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“Wollen es in Zukunft wieder besser machen”: Die Zeit entschuldigt sich auf Titelseite für “Pro & Contra” zur Flüchtlingsrettung

Zeit Autorin Mariam Lau musste für ihren Contra-Beitrag zur privaten Seenotrettung viel Kritik einstecken
Zeit Autorin Mariam Lau musste für ihren Contra-Beitrag zur privaten Seenotrettung viel Kritik einstecken

Mit einem Pro-Contra-Beitrag um die Frage, ob private Seenotrettung von Flüchtlingen sinnvoll ist, hat Die Zeit in ihrer vergangenen Ausgabe für heftige Diskussionen gesorgt. Die Kritik an dem Beitrag hat bis heute kaum nachgelassen. Nun rudert die Chefredaktion auf der Titelseite der Zeitung zurück und entschuldigt sich für mehrere Fehler. Inhaltlich aber stehe man weiterhin hinter dem Thema.

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Das Pro und Contra über die private Seenotrettung im Mittelmeer ist auch eine Woche nach Veröffentlichung Thema bei der Zeit. Unter dem Titel “Gut gemeint, aber nicht gut genug” entschuldigt sich die Chefredaktion für begangene Fehler. Demnach sei es “heikel” gewesen, ein Pro und Contra zu einer Zeit zu bringen, in der es “bei der staatlichen Seenotrettung politisch gewollte Lücken gibt”. Dadurch sei der Eindruck entstanden, die Autoren würden über die Seenotrettung im Allgemeinen diskutieren. Dass dies nicht der Fall war, hatte Zeit-Vize-Chefredakteur Bernd Ulrich in der vergangenen Woche mehrfach betont. Die Zeile “Oder soll man es lassen?” hätte diesen Eindruck verstärkt.

Nun heißt es weiter: “Tatsächlich vertritt niemand in der Zeit – auch nicht die Autorin des Contra-Artikels – die Auffassung, dass man Menschen ertrinken lassen sollte, um andere abzuschrecken”, schreibt die Chefredaktion nun. “Dass ein anderer Eindruck entstehen konnte, tut uns von Herzen leid.”

Damit gesteht sich Die Zeit formale Fehler in der Berichterstattung ein, die die Chefredaktion zu verantworten hat. Sie hätte wissen müssen, dass ein Contra zur privaten Seenotrettung unvermeidlich den Eindruck erweckt, Seenotrettung im Allgemeinen sei nicht legitim – zumal es neben den privaten Rettern zu wenig staatliche Rettungsschiffe gibt, um Flüchtlinge im Mittelmeer aufnehmen zu können.

Inhaltlich aber bleibt die Redaktion ihrer Argumentation treu. Die Idee für das Für und Wider sei entstanden, weil die Legitimität der privaten Seenotrettung in Italien und Österreich ein zentrales Streitthema sei. Und “politische Diskussionen und moralische Dilemmata verschwinden nicht dadurch, dass man die Augen vor ihnen verschließt”. Zwar habe die Autorin Mariam Lau in ihrem Contra-Text nicht genügend zum Ausdruck gebracht, dass “wir – auch die Autorin – großen Respekt haben vor jenen, die ihre Freizeit und ihr Geld einsetzen, um auf dem Mittelmeer Menschen in Not zu retten, und sich dabei mitunter selbst in Gefahr bringen”. Das heiße aber nicht, dass man die politischen Folgen ihres Handelns nicht auch kritisch sehen könnte, schreibt Die Zeit weiter.

Trotzdem kann der Beitrag als öffentliche Entschuldigung gewertet werden, die nach der Kritik in der vergangenen Woche offenbar als nötig empfunden wurde. “Das Jahrhundertthema Flucht setzt Europa unter hohen moralischen und politischen Druck, es fordert auch unseren Journalismus ungemein”, schreibt die Wochenzeitung abschließend. “Wir haben uns vorgenommen, es in Zukunft wieder besser zu machen.” Wer Urheber des Textes der Zeit-Chefredaktion ist, wird namentlich nicht erwähnt. Auf eine entsprechende Anfrage von MEEDIA teilte eine Verlagssprecherin mit: “Das Stück wurde von Mitgliedern der Chefredaktion gemeinsam verfasst.”

Im Netz gibt es gemischte Reaktionen auf das öffentliche Eingeständnis. Bild-Chef Julian Reichelt kritisiert etwa, dass weder die Autorin Mariam Lau noch ein anderer Verantwortlicher namentlich genannt und zitiert werden.

Ähnlich sieht es Nicole Diekmann vom ZDF-Hauptstadtstudio:

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Andere Twitter-Nutzer vermissen eine klare Distanzierung zum Beitrag von Lau, während wieder andere in der Entschuldigung keine tiefgreifende Einsicht der Redaktion erkennen.

Immerhin gab es auch positives Feedback:

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Alle Kommentare

  1. man kann es auch andersherum sehen: nur weil ein shitstorm ausgebrochen ist, kneift “Die Zeit” – mit dem Volksmund gesagt: weil ein paar Hunde bellen, zieht das Blatt den Schwanz ein. Ein Pro und Contra ist ein Pro und Contra ist ein Pro und Contra – das müssen vielleicht einige der Shitstürmer noch lernen.

      1. Ja, es gab mal intelligente medien, lange her, aber meedia ist auf jeden Fall eine sehr gute Sache, die betreiben keinen Belehrungsjournalismus, der so einigen zum Hals raushängt, sondern bringen ziemlich sachliche Info.
        Journalisten sind defintitiv keine Götter. Die bilden sich das ein, die das für wahr halten.

        Gute Artikel und gute Recherchen, Fachwissen, Profiwissen sind fein, aber nicht das ungeheuerliche, überhebliche Obergscheitlingergetue und wie schon zigmal erwähnt dieser Oberlehrerton, das ist out.

  2. Erschreckend, wie über die Behandlung zum Thema Flüchtlinge
    debattiert wird. Über 41 Polizisten, die wegen Überforderung in den letzten Jahren Suizid begangen haben, wird nicht diskutiert-aber über den abgeschobenen, kriminellen Afghanen!
    Oder über die Anfindung in Höhe von monatlich 140 € für die Angehörigen der Opfer des Attentats am Breitscheidplatz in Berlin, sofern sie eine Traumatisierung nachweisen können.
    Die Tausende von Rentnern, die
    Nicht wissen, wie sie den nächsten
    Monat überleben.
    Die Liste der Schicksale und Probleme in Deutschland ist lang.
    Komisch nur, dass sich über ureigene Probleme der Deitschen so gut wie niemand aufregt, geschweige denn einsetzt!!

    1. Die Zeit ist ein elitäres Blattl, die steht da drüber. Die sind nämlich alle was Besseres. Zumindest tun sie so als ob.
      Solche Mickymausprobleme wie Sie ansprechen juckt die nicht.
      Ausser es winkt ein Preis oder eine Beförderung, dann wird ein Thema aktualisiert.

      Schulersuizide wären auch ein gutes Thema, es steht das Schuljahresende vor der Tür und so manche, die von Lehrern drangsaliert und gemartert wurde, werden bald nicht mehr unter uns sein. Wen stört das schon.

    1. Michda, über Klaus muss man sich hier gar nicht mehr wundern, der bringt hier in schöner Regelmäßigkeit seine angst- und hasserfüllte Gedankenwelt hemmungslos zum Ausdruck. Ist halt schon toll, was in der anonymen Social-Media-Welt so möglich ist, ohne das Gesicht zu verlieren. So was geht sonst nur bei Stammtischen unter Gleichgesinnten jenseit von 1,5 Promill …

      1. Schwabenpfeil

        Ich finde Ihre Aussage zutiefst menschenverachtend und diskriminierend. Kein Mensch braucht sich aufgrund seines überdurchschnittlichen Alkoholkonsums was blödes nachsagen lassen, weder ein Stammtischbruder, noch ein Präsident der Europ Kommission.

  3. Wie erbärmlich sie jetzt vor dem Mob kriechen. Was sind das für “Journalisten”, die die Meinungsfreiheit vom linken Hasspöbel begraben lassen? Pro und Contra ist wie es die Worte schon aussagen ein für und wider. Und das MUSS es immer geben. Der alternativlose Unrechtsstaat Angela Merkels unterminiert wirklich alles…

    1. Sie können ja flüchten, wenn Sie meinen, in einem „alternativlose[n] Unrechtsstaat“ zu leben. Z. B. übers Mittelmeer. Und dann in die Wüste. Dann wissen Sie mal, wie das ist. Gute Reise!

