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Das angestrengt ironische Instagram-Debüt von Charlotte Roche

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Es hat lange gedauert, doch acht Jahre nach dem Start von Instagram hat nun auch Charlotte Roche das beliebte Fotonetzwerk für sich entdeckt. Seit Mitte Juli experimentiert die Bestseller-Autorin und SZ-Kolumnistin fast täglich mit der Trend-App. Roche postet wie sie schreibt: gewöhnungsbedürftig. Etwas zu angestrengt versucht die 40-Jährige auf dem beliebten Influencer-Marketing-Kanal eine ironische Metaebene zu finden, wo oft keine ist.

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Die Steilvorlage ist im Grunde seit acht Jahren da: Instagram ist eine Welt, für die Charlotte Roche Verachtung haben muss. Alles glitzert, alles sieht besser aus als im wirklichen Leben, alle faken, was das Zeug hält.

Von so viel Konsumdiktat und ästhetischen Mogelpackungen hält die frühere Viva-Moderatorin und Bestseller-Autorin bekanntlich gar nichts. Zehn Jahre ist es nun schon her, dass die Deutsch-Britin in „Feuchtgebiete“ eine literarische Expedition in Intimzonen abzog, die sich (nicht) gewaschen hatte.

“Feuchtgebiete” vs. Instagram-Illusion

Es ging um Schambehaarung, Analfissuren, vaginalem Rumgerutsche auf öffentlichen Toiletten – mit einem Wort: Es ging um ein 220 Seiten langes ‘Fuck off’ gegen die perfekte Welt der Konsumgüter- und  Hygieneindustrie – genau die Welt also, die uns tagein, tagaus gefiltert auf Hochglanzbildern in Instagram begegnet.

Dass die inzwischen 40-Jährige eines Tages ein Statement gegen die Instagram-Illusion setzen würde, ist keine Überraschung – fast eher, dass es so lange gedauert hat.

“Ich habe schon länger diese Fantasie: ich bei Snapchat, Insta, Twitter, die volle Packung”

Im Juli war es nun so weit: Im Rahmen ihrer bislang letzten Kolumne “Jetzt könnte es kurz weh tun“, die Roche seit April für die Online-Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung schreibt,  näherte sich die dreifache Roman-Autorin dem von mehr als einer Milliarde Menschen genutzten Fotonetzwerk erwartbar ironisch – und voller Selbstzweifel. (“Dagegen sprechen die Gefahr einer Blamage und natürlich all die Penisbilder, die sie noch aus ihrer Zeit bei Viva kennt.”)

Ich spiele schon lange mit dem Gedanken, mich bei Social Media anzumelden. Sagt man das überhaupt so: Anmelden? Wie im Einwohnermeldeamt? Nummer ziehen? Ich habe schon länger diese Fantasie: ich bei Snapchat, Insta, Twitter, die volle Packung. Na ja, sagen wir nur Instagram, wir wollen ja nicht übertreiben.

Los ging es tatsächlich schon ein paar Tage eher, Anfang Juli. Schon Roches Accountname gab die Richtung vor: Aus Charlotte Roche wurde “chailatte_roche”, die beim InstaGame mitspielen will.

Bin neu hier. Darf ich mitspielen?

Ein Beitrag geteilt von Charlotte Roche (@chailatte_roche) am

Nach zwei Stunden waren schon zwei Posts zu besichtigen. “Diese weissen Felder machen mich veeerrückt. Ich mach nur die Seite voll, dann hör ich sofort wieder auf”, schreibt Roche, postet dann aber, (zu) oft um die ironische Metaebene zur Themenwelt der “Feuchtgebiete” bemüht, fleißig weiter. Mal geht um einen Busch…

Das is mal n busch

Ein Beitrag geteilt von Charlotte Roche (@chailatte_roche) am

…mal um Duschalternativen…

Statt duschen

Ein Beitrag geteilt von Charlotte Roche (@chailatte_roche) am

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…mal um die roten Haare ihres Hundes, die offenkundig eine Frage der Perspektive sind.

Mein Hund hat rote Haare…

Ein Beitrag geteilt von Charlotte Roche (@chailatte_roche) am

Auch jede Menge Zeitgeistphänomene werden interpretiert. Etwa die Abmahnungswelle auf Instagram wegen Schleichwerbung, die zur absurden Kennzeichnungspflicht führt (“Werbung wg Markenerkennung, aber nur aus Versehen und NATÜRLICH unsponsored blabla“)…

..Emojis…

…oder die Russenhocke.

Einen Monat zuvor wurde Roche noch von erheblichen Selbstzweifeln geplagt, ob dieser Instakram eigentlich eine so gute Idee ist.

Ich weiß nicht, wie viel Privatleben da rein darf. Kinder? Mann? Essen? Haustiere? Haus? Auto? Freunde? Hobbys? Urlaube? Körper? Sexy Sachen? Ich würde wahrscheinlich im Eifer des Gefechts viel zu viel preisgeben – oder aus Doofheit. Aus Versehen auf einen Knopf am Handy drücken, und alle privaten Bilder gehen online, für jeden zu sehen.

Die Sorgen haben sich bislang nicht bestätigt. Die Faszination an Instagram scheint unterdessen die gleiche zu sein wie bei einer Like-getriebenen Mode-Influencerin. “Was spricht eigentlich dafür, das alles zu machen? Sich das anzutun? Wofür? Na, Ego, natürlich. Okay, ich mach’s”, begründete Roche Mitte Juli ihren Ausflug zu Instagram.

35 Posts später, die inzwischen 3400 Follower angelockt haben, sieht es fast so aus, als habe Charlotte Roche als @chailatte_roche ihr Instagram-Alter-Ego gefunden – und damit vielleicht sogar die nächste Buchidee…

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