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Noch immer nicht DSGVO-ready: Über 1.000 US-Medien sind für Europäer weiterhin unerreichbar

Am 28. Juni marschierte Jarrod Ramos in die Räume der Capital Gazette in Annapolis und erschoss fünf Angestellte der US-Zeitung. Die Redaktion arbeitet seitdem in einer Vielzahl von Artikeln diese Tragödie auf – allerdings sind sie für interessierte Leser aus Europa nicht zu sehen. Denn das Online-Portal der Zeitung ist noch immer nicht DSGVO-konform und sperrt deshalb EU-Leser aus – wie noch immer ein Drittel der 100 größten US-Medien.

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Seit dem 25. Mai gilt in Europa die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Ihre Auswirkungen für Online-Medien und -Werbetreibende sind immens. Jedoch stellten sie bislang die Medienhäuser nicht vor unüberwindliche Probleme. Kurz gesagt verlangt sie, dass die Nutzer über alle Tracker und Speicherungen ihrer Daten informiert werden müssen und es Zustimmungs- und Widerspruchsmöglichkeiten gibt.

Die US-Medienhäuser haben für diese Probleme unterschiedliche Lösungen gefunden. Die einen informieren vor jedem Besuch ihrer Seite umfassend und verlangen Zustimmungs-Klicks. Die anderen, wie beispielsweise das Wall Street Journal, lagerten für EU-Besucher ihre Domains aus und verzichteten auf diesen auf fast alle Tracker.

Eine Vielzahl von US-Portalen überraschte das Inkrafttreten der DSGVO in Europa allerdings auch derart, dass sie einfach jegliche Besucher aus dem EU-Raum ausperren. Dazu gehörten die Zeitungen des Medienunternehmens Tronc (früher Tribune Publishing), zu dem die Los Angeles Times und die Chicago Tribune gehören, Lee Enterprises oder auch die Capital Gazette aus Annapolis.

Eine Untersuchung des Nieman Lab kommt nun zu dem Schluss, dass über 1.000 News-Seiten aus den USA, darunter ein Drittel der hundert größten Medienseiten, noch immer nicht von London, Berlin oder Paris aus zu erreichen sind.

Fraglich ist allerdings, ob sich das jemals wieder ändern wird. Die Medienforscher schreiben nämlich auch, dass die Motivation vieler Regionalverlage, auch für ein globales Publikum erreichbar zu sein, äußerst gering ist. Ein Leser aus München, Rom oder Barcelona ist den lokalen Werbekunden in Main, Maryland oder Missouri ziemlich schnuppe. Skeptiker könnten daraus nun sehr gut ein weiteres Indiz ableiten, wie sehr sich Teile der USA unter Donald Trump von der großen Welt abwenden, um sich ganz auf das eigenen Land zu konzentrieren.

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