      Aber vermutlich wird die Reise eher nach Österreich gehen. Oder nach Ungarn. Und gerade in letzterem Staat ist es mit Pro und Contra nicht weit her, was Sie aber sicherlich begrüßen würden. Das zeigt dann wiederum sehr schön, wie ernst es Ihnen mit Ihrer ach so hohen Meinung von Meinungsfreiheit wirklich ist: Nur für die Meinung des rechten Hasspöbels fällt für Sie unter die Meinungsfreiheit!

      Schöne Doppelmoral und welch unerträgliche Bigotterie!

      1. Schöne Grüße aus Ungarn an den ahnungslosen Ronald! Hier herrscht eine kontroverse Diskussionskultur, wie sie in Deutschland lange ausgestorben ist. Wenn Sie’s nicht glauben, weil Sie nur die ZEIT lesen, dann lernen Sie die Sprache und kommen mal her! Reisen bildet in diesem Fall mal wirklich!
        Noch etwas: Mein Vater ist übrigens Flüchtling, aber ein echter. Der heutige organisierte Asyl-Tourismus per Schlepper, NGO-Schiff, Bahn und Flugzeug ist eine Verhöhnung jedes echten Flüchtlings. DAS ist bigott!

  4. Die Zeit muss sofort zurückkehren zu ihrem links-grünen Kuschelurs, kritisch sein darf sie nur gegen Räächte (gefühlte 70 Prozent der Bevölkerung, Tendenz steigend). Ansonsten droht Kaufentzug durch die staatlich gut alimentierten Bewohner*innen des Elfenbeinturms.

    1. @ Ronald, Schrottpresse: Wieder Ihre ypisch intelligenten Beiträge. Hatte sie schon vermisst. Aber mal im Ernst: Könnten wir uns nicht dem Thema zuwenden? z.B. was bedeutet Asylrecht, wie im Film, wie im Mittelmeer, wie vor der Haustüre? Dazu läse ich gerne fundamentierte Beiträge, Argumentationen jenseits der Phrasen..

      1. Danke für das Lob! Aber mal im Ernst: Mein Kommentar richtete sich gegen „schrottpresse“ und seine Wahlprognosen. „Dazu läse ich gerne fundamentierte Beiträge, Argumentationen jenseits der Phrasen..“ Ich auch!

  5. Wer kein Charakter hat und ohne Prinzipien und Werte auskommt, der geht eben zur Zeit.
    Ab morgen wird dann wieder geschlossen und ohne eigene Meinung für Vielfalt, Pressefreiheit und Abtreibung marschiert, damit der linke Pöbel wieder die Pluralität beklatschen kann.

  6. “Wollen es in Zukunft wieder besser machen”
    Selten so einen Schwachsinn gehört.
    Als Leser der Zeit bekommt man offenbar nur das zu lesen, was irgendwelche kriminellen Spinner in sozialen Netzen nicht zu Hass und Hetze aufbringt.
    Da fühlt man sich gleich gut informiert.
    Hoffentlich passen die Themen dann auch zukünftig diesem Titanic-Idioten in den Kram, sonst muss man bei der Zeit eben nochmal “besser machen”.

  7. Sauberer Kotau der ZEIT-Redaktion. Wäre noch zu ergänzen, wie sehr uns die warmherzige, respektvolle und zutiefst menschliche Argumentation ihrer Kritiker beeindruckt hat. Wahre Menschenfreunde eben. Darauf einen heißen Kaffee

  8. Wie kann es die Zeit auch wagen eine Pro- und Contra-Gegenüberstellung zu so einem Thema zu bringen. Die Leser wollen doch nicht in ihrer linken Filter-Blase verunsichert werden.
    Zu so einem Thema darf es nur eine Meinung geben – und das ist die der “Guten”! Alles andere ist Nazi-Propaganda, auf die es bekanntlich kein Recht gibt.

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