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“Bild missbraucht ihre Machtposition”: Medienethikerin Jessica Heesen über die Berichterstattung im Fall Özil

Medienethikerin Jessica Heesen, Berichterstattung über Ex-Nationalspieler Mesut Özil: “Ausdruck einer unterkomplexen Herangehensweise”
Medienethikerin Jessica Heesen, Berichterstattung über Ex-Nationalspieler Mesut Özil: "Ausdruck einer unterkomplexen Herangehensweise"

In der Diskussion um den aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetretenen Star-Fußballer Mesut Özil geht es längst nicht mehr nur um sein Foto mit Recep Tayip Erdogan. Es ist eine allgemeine Debatte über die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft, aber auch die Salonfähigkeit von Rassismus entbrannt. Özil bezichtigte diesbezüglich deutsche Medien, eine Kampagne gegen ihn gefahren zu haben. Medienethikerin Jessica Heesen attestiert in diesem Kontext vor allem bei Bild "einen aktiven Willen der Redaktion, Özil an den Pranger zu stellen".

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Inwieweit gab es vor, während und nach der Fußball-WM, speziell durch die Bild-Zeitung, eine Medienkampagne gegen Mesut Özil?
Jessica Heesen: Der Begriff Medienkampagne ist schwierig, da er den Anschein erweckt, als handelte es sich um eine abgesprochene Maßnahme verschiedener Medienorgane, was in diesem Fall nicht zutrifft. Die Medienberichterstattung zu Özil ist nicht einheitlich, und immer gab und gibt es die Möglichkeit, viele Stimmen zu dem Fall zu hören – also von einem pluralen Medienangebot Gebrauch zu machen. Spezifisch für die Bild-Zeitung ist aber festzustellen, dass man sich hier offenbar auf eine Redaktionslinie geeinigt hat, die insbesondere Özil, und das, was offenbar Bild-Redakteuren an ihm stört, zum Thema zu machen. Die Bild-Zeitung ist ja der Auffassung, für „den Mann auf der Straße zu sprechen“, der immer schon sinnbildlich dafür stand, der Bevölkerung populistische Auffassungen in den Mund zu legen. Die Bild-Zeitung wird hier nicht der journalistischen Verantwortung gerecht, eine ausgewogene Berichterstattung zu liefern. Im Gegenteil missbraucht sie ihre Machtposition als relativ stark rezipiertem Presseorgan und erzeugt selbst genau die Stimmungen und Meinungen, die sie dann durch vermeintliche Sensationsberichterstattung bedient.

Auf welchen Ebenen/ in welchem Ausmaß bestand diese Kampagne?
Sensationsberichterstattung, das Einholen von „Stimmen“, die Özil gegenüber kritisch sind und vor allem eine Sprache, die Özil abwertet und ihm schlechte Handlungsmotive unterstellt.

Wo lag der Unterschied zur Berichterstattung über andere Nationalspieler?
An Özil werden nicht die gleichen Standards angelegt wie an andere Spieler in Bezug auf ihr spielerisches Können. Ihm wird die Rolle eines Sündenbocks zugeschrieben, während doch im Vorfeld beschworen wurde insbesondere durch den Markennamen „Die Mannschaft“, dass ein Fußballspiel eine Gemeinschaftsleistung ist.

“Warum muss es ‘Heimat’ immer nur im Singular geben?”

Wurde Ihrer Ansicht nach Mesut Özil auf seine Herkunft oder auf andere rassistische Weise reduziert und Niederlagen der DFB-Elf damit in Zusammenhang gebracht?
Offenbar herrscht in Teilen des deutschen Fußballs die Vorstellung vor, dass die Mitgliedschaft in der deutschen Nationalmannschaft gleichzeitig mit der Distanzierung von anderen nationalen Wurzeln verbunden sein muss. Warum muss es „Heimat“ immer nur im Singular geben? Offenbar greift man hier auf überkommene Vorstellungen von einheitlichen Identitäten, Glaubensvorstellungen und politischen Meinungen zurück.

