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Rücktritts-Post: Mesut Özil verteidigt das umstrittene Erdogan-Foto – und rechnet mit den Medien ab

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Ein Foto, das alles veränderte: Ilkay Gündogan, Mesut Özil und der türkische Präsident Erdogan

Zehn Wochen nach den hoch umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan hat sich Mesut Özil erstmals zu den Vorkommnissen und Hintergründen geäußert. Der Mittelfeldstar von Arsenal London wählte als Kommunikationskanal die sozialen Medien und publizierte seine Statements am Sonntag in drei Teilen auf Facebook, Instagram und Twitter. In seinen in Englisch verfassten Erklärungen verteidigte Özil die Fotos, rechnete mit dem DFB, den Medien und Sponsoren ab – und verkündete schließlich seinen Rücktritt aus der Nationalelf. Auf Twitter überschlagen sich die Reaktionen.

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Das am 14. Mai veröffentlichte Foto von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft, aber auch danach für viel Wirbel gesorgt.

Ex-Nationalspieler forderten vor dem WM-Start den Verzicht auf Özil und Gündogan, Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer nannte die schwelende Affäre offen “belastend“, während  Teammanager Bierhoff das Thema nach dem WM-Aus wieder aufnahm und gegenüber der Welt erklärte, “man hätte überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet.”

Özil verbreitet Erklärungen in sozialen Medien in Englisch

Zehn Wochen nach der Veröffentlichung der Fotos hat sich Mesut Özil heute nun geäußert. Er wählte zur Verbreitung seiner nicht in Deutsch, sondern in Englisch verfassten Statements als Kommunikationskanal die sozialen Medien Facebook, Instagram und Twitter.

In dem ersten der drei Postings äußerte sich Özil über die Entstehung des Fotos, das er mit seiner Herkunft erklärt. “Ich bin in Deutschland aufgewachsen, meine familiären Wurzeln liegen aber in der Türkei. Ich habe zwei Herzen, ein deutsches und ein türkisches”, schreibt Özil. Seine Mutter hatte ihn gelehrt, “nie zu vergessen, wo ich herkomme”.

Das Foto, das im Mai am Rande einer Benefiz-Veranstaltung in London entstanden war, erklärte Özil so: “Das Bild, das wir gemacht haben, hatte keinerlei politische Absichten. Wie ich bereits sagte, hat mich meine Mutter dazu gebracht, niemals meine Herkunft, mein Erbe und meine familiären Traditionen zu vergessen.”

Eine Ablehnung des Treffens mit dem türkischen Präsidenten wäre “respektlos gegenüber den Wurzeln meiner Vorfahren gewesen”, begründete Özil seine Entscheidung. Özil schließt sein Statement mit den Worten, er hätte das Foto unabhängig vom Ausgang der wenige Wochen später folgenden Präsidentschaftswahl in der Türkei “trotzdem gemacht”.

Abrechnung mit den deutschen Medien

Im zweiten Posting rechnet der 92-fache Nationalspieler mit dem DFB, Sponsoren und vor allem den Medien ab, denen er vorwirft, das Foto politisch aufgeladen zu haben. “Gewisse deutsche Zeitungen nutzen meinen Hintergrund und das Foto mit Präsident Erdogan als rechte Propaganda, um deren politische Haltung zu unterstützen. Warum sonst haben sie Bilder und Überschriften mit meinem Namen als direkte Erklärung für die Niederlagen in Russland verwendet?”, schreibt Özil.

Deutsche Medien hätten nicht Özils sportliche Leistung bzw. die des DFB-Teams kritisiert, “sie kritisieren nur meine türkische Abstammung und meinen Respekt vor meiner Herkunft. Das überschreitet eine persönliche Linie, die niemals überschritten werden sollte, da die Zeitungen versuchen, die deutsche Nation gegen mich aufzubringen”, schreibt der 29-Jährige. Özil warf Medien zudem einen Doppelstandard in ihrer Berichterstattung vor.

 

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Rücktritt aus Nationalelf

Im dritten Teil und letzten Posting erklärt Özil dann fast folgerichtig seinen Rücktritt auf der DFB-Elf. Begründet wird das Aus nach 92 Länderspielen mit bitteren Worten in Richtung des DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, dem er vorwirft ihn herablassend behandelt zu haben.

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Özil erklärte, er wolle sich nicht länger “als Sündenbock dafür missbrauchen lassen, dass Grindel inkompetent ist und seinen Job nicht angemessen machen kann. Özil schreibt, dass Grindel ihn nach den Erdogan-Fotos aus dem DFB-Team habe wolle. Auf Twitter hatte Grindel seinerzeit erklärt, “diese Aktion hat der Integrationsarbeit sicher nicht geholfen.”

Özil führte seine Kritik am DFB-Präsidenten weiter aus, er habe beim DFB eine schlechtere Behandlung als andere Nationalspieler mit Migrationshintergrund erfahren. “In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern bin ich ein Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Migrant, wenn wir verlieren.” Özils Freunde Miroslav Klose und Lukas Podolski würden anders behandelt: Sie werden nie als Deutsch-Polen bezeichnet, also warum bin ich ein Deutsch-Türke? Liegt das an der Türkei? Oder daran, dass ich Muslim bin”, fragt sich Özil.

Wegen der Behandlung, die Özil durch den DFB erfahren habe, aber auch die Beleidigungen von Zuschauern und Anfeindungen bzw. Drohungen gegen seine Familie in den sozialen Medien, habe Mesut Özil daher den Entschluss gefasst, nicht länger in der deutschen Nationalmannschaft spielen zu wollen. Özils Rücktritt schlug auf Twitter hohe Wellen.

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