Partner von:
Anzeige

Nach Einstellung des Magazins: Neon-Chefredakteurin Ruth Fend verlässt Gruner + Jahr

Der letzte Rettungsversuch glückte nicht: Nach dem Aus für das gedruckte Magazin verlässt Blattmacherin Ruth Fend den Verlag Gruner + Jahr
Der letzte Rettungsversuch glückte nicht: Nach dem Aus für das gedruckte Magazin verlässt Blattmacherin Ruth Fend den Verlag Gruner + Jahr

Redaktionsleiterin von Business Punk, dann Chefredakteurin bei den Zeitgeist-Magazinen Neon und Nido - die frühere FTD-Journalistin Ruth Fend hat beim Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr eine steile Karriere hingelegt. Doch nach dem Aus der gedruckten Ausgabe des Jugendmagazins Neon gehen Verlag und die Medienmacherin getrennte Wege. Offen ist, wer die Nachfolge beim Eltern-Titel Nido antritt.

Anzeige
Anzeige

„Mach Schluss!“ heißt es doppeldeutig auf dem Titel der aktuellen Ausgabe von Neon. Zu sehen ist hier eine junge Frau, die in ihren Händen ein Bengalfeuer abbrennt – vielleicht ist es eine Art symbolische Geste für die einstige Erfolgsgeschichte eines Zeitgeist-Magazins, die aber am Ende in Funken und Rauch aufgegangen ist. Denn seit Juli ist Schluss. Das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr hat die gedruckte Ausgabe des Magazins eingestellt. Nur noch im Netz soll der Titel aus der stern-Familie weiter erscheinen.

Jetzt haben die Neon-Chefredakteurin Ruth Fend und Gruner + Jahr hieraus offenbar die Konsequenzen gezogen. Die ehemalige Business Punk-Redaktionsleiterin verlässt Gruner + Jahr nach insgesamt zwölf Jahren, um sich beruflich neu zu orientieren, heißt es. Die Trennung erfolge im „besten beiderseitigen Einvernehmen“. Alexander Schwerin, Publisher stern-Gruppe, gibt ihr zum Ausscheiden noch warme Worte mit auf den Weg: „Ruth Fend hat als Chefredakteurin von Neon und Nido einen hervorragenden Job gemacht. Zuvor hat sie schon unter anderem als Chefredakteurin bei Business Punk und als Redakteurin bei der Financial Times Deutschland ihr kreatives Talent unter Beweis gestellt. Wir wünschen ihr für die Zukunft nur das Allerbeste und danken sehr herzlich für die Leidenschaft und das wirklich unerschöpfliche Engagement, mit dem sie für Gruner + Jahr tätig war.“

Unklar ist aber offenbar, wer die Chefredaktion des Eltern-Magazins Nido übernimmt, die Fend in Personalunion mitverantwortete. Hier steht offenbar noch nicht fest, wer die Leitung des Titels im Sinne des Presserechts übernimmt. Dies soll offenbar aber in Kürze geregelt werden. „Leitende Redakteurin von Nido ist und bleibt Helen Bömelburg, die diese Position seit August 2017 inne hat“, erklärt G+J.

Fend hatte im Oktober 2016 die Chefredaktion von Neon und Nido übernommen. Sie trat die Nachfolge von Nicole Zepter an, die nach glücklosen Wiederbelebungsversuchen die Chefredaktion verließ. Denn unter ihrer Ägide war der Verkauf des gedruckten Hefts empfindlich eingebrochen. Doch auch Fend schaffte nicht die Auflagenwende. Zuletzt verkaufte der Titel knapp 60.000 Exemplare, ein Minus zum vierten Quartal 2017 von mehr als 30 Prozent. Zu wenig für die G+J-Verlagsstrategen. Denn erstmals drohte das gedruckte Heft in diesem Jahr, in die roten Zahlen zu rutschen. Der G+J-Vorstand zog deshalb die Bremse: Er entschied, das Printheft einzustellen – mangels wirtschaftlicher Perspektive.

Fünfzehn Jahre, 174 Ausgaben – das war Neon-Print, das mit seiner grellen Cover-Optik am Kiosk stets ein Augenfang war. Gestartet 2003 unter dem Claim „Eigentlich sollten wir erwachsen werden“ handelte die Hälfte der Titel von Liebe und Beziehung. Heftaufmacher mit Zeilen „Wie lang hält die Liebe?“ waren en vogue. Damit hatte die Zeitschrift jahrelang Jugendliche und jung gebliebenen Erwachsene begeistert und erfolgreich die Nische des Lebenswelt-Journalismus der Mitt- und Endzwanziger besetzt. Das spiegelte sich auch in der Auflage wider, die stetig kräftig wuchs. Im III/2011 erreichte die Zeitschrift mit 254.807 verkauften Exemplaren einen Absatzrekord.

Dann jedoch bricht die Erfolgsgeschichte der zur stern-Community zählenden Zeitschrift ab. Als die Gründungs-Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert die Heftverantwortung an das Duo Vera Schröder und Patrick Bauer abgeben, ist die Neon-Welt noch intakt. Die Auflage bekommt zwar einen kleinen Dämpfer. Doch von Krise ist keine Spur. Das ändert sich 2011. Während zuvor sieben Jahren die Auflage stetig zunimmt, sank sie ab dem Zeitpunkt Jahr für Jahr ab. In dieser Zeit ordnete der damalige G+J-Vorstand zudem den Umzug der Redaktion von München nach Hamburg an – wohl auch um Kosten zu sparen und das eigenwillige Magazin stärker ans Haupthaus zu binden. Das entpuppte sich als gravierende Fehlentscheidung. Die Hälfte der Redaktion machte den Umzug nicht mit – darunter auch die beiden Chefs.

