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Desaströse Quoten trotz Top-Kritiken: Zuschauer strafen Echtzeit-“Tatort” aus der Schweiz ab

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Die Kritik war sich weitestgehend sicher: “Grandioser Auftakt für die neue 'Tatort'-Saison”, jubelt beispielsweise Spiegel Online. Auch die Stimmen in den sozialen Netzwerken sparten diesmal mit Kritik. Die Zuschauer sahen das nicht anders und schalteten erst gar nicht ein. Den experimentellen Schweiz-Krimi aus Luzern wollten nur 4,79 Millionen sehen.

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Zum Start in die neue Krimi-Saison setzte die ARD auf einen Experimental-”Tatort”. So drehte Regisseur Dani Levy den gesamte Film aus Luzern in nur einem Take. Es gab keinen Schnitt.

In der Bewertung von Spiegel Online gab es dafür sogar 9 von 10 Punkte. “Wie so oft beim “Tatort”: Gerade wenn bekannt geworden ist, dass ein Ermittlerteam abgewickelt wird (mit dem Luzerner TV-Revier ist es 2019 vorbei), läuft es noch einmal zu Hochform auf. Grandioser Auftakt für die neue “Tatort”-Saison.”

Die Zuschauer zeigten dem Film dagegen die kalte Schulter: So sahen nur 4,79 Millionen den Krimi – so wenige Zuschauer wie seit Jahren schon nicht mehr, wie DWDL errechnete. Derzeit haben jedoch auch noch alle Bundesländer zeitgleich Ferien. Vor einem Jahr startete der “Tatort” erst Ende August in die neue Spielzeit. Damals sahen dann auch schon 8,26 Millionen Menschen zu. Zur meistgesehenen Prime-Time-Sendung reichte es trotzdem.

Der bislang schwächste “Tatort”-Krimi in der jüngeren Vergangenheit war der 130 Minuten lange Kinofilm “Off Duty” mit Til Schweiger am 8. Juli dieses Jahres, der 5,34 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 18,6 Prozent hatte.

Das österreichische Stück “Hiob” kam im Jahr 2010 auf 5,93 Millionen Zuschauer – gefolgt vom Kieler “Tatort: Borowski und das Fest” 2017 mit 6,11 Millionen und dem Schweizer Krimi “Schutzlos” 2015 mit 6,12 Millionen. Ein guter “Tatort” erreicht um die neun, manchmal auch deutlich über zehn Millionen Zuschauer.

So sollte die Bild mit ihrer Einordnung recht behalten: “Schräges Stück, das den klassischen Krimi-Fans nicht gefallen wird.”

Dass es eine gewisse Zuschauerzurückhaltung geben könnte, war offenbar auch den Machern klar. Auch, dass die ARD die Experiment-Filme gerne auf zwei pro Jahr begrenzen würde. Genau das, hat Regisseur Dani Levy wohl am Anfang gar nicht gewusst, wie er im Interview mit der NZZ verrät: “Das habe ich dann später auch erfahren, aber die Verantwortlichen beim Schweizer Fernsehen haben an den Film geglaubt und mir den Rücken freigehalten. Die Fernsehmacher wollen eben Qualität und gute Quoten, das geht aber leider nicht immer zusammen. Aus der Angst heraus, dass die Quoten zusammenbrechen und das Publikum wegzappen könnte, macht man dann lieber konventionelle ‘Tatorte’. Trotzdem gibt es beim ‘Tatort’ einen Wildwuchs, und es gibt sehr viele Regisseure, die interessante Sachen probieren. Und es gibt sehr eigenwillige “Tatorte”, die keine guten Quoten hatten, aber viele Preise gewonnen und dem Image des ‘Tatorts’ unglaublich geholfen haben. Aber in diesem Fall, wie gesagt, waren die Schweizer sehr mutig.”

Preisverdächtig ist der Film vom gestrigen Sonntag allemal. So schreibt Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung: “Viele kleine Ideen sind es, die einen durch diesen theaterhaften Tatort tragen, und die grundlegende Hetzerei zwischen Bühne und Backstage, zwischen Gift und Gegengift, entwickelt ihren eigenen Sog.”

Auch das Social Web war weitestgehend begeistert:

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AX/dpa

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Alle Kommentare

  1. Weshalb versucht man, eines der wenigen erfolgreichen Formate, die der ÖR überhaupt noch hat, durch solche Experimente kaputtzumachen?

    Erst die politisch korrekten Krimis mit bösen Rechten und Flüchtlingen mit Glorienschein, jetzt diese halbgaren Experimente um…ja was eigentlich genau….zu zeigen?

    “Wir können das?”
    oder:
    “Ihr Deppen schaut sowieso jeden Mist, wenn nur “Tatort” drübersteht?”

    Erinnert mich an den Niedergang des Bildungswesens, als die SPD das Sagen hatte und ein bis dato funktionierendes und weltweit renommiertes Ausbildungssystem kaputtreformiert hat. Völlig ohne Not.

    Weil nur “anders” ist “besser”.

    Wie die Sache ausging, sehen wir ja jetzt.
    Und genau da wird auch der Tatort landen.

    Nichts hätte gegen ein Experiment gesprochen, um etwas Neues auszuprobieren.
    Aber weshalb unter dem Label “Tatort”, das dadurch nur Schaden nehmen kann?

    1. Sie würden zweifellos auch das Wohnen in der Höhle erfolgreich finden, wenn’s grad so wäre. Und Sie wären sehr dagegen, halbgare Experimente mit diesem neumodischen Wohnen in “Häusern” zu machen, die ganz sicher zum Niedergang des Wohnwesens führen werden.

      Mit Individuen wie Ihnen hätte sich die Menschheit ganz sicher niemals vom Baum heruntergetraut. Vielleicht können Sie ja eine Bewegung zur Abspaltung von der Menschheit gründen und eine neue Spezies bilden, die wieder hinaufklettert.

    2. Sie sprechen mir im letzten Absatz aus der Seele. Wir haben den Film bis zum Ende gesehen, der hatte was. Schauspieler waren sehr gut anzusehen, und die Schweiz hat sich ordentlich selbst auf die Schippe genommen. Also sehr sendefähig, wie ich meine. Ein Tatort war das aber nicht. Außer natürlich, man will den Tatort als Marke ruinieren.

    3. so einen langweiligen Tatort habe ich seit Verfilmungen mit Herrn Krassnitzer und Herrn Borowski schon lange nicht mehr gesehen, Frage mich wie dieser Film 9 von 10 Punkten erreichen konnte. Diese Verfilmung unter dem Lable “Tatort” zu präsentieren hätte man sich sparen können. Meiner Meinung nach ist das Experiment nicht geglückt, schade

  2. Das sieht man einmal, wie Kritik und das Elitendenken dieser Ktiriker und das Publikum auseinanderdriften … 😉

    1. Wenn Kritiker einen Film rezensieren und ihr Urteil auf Argumente stützen, anhand formaler und inhaltlicher Kriterien, so kann das zwar Widerspruch hervorrufen, aber elitär ist daran nichts. Es sei denn, man hat grundsätzlich etwas gegen Kritik, die der eigenen Meinung oder dem eigenen Vorurteil zuwider läuft.

      Vor 85 Jahren wurden nicht genehme Kunst und nicht genehme Kritiker verboten, verfolgt, verbrannt, vernichtet. Im Namen der Partei, des Volkes und seiner „Art”. Die Namen sind Legion. Denn kritische Argumente, das angeblich Elitäre und das formal Experimentelle standen unter dem Generalverdacht der Subversion. Weswegen beispielsweise abstrakte Kunst , bei der man ja nie so genau wusste, als „entartet” galt.

      Fritz Langs expressionistischer, seinerzeit revolutionärer Film „Metropolis” etwa fiel zwar beim Publikum durch. Dennoch versuchte der ab 1933 zuständige Minister Goebbels zunächst, den Regisseur für die Nazis zu gewinnen, denn in den muskulösen Metropolis-Proletariern erkannte er durchaus ideologisches Potenzial für ein Blut-und-Boden-Kino (das später Leni Riefenstahl bediente).

      Lang setzte sich, nach nur einem Tag Bedenkzeit, ins Ausland ab. Er wollte keinem manipulierten Massengeschmack dienen.

      1. “Vor 85 Jahren wurden nicht genehme Kunst und nicht genehme Kritiker verboten, verfolgt, verbrannt, vernichtet.”

        Na, zum Glück ist das heute ganz, ganz anders. Außer bei “rechter Hetze” natürlich. 😉

  3. Diese Filme von den Berg-Almans sind immer sehr wirr. Waren wenigstens wieder Nazis die Bösen? Bei einem jüdischen Regisseur ist das ja fast schon Pflicht, hehehe…

  4. Ziemlich geniale Gestaltung, dafür aber der Inhalt klischeehaft, wirr und wenig spannend. Höchstens 4 Punkte auf der 10er Skala.

  5. “Der “Tatort” ist die Kult-Krimireihe der ARD” – Unter dem Label wird inzwischen viel geboten, was damit nicht mehr viel mit “Kult” und mit “Krimi” zu tun hat.
    Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit einem “experimentell” ;-)) entschleunigten Retro-Tatort mit vernüftigen, geistreichen und humorvollen/sarkastischen Dialogen, einer spannenden Story und mit hochkarätigen Charakteren, statt laienhafter Ermittler und seltsam durchgeknallten Tätern?
    Ich finde, dass das ZDF hier definitiv das wesentlich bessere Händchen hat – insbesondere mit Blick auf “Die Chefin”, “Der Staatsanwalt”, “Der Kriminialist” und “Professor T.”

  6. Peinlich und erhellend der Dany Levi… ein weiterer Regisseur, der das Glück, dass ihm die praktisch 85%ige Fernhaltung von Regisseurinnen beim ÖR zu einer tollen Karriere verholfen hat…weshalb er nur von “Regisseuren” spricht, die wegen ihrer “interessanten Sachen” und sehr eigenwilligen “Tatorte”, “die keine guten Quoten ABER viele Preise gewonnen und dem Image des ‘Tatorts’ unglaublich geholfen haben.” Wie diese “Preise” (meist gegründet für die eigene Beweihräucherung der Preisstifter…) vergeben werden, wollen wir mal nicht hinterfragen (jüngstes Beispiel: Bayer.Fernsehpreis für den von Nico Hofmann und RTL – als Veranstalter – stark promoteten Daniel Donskoy….). Das Getue der ARD um den Tatort wird ebenso enden wie die Wut auf die ständige Berieselung mit Krimis ansteigt. Manche “gute Quote” ist nur dem schlechten anderen Programm geschuldet, auf das man nicht ausweichen kann. Und dass die ÖR sich ständig beim Gegenprogramm quotentechnisch unterstützend unter die Arme greifen, “zeigt die “Angst… dass die Quoten zusammenbrechen und das Publikum wegzappen könnte”. Dies alles, obwohl die Sender mit Gebühren finanziert werden und behaupten, sie hätten generell “eine relevante gesellschaftliche Aufgabe”. Hahahaha… (…da war doch noch was??? massive Frauendiskriminierung z.B….) Früher hatte der Sonntagsfilm eines offenbar genialen Redaktionsleiters als erfolgreiches Gegenprogramm des ZDF zum Tatort gereicht. Danach ging es abwärts und das ZDF begann selbst mit Krimi-Platzierungen bis zum Erbrechen der Zuschauer, denen jede Alternative fehlte. Jetzt ist ZDFneo auch noch zum Krimi-Sender und Abspielplatz von Wiederholungen mutiert – und “die Medien” erzählen täglich, wie erfolgreich neo damit ist… Feinfein… Wollen wir das ..mit unseren Gebühren bezahlen…damit DIE mit Quoten (wie die wohl zusammenkommen??? kann das mal jemand kontrollieren?) winken und behaupten, wir wollen das so (inkl. Frauendiskriminierung, weil sie in Krimis die besten Rollen Männern geben).
    Wie sagte Dani Levy” “Qualität und gute Quoten, das geht aber leider nicht immer zusammen.” Alsdann.. jetzt kann er mit seinem Tatort und den vielen Männern darin auf Preis-Jagd gehen. Die armen Frauen… (11 Männer vs. 5 Frauenrollen, 11 Männer vs 4 Frauen im Stab)

    1. Ich habe eine tolle Programmidee für ZDFneo: “Jan Böhmermann bereist die Türkei”.

      Besser als jeder Tatort! Und unsere türkische Regierung bezahlt bestimmt sogar Filmförderung für die Produktion – aber nur wenn Böhmermann auch wirklich persönlich kommt…

      1. Bin ich dabei.

        Am besten nach der Art der linksgehypten Regietheater:
        Böhmermann wälzt sich auf der Bühne nackt im eigenen Kot und beschimpft brüllend das Publikum auf türkisch.

        Dann könnte man auch ein interaktives Element einarbeiten.
        “Theater zum Anfassen” quasi.
        Hat schon hier nicht funktioniert, aber wer weiß; vielleicht wird auch das durch Wiederholung besser.

        🙂

      2. Hahahahahahaaaaa… leider gut… aber schon wieder ein Mann.. und dann die Türkei… alles voller Männer… Aber gut.. Mit Böhmermann wäre das wenigstens mal was lustiges.

  7. Filmschnitt ist kein überflüssiges Ersatz-Mittel , sondern eine dramaturgische Notwendigkeit. Denn jeder Kameramann liegt auch mal daneben, wenn der Schauspieler versehentlich aus dem Bild läuft. Es sei denn, er dreht sicherheitshalber mit zu viel Weitwinkel, und auch nervöser Wackelzoom wird geschluckt. Tonschnitt war ja auch nicht verboten bei diesem Tatort, denn ohne den geht’s gar nicht. War weder mal feuilletonistische Besserwisserei führender “Medien-Journalisten”, die das Cinema-Handwerk neu erfinden wollen. .

  8. Niemand, der bei dieser maximalen Hitze nicht vor der Glotze hockt, “straft” einen Film “ab”. Eher sollte man die Quote von den sonst so gerne bemühten “jahreszeitlichen Einflüssen” bereinigen. Im übrigen: Selbst wenn nur eine einzige Menschenseele “Spiel mir das Lied vom Tod” gesehen hätte, bliebe es ein Meisterwerk.

  9. Wenigstens zwei Kommentare (von Ihnen) hier, die mindestens Sachverstand ausdrücken! Aber ich schätze, dass das Perlen vor Säue sind. Ich meine, wer von den ganzen selbst ernannten „Filmkritikern“ hier kennt schon „The Dude“, „The Big Lebowski“ … 😉

    1. Danke. Es geht ja auch darum, angesichts der hier üblichen Tonlage, die Vorteile einer ruhigeren, unpolemischen Betrachtung vor Augen zu führen. Was, zugegeben, nicht immer leicht fällt.

      Falls Sie Interesse haben, gugeln Sie mal den FAZ-Leserkommentator „Gisbert Heimes”, der das vorbildlich hinkriegt — auf der unverzichtbaren Basis von Bildung und Benimm.

      PS: The Dude abides 😎

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