Mesut Özil nimmt auch Bezug auf das Foto von Lothar Matthäus gemeinsam mit Wladimir Putin und kritisiert, dass darüber nicht so prominent berichtet wurde und keine Erklärungsforderungen laut wurden – inwieweit hat er damit Recht?
Özil hat insofern Recht, als er damit auf die Doppelmoral des Fußballgeschäfts hinweist. Offenbar werden hier Doppelstandards angelegt und nicht zuletzt findet ja auch die nächste WM in Katar, also in einem autokratischen Staat, ohne Sicherung von Menschenrechten und Pressefreiheit, statt. Trotzdem muss natürlich individuell jeder und jeder der eigenen Verantwortung nachkommen und darauf hinzuweisen, dass andere Personen und Institutionen auch nicht gemäß vorgeblich proklamierten moralischen und politischen Standards agieren, entlässt Özil nicht aus berechtigten kritischen Fragen nach seiner eigenen Rolle.

Wo hört ganz grundsätzlich berechtigte kritische Berichterstattung auf, wo fängt eine „Hetz“-Kampagne an?
Eine „Hetz-Kampagne“ fängt da an, wo die Medienberichterstattung einen Menschen persönlich herabwürdigt, einseitig berichterstattet, im privaten Umfeld recherchiert und eine Sprache benutzt, die unnötig skandalisiert und den Standards einer Sensationsberichterstattung entspricht – der wichtigste Punkt ist jedoch, dass hier ein Thema in den medialen Fokus gerückt wird, das aktiv insbesondere von der Bild-Zeitung „aufgebauscht“ wurde, es also einen aktiven Willen der Redaktion gab, insbesondere Özil an den Pranger zu stellen und damit viele rassistische Ressentiments zu bedienen.

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Wie steht es um die Berichterstattung über Mesut Özil in anderen Medien in diesem Zusammenhang?
Auch hier gibt es fragwürdige Stellungnahmen, insgesamt gibt es jedoch in den Qualitätsmedien viele kritische Stellungnahmen, was die Mediendynamik selbst betrifft und die eine ausgewogene und kritische Berichterstattung bieten. Ein Beispiel dafür stellt etwa der Artikel “Alle verlieren” von 11Freunde dar.

Berichten nach seinem Statement einige Medien zu sehr pro Özil, indem sie ihn in der Opferrolle bestätigen? Ist er aufgrund des Erdogan-Fotos nicht auch zum Teil Täter?
Die gesamte Situation, die mit der WM und dem Statements von Özil verbunden ist, ist sehr komplex und nicht dazu geeignet, hier eindeutig von „Opfern“ und „Tätern“ zu sprechen. Diese Zuschreibungen sind selbst Ausdruck einer unterkomplexen Herangehensweise. Gutem Journalismus sollte es gelingen, genau die Ambivalenzen des Geschehens zu schildern, die ja gerade spannend sind, um sich den „State of Mind“ der verschiedenen Akteure und der Rolle der Medien in diesem Zusammenhang bewusst zu werden.

Dr. Jessica Heesen ist Privatdozentin und Leiterin des Forschungsschwerpunktes “Medienethik und Informationstechnik” an der Universität Tübingen. In diesem Rahmen engagiert sie sich auch beim Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, einem Forschungszentrum für ethische Fragen.

Die Fragen wurden der Interviewpartnerin per Mail gestellt.

 

 

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Alle Kommentare

    1. Nein, kein Schmarrn, eher notwendige Auseinandersetzung mit einem aktuellen Phänomen in der Medienlandschaft.

    2. Nach solchen Hetzattacken in den Medien ist ein(e) Medienethiker(in) mehr denn je gefragt.

  1. Mein Gott, was für ein theoretsches Konstrukt. In jeder Mannschaftssportart heißt es:“Wir gegen die“. Egal ob das „Wir“ ein Stadtteil, ein Dorf, eine Stadt oder eben eine Nation ist. Wer beim Singen der Nationalhymne die Lippen zusammenpresst, zeigt, dass er nicht zum Wir gehören will. Warum so jemand da trotzdem mitspielen will? Vielleicht weil er von Adidas oder Daimler-Benz Geld dafür bekommt?

    1. Sie haben eine sehr einfach Sicht auf die Dinge – nicht wahr?

      2014 hat er auch nicht gesungen und hat trotz Körpersprache, Nichtkönnen oder was man ihm sonst vorwirft dennoch seinen Teil dazu beigetragen, die WM zu gewinnen.

      Sie als vermutlich „Biodeutscher“ können sich vermutlich nicht annähernd in Menschen mit Migrationshintergrund einfühlen. Mein Herz schlägt auch für zwei Nationen. Sind meine Emotionen meiner doppelten Herkunft weniger Wert als Ihre?

      Sportlich gesehen kann man nach dieser WM sowohl Özil als auch den Rest der Nationalmannschaft samt Trainerstab kritisieren. Das geschieht bisher aber recht leise, wenn es um die Kollektivleistung geht.

      Und das Foto mit Erdogan fand ich auch nicht gut. Aber wer deshalb so ein Fass aufmacht, zeigt schon wessen Geistes Kind er ist. Und nahezu alles was man Erdogan vorwirft, könnte man auch den USA (mit oder ohne Trump) vorwerfen.

      Zum Schluss bleibt also doch der Eindruck hängen, dass die ganze Kampagne rassistisch motiviert ist.

      1. Och, nee, Klausi schon wieder: „die meisten Leute wollen schlicht keine Fremden (“Mein Herz schlägt auch für zwei Nationen”) in der Nationalmannschaft.“ Schließt doch wieder einmal von sich auf andere! Zu lange bei PI-News aufgehalten und noch euphorisiert?

      2. @Klaus: Ihr Antwort ist für mich ein Paradebeispiel an Rassismus. Sie werden wohl nicht verstehen wollen, dass Özil trotz allem einen deutschen Pass hat, hier geboren wurde und somit kein wirklich „Fremder“ ist.

        Selbst wenn er hier in 10. Generation geboren wäre, wäre er in Ihren und Ihresgleichen Augen „nur“ ein Türke, der davon profitiert hat, für Deutschland demütig spielen zu dürfen. Talent, bereitgestellte Leistung und Ehrgeiz werden den „Neubürgern“ ja gänzlich aberkannt – so scheint es zumindest.

        Ich will Sie ganz bestimmt nicht bekehren, aber warum wehren Sie sich einfach zuzugeben, was Sie offensichtlich sind? Hier (und vermutlich in vielen anderen Dingen) ist Ihnen Özil um einiges voraus. Er steht zu seiner Meinung und sieht nunmal keinen Fehler in seinem Handeln. Eigentlich müssten Sie ihn für sein Rückgrad sogar verehren 😉

      3. @Klaus: Unsinn ist Ihre These, dass Özil nur einen deutschen Pass hat. Soweit bekannt, ist er in Gelsenkirchen geboren. Was meines Wissens nach – wenn überhaupt – am nördlichsten Rand der Türkei liegt. Pardon: Nicht dass Sie noch denken, ich meine das ernst. Gelsenkirchen liegt selbstverständlich in Deutschland.

        Und egal wie Sie es deuten oder interpretieren: Er ist biologisch ein deutscher Mitbürger der derzeit in Englad lebt. Emotional darf er Türke sein, alleine schon wegen seiner elterlichen Wurzeln. Ich kenne genug Deutsche, die z. B. Portugal oder die Niederlande als ihr Herzensland erwählt haben. Sind die dann auch keine Deutsche mehr?

        Mal unabhängig davon: Nicht nur in der Vergangenheit haben sich Grenzen von Territorien verändert. Was bleibt? Der Mensch mit seinen Einflüssen.

      4. @Klaus:
        Weshalb sollte ich irgendeiner Politik auf den Leim gegangen sein? Nur weil ich es anders, liberaler sehe als Sie?

        Alleine Ihre Aussage „Migration schafft einfach enorm viele Identitätsprobleme und muss daher viel negativer gesehen werden. Sich mit kultur-islamischen Hintergrund in die deutsche Gesellschaft einzufügen ist enorm schwer, eigentlich fast unmöglich.“ würde ich schon als rassistisch beurteilen. Oder wie beurteilen Sie Rassismus?

        Wer oder was schafft Identitätsprobleme? Ich glaube ja nicht einmal dass es einen typischen Deutschen gibt, der das für alle beantworten kann. Aber der typisch Deutsche hat eine gewisse Erwartungshaltung Gästen gegenüber, die weit in deren Intimsphäre eindringt.

        In unserem Land sollte man sich zumindest ans Grundgesetz halten, dann wären manche Diskussionen überflüssig.

        Und wenn als nächstes noch Anstand und persönliche Grenzenwahrung eine Rolle spielen würde, wäre es um einiges friedlicher; auch unter den typisch Deutschen – die ja als Weltmeister der Nachbarschaftsstreitigkeiten bekannt sein dürften.

        Und mal nebenbei bemerkt: Sie suchen sich stückchenweise Elemente heraus, die in Ihre Argumentation passen. Und dann kommen noch alternative Fakten Ihrerseits ins Spiel: Als gebürtiger Gelsenkirchner ist Özil kein Fremder (wie Sie so schön geschrieben haben).

