Viel Asyl und sonst fast nix: NDR-Satire “extra 3” macht zum Sommerinterview mit Horst Seehofer die ARD zur AfD

Humor ist, wenn man trotzdem lacht - eigentlich. Vielen ARD-Journalisten dürfte hier allerdings wohl wenig zum Kichern zumute sein. Denn die NDR-Satire-Truppe von “extra 3” nimmt auf das Heftigste das ARD-Sommerinterview von Thomas Baumann mit Horst Seehofer auseinander. Vor allem die Pointe hat es in sich: Da mutiert die ARD-Buchstabenfolge zu AfD.

von Alexander Becker

Ein Vergleich mit Sprengkraft. Wenn man aus dem eigenen Haus als AfD-Sender bezeichnet wird, wenn auch nur zum Spaß, dürfte das vielen TV-Verantwortlichen wohl nicht gefallen. Genau diesen Scherz erlauben sich die Macher von “extra 3”.

Aufhänger der Kritik ist das Sommerinterview der ARD-Senders. In “Bericht aus Berlin” unterhielt sich Baumann am Sonntag gute 20 Minuten lang mit dem Innen- und Bau-Minister Horst Seehofer. Die Satiriker stören sich nun allerdings daran, dass es 18 Minuten nur um Flüchtlinge, Migration, Ankerzentren, Grenzsicherung und Asyltourismus ging.

Für alle anderen Themen blieben nur noch rund zwei Minuten. Das Gespräch war nach Meinung von “extra 3” die reinste “Sommermonotonie”. Die Logik der NDR-Satiriker: Mit dieser Themensetzung fragt der ehemalige Chefredakteur der ARD zum einen an der Lebensrealität der meisten Deutschen vorbei und spielt zum anderen noch der AfD in die Karten, die vor allem dann profitiert, wenn Flüchtlings- und Migrations-Themen die öffentliche Debatte dominieren.

Dabei verschickte die ARD Ende vergangener Woche gerade erst eine Pressemitteilung zum eigenen Deutschland-Trend, dass für die Menschen hierzulande vor allem die Gesundheits- und Pflegepolitik Top-Priorität besitze. Der entsprechende Absatz im Wortlaut. Inklusive der Relevanz der Asyl- und Flüchtlingspolitik:

Die Gesundheitspolitik und die Pflege sind für 69 Prozent der Befragten sehr wichtig. Dieses Thema bewegt die Menschen ab 50 Jahren deutlich stärker (75 Prozent) als die jüngeren bis 34 Jahren (52 Prozent). Die Renten- und Sozialpolitik stufen 64 Prozent als sehr wichtig ein. Für 55 Prozent hat der Schutz vor Kriminalität und Verbrechen eine sehr große Bedeutung, für 52 Prozent die Klimapolitik. Bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums sind es 51 Prozent. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ist für Menschen in Städten mit über 100.000 Einwohnern bedeutsamer (60 Prozent) als in kleineren Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern (46 Prozent). Für 39 Prozent ist die Asyl- und Flüchtlingspolitik sehr wichtig. Die Digitalisierung sehen lediglich 28 Prozent der Bürger als sehr wichtig für sich an.

 

Die Interview- und Frage-Führung von Baumann zeigt zudem, dass man bei der ARD nicht so richtig viel aus der Kritik am TV-Duell vor fast genau einem Jahr gelernt hat. Auch damals mussten die TV-Journalisten heftige Kritik einstecken, weil die Migrations-Debatte zu viel Zeit in der Diskussion mit Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz eingenommen habe.

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