgschichteln abstellen, milde lächeln und sich bloß nicht provozieren lassen, so tun als wäre um einen rum nur Luft.

        Grüße
        Geierwalli

  21. „Das Unfassbare ist eher, daß die GERICHTE (und Behörden?) auf diese “Mutterinstinkte” vertraut haben!!“
    Danke dafür, Fotobiene.

    Wenngleich, so unfassbar ist es nicht, denn (Behörden)Entscheidungen fallen ‚meist nach Aktenlage‘ und ‚gängigen‘ (wünschenswerten oder nicht wünschenswerten) Routinen. (Deshalb würde ich auch nicht von ‚vertrauen‘ sprechen wollen).

    „Blinder Fleck“ das ist mir, hier und jetzt, 2018, persönlich zu billig. Hat nicht ‚Der Stern“ und ich glaube eine WDR Dokumentation vor Jahren (jedenfalls als es noch Kleinanzeigen im Print, für diese Zwecke gab) explizit die Partizipation von Frauen und Müttern beim Vermarkten ihrer Kinder als Sexualobjekte, auch aus finanziellen Interessen dokumentiert?

    Die Justiz eines Landes, Jugendämter, Schulen (Curriculum) spiegeln die gängigen Bilder einer Gesellschaft wieder. Biologische Bindung, Mutterliebe kommt – zögerlich – auf den Prüfstand. (Plädierte nicht noch vor ein paar Jahren ein Münchner Erziehungswissenschaftler, ein schlechter Vater sei besser als gar kein Vater, die Mutter (zzgl. der logische Verknüpfung Kind/ Mutter Symbiose/ Geborgenheit / ‚gelingende Persönlichkeit‘) war als gegeben vorausgesetzt.

    Gesellschaftliche Entwicklung (neg. oder pos. konnotiert) ist ein äußerst fragiles Gebilde und es ist schwierig dynamische Bedingungsverhältnisse auf Kausalitäten rekursiv zu beurteilen. In den letzten Jahrzehnten jedenfalls sind viele (mal kleine, mal große, hier willkürlich gesetzte) (Ver)Änderungen (nicht zuletzt durch biologische/medizinische, soziale, kulturelle, politische (Fort)Schritte eingetreten:

    – Die Ergänzung der biologischen Kernfamilie durch sogenannte Patchworkfamilien
    – Eine Gesetzgebung wonach Väter in strittigen Sorgerechtsfällen nicht mehr ‚automatisch‘ ausgeschlossen werden
    – Gleichgeschlechtliche Paaren, denen Elternschaft „zugetraut“ wird, sozial und juristisch (in der Mache)
    – Kontroversen zu
    Sexueller Orientierung/ Geschlechterrolle/ ect
    – auch der (aus dem Himmel fallender) ‚Mutterliebe‘, sei es, weil die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach der Geburt, gesellschaftliche Anerkennung fand/findet bis hin zu ‚Regretting Motherhood‘, jener Studie, die, die enormen, nicht immer willkommen stillschweigen unterstellten Erwartungen oder laut vorgebrachten Anforderungen die mit der Mutterschaft einhergehen, anprangert.
    Daran anschließend, die Frage inwieweit mit ‚guter Mutter/Elternschaft vereinbar ist generell zwischen ‚ungern verrichteten Versorgungsleistungen‘ und der im Kontext von beruflicher Karriere vs Kind entstandener ‚Qualityzeit‘ zu unterscheiden.
    Etc.ect.

    Bei all dem darf keines der Faktor Finanzierung vergessen werden, Kindergärten vs Hausfrauen Konstellationen waren von jeher Reaktionen auf industrielle Entwicklungen und ökonomische Verhältnisse und entsprachen (in der neg. oder pos. Konnotation). Die Gesetzgebung hinkt dann hinterher …

    Ach ja und natürlich der ‚außerfamiliäre‘ Aufenthalt der Kinder (gutbürgerliche Familien die immer schon auf den Hauslehrer, die Gouvernante oder das Internat zurückgriffen) bzw. staatlich Obhut kostet eine Gesellschaft auch eine Menge Geld und Organisation (Nur zwei externe Erziehungsschulen gibt es bspw. in BW und einen Platz dort wird von den Jugendämter nur unter herausforderndsten Umständen finanziert …)

    Jugendämter (zumindest hier in Berlin sind chronisch unterbesetzt, extrem überlastet. Wie beruhigte ein durchaus engagierter Jugendamtsmitarbeiter eine junge Frau, die Angst hatte bei der ‚schmutzigen‘ Scheidung ihr Kind zu verlieren: machen Sie sich keine Sorgen, damit wir, das Jugendamt uns einschalten müssten Sie erst ein ihr Kind verhungert lassen …

    ‚Jugendhilfevereine‘ die den Jugendämtern Vorort zuarbeiten, arbeiten auf eigenen Rechnung, sind privatwirtschaftlich organisiert und erhalten ihre Gelder aber vom Jugendamt, das wiederum auch die Kontrollfunktion ausübt … da kann einem schon mal schwindelig werden!

    Jeder Fall ist ein jeder Einzelfall und ist sehr schwierig zu rekonstruieren, weil Zusammenspiel unzähliger Zufälle, institutionelle Nachlässigkeiten, Abwägungen persönlichen Versagen etc. – die Zurechnungsleistungen, die hier im Nachhinein zu vollbringen sind, enorm sind.

    Die Berichterstattungen und Kommentierung sind auch ‚nur‘ Interpretationen und hängen in einem Bezug … mich würde mal interessieren, was alles auch geschrieben werden könnte ….

    Was nicht heißt, dass jedes ‚Versagen‘ untersucht werden muss/soll. Allerdings warne ich davon, ein ‚zufriedenstellendes Resultat‘ zu erwarten das gibt es einfach nicht und … der nächste Fall ist schon geschehen …

  22. Mir ist zweierlei unverständlich:

    a) dass dieser mit Abstand meistdiskutierte Text so schnell aus dem Meedia-Schaufenster entfernt worden ist (im Gegensatz etwa zu einer nichtigen Meldung aus dem „Datacenter” vom 24.7.) und

    b) dass kein Zeichenlimit zumindest für die Leserpost eingeführt wird; denn diese ausufernden Stellungnahmen (natürlich jede für sich eine Perle!) erschlagen in summa noch den Gutmütigsten. Straffungen wären dringend nötig. Aber nicht einmal die Bitte einer „Fotobiene” um Löschung ihres doppelt veröffentlichten Riemens wird von der Moderation erhört. So es sie denn gibt, ich bin da im Zweifel.

    1. Ich stimme Ihnen im Grundsatz zu – obwohl ich wahrlich mich an die eigene Nase fassen sollte!
      Ist aber in der Praxis schwer zu machen. Und dann hat ja die “Länge” auch wieder “was”: Die pure Möglichkeit, seine Meinung zu begründen (!); erzeugt eine gewisse Tendenz, die vollständig UN-begründeten wegzulassen. Womit wir dann ja wieder beim schrecklichen Anti-Twitter-Fischer-System wären…

      1. Eine milde Zeichenbegrenzung wäre m.E. eine Verbesserung. Argumente könnten unter einer solchen Bedingung sogar luzider und prägnanter entwickelt werden. So manche/r labert doch erheblich.

      2. Es ist ein wahrer Segen mal ausführlich schreiben zu können. In anderen Foren bilden sich dann immer Fortsetzungen, die dann auch recht unübersichtlich werden können. Ich denke MEEDIA hat hier ein Alleinstellungsmerkmal, welches ich richtig gut finde.
        Darüber hinaus gibt es ja die BILD UP und BILD DOWN Taste auf dem Keyboard, anstelle mühsam zu scrollen…

      3. Sehr geehrter Herr Prof Fischer,
        zur Presseethik könnten Sie hier jemanden aktivieren:

        https://drive.google.com/file/d/1d3JYtX5F4MJQgBtd5u4SY7qJq6J6RsWq/view?usp=sharing

        Wenn der hier mitmachen würde, das wäre spannend.

        Ein Impeachment-Verfahren gegen einen deutschen Bundeskanzler kann es nicht geben, denn die Beweise werden per §99 VwGO durch, für alles geeignete, Spezialrichter richterlich weggeschlossen, so für mehr als einhundert Jahre.
        Selbstverständlich ganz öffentlich im InCamera-Verfahren, also ganz rechtsstaatlich. Dem davon nichts Erfahrende, wird dort sein Berufungsrecht gesetzlich garantiert.

