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Nach Datenpanne beim ORF: So geschickt trickst ein Aktivist das rechte Ösi-Portal Wochenblick aus

Der politische Aktivist Thomas Diesenreiter änderte einen Facebook-Post, nachdem dieser beim rechten Magazin Wochenblick eingebettet war
Der politische Aktivist Thomas Diesenreiter änderte einen Facebook-Post, nachdem dieser beim rechten Magazin Wochenblick eingebettet war

Der Österreichische Rundfunk (ORF) in Oberösterreich hat versehentlich Kontaktdaten einiger Prominenter auf seiner Seite zugänglich gemacht. Ein Aktivist macht das Missgeschick auf Facebook öffentlich. Sein Posting wird unter anderem im rechten Magazin Wochenblick eingebettet - was der Aktivist aber geschickt zu nutzen weiß.

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Der ORF Oberösterreich wollte seine Einladungsliste für hauseigene Veranstaltungen mit Kontaktdaten etlicher Prominenter und Abgeordneter erneuern. Deshalb schickte das Medienhaus Pin-Nummern per Post an die Gäste, mit denen sie sich online anmelden und die Daten aktualisieren konnten. Das Problem: Die fünfstelligen Codes gingen numerisch nach oben, sprich: Jeder konnte einfach durchprobieren und sich alle Kontaktdaten der ORF-Gäste kopieren. Namen, Funktion, Telefonnummer und die Anschrift der Personen waren sichtbar.

Der Aktivist Thomas Diesenreiter entdeckte die Datenpanne als erster. In einem Facebook-Post macht er auf das Missgeschick aufmerksam und kommentiert: “Hm, so geht das mit dem Datenschutz jedenfalls nicht”.

Für das rechte Portal Wochenblick war die Panne des ORF ein gefundenes Fressen. Unter der Überschrift “Geheime Kontakte veröffentlicht: Daten-Leck beim ORF Oberösterreich” berichtet der Wochenblick über die Datenpanne und band dabei auch den Facebook-Post von Diesenreiter ein.

Ein Umstand, den der Aktivist für sich zu nutzen wusste: Kurzerhand ändert er seinen ursprünglichen Post und richtet sich in einer Botschaft direkt an die Leser des Wochenblicks. “Liebe LeserInnen des Wochenblicks”, schreibt Diesenreiter, “vermutlich lesen Sie diesen Beitrag, weil der Wochenblick ein Posting von mir verwendet hat, um gegen den ORF ins Feld zu ziehen. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, und ihnen etwas mitteilen.”

Er plädiert im Anschluss dafür, dem Wochenblick nicht blind zu vertrauen: “Denken Sie selbst mit und reflektieren Sie alle Medien kritisch. Fragen Sie sich immer: Warum schreibt dieses Medium über dieses Thema, und nicht über andere? Warum lesen wir so viel Negatives über das Thema Asyl, aber so wenig darüber, warum der Reichtum in unserer Gesellschaft so ungleich verteilt ist? Wer hat ein Interesse daran, dass diese oder jene Nachricht verbreitet wird?”

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In der Tat nennt das Blatt seine Geldgeber nicht und beschäftigt offenbar auch einen Gründer der Identitären Bewegung, wie profil.at schreibt.

Wie lange der abgeänderte Post auf der Webseite des Wochenblicks zu sehen war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr genau nachvollziehen. Mittlerweile hat das Portal den Post entfernt. Und auch der ORF hat das Online-Formular, das die Daten der Gäste zugänglich machte, wieder vom Netz genommen.

Der große Sieger in der ganzen Sache ist Diesenreiter, der sich auf Twitter über seinen gelungenen Streich freut:

(rt)

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