        Zudem entmenschlichen Sie Özil, indem Sie ihn als Geldverdienmaschine bezeichnen – „er wird es verschmerzen und sein Geld zählen“. Was übrigens derzeit generell ein beliebtes Stilmittel ist. Ich kenne Özil nicht so gut, dass ich mir so ein Urteil erlauben würde.

        Und auch Erdogan ist – ähnlich wie Putin und Trump (trotz ca. 5 Millionen weniger Stimmen als seine Kontrahendin) – legitim gewählt worden (zumindest so lange, bis man einem der Herren was nachweisen kann).

        Auch ich bin kein Fan von Erdogan aber das spielt keine Rolle. Daher verstehe ich die Aufregung um das Foto nicht so ganz. Vor allem wenn die Deutschen noch immer in der Türkei Urlaub machen und so das System dieses „Despoten“ unterstützen und mitfinanzieren.

        Auch unsere Politiker lassen sich mit ihm ablichten. Und weshalb hat es in der Vergangenheit keinen Aufschrei gegeben, als sich Özil hat mit Erdogan ablichten lassen? Fragen über Fragen, die keiner logisch schlüssig beantworten will oder kann. Der einzige Unterschied: Eine „kleine“ Gruppe rechtsgesinnter Deutscher ist seit der AFD laut geworden und erweckt den Anschein, dass ganz Deutschland so empfindet. Und wer nicht der Meinung ist, wird diffamiert und als Deutschlandhasser abgestempelt.

        Ich würde derzeit sogar soweit gehen, Personen des öffentlichen Lebens davon abzuraten sich mit einigen führenden EU-Politikern ablichten zu lassen.

    2. Absoluter Schmarrn, Herr Wegner. Die Herren Breitner und Völler haben in der Vergangenheit ebenso bei der Nationalhymne “die Lippen zusammengepresst”, ohne dass deswegen deren Motivation oder Zugehörigkeit zum deutschen Team angezweifelt wurde. Auch ein Draxler bekommt kaum die Lippen auseinander. Kann es sein, dass bei Ihnen da doch ein klein wenig Rassismus durchkommt, da Sie eben nicht mit gleichem Maß messen?
      Und übrigens: Wenn Sie sich am “theoretschen Konstrukt” stören – Sie befinden sich hier in einem Medien-Forum, das sich häufig höchst theoretisch mit der Rolle der Medien auseinandersetzt. Wenn Sie darauf keinen Bock haben, sind Sie hier schlichtweg am falschen Platz.

    3. Nö, als Mannschaftssportler spielt man mit der anderen Mannschaft zusammen, man treibt einen gemeinsamen Sport.

      Was Sie wollen, ist Abgrenzung und Hetze gegen den Anderen. Peinlich.

  2. Hätte Özil sein Hirn am dem Platz wo es hingehört und nicht nur in den Beinen, wäre er auf sich und seine „Berater“ nicht reingefallenen!!

  3. Als Multimillionär können sich Özil , der schon länger im Ausland „mehr oder weniger arbeitet“, und sein sogenannter „Berater“ locker die Rücktrittskundgebungen in drei(3)
    Teilen leisten. Ein klar denkendes und intelligentes Hirn hätte niemals
    Ein derartiges Statement in drei Teilen abgegeben!
    Egal: Er sollte- sofern er noch einen Rest Hirn haben in die türkische Mannschaft aufgenommen werden.
    Erdogan hat genug Geld ihn bei Arsenal rauszukaufen. Oder Özil selbst bezahlt es aus seiner Portokasse!!!

    1. Sie haben keine, aber auch gar keine Ahnung von Fußball, stimmts? Nur zur Info: Wer für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen ist, darf dies nicht mehr für eine andere Nationalmannschaft tun. Und Erdogan ist ein Staatschef und kein Fußball-Manager, der braucht Özil nicht von Arsenal freikaufen. Das wäre eher eine Sache für Besiktas oder Galatasaray, falls die sich die Transfersumme und das Gehalt für Özil leisten können.
      Ich schätze mal, Mesut Özil hat zumindest genügend Hirn, um sich für seine verbleibenden Jahre als Fußballprofi fürstlich entlohnen zu lassen und anschließend sein Leben an einem feinen Ort abseits deutsch-türkischer Ressentiments verbringen zu können.

      1. Mon dieu, Thyll,
        das war lustig im weitesten Sinn sarkastisch gemeint. Sie sollten in die Politik gehen, wenn Sie sich nicht schön mit diesen unqualifizierten Ministern tummeln…

      2. My God, Michda, „das war lustig im weitesten Sinn sarkastisch gemeint“: Das lässt sich im Nachhinein leicht sagen!

        Und warum sollte Tyll „in die Politik gehen“? Gefällt Michda seine Kritik nicht? Sie sollten sich wirklich besser benehmen, wenn Sie sich hier aufhalten!

  4. Ein wirklich inhaltsarmes Interview. Frau Heesen wirft “Bild” vor, Kampagnenjournalismus betrieben und seiner publizistischen Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein. Oh, really? Das ist ja mal was ganz neues, hab’ ich bei “Bild” ja noch niiiie erlebt.

    Ich glaube schlichtweg, dass sich der Profifußballbetrieb in Gänze nicht eignet, um irgendwelche sozialtherapeutischen Experimente voranzutreiben. In Wirklichkeit geht es dabei um “wir gegen die”, wie es ein andere Kommentator so treffend beschrieb. Und wenn man dieses Prinzip von Nationalismen und Rassismus frei halten möchte, dann müsste man vielleicht auf eine Fußball-WM mit nationalen Mannschaften verzichten und stattdessen eher einen Vereins-Worldcup ausrichten.

  5. “Offenbar herrscht in Teilen des deutschen Fußballs die Vorstellung vor, dass die Mitgliedschaft in der deutschen Nationalmannschaft gleichzeitig mit der Distanzierung von anderen nationalen Wurzeln verbunden sein muss. ”

    Das stimmt doch so überhaupt nicht, und deswegen geht der Rassismus-Vorwurf auch ins Leere. Kaum jemand hatte etwas dagegen, als Klose oder Podolski swich zu ihren polnischen Wurzeln bekannt haben, genausowenig dürfte es wenige stören, wenn sich ein türkischstämmiger spieler zu seinen türkischen wurzeln bekennt.

    Aber ich – und ich denke viele andere auch – erwarte, dass ein deutsche Nationalspieler in erster Linie Deutscher ist. Wenn dann angeblich Deutsche “ihrem” Präsidenten Trikots schenken und damit nicht Steinmeier, sondern Erdogan meinen, dann irritiert das – und zwar besonders dann, wenn man Özil und Gündogan vorher als Deutsche angesehen hat (selbst von führenden Grünen gab es zu Beginn entsprechende Stimmen, bis dann die entsprechenden Kreise eine politisch korrekte Sprachregelung gefunden haben, warum das alles doch ok war).

    Im übrigen vermisse ich in der deutschen Mediendiskussion das Özil-Video, in dem er sein Haus zeigt. Dort ist er ganz stolz, dass alle seine Möbel in seinem Londoner Haus aus der Türkei kommen. Viel schlimmer noch: In seinem Lieblingszimmer hängt ein Bild von Sultan Mehmet II, Zitat: “Er war der größte Sultan. Er hat die Stadt erobert – Istandbul”. Mehmet II ist ein Idol der türkischen Rechtsaußen. In der Türkei hat das für einige Schlagzeilen gesorgt, die deutschen Medien haben das Thema komplett ignoriert.

    1. Lieber Karl Auer, aber Sie gestehen Özil schon zu menschlich zu sein? Er hat sowohl türkische als auch deutsche Wurzeln. Und weshalb sollte er seine elterliche Herkunft nicht ausleben? Oder finden Sie es falsch, der Kultur der Eltern nachzueifern?

      Auch der Vergleich mit Klose und Podolski hinkt gewaltig: Übers Leder gezogen wird überwiegend, wer den falschen „Gott“ anbetet. Falls Sie das anders empfinden, bin ich offen für eine Gegendarstellung.

      Und können Sie mir die Stelle auf Özils Trikot zeigen, wo „für meinen Präsidenten“ steht? Ich habe nur auf Gündogans Trikot einen Schriftzug entdeckt. Aber wie so häufig, gibt es darauf vermutlich wieder keine Antwort. Wäre ja noch schöner, wenn man objektiv bleiben müsste.

      Auch wenn das Foto mit Erdogan nicht gerade die beste Entscheidung war, sehe ich in Erdogan nicht so viele Unterschiede zu Trump (Todesstrafe hat einer von beiden schon und der andere hätte sie gerne; Wahlmanipulation wird bei beiden suggeriert; Europa die Daumenschrauben anlegen, sollte auch nicht ganz aus der Luft gegriffen sein; Politische Gegner extrem hart zu sanktionieren …) Aber bestimmt fällt Ihnen ein, warum der eine der gute Demokrat und der andere der böse Diktator ist.

      Sie glauben nicht, wie gespannt ich auf Ihre Interpretation und Wiederlegungen bin. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber bis auf Pöbeleien wurde zumindest von anderen in solchen Angelegenheiten nicht viel zur Diskussion beigetragen.

      1. Sie wollen doch nicht ernsthaft Erdogan, der zehntausende von Staatsbediensteten unter fadenscheinigen Begründungen vor die Tür gesetzt hat und Tausende Bürger inhaftiert hat, mit Trump und den USA gleichsetzen. An Trump gibt es wahrlich auch viel auszusetzen, doch etwa mehr Differenzierung beim Blick auf die politischen Entwicklungen und Systeme in der Türkei und den USA muss schon sein…

      2. Lieber The M.,

        natürlich darf Özil besondere Gefühle gegenüber der Türkei haben Jemand mit Migrationshintergrund kann Deutscher sein und trotzdem eine besondere Verbundenheit zum Herkunftsland seiner Eltern haben.

        Es kann auch gerne jemand in Deutschland seine “elterliche Herkunft ausleben”, der Kultur der Eltern nacheifern und sich in erster Linie als Türke fühlen. Dann hat er aber weder etwas in der deutschen Nartionalmannschaft verloren, noch taugt er als Musterbeispiel für Integration.

        Das er den falschen Gott anbetet, haben Sie sich aus den Fingern gesaugt. Ich habe in der Diskussion nirgendwo gesehen, dass der religiöse Aspekt angesprochen wurde. Haben Sie dazu irgendeine Quelle (bitte nur seriöse, also nicht von ganz rechts außen)?

        Das Problem bei Özil ist, dass er lange als Musterbeispiel für Integration galt. Ein türkischstämmiger Deutscher, der viel für sein Land getan hat. Der von vielen – auch von mir – gegen tatsächlich rassistische Kritik verteidigt wurde, dass er allein aufgrund seiner Herkunft kein Deutscher sein kann (mein Sohn hat sogar ein Özil Trikot). Und jetzt stellt sich heraus, dass Özil sich offensichtlich in erster Linie nicht als Deutscher, sondern als türkischer Nationalist sieht.

        Ein solcher hat in der deutschen Nationalmannschaft tasächlich nichts verloren. Ich wünsche ihm, dass Arsenal im Europapokal einen deutschen Gegner zugelost bekommt, dann wird er von den Fans die Antwort auf sein Rücktrittsschreiben bekommen, die er verdient.

      3. In diesem Fall, Herr Auer, („Ich wünsche ihm, dass Arsenal im Europapokal einen deutschen Gegner zugelost bekommt, dann wird er von den Fans die Antwort auf sein Rücktrittsschreiben bekommen, die er verdient.“) werde ich Arsenal alle Daumen drücken und hoffen, dass der deutsche Gegner rausfliegt.

      4. @Martinju: Ah ok … verstehe: Wir spielen gerade Politiker-Quartett. Natürlich ist Trump Trump und Erdogan Erdogan! Dennoch gibt es Parallelen. Wie viele Staatsbedienstete hat Trump nach Obama entlassen oder im Zuge von Ermittlungen gegen ihn? Wie viele Frauen hat Erdogan sexuell belästigt? Wie viele Whistleblower hat Erdogan in die Enge getrieben? Wer hat nochmal die Todesstrafe im Land? Wer kann mit weniger Stimmen als sein Kontrahend zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen?

        Ich habe für beide Politiker und noch einige mehr nicht viel übrig. Aber dass Sie keine Parallelen erkennen, scheint fast schon amüsant, wenn es nicht so ernst wäre.

        Und mal eine andere Perspektive auf die Türkei: Unterstützen nicht alle deutschen Türkei-Touristen auch den „Despoten“ Erdogan? Oder gilt das nur für Profifussballer wie Özil? Die mündigen deutschen Erwachsenen haben aus meiner Sicht auch eine Vorbildfunktion, die man aber für ein paar Tage Sommer, Sonne und Strand gerne beiseite legt 😉

    2. @Karl Auer: Sie haben Ihre Meinung und das ist auch ok. Aber einen Grund, warum Özil dann als Deutscher nicht in einer Deutschen Nationalmannschaft spielen darf, liefern Sie nicht.

      Und sehr wohl glaube ich (ich weiß, das ist subjektiv), dass Religion eine sehr große Rolle spielt. Politisch geht es ja schon seit längerem darum, dass der Islam entweder zu oder nicht zu Deutschland gehört. Was ist dann mit den „normalen“ Deutschen, die sich dem Islam angeschlossen haben? Gehören die dann auch nicht mehr dazu? Was ist mit den Atheisten? Was ist mit den ganzen Christen, die maximal ein zweimal im Jahr in die Kirche gehen? Haben die in Deutschland noch eine Heimat?

      Und warum fällt es wohl auch Ihnen so schwer, auf meine direkten Fragen zu antworten? Wollen Sie nicht? Gerade auf einige meiner Fragen kann man ohne Subjektivität und nur nach bekannten Fakten antworten.

      Mir scheint, dass es nicht nur um ein belangloses, dummes Foto geht. Mag sein, dass sehr viele es so sehen, wie Sie. Aber komischerweise sind es in meinem Bekanntenkreis eher die älteren Mitmenschen ( 60+) die sich daran stoßen. Die Jüngeren (auch Konservative) sehen das eher gelassen und versuchen eine sportliche Rechtfertigung zu finden und nicht alles an einem Foto festzumachen.

  6. Oh mei! Alle Özil Freunde, die jetzt auch noch einen in Realität nicht vorhandenen Rassismus ins Feld führen, übersehen dabei um was es wirklich geht. Erdogan will 2024 genau wie Deutschland die Fussball EM ausrichten. Da benutzt er halt den intellektuell minderbemittelten Spieler Özil um Deutschlands Ruf zu diskriminieren. As simple as that…

    1. Intellektuell unterbelichtete Fußballer sind nicht so selten. Technisch brillanten Fußball zu spielen, hat ja auch nicht so viel mit kognitiven Fähigkeiten zu tun, sondern ausschließlich mit Ego u Gewinnermentalität, also mit mentaler Stärke, weil es eben nur um die Kohle geht. Leider.

      So werden auch in irgendwelchen Fuzzi-Fußballklubs Kinder nicht geduldet, die nur Spaß am Kicken und am sozialen Aspekt des gemeinschaftlichen Ballsports haben, sondern nur jene sind willkommen, die sich aufs Gewinnen drillen lassen u da mitmachen.

  7. die gezeigt BILD hat eine verkaufte Auflage von etwa 1,7 Millionen, das ist keine “Machtposition” mehr, deren Käufer sehe ich im Supermarkt häufig mit Energy-Drinks, die müssen sich ihre Macht-Suggestion noch mit Koffein und Taurin reinziehen.

  8. Wow,
    hier geht aber die Post ab.
    Allerdings ziemlich unterkomplex (fast kein Framing 😉 ).
    Macht weiter so Jungs/*Innen, man hat ja sonst wenig zum Amüsieren heutzutage.

  9. Wäre der großäugige Mesut nicht so völlig unsympathisch, würde er ein wenig Patriotismus für seine deutsche “Heimat” zeigen, die ihm so viele Millionen beschert hat, würde er nicht mit einem Despoten Arm in Arm gehen, ja, dann würden ihn viele Deutsche vielleicht nicht so völlig widerlich finden. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, eher mit der Apathie gegen Islam-U-Boote, die lieber Koranverse rezitieren anstatt die Nationalhymne zu singen…

  10. Medienethikerin haha. Linksgrüne Propagandistin wäre genauer. Täter wie Özil, für die Menschenrechte, Erdogans Säuberungen mit Massenentlassungen und Verhaftungen egal sind, sind keine Opfer, sondern Helfer von Unterdrückung und Gegner der Demokratie – egal welcher Herkunft. Bild hat hier den Blickpunkt genau richtig gehabt, im Gegensatz zur allabendlichen Nachrichtenklitterung der Öffentlich-Rechtlichen!

    1. Ah ja, von den “Menschenrechtsexperten” in Katar wollen wir gar nicht reden, da werden ja keine Gegner des Regimes unterdrückt, manchmal auch einen Kopf kürzer gemacht, und der Kaiser hat da auch keine Sklaven gesehen, und das muss auch so sein, denn die BILD sagt auch nichts darüber. (Zur Vorsicht: Sarkasmus aus)

  11. Ohne die Springerpresse wären die linksversifften Hetzer nur halb so unterhaltsam. Dank der BILD darf man sich in den Augen dieser Soziopathen als Nationalspieler und Deutschtürke also auch für den Wahlkampf des türkischen Diktators einsetzen und das obwohl man vorher türkischen Politikern Veranstaltungen in Deutschland für die eigenen Staatsbürger verboten hat.
    Die Liste der deutschen Möchtegern-Ostanatolien-Immigranten wird immer länger.

    1. Da bringen Sie als vermutlich „rechtsversiffter Hetzer“ aber eine ganze Menge durcheinander!

      1. Das Treffen Özils fand in London statt! Zur Erinnerung: Auch wenn die Nazis das gern anders gesehen hätten, gehören England und somit London nicht zu Deutschland!

      2. Wahlkampfveranstaltungen türkischer Politiker wurden nicht „für die eigenen Staatsbürger verboten“, wen immer auch Sie damit meinen, sondern eben diesen türkischen Politikern!

      Der Sinn Ihres letzten Satzes erschließt sich mir überhaupt nicht, aber das ist vielleicht auch gut so. Ohne die vielen unbewiesenen Behauptungen, falschen Fakten, Zitate usw. wären die „rechtsversifften Hetzer“ nur halb so unterhaltsam.

  12. Warum muss es ‘Heimat’ immer nur im Singular geben…

    Sehe ich auch so. Hätte der Fußballer gsagt: “Einer meiner Präsidenten” fände ich es auch weniger schlimm…

    1. Hat Özil das gesagt oder geschrieben (überreicht)? Wenn ja, wo ist der Beleg? Bei Gündogan sieht das mit den Worten sicherlich etwas anders aus … (und was man dann davon halten soll, muss jeder für sich beantworten)

  13. Der Fehler liegt schon bei der unzutreffenden Verwendung des Begriffes Integration. Warum soll sich denn die deutsche Gesellschaft um die Integration eines HIER Geborenen bemühen? Schule war doch schön, Aufstieg in die Fußballwelt extrem erfolgreich, was will er eigentlich? Jetzt beschwert er sich also… Weil er es eventuell selbst verbockt hat? Die wirklich hier Angekommenen sind die Assimilierten. Aber von denen hört man nix, die fragt auch keiner. Die sind einfach still und oft im verborgenen Landsleute und leisten etwas für dieses Land ohne großes Geschrei. Vor denen ziehe ich meinen Hut, M.Ö. ist Geschichte.

  14. “Warum muss es „Heimat“ immer nur im Singular geben?” Im Falle der Türkei handelt es sich um eine Theokratie, die die Mehrheit der Bewohner genauso haben will, die offen Hamas und andere unterstützt und die gewaltsame Eroberungen plant und durchführt. Diese System ist inkompatibel mit einer säkularen Gesellschaft. Man kann nicht gleichzeitig Erdogananhänger und respektiertes Mitglied unserer Gesellschaft sein. Als die AfD Deniz Yücel attackierte, hat das kaum jemand unterstützt. Boateng wurde wiederum nicht für das WM-Aus verantwortlich gemacht. Özil wird also an seinen Taten, nicht an seiner Herkunft gemessen.

  15. Was wohl los wäre, wenn sich ein DFB Nationalspieler mit russischen Wurzeln als Putin oder einer mit nordkoreanischen Wurzeln als Kim Jong Un Fanboy geoutet hätte? Wäre Kritik da auch rassistisch? Wer lächelnd für einen Diktator und für ein nationalistisches, korruptes und freiheitsfeindliches Regime posiert sollte bei Kritik nicht sofort mit dem Allheilmittel des Rassismusvorwurfs reagieren. Scheinbar wird es zukünftig unmöglich Menschen mit Migrationshintergrund bei Fehlverhalten oder mangelnder Leistung zu kritisieren, weil dann scheinbar erfolgreich die Rassismuskeule geschwungen wird. Özil hat bei der WM miste gespielt, wie auch andere in der DFB Elf. Da gab es auch Kritik. Warum stilisiert man plötzlich ein Millionen schwerer Erdogan Werber, der seinen Verwandten in der Türkei weder Pressefreiheit noch Menschenrechte gönnt und mit dem Regime dort kein Problem hat (er muss da ja nicht leben), zum Opfer? Was bedeutet das für die Zukunft? Ein Freifahrtschein für Menschen mit türkischen Wurzeln die jegliche Kritik bei Fehlverhalten mir dem Vorwurf des Rassismus abschmettern? Die Welt lacht doch über die deutsche Naivität. Was Özil jetzt macht nutz nur Erdogan und schadet Millionen Menschen mit Migrationshintergrund und wirft uns um Jahre zurück.

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