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#trending: Mesut Özil, die #ausgehetzt-Demo in München und die erfolgreichsten Trailer der Comic Con

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Die drei Social-Media-Posts von Mesut Özil, die um 20.05 Uhr in einem Angriff auf den DFB-Präsidenten Grindel und einem mindestens temporären Rücktritt aus der Nationalmannschaft gipfelten, waren das große Thema am Sonntag - inklusive sehr kontroversen Diskussionen um den DFB und die Erdogan-Fotos. Außerdem heute in #trending, das ausnahmsweise wegen technischer Probleme nicht im Volltext verschickt werden kann: die Demo in München und die Top 5 der Comic-Con-Trailer.

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#trending // News & Themen

Nun ist die Causa Mesut Özil also zu einem unrühmlichen Ende gekommen. Der 92-malige deutsche Nationalspieler will nicht mehr für Deutschland spielen, zumindest so lang er das Gefühl hat, dass es Rassismus und Respektlosigkeit im DFB gäbe. Das teilte der Kicker um 20.05 Uhr auf seinen Social-Media-Kanälen mit, in dem insgesamt dritten Post, mit dem sich Özil am Sonntag der Öffentlichkeit gegenüber erklärte. Mehr zu Özils Posts und den Reaktionen gleich noch in der Rubrik “#trending // Social Media”.

Das Thema Özil jedenfalls dominierte die Social-Media-News-Charts am Sonntag wie schon lang keins mehr einen Tag. Bereits um 23 Uhr standen auf den ersten fünf Plätzen ausschließlich Artikel zu Özils Entscheidung: “Özil erklärt Rücktritt aus DFB-Team” von sport1 mit 21.700 Facebook- und Twitter-Interaktionen, “Mesut Özil tritt aus Nationalmannschaft zurück” der Welt mit 19.900, “Nach der Erdogan-Affäre – Özil spielt nicht mehr für Deutschland” von Bild mit 18.100, “Mesut Özil tritt aus der Nationalmannschaft zurück” vom kicker mit 17.000 und “Rücktritt aus der Nationalmannschaft: Özil will nicht mehr für Deutschland spielen” von Spiegel Online mit 12.300.

Schon die beiden ersten Özil-Posts hatten zahlreichen Artikeln tausende Likes, Shares & Co. beschert. Der Grund war hier auch eine weit verbreitete, irreführende Headline. So titelte Bild “‘ICH WÜRDE ES WIEDER MACHEN’ – Özil verteidigt sein Erdogan-Foto“, obwohl er genau das gar nicht gesagt hat. Stattdessen schreibt er: “Whatever the outcome would’ve been in this previous election, or the election before that, I would have still taken the picture”. Sprich: Egal, wer gerade Präsident der Türkei ist, das Foto hätte er gemacht. Bild änderte die Headline später ab, doch viele der Interaktionen kamen eben mit der falschen Zeile zustande.

#trending // Social Media

Kommen wir also zu den drei Özil-Posts vom Sonntag, die er zeitgleich auf FacebookInstagram und Twitter verbreitete. Im ersten rechtfertigte er sich für seine Fotos mit Präsident Erdogan, im zweiten kritisierte er bestimmte Medien und im dritten schließlich ging er auf den DFB, insbesondere dessen Präsidenten Grindel los und ließ kaum ein gutes Haar an ihm. Im letzten Absatz schließlich folgte der mindestens temporäre Rücktritt.

Die nackten Zahlen zeigen, dass bei den Fans insgesamt der letzte der drei Posts die meisten Reaktionen hervor gerufen hat. Allerdings – und das trotz der Brisanz des gesamten Themenkomplexes und Özils Äußerungen – erreichten die drei Beiträge bei Weitem nicht so viele Interaktionen wie die üblichen Özil-Bildchen und Werbeposts. Özils Urlaubs-Selfie mit Freundin kam vor drei Wochen auf fast 1,4 Mio. Likes. Die drei Posts vom Sonntag insgesamt, also alle drei gemeinsam, auf 1,1 Mio. Ähnlich sah es auf Facebook aus. Überdurchschnittlich viele Reaktionen riefen die drei Beiträge einzig bei Twitter hervor – wieder einmal ein Indiz dafür, dass es Twitter-Nutzern mehr auf interessante Inhalte ankommt als auf bunte Bilder.

Die Reaktionen auf die Posts waren vielfältig und so unterschiedlich, dass eine Wertung oder Analyse in die eine oder andere Richtung viel zu kurz greifen würde. Wie groß das Thema war, zeigt allein schon die Zahl von 252.000 Tweets, in denen der Name Özil laut Talkwalker am Sonntag vorkam. 30% davon waren demnach positiv und 26% negativ – auch wenn ich von solchen Sentimentanalysen allgemein nicht allzu viel halte. In diesem Fall wird die Ausgewogenheit der Pro- und Contra-Reaktionen aber wohl halbwegs zutreffen. Sie schwankten zwischen “Mesut Özil ballert kurz vor Tatort noch mal raus, was für ein unsolidarischer, inkompetente Haufen der DFB ist und wie hart Rassismus in Deutschland immer noch ist. Mic Drop des Jahres” (Julia Schramm) und “Dass #Özilgeht, ist ein Armutszeugnis für unser Land. Werden wir jemals dazugehören? Meine Zweifel werden täglich größer. Darf ich das als Staatssekretärin sagen? Ist jedenfalls das, was ich fühle. Und das tut weh” (Sawsan Chebli) auf der einen Seite, sowie Facebook-Kommentaren wie “All das worüber du dich beschwerst, Grindel, den DFB, steht in keinem Verhältnis zu den politischen Verbrechen des türkischen Präsidenten, den du unterstützt und das auch jederzeit so wiederholen würdest” oder Bild-Chefredakteurs-Tweets wie der, dass “Özils Rücktritt an Selbstgerechtigkeit nicht zu überbieten und seine Selbststilisierung als Rassismus-Opfer haltlos” sei – verbunden mit Link zur so genannten Bild-“Analyse” – auf der anderen Seite.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Oder wie es der erfolgreichste deutschsprachige Özil-Tweet des Tages, vom Journalisten Sebastian Weiermann, ausdrückt: “Ich finde gut wie Mesut #Özil Doppelmoral und Rassismus bei DFB, Mercedes, Medien und Gesellschaft kritisiert. Gleichzeitig entpolitisiert er aber den Auftritt mit Erdogan total. Wenn da mehr Selbstkritik gewesen wäre, ein richtig starkes Statement.

Es ist überaus wichtig, den unterschwelligen Rassismus in DFB anzusprechen und in die Gesellschaft zu bringen. Und: Özils Vorwürfe an DFB-Präsident Grindel machen eine Weiterbeschäftigung des Ex-Politikers als oberster deutscher Fußballer eigentlich unmöglich. Es sei denn, Grindel will, dass sämtliche Kinder mit Migranten als Eltern oder Großeltern künftig für andere Länder als Deutschland Fußball spielen wollen. Die AfD will das. Aber der DFB?

Auf der anderen Seite macht es sich Özil in seinen Ausführungen zu den Erdogan-Fotos natürlich viel zu einfach. Zu argumentieren, es sei keine politische Entscheidung gewesen, mit dem türkischen Präsidenten zu posieren, sondern ausschließlich der Respekt vor dem höchsten Amt im Land seiner Familie, ist zu billig. Ein politisches Amt hat natürlich auch mit der Person zu tun, die es ausfüllt.

Was Özils Posts nun auslösen werden, ist wahrscheinlich noch gar nicht abzuschätzen. Seine Ausführungen zum Rassismus könnten dazu führen, dass sich das Land noch mehr spaltet. Schließlich bestärkt er andere Menschen mit türkischer Herkunft oder türkischen Vorfahren in ihrem eventuellen Gefühl, immer noch als fremd in Deutschland zu gelten. Genau deswegen ist es nun wichtig, die gesellschaftliche Debatte um Rassismus – auch im Sport – auch im DFB – zu führen. Und mindestens dieses Verdienst – die Debatte kräftig verstärkt zu haben – hat Özil.

#trending // Politik

Das politische Thema des Sonntags war eindeutig die #ausgehetzt-Demo in München. 25.000 Personen nahmen laut Polizei München an der Schlusskundgebung der Demonstration teil. Die Demo richtete sich gegen die “verantwortungslose Politik der Spaltung von Seehofer, Söder, Dobrindt und Co. Wir setzen ein Zeichen gegen den massiven Rechtsruck in der Gesellschaft, den Überwachungsstaat, die Einschränkung unserer Freiheit und Angriffe auf die Menschenrechte“. Aufgerufen hatten unterschiedlichste Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und andere gesellschaftliche Organisationen und Gruppierungen. Ein Spiegel-Online-Artikel sammelte am Sonntag 12.300 Interaktionen auf Facebook und Twitter ein, was ohne Mesut Özil für den ersten Platz der Social-Media-News-Charts gereicht hätte.

Auch abseits vom Journalismus spielte die Demo in den sozialen Netzwerken eine große Rolle. So fand der Hashtag #ausgehetzt am Sonntag in 50.000 Tweets statt. Besonders viele Likes und Retweets erhielten dabei Fotos vom Königsplatz, auf dem die Abschlusskundgebung stattfand und CSU-kritische Tweets wie “Wenn du dich christlich und sozial nennst und dann Nonnen gegen dich aufbringst und die gegen dich protestieren, hast du echt richtig Scheiße gebaut. Aber so richtig” und “Zum Zustand der CSU: Demonstrieren 50 AfDler auf dem Marienplatz, dann muss man deren Sorgen ernst nehmen. Demonstrieren 25.000 Bürger genau gegen diesen Rechtsruck, dann will sie das verhindern oder diskreditieren.

Mit letztgenanntem Tweet war eine Kampagne der CSU gemeint. Die Partei ließ u.a. Plakate gegen die Demo aufhängen, auf denen sie die aus breiten gesellschaftlichen Schichten stammenden Teilnehmer diskreditiert und schreibt: “Bayern lässt sich nicht verhetzen!” Passend dazu twitterte die Partei: “Wir verwahren uns gegen politische Hetze und rufen alle zu politischem Anstand auf. Die Menschen in Bayern wissen, was sie an der CSU haben.” Neben nur rund 100 Retweets und 500 Likes bekam der Tweet die ungewöhnlich hohe Zahl von über 1.200 Antworten und Kommentaren wie “Und allein durch diese peinliche Plakataktion beweist ihr, wie dringend und wie wichtig die Demo ist. Null Selbstreflexion und einen auf Sündenbock machen” oder “Da hat aber jemand Pipi in der Lederhose.

Selbst auf der CSU-eigenen Facebook-Seite gab es neben positiven Kommentaren wie “Genauso ist es!!! Wem es nicht passt kann gerne nach Berlin, NRW… oder sonstwohin auswandern” ungewohnt viel Gegenwind wie “Nun ja. Eben weil die CSU _nicht_Bayern ist und ich eine Bayerin, die sich nicht verhetzen lässt, gehe ich heute demonstrieren. Und die CSU-Führung hat vermutlich /hoffentlich inzwischen auch begriffen, dass sie mit dieser Form der verbalen Entgleisung nicht einmal ihre eigenen Wähler repräsentiert. So deute ich jedenfalls dieses – etwas hilflose – Plakat. Wenn sich die Herren Seehofer, Söder und Dobrindt also wieder auf eine der Sachlage angemessene Sprache und Politik besinnen, wie es auch eigene Parteikollegen fordern, und den ‘politischen Anstand’ wiederentdecken, wäre viel gewonnen.

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#trending // Entertainment

In den vergangenen Tagen fand die Comic Con in San Diego statt, einer der wichtigsten popkulturellen Events weltweit. Mittlerweile ist es zur Tradition geworden, dort Premieren von Trailern wichtiger Filme und Serien zu feiern. So auch 2018. Hier die Top 5 der nach YouTube-Views auf den offiziellen Accounts erfolgreichsten Comic-Con-Trailern:

5. “Star Wars: The Clone Wars” / 4,7 Mio. Views bis Sonntag, 24 Uhr
[Überraschend angekündigte Fortsetzung der eigentlich 2013 beendeten Animations-TV-Serie]

4. “Godzilla: King of the Monsters” / 5,9 Mio.
[Ein weiterer Hollywood-Film mit der Monster-Legende – und u.a. mit “Stranger Things”-Star Millie Bobby Brown]

3. “Glass” / 6,1 Mio.
[Fortsetzung der genialen Thriller “Unbreakable” und “Split” von M. Night Shyamalan – mit den Stars aus den beiden Filmen Bruce Willis, Samuel L. Jackson und James McAvoy]

2. “Shazam!” / 7,2 Mio.

[Eine offenbar etwas alberne Comic-Verfilmung aus dem DC-Universum]

1. “Aquaman” / 12,0 Mio.

[Neuester Versuch, das DC-Universum mit ähnlich spektakulären Filmen im Kino zu etablieren wie das Marvel-Universum. Könnte diesmal gelingen.]

#trending // Worldwide

Nun ging es in #trending heute um so viele ernste Themen, beschließen wir den Newsletter also nicht auch noch mit internationaler Politik oder anderen Aufregern, sondern mit drei weltweit besonders erfolgreichen Social-Media-Posts vom Wochenende:

– Unilad sammelte 35,4 Mio. (!) Views mit einem Video ein, in dem drei Kinder in einen Swimming Pool springen, Hinzu kamen 850.000 Likes, Reactions, Shares und Kommentare.

– 9Gag erreichte 19,2 Mio. (!) Views mit dem Video eines kleinen Mädchens, das Spaß im Regen hat.

– Einer der erfolgreichsten Tweets des Wochenendes war mit 483.000 Likes und Retweets der von Michael Leon: “What pigeons do for fun” samt eines 5-Sekunden-Videos.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: sport1 – “Özil erklärt Rücktritt aus DFB-Team” (21.700 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Spiegel Online – “CSU will Protest verbieten: Die Orbáns von München” (1.800 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Der Spiegel – “Ich habe nicht den Eindruck, dass man in Deutschland den Ernst der Stunde begriffen hat” [Interview mit dem Historiker Timothy Garton Ash]

Google-SuchbegriffÖzil (200.000+ Suchen) [ausgeschiedener Tour-de-France-Fahrer]

Wikipedia-SeiteJosefine Preuß (53.900 Abrufe am Samstag) [Kandidaten bei “Wer weiß denn sowas XXL”]

Youtube-Video: Warner Bros. Pictures – “Aquaman – Official Trailer 1

Song (Spotify): Dynoro – “In My Mind” (624.800 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Musik (Amazon):Die drei ??? – “194/und die Zeitreisende” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Black Panther” (Blu-ray)

Game (Amazon)PSN Card-Aufstockung | 10 EUR | PS4, PS3, PS Vita Playstation Network Download Code – deutsches Konto

Buch (Amazon): Bas Kast – “Der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung” (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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