Partner von:
Anzeige

Disruption, Fake News, Native Advertising: 10 Fachbegriffe, die es vor 10 Jahren noch nicht gab

MEEDIA10-fake-news-paid-content-influencer-marketing-native-advertising-social-media.jpg

Der Distributed Content geht viral! Das Paid Content-Modell muss skalieren! Content Marketing ist voll von Fake News! Solches Buzzword-Bingo war in den Nullerjahren noch undenkbar. Eine Dekade später hört man die Schlagworte der Digitalbranche auf jedem Branchen-Get-Together. Doch was bedeuten Distributed Content, Native Advertising und Disruption nun eigentlich – und wo kommen die Begriffe her? Zum Jubiläum stellt MEEDIA 10 Fachbegriffe vor, die es vor 10 Jahren noch nicht gab.

Anzeige

Content Marketing

Die inoffizielle Nachfolgedisziplin des Corporate Publishings erlebte Mitte der 10er-Jahre einen regelrechten Goldrausch: Plötzlich entdeckten Unternehmen das Internet mit journalistisch anmutenden Angeboten als neuen Vertriebskanal.  Durch die gesunkenen Eintrittsbarrieren in Form von gezielter Facebook-und Google-Werbung und SEO-Optimierungen versuchen sich immer mehr Unternehmen als Verleger.

Tatsächlich funktioniert Content Marketing wie ein Trojanisches Pferd: Das vermeintlich nutzerwertige Leseangebot verfolgt natürlich unterschwellig eine klare Absicht – nämlich die Marke des Absenders entweder imagemäßig aufzuwerten oder den Leser durch Shop-Anbindung direkt zum Kunden zu machen. Der anfängliche Hype ist inzwischen merklich abgekühlt, weil bis heute kaum ein Angebot den Standards von Qualitätsjournalismus genügt.

Digitale Transformation

Beschreibungen des Veränderungsprozesses, den die Wirtschaft und in ihr Unternehmen und Verbraucher in der Internet-Ära durchlaufen. Die Verbreitung des WWWs hat die Weltwirtschaft  in den vergangenen 25 Jahren grundlegend revolutioniert: Gerade Unternehmen der Alten Wirtschaft stehen oft vor der Herkulesaufgabe der digitalen Transformation, in der Arbeitsprozesse für das Digitalzeitalter angepasst werden mussten und müssen.

Wie sehr digitale Revolution die Wirtschaftswelt inzwischen verändert hat, dokumentiert ein Blick auf die wertvollsten Konzerne der Welt: Mit Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Facebook und Alibaba entstammen die sechs Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert bereits der Digitalindustrie.

Disruption

Begriff in der Venture Capital-Szene, der 2015 zum “Wirtschaftswort des Jahres” gewählt wurde. Disruption bedeutet im Englischen: Störung, Unterbrechung, Erschütterung. Historische Anleihen sind tatsächlich bereits  bei Karl Marx und Josef Schumpeter zu finden, der in seinem epochemachenden Standardwerk “Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie” von der “schöpferischen Zerstörung” sprach.

Jener Prozess vollzieht sich in der Digitalwirtschaft des 21. Jahrhunderts heute in Hochgeschwindigkeit. Neue technologische Entwicklungsschübe  bringen eine vorherrschende Ordnung immer wieder durcheinander bzw. erschüttern sie gar. „Alle paar Jahre kommt ein revolutionäres Produkt daher, das alles verändert“, kündigte etwa Apple-Gründer Steve Jobs im Januar 2007 das iPhone an.

Tatsächlich gilt das iPhone als Musterbeispiel der Disruption, das den Mobilfunksektor, in dem zum Launchzeitpunkt die Marktführer Nokia und  Blackberry dominierten, vollkommen auf den Kopf gestellt hat und die beherrschenden Player in den wenigen Jahren in  die Bedeutungslosigkeit beförderte. Entsprechend gilt die Suche nach disruptiven Technologien als der Heilige Gral der Wagniskapitalindustrie.

Distributed Content

Buzzword vieler Verlagsmanager, das seit Mitte der 10er-Jahre nicht mehr aus dem Jargon wegzudenken ist – und Verlagen am Ende jedoch wenig Zählbares eingebracht hat. Distributed Content bedeutet wörtlich “verteilter Inhalt”: Tatsächlich handelt es sich dabei um Inhalte, die auf den beliebtesten Social Media-Diensten zu finden sind und zumeist sogar exklusiv von Verlagsseite dafür produziert werden.

Als Musterbeispiel für Distributed Content gelten Instant Articles bei Facebook, Snapchats Discover-Sektion oder die Stories bei Instagram. Verlage spielen bei den Social Media-Giganten Inhalte aus, die bei ihnen in dieser Aufbereitung nicht zu finden sind; im Gegenzug werden Verlage für die Bereitstellung ihrer Inhalte an der Werbeausschüttung beteiligt. Distributed Content-Initiativen werden in Verlagshäusern allerdings bis heute kontrovers diskutiert: Inhalte anderen Plattformen zur Verfügung zu stellen und damit das eigene Webangebot zu unterwandern, stößt vielen Verlagsmanagern auf.

Fake News

Fake News sind so alt wie Nachrichten selbst, sie hießen nur früher anders: Falschmeldungen, Enten oder schlicht: Lügen. Zu einem der geflügeltsten Worte der 10er-Jahre machte US-Präsident Donald Trump den Begriff noch im Wahlkampf als republikanischer Präsidentschaftskandidat. Immer wieder wetterte Trump gegen die “Lügenmedien”, zu denen er bevorzugt CNN, NBC, die Washington Post und die New York Times zählt – mal auf seinem präferierten Kommunikationskanal Twitter, mal direkt in Pressekonferenzen.

Legendär ist Trumps Medienschelte zu Beginn der Präsidentschaft: Mit den Worten “Sie sind Fake News”, verweigerte Trump CNN-Reporter Jim Acosta die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Gleichzeitig viel diskutiert wird der Begriff immer wieder im Zusammenhang mit falschen und irreführenden Nachrichtern und Postings in den sozialen Netzwerken, allen voran Facebook.

Anzeige

Influencer Marketing

Es ist das meistdiskutierte Werbethema der vergangenen Jahre: Influencer Marketing – der Versuch, mit dem Promi-Faktor in den sozialen Netzwerken unterschwellig oder offen Werbung zu lancieren. Die Begrifflichkeit ist schnell erklärt: “Influence” bedeutet im Englischen schließlich “beeinflussen”. Genau das tut Kim Kardashian regelmäßig auf Instagram & Co. , ihre jüngere Halbschwester Kylie auch, Cristiano Ronaldo sowieso: in ihren zahlreichen Posts auf diversen Social Media-Kanälen immer wieder, mehr oder minder augenscheinlich, Werbebotschaften für Produkte einzustreuen.

Doch auch gewöhnliche Nutzer wurden plötzlich zu Influencern: Was Ronaldo, Kardashian & Co. können, ahmen Anhänger der Model- und Sport-Ikonen, bewaffnet mit einem Smartphone und den richtigen Hashtags, seit Jahren mit mindestens der gleichen Professionalität nach. Markenunternehmen erkannten schnell, dass Kooperationen mit den neuen Stars der Social Media-Welt, die Glaubwürdigkeit und damit offenkundig Einfluss – Influence – besaßen, ein lukrativer, weil sehr direkter und vermeintlich glaubwürdigerer Weg sein könnte, um die junge Zielgruppe zu erreichen.

Schnell machte sich  Goldgräberstimmung breit: Das Honorar per Posting soll sich aktuell von ein paar Hundert Euro bei Influencern mit fünfstelligen Follower-Zahlen bis auf über 500.000 Dollar bei Instagram-Nummer eins Selena Gomez bewegen. Doch mit dem Boom kam der Ärger: Die Grenze zwischen einem privaten Post und (Schleich-)Werbung wurde oft nicht klar genug gezogen, Abmahnungen folgten zuhauf.