Anzeige

Als Nachfolgerin von Schröder und Bauer wird Zepter zur neuen Neon-Chefin ernannt. Doch unter ihrer Ägide verschlimmert sich die Lage. Die Redaktion wird mit der ehemaligen The Germans-Macherin nicht warm. Zepter spricht in der Süddeutsche Zeitung von einem „angespannten Feeling“ in der Redaktion, als sie der Tageszeitung ihren Relaunch erklärte. Denn die Journalistin kann die Mannschaft nicht auf ihre Seite ziehen. Sie schmeißt bereits nach einem Jahr entnervt hin. Auf Zepter folgt Fend. Doch die allseits respektierte Journalistin schafft es nicht mehr, das Heft wieder in tieferes Auflagen-Fahrwasser zu bugsieren. Das Blatt verliert immer mehr an Auflage. Mitte April zieht Gruner + Jahr den Stecker und stellt das gedruckte Monatsheft ein. Für den ehemaligen stern-Chefredakteur Dominik Wichmann ist die Ursache für das Neon-Ende glasklar. Nicht der wandelnde Zeitgeist habe dem Blatt das Genick gebrochen, es was „das Ergebnis von jahrelangem verlegerischen Missmanagement“, twitterte er kurz nach dem offiziell verkündeten Aus.

Doch so einfach ist die Sache nicht. Auch andere Printhäuser tun sich schwer damit, die Jugendlichen für Gedruckte zu begeistern – und das lange vor jeglichem Internet-Boom und dem schnellen Griff zum Handy. Ein gutes Bespiel hierfür ist das zum Süddeutschen Verlag (SV) erschienene Jugendmagazin jetzt. Erstmals erschien der Titel am 17. Mai 1993. Jeden Montag lag die Zeitschrift der Süddeutschen Zeitung bei und galt als aufgehender Stern in der Printbranche. Mehrfach gewinnt das als „authentische Stimme der Jugend“ bezeichnete Magazin-Preise und Auszeichnungen. Bekannte deutsche Schriftsteller füllen das Blatt – darunter Benjamin Lebert („Crazy“). Redaktionsleiter ist zu dieser Zeit Timm Klotzek, der später Neon ins Leben ruft.

Doch 2002 stellt der SV-Verlag den Titel überraschend ein – trotz massiver Proteste von treuen Lesern. Auslöser hierfür sind Kostengründe. Im Frühjahr 2011 jedoch unternimmt der Süddeutsche Verlag einen neuen Anlauf und belebt das Heft in gedruckter Form. Seither erschien die Zeitschrift viermal im Jahr – erneut als Beilage der Flaggschiffes Süddeutsche Zeitung. Doch das Heft findet bei Schülern, Studenten und Young Professionals nicht mehr den richtigen Nerv. Ende 2017 entscheidet sich der Münchener Verlag, das gedruckte Magazin erneut einzustellen. Wie bei Neon ist die Marke künftig nur noch im Web präsent.

Die Schuld am Niedergang gedruckter Jugendmagazine dem Lesermarkt zuzuschreiben, ist indes nur die halbe Wahrheit. Viel entscheidender ist das Vermarktungsgeschäft. So brach das Anzeigengeschäft bei Neon im Mai 2018 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert 2017 um mehr als 17 Prozent auf rund 3 Millionen Euro ein. Verantwortlich hierfür ist zwar zum Teil die nachlassende Auflage und damit die fehlende Reichweite. Doch viel gravierender ist, das sich das Vermarktungsgeschäft im Jugendmarkt radikal gewandelt hat. So lenken die Unternehmen ihre Werbemillionen immer stärker in Social Media Kanäle wie Facebook & Co., weil sie hier die breite Masse an Jugendlichen besser erreichen.

Das hilft der Redaktion der gedruckten Neon wenig. Mehr als 20 Mitarbeiter verlieren durch die Einstellung der Print-Ausgabe ihre Jobs. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Verlag jedoch aus. Eine der Glücklichen ist die stellvertretende Neon-Chefredakteurin Lena Steeg, die bereits hausintern einen neuen Job gefunden hat. Die 33-Jährige leitet als „Head of Content“ bei Gruner + Jahr einen zentralen News-Desk. Und am Baumwall wie in der Branche bleiben die Gründe für das Ende des früheren Printhoffnungsträgers wohl für immer umstritten – wurde das lange erfolgreiche Heft von den Verlagsverantwortlichen schlicht “vermanagt”, oder war es der unaufhaltsam zuende gehende Lebenszyklus einer Magazinmarke, die ihre Reifezeit überschritten hatte? Viel spricht dafür, dass wohl beides ein bisschen zutrifft.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Bei der taz findet man sicher noch ein paar journalistische Krümel auf ähnlichem Niveau. Die Huffington Post bietet sich für diese Experten des infantilen Kampagnenjournalsmus auch noch an.
    Oder eben das Sammelbecken des anspruchslosen Journalismus: die ARD. Man will ja nur helfen.

  2. Bento nicht vergessen! Eindeutig die beste Quelle für einfühlsame Artikel über Veganismus, Transgender und feministische Schamlippenverkürzung.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia