Partner von:
Anzeige

Nach Kritik an Antisemitismus in der Thüringer Allgemeine: Autorin darf nicht mehr für Funke-Zeitungen schreiben

Musste sich für antisemitische Äußerungen einer Autorin entschuldigen: Johannes M. Fischer, Chefredakteur der Thüringer Allgemeine
Musste sich für antisemitische Äußerungen einer Autorin entschuldigen: Johannes M. Fischer, Chefredakteur der Thüringer Allgemeine

Die antisemitischen Einlassungen in einem Beitrag der Thüringer Allgemeine (TA) ziehen größere Kreise. Gegenüber MEEDIA hat sich nun die Funke-Gruppe zu der Kritik geäußert. Die Autorin dürfe in Zukunft nicht mehr in den Zeitungen der Gruppe publizieren. Derweil stößt die Krisenbewältigung des Blattes auf Zuspruch bei Kollegen und Organisationen.

Anzeige

Die Thüringer Allgemeine veröffentlichte vergangene Woche einen Artikel über das Eröffnungskonzert des “Yiddish Summer” in Weimar, einem Musikfest über die traditionelle jiddische Kultur. Doch die Autorin Ursula Mielke ließ sich in ihrem Beitrag zu polemischen Äußerungen über das Festival und dessen Leiter Alan Bern hinreißen. Dass das Festival in Weimar stattfand und hierzulande überhaupt finanziert würde, hängt nach ihrer Ansicht mit Deutschlands “humanitären Schulden aus dem Zweiten Weltkrieg” zusammen.

Nachdem sich bereits der Chefredakteur der Thüringer Allgemeine, Johannes M. Fischer, in seiner Kolummne wortreich für den Beitrag entschuldigte (“Er hätte nie erscheinen dürfen”), reagiert nun auch die Funke-Mediengruppe in einem Statement. Gegenüber MEEDIA schließt sich das Medienhaus der Aussage Fischers an und stellt zudem klar, dass “die betreffende freie Autorin in keiner unserer Zeitungen wieder etwas publizieren” wird. Mielke selbst war freie Kulturautorin mit einem Fokus auf Konzert- und Musikkritiken, veröffentlichte regelmäßig Beiträge für die TA und die Thüringische Landeszeitung (TLZ). “Unsere Thüringer Medien werden wie alle Medien der Funke Mediengruppe weiterhin entschieden Stellung beziehen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit”, so ein Funke-Sprecher weiter.

Offen bleibt, warum keiner der verantwortlichen Redakteure den Fehler bemerkte. Das will die Funke-Gruppe nun aber herausfinden: “Wie es zu diesem Text gekommen ist, wird zurzeit in Gesprächen aufgeklärt”. Auch TA-Chefredakteur Fischer versprach in seinem Beitrag Aufklärung: Er hätte sich “nicht vorstellen können, dass so etwas passiert”.

Glaubwürdige Entschuldigung

Der schnelle und sehr konkrete Umgang mit der Kritik auf den Beitrag trifft unter Kollegen und Organisationen auf Zustimmung. Zunächst veröffentlichte die Zeitung Stimmen von Verantwortlichen, später das persönliche Schreiben des Chefredakteurs (MEEDIA berichtete). Die TA stellt sich offensiv gegen den Artikel ihrer Autorin. Der direkte Umgang mit der Kritik und auch der dort eingebrachte Bezug zur Geschichte des Chefredakteurs macht die Entschuldigung der Zeitung glaubwürdig. Immer wieder seien Redaktionen, in denen Fischer zuvor in seiner Karriere war, Zielscheibe von rechtsextremistischen Angriffen. Doch “von innen” habe ihn der Antisemitismus besonders schockiert.

Stefan Kläsener, Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, twitterte: “Respekt vor dem Kollegen Fischer”.

Auch die Amadeu Antonio Stiftung, die sich unter anderem gegen Antisemitismus stark macht, hat Lob für die Reaktion der TA übrig; genauso wie das Weimarer Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia