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Apple, Amazon, Facebook & Co: Diese Internet- und Tech-Unternehmen haben die Medienbranche in den vergangenen 10 Jahren verändert

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Als MEEDIA im Juli 2008 an den Start ging, war Apples iPhone in Deutschland gerade mal seit sieben Monaten erhältlich. Apple, Google, Amazon und Facebook waren noch digitale Angreifer, die erst in den folgenden Jahren zu den Weltkonzernen heranreifen sollten, die sie heute sind. Anlässlich des 10. Geburtstages von MEEDIA werfen wir einen Blick auf die Internet-Meilensteine einer Dekade.

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2008: Apples iPhone erobert die Welt

Es ist nicht weniger als die größte Erfolgsstory der Wirtschaftsgeschichte – Apples iPhone. Zwar launchte der Techpionier das mit Abstand wichtigste Produkt seiner inzwischen 42-jährigen Geschichte bereits ein Jahr zuvor in den ersten vier Ländern der Welt (in den USA am 29. Juni 2007, in Deutschland, Frankreich und Großbritannien am 9. November 2007), im Rest der Welt kam Apples revolutionäres Smartphone, das buchstäblich “alles veränderte”, erst Mitte 2008 auf den Markt.

Der eigentliche Durchbruch zum Welterfolg gelang Steve Jobs mit der zweiten Generation, die als iPhone 3G am 11. Juli 2008 – und damit drei Tage vor dem Launch von MEEDIA – debütierte. Doch nicht nur die Hardware und der schnellere Mobilfunkstandard waren der Star, sondern ein Kunstgriff, den dem notorischen Kontrollfreak Steve Jobs kaum einer zugetraut hatte: Apple öffnete sich mit der Einführung des App Stores überraschend für Dritte – und machte immer neue Apps plötzlich zum unverzichtbaren Bestandteil der Smartphone-Nutzung.

Der Rest ist moderne Tech-, Wirtschafts- und Mediengeschichte: Das iPhone wurde bis zum heutigen Tag mehr als 1,4 Milliarden Mal verkauft und hat Apple bis heute fast eine Billion Dollar an Umsätzen und geschätzt rund 300 Milliarden Dollar an Nettogewinnen beschert. Nebenbei hat es Apple auch über weite Strecken des Jahrzehnts zum wertvollsten Konzern der Welt gemacht, der in diesem Jahr kurz davorstand, die magische Bewertungsmarke von einer Billion Dollar zu knacken.

Das iPhone ist ohne jede Frage das erfolgreichste Produkt in der Geschichte der Verbraucherelektronik, das die Nutzungsgewohnheiten des modernen Menschen komplett revolutioniert hat. Ohne das iPhone hätten wir nicht das Gefühl, das Internet in unserer Westentasche zu haben. Ohne das iPhone hätten die sozialen Medien – allen voran Facebook, Instagram, WhatsApp und Twitter – niemals eine solche Verbreitung gefunden. Und ohne das iPhone würden wir Nachrichten heute anders konsumieren. Die Entwicklung des Internets in der vergangenen Dekade ist untrennbar mit der Verbreitung des iPhones verbunden.

2009: WhatsApp-Gründung

Eine der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten der vergangenen Internet-Dekade begann in einem Hinterhof in Mountain View, wo Google einst Geschichte schrieb. Für den 16-jährigen Immigranten Jan Koum, der in den 90er-Jahren mit seiner Mutter aus der Ukraine nach Kalifornien geflüchtet war, war es indes der Ausgangspunkt einer der bemerkenswertesten Aufstiegsgeschichten.

In der Schule brachte sich Koum Programmieren bei und konnte schließlich einen Job bei Yahoo ergattern. Sieben Jahre später kündigte er beim Internetportal, um eigene Startup-Ideen zu verfolgen. Im Januar 2009 hatte Koum beim Durchscrollen durch das Adressbuch seines iPhones eine zündende Idee: Wie wäre es, wenn die Kontakte direkt miteinander in Verbindung treten, sich Nachrichten schreiben oder in einem Status Update mitteilen könnten, ob sie erreichbar sind oder nicht?

Aus der Idee entstand ein Messenger.  Am 4. Februar 2009 – und damit auf den Tag genau fünf Jahre nach der Gründung von Facebook – registrierten Koum und sein früherer Yahoo-Kollege Brian Acton ihr Unternehmens als WhatsApp Inc. Der Name war in der frühen Phase der AppStores eine nerdige Anspielung auf die Standardfloskel “What’s up”?

