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Erfolg für Thilo Sarrazin im Streit mit Random House: Verlag gesteht Falschaussage

Thilo Sarrazin streitet sich mit dem Verlag Random House vor Gericht

Im Streit zwischen dem früheren Berliner Finanzsenator und Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin und dessen altem Verlag Random House hat der Chefjustitiar des Verlags, Rainer Dresen, nun eine Falschausgabe zugegeben: Er hatte zuvor behauptet, Sarrazin habe eine Prüfung seines Werkes durch einen Gutachter abgelehnt. Der Autor konnte das Gegenteil beweisen.

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Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Montag. Demnach habe Thilo Sarrazin im Rahmen des Rechtsstreites eine Mail vorlegen können, in der er explizit eine mit ihm abgestimmte Prüfung durch einen Gutachter akzeptiert hatte. Dabei sollte geklärt werden, ob Sarrazins Interpretation des Korans tragbar sei. In einer Mail, die der FAZ vorliegt, gestand Reiner Dresen den Fehler nun ein und schrieb, seine Aussage sei „in der Tat nicht vollständig und damit nicht korrekt“.

Thilo Sarrazin wirft dem Verlag Random House Rufschädigung vor, weil dieser sein neues Werk „Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ plötzlich nicht mehr habe veröffentlichen wollen. Dabei habe er inhaltlich geliefert, was der Verlag bestellt habe, sagte Sarrazin in einer Verhandlung. Der Autor und ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundesbank verlangt deshalb mehr als 800.000 Euro Schadenersatz von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlag.

Die Gegenseite argumentiert, das Manuskript habe sich – wie jedes Werk des umstrittenen Autors – als sehr arbeitsintensiv erwiesen, weil etwa zahlreiche Fußnoten hätten geprüft werden müssen. In der damaligen Fassung sei es nicht publikationsfähig gewesen. Beide Seiten hatten die Zusammenarbeit schließlich beendet. Das Gericht will jetzt einen Vergleichsvorschlag erarbeiten.

Zur Debatte steht, was mit den Vorschusszahlungen passiert und ob die beiden Parteien eine gemeinsame Erklärung zum Ende der Zusammenarbeit abgeben. Sarrazin hatte das Buch seinem alten Verlag im Februar 2018 übergeben und pochte auf eine Veröffentlichung Ende August. Das Werk soll nun am 30. August im Finanzbuch Verlag (Münchner Verlagsgruppe) erscheinen.

Der langjährige SPD-Politiker hatte mit seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ und umstrittenen Thesen zur Einwanderung im August 2010 Entrüstungsstürme und Debatten über Islamkritik und die Vererbung von Intelligenz ausgelöst.

Mit Material der dpa.

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