    2. Wer ein Problem damit hat tonnenweise Artikel und höchst interessante Kommentare zu lesen, dem ist sicher nicht mehr zu helfen. Es wird zusehends schlimmer was Leseverständnis und Wille zum Durchackern von elendslangen Schrieben betrifft -und da redt man noch gar nicht davon sich eingehender mit der Materie zu befassen. Es geht manchen sogar so, dass sie bei Unterhaltungen stundenlang, tagelang versumpern, um erst dann, wenn sich viel abgesetzt hat, die Gedanken lichten. Aber heutzutag bleibt man allgemein oberflächlich, beliebig und immer schön herumdrucksend, damit sich ja nix ändert.
      Aber natürlich gibt es auch immer wieder Überflieger, die sofort alles gewußt haben -und gern mit sich alleine sind. Da lohnt sich ohnehin nicht mal ein Rülpser. Mir wiederum völlig wurscht.

      1. Jenen ist sehr wohl zu helfen, nämlich durch Klarheit der Aussage und Konzentration aufs Wesentliche. Ob zum Beispiel Ihnen etwas „völlig wurscht” ist oder nicht — glauben Sie, das will jemand wissen?

      2. DwJ

        Was wer wissen will, das wissen Sie?
        Woher denn?

        Klarheit der Aussage kann auch eine durchaus gute gelungene Lüge sein. Und dann? Ist das dann Weltspitze und glauben es alle, weil es so gut rüberkommt?
        Konzentration aufs Wesentliche meint aber hoffentlich das Wesen oder meint es das Gewese?

        Sprachbehinderte gibt es zu Hauf, v a solche, die einem das Wort im Mund verdrehn, da ist dann Schluss mit dem Wesentlichen und der Klarheit, gell.

  23. Das regt mich – im Gegensatz zu Prantl – tatsächlich auf, der Mann hat ein öffentliches Amt und damit Verantwortung; solche Volksverdummung verbietet sich da einfach:

    ….„Bei dem in Staufen verhängten Strafmaß schütteln viele Menschen entsetzt und fassungslos den Kopf“, sagte Strobl der „Bild am Sonntag“. Und weiter: „Ich kann das nachvollziehen, mir geht das genauso. In diesen Fällen müsste es wirklich ein höheres Höchststrafmaß geben.“….

    https://www.schwaebische.de/sueden/baden-wuerttemberg_artikel,-strobl-fordert-höhere-strafen-bei-kindesmissbrauch-_arid,10916521.html

    1. Herr Deeg,

      was ich nicht verstehen kann, dort in einem Missbrauchsfall schaut man jahrelang zu wie ein Kind versklavt und verkauft wird, in anderen Fällen, wo es um einen normalen Kontakt zwischen Vater und Kind ginge, wird dieser grundlos untersagt u irgendein Schwachsinn erfunden, aber Alimente zahlen muss er allemal. Dann gibt es viele Fälle wo Kinder gleich mit vielen Vätern beglückt werden, die alle aufziehen, zahlen und helfen sollen, nebenbei super gegeneinander ausgespielt werden u alle irgendwann vollkommen zerstritten sind u die Schnauze von allen voll haben u sich am besten ans Ende der Welt absetzen um vor der Bagasch endlich Ruhe u Frieden zu haben. Fast ein Leben lang wird bei vielen theatert, weil die Mutter eine Totalversagerin ist und Kinder nur bekommt um Männer und deren Geld an sich zu binden – und fein analysierend aufgedeckt tut sie es um Familien zu zerstören, also voll im Trend u deshalb so beliebt bei Behörden u Gerichten.

      Aber Hauptsache die Mütter sind immer gut angesehen und fein raus aus der Sache, haben null Verantwortung, dürfen aber befehligen. Das Kind wird nicht als eigenständiger Mensch gesehen, sondern als verlängertes, zusätzliches Ich der Mutter, das ist in einer kranken Gesellschaft eben so und dies kratzt ohnehin kaum jemanden. Burschendiskriminierung fängt ohnehin spätestens in der Schule an, dort lernt man schon, dass ein Bubi ein Mensch 2.Klasse ist, der nur mal zum Befehlsempfänger, Duckmäuser und Trottel degradiert wird und sich das so zu verinnerlichen hat, dass er ohnehin mal nichts zu melden hat. Außer, die Frauen erlauben es eventuell. Das “allerlustigste” ist ja, dass da mindestens 98% der männlichen Kategorie mitmachen u das gar nicht reflektieren. Der Mann an sich merkt ja nicht mal, dass er per Geschlecht zum Mindermenschen gemacht wird, er findet es sogar selber noch gut (irre ist das!),das ist eben die zweischneidige Sache bei der Mann/Frau/Feminismusstreiterei und dem einseitigen Pochen auf angebliche Gerechtigkeit. Gerecht ist es nur, wenn der Rechtsstaat funktioniert und nicht missbraucht wird, aber da weiß man eh was schief läuft. Diskriminierung kann nicht gerecht sein!
      Mir geht es weniger um Strafausmaße, mir geht es darum wie ekelerregend das alles ist.

      Kindesmissbrauch hat viele Gesichter, da red ich nicht nur vom sexuellen, weltweit gibt es sexuelle Versklavung von Kindern, Sextourismus etc, ich rede auch vom psychosexuellen und psychischen Missbrauch, vom Geschäft mit der Kinderseele, vom Kinderseelenmord, auch das Aufhetzen des Kindes gegen den Vater durch die leibliche Mutter, gegen den Stiefvater, gegen die Familie in der ein Kind lebt, vor allem auch das Wegnehmen des sozialen Vaters, das Zerstören des Umfeldes in dem ein Kind sich eingebettet fühlt, das alles abwegig, aber es ist so, es läuft so. Warum das alles so ist, das könnte man aber auch erforschen (lassen). Aber im Grunde ist es für all das zu spät. Rückwärts leben kann keiner u aufholen kann man auch nichts u wiedergutmachen im eigentlichen Sinn auch nicht.

      Loslösen, durch den Schmerz hindurch (dadurch wird man widerstandsfähig und lernt solidarisch sein) und sich abwenden lernen von den Unfähigen, u nicht auf die Falschen eindreschen u damit selber ein besserer Mensch werden, – und sich im zukünftigen Leben nichts gefallen lassen, immer bei sich bleiben u anderen nix zu Fleiß antun, das wünsche ich jedem missbrauchten Kind.

  24. Die Justiz hat ein Wächteramt.

    Und wenn ich als Vater öffentlich mitteile und fundiert darlegen kann, dass mir seit 15 Jahren in diesem schönen Rechtsstaat der Kontakt zum meinem Kind vereitelt wird, ich als Vater anhaltend unter massivem Machtmissbrauch kriminalisiert und isoliert werde, und darüber wird einfach hinweggegangen, dann ist das eine ganz klares Signal.

    Strukturelle Gewalt gegen Einzelne wird totgeschwiegen und umgedeutet, mit Allgemeinplätzen abgetan.

    Wenn es dann in irgendeiner Form knallt und sich die öffentliche Wahrnehmung endlich auf einen „Fall“ richtet, der jahrelang zwischen den Behörden dümpelte („Routine“) – siehe Staufen – hat wieder keiner von irgendwas gewusst oder ahnen können, schluchz.

    Fehler, Versäumnisse, Vorsatz, ach was…alles noch in der „Norm“.

    Und die Politik, die hilfesuchende Bürger mit Formschreiben abfertigt, plärrt in den Medien nach mehr „Strafen“, um bei den ganz schlichten Gemütern vielleicht bei der nächsten Wahl ein Kreuz zu bekommen.

    Ich denke immer mehr, man muss sich selbst zu seinem Recht verhelfen, selbst das Bundesverfassungsgericht schert sich nicht um die strukturellen „Missstände“ bei Provinzgerichten, wo man immer noch glaubt, man könne sich Justizopfer mit „Sicherheitsschleussen“ vom Leib halten.

    Und bei Leuten wie Herr Prantl – den ich seit Jahren und in den letzten Monaten beinahe wöchentlich über die Vorgänge in der bayerischen Justiz hier informierte – kommen die gefühligen Empörungsbonmots offenkundig erst dann, wenn alle anderen auch „empört“ sind, dann aber ungeniert, wuchtig und verallgemeinernd, gell….worüber sich die Juristen dann wieder aufregen usw.usw…

    1. Mich würde von allen Verantwortlichen und Kompetenten u sich zuständig Fühlenden im Falle von Kindesentfremdung und Kindesmissbrauch nur interessieren, inwieweit denen der Begriff Familie was sagt, wie sie ihn definieren, was sie sich so allgemein darunter vorstellen u was sie zb einer Jugendlichen sagen würden, die ihr Leben lang nie Kontakt zum Vater haben durfte, weil es die Kindsmutter samt Justiz usw untersagt u was die alle dem Jungen sagen, der als Sexsklave herhalten musste.

      Würde mich ehrlich interessieren wie solche Gespräche verlaufen würden.

      Was sagt der Herr Prantl zu den Kids?
      Was sagt die Familienministerin den Kids?
      Was sagt eine Justizministerin und ein Strafrichter den Kids?
      uswusf

      Bei solchen Erörterungen würd ich wahnsinnig gern Mauserl spielen.

    2. @ Mdeeg,

      “Die Justiz hat ein Wächteramt”.

      Ja. In guten Zeiten. Werden die Zeiten härter, dann gilt auch hier:

      Es sind halt alles nur Menschen.
      Und manchmal werden eben Fehler gemacht.

      Usw usf.

      Bereits heute, in noch relativ friedlichen Zeiten, wo die abweichende Meinung ( Gender, Klima)bisher nur gelegentlich zum Berufsausschluß führt, läßt sich beobachten, wie druckempfindlich wir alle sind. Davon sind Richter sowenig ausgenommen, wie beispielsweise Journalisten.

      Bei Politikern sieht das noch einmal komplizierter aus, wenn man sich fragen sollte, wie deren Taten an Wissen und Gewissen gebunden ist. Um dahinter zu kommen könnte man sich wohl mit der Gewissensbefragung von Politikern der DDR befassen, um Rückschlüsse zu ermöglichen.

      Umso mehr Respekt verdient es, wenn Richter sich gelegentlich an herkömmliche Sichtweisen zu klammern scheinen, auch wenn darüber nicht in einer SZ oder vergleichbaren Medien berichtet wird.

      Ihr Fall Mdeeg hat dazu nur eine indirekte gesellschaftliche Relevanz.
      Ob ihre Chancen, wie hier zu lesen waren, unter den aufgeführten 10 % begraben werden, oder nicht doch mit dem aufsteigenden Stern der Frau insgesamt zu tun hat und damit eher bei 90 % liegen könnte: keine Ahnung.

      Ich staune immer noch, daß der Mollath wieder freigekommen ist. Dies hat erheblicher Anstrengungen von ganz wenigen wahren Rechts-Idealisten bedurft. Gefühlte Wahrscheinlichkeit: unter 1 %

      Die Öffentlichkeit konnte von den Medien jedenfalls damit zufriedengestellt werden, daß der letztlich wegen des Zerstechens von Reifen für immer in der Psychatrie verschwinden sollte.

      Ja. Manchmal sind Messer halt doch gefährlich.

  25. Bevor dieser Beitrag in der wohlverdienten Versenkung verschwindet, noch eine Ergänzung. Hier ging es zunächst um die Höhe eines Urteils wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, ergangen gegen einen Angeklagten sowie gegen eine “Horror-Mutter”, die den Mißbrauch ihres Sohnes ermöglicht hatte.

    Ergänzend dazu Auszüge eines Berichts aus Epoch Times vom gestrigen 17. August 2018:

    “In Mainzer Kindergärten werden Doktorspiele und sexuelle Stimulation staatlich gefördert. …. gehören ….. ausdrücklich weiterhin zum Erziehungsprogramm……..

    2015 ging es groß durch die Presse: In einem Mainzer Kindergarten wurden über Wochen Kinder immer wieder von anderen Kindern sexuell missbraucht, darüber berichtete unter anderem die „FAZ“. Doch wie ein Artikel in der Mainzer „Allgemeinen Zeitung“ zeigt, fördern Kitas weiterhin aktiv Maßnahmen zur Frühsexualisierung…..

    Das sexualpädagogische Konzept der Kita Neustadtzentrum orientiert sich an der Bildungs- und Erziehungsempfehlung des Landes Rheinland-Pfalz sowie an der Rahmenkonzeption der Stadt. Hierin wird die These aufgestellt, Kinder seien von Geburt an sexuelle Wesen mit eigenen sexuellen Wünschen. Die Leitlinien gelten für alle 53 Mainzer Kitas, die sich in Trägerschaft der Stadt befinden.
    Schaut man jedoch genauer hin, handelt es sich um die Durchsetzung des Landesaktionsplan „Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen. Akzeptanz für queere Lebensweisen“.

    …..usw usf.

    Weiter oben erwähnte ich, daß die Grünen bereits Ende der 80iger den sexuellen Umgang mit Kindern freistellen wollten. (Diskussion auf der Mitgliederversammlung in Essen, Grugahalle).

    Wie gewohnt, kommen Grünen- Forderungen dann irgendwie, irgendwann in der Gesellschaft an. Man entgeht diesen Leuten nicht. Odenwaldschule ? Noch im Gedächtnis ? Cohn Bendits Lyrik? Jetzt brechen die Dämme, und nicht nur in Mainz.

    Wegen Pädophilie Verurteile haben derzeit womöglich einfach nur Pech, zu früh vor ihrem Richter erscheinen zu müssen. Irgendwann könnte eine “wissenschaftlich erbrachte Beweisführung” für die Notwendigkeit sexueller Stimulierung von Kleinkindern in den dunklen Toiletten hängen.

    https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/in-mainzer-kindergaerten-werden-doktorspiele-und-sexuelle-stimulation-staatlich-gefoerdert-a2602790.html?latest=1

    1. Sicher hat jeder Mensch von Geburt an, also von Kindheit an eine EIGENE Sexualität, die in erster Linie ihm gehört; zur normalen Entwicklung gehört eben der gesunde Umgang mit dem eigenen Körper, so auch die (neugierige, lustvolle) Entdeckung der eigenen Genitalien usw, auch das Entdecken, dass andere auch Geschlechtsteile etc haben, das hat aber nichts mit einer reifen Sexualität zu tun. Gerade bei Kindern und Heranwachsenden spielt Scham eine ganz große Rolle… .

      Ist schon abwegig, wenn man sog Doktorspiele und sexuelle Stimulierung in staatlichen Einrichtungen fördert, so auch wie man weiß vielfach in hypermodernen Familien der Beischlaf zwischen den Eltern vor den Kindern vollzogen wird, um sie aufzuklären, bzw auch vielfach Kinder von Erwachsenen ganz gerne verführt werden.
      Inzest kommt wohl gar nicht so selten vor. Warum das so ist, liegt wohl an der Unreife und dem Machtbedürfnis von Erwachsenen.

      Was mir nach wie vor ein Rätsel ist, ist das Unverständnis vieler Menschen für eine normale psychosexuelle Entwicklung von Kindheit an, sowie die Fähigkeit überhaupt über Sexualität entspannt, durchaus mit angemessener Scham auch aus Selbstschutzgründen und mit weniger Aggressivität zu sprechen, so sollte man die Übersexualisierung und gleichzeitige Verteufelung durchaus als großes Dilemma sehen.

      Bedauerlicherweise fehlt vielen ein Taktgefühl und angemessene Distanz, weshalb in viele Richtungen überreagiert wird.

      1. Aus dem obigen link:
        “Die These, Kinder seien sexuelle Wesen entbehre jeder seriösen wissenschaftlichen Grundlage, so Groß. „Die Freudsche Triebtheorie, auf die das sexualpädagogische Kita-Konzept zurückgeht, gilt in der seriösen Psychoanalyse längst als überholt.“ (nh)”

        Ich hab über diese Aussage echt Tränen gelacht, weil es einfach so dumm daherkommt, was die Frau afd da zusammenfaselt. Natürlich ist jeder Mensch ein sexuelles Wesen, jeder ist ein Geschlechtswesen, die Frau Doktorin hat Freud und andere ganz einfach nicht verstanden u hat noch nie was von den Phasen der psychosexuellen Entwicklung und damit zusammenhängenden Störungen gehört. Was solls, gehört ja auch nicht zur Allgemeinbildung.

        Extreme und extreme Ansichten sind halt einfach immer nervenaufreibend.

        ad E.Ekat
        Wenn eh alles in der “wohlverdienten Versenkung” verschwindet, dann erspare ich mir also die langen angekündigten Ausführungen.

  26. Sehr geehrter Herr Fischer, ich “verfolge” Sie nun bereits seit Ihrer Kolumne bei der Zeit. Auch wenn es mir manchmal schwer fällt, Ihre Ausführungen vollständig zu verstehen (oft fehlt leider die Zeit zum Nachdenken oder googlen), möchte ich diese absolut nicht missen müssen. Bei den vielen Debatten, die mittlerweile nach dem Motto “Wer am lautesten schreit, hat Recht.”, geführt werden, stellen Ihre Analysen einen sehr wichtigen Leuchtturm dar. Ich wünschte, mir wären mehr Autoren bekannt, die derart sachlich, aufgeklärt und ruhig schreiben wie Sie. Eine Wohltat – jedes Mal. Vielen Dank!

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