Weil die großen Player – Apple hat seine Kommunikationszentrale iMessage erst im Oktober 2011 gelauncht –  mit eigenen Messaging-Diensten viel zu lange warteten, hat WhatsApp, das sowohl auf Android als auch iOS zugänglich ist, leichtes Spiel. Fünf Jahre nach dem Launch verzeichnete WhatsApp bereits 450 Millionen Nutzer – dann schlug Facebook zu.

Ein halbes Jahrzehnt nach der Gründung war Zahltag für Koum und Acton: Für am Ende 22 Milliarden Dollar übernahm Facebook am 20. Februar 2014 den Message-Dienst. “WhatsApp ist auf dem besten Weg, eine Milliarde Menschen zu verbinden”, erklärte Facebook-Chef Mark Zuckerberg im begleitenden Statement die hochpreisige Übernahme. “Dienste, die diesen Meilenstein erreichen, sind unglaublich wertvoll.” Dreieinhalb Jahre später fällt der Meilenstein. Heute wird WhatsApp bereits von mehr als 1,5 Milliarden Menschen genutzt.

2010: Instagram wird gegründet

Es begann als verspielte Foto-App für die iPhone-Generation. Der frühere Google-Mitarbeiter Kevin Systrom erklärte die Daseinsberechtigung seiner im Oktober 2010 gelaunchten iPhone-App gegenüber der New York Times, einst damit, Nutzern eine kleine Beschäftigung an die Hand zu geben, während sie irgendwo ein paar Minuten auf etwas warten – ein kleiner Zeitvertreib für zwischendurch.

Der fiel auch Mark Zuckerberg auf. Am Osterwochenende 2012 überraschte der Social Media-Gigant mit der 1-Milliarde-Übernahme eines elf Mann starken Startups ohne Umsätze – nämlich Instagram. Facebook, der Innovator, der das Web mit seiner Idee einer vernetzten Welt umkrempelte, war über Nacht zum milliardenschweren Aufkäufer von Innovationen geworden, die er selbst zu entwickeln verpasst hat.

Wie Google 2006 ließ nun auch Facebook die Muskeln spielen und schluckte einen hippen Mitbewerber mit einer milliardenschweren Übernahme. Damit erlebte das Social Network seinen YouTube-Moment. Es war auch ein Eingeständnis, dass Facebook im mobilen Internet geschludert hatte, schließlich launchte Facebook bereits am 11. Juli 2008, zum Start von Apples App Store, seine erste iPhone App, die den Goldstandard für andere Social Networks auf Smartphones setzte. Einen Photo-Upload gab es seinerzeit schon – mehr als zwei Jahre vor der Gründung von Instagram.

Für Konzernchef Mark Zuckerberg sollte sich die mutige Akquisition von Instagram im April 2012 kurz vor dem Börsengang jedoch als echter Königstransfer herausstellen: Das weltgrößte Social Network hatte für Instagram seinerzeit bekanntlich lediglich 1 Milliarde Dollar in bar und Aktien bezahlt. Der tatsächliche Transaktionswert beim Vollzug der Übernahme belief sich wegen des damals gefallenen Aktienkurses von Facebook indes nur auf 715 Millionen Dollar.

Sechs Jahre später ist klar, dass es die renditeträchtigste Übernahme der Internetgeschichte war. Nach Einschätzung von Bloomberg Intelligence hat sich der Wert von Instagram seit der Integration in Facebook nicht weniger als verhundertfacht! Analyst Jitendra Waral taxiert die Bewertung von Facebooks Foto-App als eigenständiges Unternehmen inzwischen auf mehr als 100 Milliarden Dollar.

Die enorme Bewertung wird durch anhaltendes Hyperwachstum gerechtfertigt: Nachdem Instagram im vergangenen Jahr 10,6 Prozent zu Facebooks Gesamtumsätzen beigetragen haben soll, könnte der Erlösanteil in diesem Jahr bereits auf 16 Prozent anschwellen, berichtet der Finanzinformationsdienst. Bloombergs Intelligence-Analyst Jitendra Waral rechnet zudem damit, dass Instagrams Erlöse in den nächsten zwölf Monaten erstmals die 10-Milliarden-Dollarmarke knacken dürften.

2011: Snapchat wird gegründet 

Das Problem kennt jeder Internetnutzer: Diese Bilder, die in einem Augenblick des Überschwangs in die Welt verschickt werden oder in Social Networks landen – peinliche Partyfotos oder intime Privatbilder, verschickt beim Online-Flirt. Seit 20 Jahren bestätigt sich eine der ältesten Weisheiten des WWW immer wieder aufs Neue: Das Internet vergisst nie. Oder doch?

Im Smartphone-Zeitalter wurde der Wunsch des Vergessens durch Snapchat wahr: Die im September 2011 von den ehemaligen Stanford-Studenten Evan Spiegel und Bobby Murphy gestartete Foto-App ermöglicht das zeitlich begrenzte Verschicken von Fotos, die dann wieder automatisch verschwinden. Snapchat funktioniert mit Haltbarkeitsfrist: Ein Foto wird an einen anderen Nutzer versendet, der es für eine festgelegte Zeit sehen kann, danach löscht sich die Aufnahme von selbst.

Das unter Teenagern grassierende Zeitgeistphänomen “Sexting” erhielt so endlich einen Kanal, der peinliche Entblößungen rückgängig machte. Ein Jahr nach dem Launch wurde Snapchat bereits rund 30 Millionen Mal am Tag genutzt. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg bekam von dem Phänomen Kenntnis und wurde vermeintlich Snapchats größter Fan.

„Hey Evan, ich bin ein großer Fan davon, was Du mit Snapchat anstellst“, geschrieben von keinem Geringeren als Mark Zuckerberg an den Gründer des boomenden Foto-Messaging-Dienstes, Evan Spiegel.  Es klang nach einem Ritterschlag, doch natürlich ging es Zuckerberg nicht um den Austausch von Höflichkeiten.

Facebook wollte Snapchat kaufen – und blitzte ab. Drei Milliarden Dollar waren Spiegel nicht genug. Das war Ende 2012. Wenige Wochen später launchte Facebook dann tatsächlich seinen Konter, eine App namens Poke – Zuckerberg wünschte Spiegel noch einmal persönlich „viel Spaß“. Den hatte der Snapchat-Gründer dann tatsächlich, denn Poke floppte.

Tatsächlich war das penetrante Interesse des Facebook-Chefs am neuen Herausforderer das Beste, was Snapchat seinerzeit passieren konnte: “Die Logik änderte sich von: ‘Die Fotos verschwinden – Snapchat ist eine Sexting-App’  zu ‘Facebook macht eine App mit selbstlöschenden Fotos – selbstlöschende Fotos müssen das nächste große Ding sein’”, erklärte TechCrunch-Autor Billy Gallagher später in einem Buch über die Gründungsphase der Messaging-App.

Evan Spiegel und Bobby Murphy behielten ihre Unabhängigkeit und führten Snapchat als Teil des umfirmierten Mutterkonzerns Snap Inc. fünfeinhalb Jahre nach der Gründung zu einer Bewertung von 24 Milliarden Dollar an die Börse. Doch Mark Zuckerberg sollte die späte Rache gelingen: Durch die Einführung des Stories-Formats bei Instagram wurde Snapchats Nutzerzuwachs gestoppt. Die Aktie ging auf eine düstere Talfahrt, die bis heute anhält.

2012: Facebook geht an die Börse

Es sollte ein Triumphzug werden. Über acht Jahre nach Gründung strebte Facebook als hoch gewetteter und mit 104 Milliarden Dollar hoch bewerteter Social Media-Gigant am 18. Mai 2012 an die Technologiebörse Nasdaq. Es ging schief, was schiefgehen konnte: Der Handelsstart verzögerte sich nach einer technischen Panne um eine Stunde, und als die ersten Notierungen aufleuchteten, blieben die erwarteten Kurssteigerungen aus. Nur mit Mühe konnten die konsortialführenden Banken den Kurs am ersten Handelstag über dem Ausgabekurs von 38 Dollar halten.

Schon in den nächsten Tagen und Wochen erlebte das weltgrößte Social Network ein wahres Börsenbeben – zum Großteil, weil Facebook seinerzeit noch 0 Dollar mit mobilen Anzeigen erlöste. Während sich Mark Zuckerberg in die Flitterwochen verabschiedete, ging die Facebook-Aktie in den Sinkflug über, der erst im Herbst 2012 bei Kursen von weniger als 18 Dollar enden sollte.

Aus heutiger  Sicht erscheint beides surreal: Dass Facebook ohne Mobil-Fantasie an die Wall Street strebte, und dass sich die Kurse wenige Monate später mehr als halbieren sollten. Wer Mark Zuckerberg angesichts der sportlichen Bewertung zum IPO zunächst kritisiert hatte, bekam plötzlich seine zweite Chance.

Wohl dem, der sie nutzen konnte: Heute notiert das inzwischen auch schon 14 Jahre alte Internetunternehmen trotz der kurzzeitigen Turbulenzen durch den Datenskandal um Cambridge Analytica in diesem Jahr bei Kursen von fast 200 Dollar. Auch mit Facebook wäre also wie mit mancher Internetaktie eine Verzehnfachung des Einsatzes möglich gewesen.

2013: Twitter geht an die Börse
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Die Euphorie war gedämpft. Um jeden Preis wollte Twitter bei seinem Börsengang den Facebook-Fehler vermeiden und ging am 7. November 2013 auf einem gemäßigten Bewertungsniveau von 18  Milliarden Dollar an die New Yorker Traditionsbörse NYSE. Schnell war klar: Der Kurznachrichtendienst hatte massiv Geld auf dem Tisch liegen lassen.

Zur Erstnotiz sprang die Aktie schnell um satte 74 Prozent nach oben – wenig später notierte sie gar bei Kursen von über 70 Dollar. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Mikroblogging-Dienst mit mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet, doch es war nur eine Momentaufnahme. Tatsächlich folgte auf den kurzen Höhenflug eine mehr als vierjährige Talfahrt, die Langzeit-CEO Dick Costolo den Job kostete.

Vor drei Jahren übernahm wieder Mitgründer Jack Dorsey das Ruder – und legte, kaum im Amt, erst einmal einen Arroganzanfall bei CNBC hin, der ihn viel Vertrauen kostete – und Twitter an der Wall Street jede Menge Dollars. In seinem ersten Interview erklärte Dorsey, er sehe keinen Anlass für Veränderungen beim angeschlagenen Social Media-Dienst. Im Gegenteil: “Wir wollten das Momentum nicht stoppen”, sagte der heute 41-Jährige.

Das ist Dorsey, ironisch betrachtet, gelungen – das Momentum zeigte allerdings still nach unten. Entsprechend waren Twitter und sein CEO Jack Dorsey für zweieinhalb Jahre der Prügelknabe der Wall Street. Tiefer ging immer, weil der 280-Zeichen-Dienst beständig bei Vorlage der Quartalszahlen die Analystenerwartungen verfehlte.

Seit Ende vergangenen Jahres arbeitet Twitter nun endlich profitabel – im vergangenen Quartal blieb immerhin ein Überschuss von 61 Millionen Dollar hängen. Nebenbei wachsen die Umsätze und Nutzerzahlen wieder. Nach langem Anlauf ist Twitter der Turnaround endlich gelungen – und damit gleichzeitig das Börsencomeback. Um enorme 82 Prozent liegen die Anteilsscheine von Twitter nämlich seit Jahresbeginn vorne – und zählen bislang damit zu den erfolgreichsten Internetaktien des Jahres.

2014: Alibaba gelingt größter Börsengang aller Zeiten 

Historisch war noch untertrieben: Beim Gang an die Börse brach Alibaba am 19. September 2014 alle Rekorde. Der chinesische E-Commerce-Riese sammelte nicht nur mit Abstand so viel Kapital ein wie kein anderes Unternehmen zuvor – die Aktie haussierte auch noch um 38 Prozent über dem Ausgabekurs und beendete den ersten Handelstag als 232 Milliarden Dollar schweres Unternehmen.

In welche Superlative der E-Commerce-Gigant damit schon vorgestoßen ist, machte ein Vergleich mit anderen, hoch bewerteten Internet- und Tech-Unternehmen deutlich. Aus dem Stand war Alibaba seinerzeit nicht nur wertvoller als Facebook oder Amazon, sondern auch als die Tech-Riesen IBM, Samsung, Oracle oder Intel.

Dass die Bewertung keinesfalls übertrieben war, macht ein Blick auf die heutigen Kräfteverhältnisse deutlich. Zwar musste Alibaba Amazon und Facebook wieder passieren lassen, doch mit einem Börsenwert von knapp 500 Milliarden Dollar hat sich der vom ehemaligen Englischlehrer Jack Ma 1999 in Hangzhou, gegründete E-Commerce-Pionier zum sechstwertvollsten Konzern der Welt entwickelt.

Warum, dokumentiert von Quartal zu Quartal die Geschäftsbilanz: Alibaba wächst weiter in einem atemberaubenden Tempo. Im jüngsten Quartal konnte der Online-Marktplatz-Betreiber seine Umsätze mit einem Plus von 61 Prozent auf bereits 9,7 Milliarden Dollar weiter rasant steigern. Im vergangenen Jahr konnten Anleger vom Hyperwachstum mit einer glatten Kursverdopplung profitierten.

2015: Amazon launcht den Überraschungshit Echo

Nach Apple ist es die spektakuläre Erfolgsstory der Internet-Ära in der vergangenen Dekade: Amazons Aufstieg vom chronisch defizitären E-Commerce-Versender zum zweitwertvollsten und vielleicht innovativsten Konzern der Welt. Von Monat zu Monat weiter an Dynamik und von Quartal zu Quartal kann der Internetpionier die Wall Street mit besser als erwarteten Quartalsergebnissen überraschen.

So auch zuletzt: Im März-Quartal konnte dieser mit Umsätzen von 51 Milliarden Dollar die Analystenschätzungen erneut pulverisieren. Gleichzeitig erzielte Amazon mit 1,63 Milliarden Dollar den zweitgrößten Nettogewinn der Unternehmensgeschichte.

Zum Treiber der enormen Geschäftsdynamik hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder die rasant wachsende Cloud-Computing-Sparte AWS (Amazon Web Services) entwickelt, die weiter um 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wächst und im jüngsten Quartal  bereits mehr als 5,4 Milliarden Dollar erlöste.

“AWS hat den ungewöhnlichen Vorteil eines siebenjährigen Vorsprungs, bevor ähnliche Konkurrenz erwachsen ist, und unser Team hat nie nachgelassen”, erklärte Konzernchef Jeff Bezos die außergewöhnliche Erfolgsstory von AWS, das sogar wieder beschleunigtes Umsatzwachstum verbuchen kann. Tatsächlich ist das Cloudgeschäft für Bezos der Goldesel, auf den Amazon in seiner nunmehr 24-jährigen Unternehmenshistorie lange hat warten müssen – AWS fährt die Konzerngewinne fast im Alleingang ein.

Ein anderer Unternehmensbereich hat Amazons enormen Aufschwung in den vergangenen Jahren dagegen erst maßgeblich beflügelt: Der smarte Lautsprecher Echo (Launch 2015) auf Basis der Sprachassistentin Alexa, die erst Ende 2014 und damit drei Jahre nach Apples Siri gelauncht wurde. Den Rückstand holte Alexa schnell auf und machte Echo zu Amazons überraschendem Hardware-Hit.

Nach Einschätzung des omnipräsenten Marketing-Professors Scott Galloway hat Amazon Alexas Potenzial noch nicht annähernd ausgeschöpft. „Alexa wird das iPhone der nächsten Dekade, was Amazon zu einem Sprung über die Billionen-Marke in der Marktkapitalisierung verhilft“, erklärte Galloway in seinen Vorhersagen für 2018 seine zum Jahreswechsel noch mutige Prognose. Inzwischen trennen Amazon und Apple beim Börsenwert nur noch 11 Prozent.

2016: Google wird wertvollster Konzern der Welt – für zwei Tage

Das Gefühl, zumindest kurzfristig an Apple vorbeigezogen zu sein, kennt ein anderer Internetpionier. Im Mai 2016 war es, als sich Apples Erzrivale Alphabet (der Google-Mutterkonzern) immerhin für zwei Tage als wertvollster Konzern der Welt fühlen konnte – dann schlug der Techpionier aus Cupertino zurück und hat den Börsenthron bis heute nicht mehr verlassen, obwohl der Such-Pionier aus Mountain View aktuell  nur 14 Prozent hinter Apple notiert.

Die Aufholjagd ist bemerkenswert, zumal Alphabet bis heute als Synonym für Google steht, das sich 2015 zur Umfirmierung in eine Holding neuen Namens entschlossen hat. Tatsächlich ist den Gründern Larry Page und Sergey Brin eine der größten Erfolgsgeschichten der Internetära auf unspektakuläre Art und Weise gelungen.

Anno 2018 lebt Google, wie auch vor zehn Jahren, weiter von seinem wunderbar skalierbaren Geschäft mit der Internetwerbung. Wie enorm profitabel die Ausspielung von schlagwortbasierten Anzeigen ist, demonstriert Alphabet Quartal für Quartal in seinen Geschäftszahlen: Im jüngsten Quartal konnte der nach Amazon zweitwertvollste Internetkonzern der Welt bei Erlösen von 31,5 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 9,4 Milliarden Dollar ausweisen – den nach Apple zweithöchsten der Digitalindustrie.

Google bleibt indes auch 20 Jahre nach der Gründung ein One-Hit-Wonder: Die zahlreichen Versuche, die Geschäftsaktivitäten zu diversifizieren, waren bis heute wenig erfolgreich – Google Glass steht stellvertretend für die kurzlebigen Moon Shots. Die größte Wette dürften Page und Brin unterdessen im kommenden Jahrzehnt eingehen, wenn die Bemühungen rund um das selbstfahrende Auto Früchte tragen – oder sich als Rohrkrepierer erweisen.

2017: Tencent wird wertvollster Konzern Asiens – und überflügelt kurzzeitig Facebook

Mit einem Kursplus von 114 Prozent avancierte Tencent zum großen Aufsteiger des Internetjahres 2017. Dabei stand die WeChat-Konzernmutter lange im Schatten des einheimischen E-Commerce-Riesen Alibaba, dem vor drei Jahren noch der größte Börsengang aller Zeiten gelang und seinen Börsenwert seit Januar ebenfalls fast verdoppeln konnte.

Das 1999 gegründete Startup, das zunächst mit dem Instant Messenger OICQ von sich reden machte, ist nicht irgendein Nachahmer neuer Web-Trends aus dem Silicon Valley, sondern die eigentliche Essenz des chinesischen Internets in einem Unternehmen. Tatsächlich besitzt Tencent mit WeChat (über eine Milliarde Nutzer) den meistverwendeten Messenger Asiens, mit Wallet das in China am meisten verbreitete mobile Bezahlsystem und verfügt über einige der erfolgreichsten Gaming-Angebote der Welt.

Warum sich die Aktie des Anbieters der beliebten Messenger-App 2017 mehr als verdoppelt hat, unterstrichen immer wieder die Geschäftsbilanzen. Im jüngsten Quartal konnte Tencent seine Umsätze um 48 Prozent und die Gewinne sogar um beachtliche 59 Prozent steigern.

Angetrieben durch die Kursgewinne der vergangenen Jahre, konnte sich Tencent im vergangenen Jahr nicht nur zum wertvollsten Konzern Asiens aufschwingen – Ende 2017 folgte sogar erstmals der symbolische Einzug in die Top Fünf, als der WeChat-Mutterkonzern Facebook kurzfristig überholte.

2018: Netflix wird wertvollster Medienkonzern der Welt

Es hat sich lange angedeutet: Netflix würde die Medienbranche nachhaltig verändern. Für ein Jahrhundert bestimmten die großen Produktionsstudios, MGM, Warner Bros, 21st Century Fox, Columbia oder Paramount Pictures die hohe Kunst des Kinos. Disney durfte sich jahrzehntelang als König von Hollywood fühlen.

Im zweiten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends ist die alte Hollywood-Ordnung indes ins Wanken gekommen. In Überschallgeschwindigkeit näherte sich in den vergangenen Jahren ein US-Internetunternehmen, das vor zwanzig Jahren als DVD-Versender begann und vor gerade einmal fünf Jahren mit „House of Cards“ mit eigenen Inhalteproduktionen begann – Netflix.

Der Rest ist moderne Internet- und Mediengeschichte: Binnen gerade einmal einem halben Jahrzehnt hat Netflix an der Wall Street das alte Hollywood überflügelt – inklusive Disney. Das von Walt Disney 1923 gegründete Filmimperium war über Jahrzehnte der wertvollste Medienkonzern der Welt, verpasste aber den Einstieg ins Streaming-Zeitalter.

Die Quittung kam im Mai: Mit einem Börsenwert von inzwischen 165 Milliarden Dollar überflügelte Netflix, das zum Start seiner Eigenproduktionen (Original Content) von Time Warner-Chef Bewkes  noch als „albanische Armee“ verhöhnt wurde, den langjährigen Platzhirschen Disney. Der Paradigmenwechsel zwischen alten und neuen Medien ist damit auch an der Wall Street vollzogen worden.

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