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Wenn Redaktionen zu warm wird: Spiegel Online interviewt Kartoffel, Bild bringt Aufmacher über explodierten Eisbecher

Die Hitze bringt in deutschen Medien zum Teil kuriose Geschichten zu Tage
Die Hitze bringt in deutschen Medien zum Teil kuriose Geschichten zu Tage

Die Hitze in Deutschland scheint in einigen Redaktionen den Erfindergeist zu fördern: Spiegel Online führt ein befremdliches "Interview" mit einer deutschen Kartoffel, die Bild-Zeitung berichtet von explodierenden Eisbechern und Online-Medien testen mal wieder, ob sich Spiegeleier wirklich auf dem Autodach braten lassen. Das Sommerloch lässt grüßen.

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Die Hitze macht Medien-Deutschland zu schaffen. Das verwundert, denn die Nachrichten sind derzeit gefüllt mit Tipps, wie sich die heißen Temperaturen “cool” überstehen lassen. Zum “ultimativen” Coolness-Test zur Hitzewelle hat etwa das Portal Watson aufgerufen. Schließlich fehlte bislang “eine objektive Messmethode, um deine allgemeine Coolness zu erfassen”, schreibt die Redaktion mit einem Augenzwinkern. Wirklich erfrischend sind die Fragen von “Was ist dein heißester Anmachspruch?” bis hin zu “Du musst die Welt retten. Wie gehst du vor?” jedoch nicht.

“Kreative” Tests zur Hitzewelle finden auch bei anderen Medien statt: etwa beim Stern. Das Gesellschafts-Magazin von Gruner + Jahr hat sich die verrückte Frage gestellt, ob “man Spiegeleier auf dem Autodach braten” könne – und ist dem “Mythos” selbst nachgegangen. Denise Wachter, Genussredakteurin beim Stern, und ihre Kollegin Ilona Kriesl haben den Test sechs Minuten lang auf Facebook gestreamt und später auf die Seite geladen. Als Testobjekt diente ein Auto im Innenhof des Verlagsgebäudes. Natürlich kam nicht nur der Stern auf diese Idee, auch die Augsburger Allgemeine und die BZ sind dem Spiegelei-Rätsel nachgegangen. Sommerloch? Sehr wahrscheinlich.

Für etwas Verwunderung sorgte derweil ein metaphorisches, aber ziemlich kurioses Interview von Spiegel Online mit einer deutschen Kartoffel. Das Gespräch mit der “besorgten Kulturpflanze” macht zunächst auf die schwindende “Dominanz der Kartoffel auf deutschen Tellern” aufmerksam (in diesem Jahr soll es dank der Dürre 40 Prozent weniger Kartoffeln geben). Doch der Autor Christian Helms vermengt diese Tatsache mit einem gesellschaftlichen Aspekt: nämlich der Migration und dem unterschwelligen Rassismus der Deutschen, Stichwort #MeTwo. Immer öfter werde die Kartoffel, die wohl stellvertretend für die Deutschen stehen soll, “verschmäht und sogar verspottet, verdrängt durch Ausländisches wie Couscous und Quinoa”. Die Kartoffel, die während des Gespräches “auf der Couch” liegt (lustig, wegen Couch-Potatoe), sieht sich selbst “als Opfer” eines jahrzehntelangen Prozesses: “Das Klima in diesem Land hat sich spürbar verändert. Mittlerweile fühle ich mich fremd in meiner eigenen Erde”, sagt sie in dem Gespräch. Angesprochen auf ihre “gelungene Migrationsgeschichte” antwortet sie: “Entscheidend ist: Früher hatten wir ‘nen König!”. Außerdem ist die Rede von der “Hierarchie der Beilagen, die sich komplett verschoben hat”.

Das “Interview” strotzt vor Kuriositäten, passt so eher auf eine Satireseite als ein journalistischer Beitrag im Wirtschaftsressort zu sein. Doch als Satire ist das “Gespräch” nicht gekennzeichnet. Eine befremdliche Sommerloch-Geschichte und eine skurrile Idee, die – das muss man ihr lassen – jedoch viel Aufmerksamkeit für sich einnimmt.

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In der Bild-Zeitung genießen indes andere Themen Priorität. Das Blatt macht mit einer Geschichte von einem explodierenden Eisbecher auf, die auch online erschienen ist, und erklärt in aller Ausführlichkeit, warum das Glas bei dem Hitze-Kälte-Unterschied zersprungen ist. An anderer Stelle fragt sich die Bild, ob Fleischesser “Klima-Killer” seien.

Die Welt berichtet zudem über steigende Preise für Pommes nach den Ernte-Ausfällen bei Kartoffeln; der Nordkurier sieht bereits die geliebten Weihnachtstannen in Gefahr und bei der Mitteldeutschen Zeitung hat es sogar eine geschmolzene Parkscheibe in die Schlagzeile geschafft.

Es ist offenbar heiß geworden in den Redaktionen der Republik, was ungewöhnliche Beiträge schafft. Doch zum Glück ist die Abkühlung bereits in Sicht.

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