Native Advertising

Als eine andere Variante der Schleichwerbung wird immer wieder Native Advertising eingestuft. Der Begriff ist in seiner wortwörtlichen Übersetzung irreführend: “Native Advertising” bedeutet etwa “Werbung im heimischen Umfeld”, tatsächlich soll der werbliche Charakter gerade unterwandert werden. So werden PR-Texte von Auftraggebern im redaktionellen Umfeld platziert, in dem sie möglichst aussehen sollen wie gewöhnliche Artikel – der Hinweis auf den werblichen Charakter erfolgt oft so dezent wie möglich mit dem Kunstbegriff des “Advertorials”, also des werblichen Artikels oder “Sponsored Post”.

Eine andere Form der Platzierung erfolgt unter redaktionellen Artikeln als Hinweis  „Folgende Inhalte könnten Sie auch interessieren“. Andere Spielarten des Native Advertising werden in den sozialen Medien mit gesponserten Posts/Tweets praktiziert.

Paid Content

Die Suche nach einem tragfähigen Erlösmodell im Web ist so alt wie das Internet selbst. Bis heute sind sich Verleger weitgehend darüber einig, dass der Geburtsfehler des Internets in der Gratiskultur besteht, die zumindest in der ersten Dekade des WWWs aggressiv praktiziert wurde. Weil Werbeerlöse  die Finanzierung publizistischer Angebote zum überwältigenden Teil nicht decken, haben Verlage zur Sicherung des Qualitätsjournalismus in den vergangenen Jahren immer öfter Paid Content-Angebote gestartet.

Die Modelle variieren dabei von einem strikten Abo-Ansatz mit täglicher, wöchentlicher, monatlicher oder jährlicher Zahlungsweise ab dem ersten Artikel bis zum Freemium-Modell, bei dem eine bestimmte Anzahl an Artikeln (meist fünf oder zehn) für einen bestimmten Zeittraum kostenlos  ist und danach die Bezahlschranke fällt und die Paywall greift. Tageszeitungen und Wochenmagazine wie Bild und Spiegel bieten zudem eine verzahnte Version von Paid Content an, indem sie Lesern ein Bündel aus der Print- und Online-Version anbieten.

Skalieren

Es ist das Lieblingswort jedes Business Developers oder Venture Capitalists: Skalieren, nicht eskalieren. Skalieren? Die bis zu den Nullerjahren bekannten Definitionen helfen nur bedingt weiter. Skalieren wurde bislang bei Computergrafiken verwendet (größer/kleiner rechnen). Heute wird ‘skalieren’ fast immer im Zusammenhang von Geschäftsmodellen verwendet. Ein Blick auf den Ursprung macht den Zusammenhang deutlich: Skalieren kommt von “Scala”, was im Italienischen ‘Treppe’ bedeutet.

The only way is up also: Zum Ausdruck gebracht werden soll, in welcher Form ein Geschäftsmodell aufsteigenden Charakter besitzt. Etwa: Amazons AWS-Sparte boomt. Die Nachfrage ist gestiegen. Neue Serverfarmen werden angemietet. Neue Mitarbeiter werden eingestellt. Mehr Umsatz wird generiert. Mehr Profit wird erzielt. Ein besseres Quartalsergebnis berichtet. Die Aktie steigt. Mit einem Wort: Amazons Cloud-Geschäft skaliert.

Social Media

Die Pionierdienste der sozialen Medien stammen aus den Nullerjahren: Facebook, das 2004 gegründet wurde, und Twitter, das zwei Jahre später mit dem legendären Tweet “just setting up my twttr” am 21. März 2006 startete. Allein: Erst gegen Ende der Nullerjahre setzte sich der Begriff ‘Social Media’ als Königsdisziplin des Web 2.0 als Mitmach-Internet durch.

Nicht mehr wenige Medienanbieter bestimmten einseitig die Inhalte, sondern die Gesamtheit der Nutzer. Entsprechend wurde unisono der Begriff des user generated contents geprägt, den Nutzer in den sozialen Medien erzeugten. Während auch YouTube und Tumblr als Social Media-Pioniere in den Nullerjahren ihre Verbreitung fanden, erlangten in der laufenden Dekade vor allem zwei neue Social Media-Dienste den Mainstream: Instagram, das inzwischen über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer verfügt, und Snapchat.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Zehn Fachbegriffe, die es (so) noch nicht gab. Spannend wird es, wenn man sie in Beziehung setzt, vernetzt bzw. ihre gegenseitige Bedingtheiten erkennt. Traditionell machen Fachwörter, Begriffe, … Dinge und Zusammenhänge begreiflich bzw. greifbar und zumindest sprachlich beherrschbar. Aber allein der Begriff “Fake News” zeigt auf, daß das nicht mehr so ist. Begriffe stehen auch für nicht begreifen. Kritiker mahnen u.a. an, daß es keine rechtsverbindlichen Definition von “Fake News” gibt, aber dennoch ein Gesetz dazu den Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit gestattet. Einige Zurücknahmen von Löschungen zeigen dieses Manko auf. Persönliches Verständnis und Bewertung einer Aussage überwiegen mangels eben einer solchen Definition. Aber ist sie überhaupt möglich? Nicht nur die kritische Theorie relativiert Werte und Wahrheit als nicht mehr gegeben, sondern Ergebnis eines Diskurses mit temporäre und räumlicher Begrenztheit. Das Netz hat eine Vielzahl von Diskursen unterschiedlicher Gruppen in parallelen virtuellen Welten ermöglicht, die zugleich in einer realen leben. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Die größte Disruption, die die traditionellen Medien jedoch erfahren haben, daß sie nur noch ein Medium unter vielen sind. Jede Aussage einer Lifeberichterstattung wird in Echtzeit geprüft, hinterfragt und über Kommentarfunktionen oder verlinkte v.a. sozialen Medien, sofort mit anderslautenden Aussagen, Bildern, Webcams, … konfrontiert. Die Rückkopplung kann auch sehr handgreiflich werden: Am Tahirplatz erlebten TV-Teams, daß mit ihrer Kommentierung der Ereignisse nicht übereinstimmende anwesende Personen den Standort des life berichtenden Teams ausfindig machten und bestenfalls das Gespräch suchten. Wie das? Viele hatten ihre Smartphones dabei und verfolgten die Lifeberichterstattung diverser Sender über ihren eigenen Protest und Gegenprotest mit. Als Ortskundige, konnten sie den Bildhintergrund schnell zuordnen. Wer sich hier dennoch behauptet und eine große Zuhörerschaft erreicht, gefährdet ggf. die Deutungshoheit in den Medien eines Akteurs. Wie erfolgskritisch die das ist, haben die Putschisten in der Türkei erlebt. Journalisten, die hier ihre Sicht der Dinge überzeugend einer breiten Masse ihre Sicht der Dinge vermitteln, können geradezu zum Kriegsziel werden. Sie erleben ein komplexes Feuerwerk von Gegenmaßnahmen, die letztlich darauf zielen, sie selber oder ihren Sender unglaubwürdig und für die Meinungsbildung irrelevant zu machen. Dabei sei angemerkt, daß dies altbekannten Konzepten der “psychological operations” bzw. PSYOPS erfolgt, die sich auch in Handbüchern der NATO-Militärs finden. Ein großes Thema ist dabei auch der Quellenschutz. Es wird immer einfacher Bewegungsprofile von Journalisten zu erstellen, ihre Mobiltelefone zu tracken, …, festzustellen, wann sie sich wo mit wem getroffen haben. Vielfach ist das Bewusstsein dafür noch nicht wirklich vorhanden. Berichterstattung von Medien wird somit in Echtzeit selber Gegenstand von Berichterstattung, nicht nur in der Ukraine, Ägypten, … sondern auch in allen denkbaren Umfeldern der inländischen Berichterstattung. MEEDIA ist hier sicher ein wichtiges Instrument, dafür das Bewusstsein zu schärfen und … ein entsprechendes zeitgemäßes Selbstverständnis zu gewinnen – auch, s.o., zum Eigenschutz und Schutz der Quellen für die eigene große Story. Malta und Bratislava sehen für die dunkle Seite einer Disruption der Medienlandschaft, die gerade erst begonnen hat.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia