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“Kroaten spenden WM-Gewinn”: Deutsche Medien brachten erfundene Nachricht in Umlauf – dabei hätte nur ein wenig Recherche genügt

Die kroatische Fußballmannschaft will ihren WM-Gewinn spenden – so lautete eine Fake-Meldung, die von zahlreichen Medien weiterverbreitet wurde
Die kroatische Fußballmannschaft will ihren WM-Gewinn spenden – so lautete eine Fake-Meldung, die von zahlreichen Medien weiterverbreitet wurde

Es gibt sie manchmal – die positiven Nachrichten. Sie stimmen aber nicht immer. Wie die Meldung, dass die kroatische Nationalmannschaft ihren WM-Gewinn spende. Sie wurde am Donnerstag von Medien aus Deutschland und Österreich weiterverbreitet, ganz ohne Recherche. Ursprung der Fake News ist ein sogar ziemlich veraltetes Posting auf einer falschen Facebook-Seite.

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Die Quelle der Fake News, auf die sich die zahlreichen Medien berufen hatten, stand nämlich bereits seit dem 16. Juli, also drei Tage vor Weiterverbreitung, im Internet. Wie das Watchblog Mimikama ermittelt hat, erschien auf der Facebook-Seite „Hrvatska nogometna reprezentacija“, was auf deutsch “Kroatische Fußballmannschaft“ heißt, ein Posting, das die karitative Aktion des Fußball-Bundes ankündigte. Schon die Facebook-Präsenz war aber eine falsche, nicht einmal verifiziert war sie.

Die Meldung an sich war sogar noch älter. Laut Mimikama erschien sie am 13. Juli auf der Facebook-Seite eines Igor Premuzic. Dort klärte der Verfasser nur einen Tag später auf, dass das Schreiben – in dem auch verkündet worden war, dass die Nationalmannschaft keine Fotos mit Politikern mehr mache – von ihm erfunden sei. 

So viel Recherche hatten sich die Medien hierzulande allerdings nicht gemacht. Belohnt wurde das mit hohen Reichweiten und Interaktionsraten. Mit der News über die 23,6-Mio-Euro-Spende sammelte beispielsweise Sky Sport 11.400 Interaktionen bei Facebook und Twitter ein, wie MEEDIA bereits in seiner täglichen Kolumne #trending analysiert hat.RP Online holte mit der Zeile “Vize-Weltmeister 2018: Kroaten spenden ihre fast 24 Millionen Euro W M-Preisgeld” 3.500, die Kleine Zeitung aus Österreich mit “Kroatische WM-Prämien kommen Kindern zugute” 3.200, oe24 mit “23,6 Millionen! Kroaten spenden gesamtes WM-Preisgeld” ebenfalls 3.200, sport1 mit “Kroatien spendet gesamte WM-Prämien” 2.300 Interaktionen. Und so weiter.

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Letzteres Portal sorgte zumindest in Deutschland für Aufklärung. Auch wenn erst nach Erscheinen der Story, hakte Sport1 beim kroatischen Fußballbund nach, der die Meldung dementierte. Der Umgang mit der Fake News bleibt nach wie vor verbesserungswürdig. Zahlreiche Medien, wie bunte.de oder ran, ließen die Story zumindest in den sozialen Netzwerken weiter stehen. Andere schrieben ihre Artikel um, verwiesen aber nur am Ende des Textes auf ihren Fehler. Noch immer lassen sich aber einige Portale finden, die die Fake News weiterhin verbreiten.

Welches Medium im deutschsprachigen Raum die Geschichte zuerst verbreitete, lässt sich deshalb nicht mehr so einfach herausfinden. Aber das “wer” ist auch nicht sonderlich relevant. Viel bitterer ist, dass so viele Medien abgeschrieben haben und hereingefallen sind.

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