Anzeige

„Fälschlicherweise“ dem rechten Spektrum zugeordnet: Alice Schwarzers giftige Replik auf einen Übermedien-Artikel

Alice Schwarzer hat sich über eine Artikel bei Übermedien geärgert

Die Feministin Alice Schwarzer wehrt sich in einem Artikel bei Emma.de gegen eine Veröffentlichung des Medienmagazins Übermedien mit der Überschrift „Emma und der Beifall von rechts“. In dem Übermedien-Stück wird eine Untersuchung des Datenanalysten Luca Hammer vorgestellt, die sich vor allem mit den Followern des Emma-Twitter-Accounts befasst. Auf dieser Basis kommt der Text zum Schluss, dass Emma rechten Strömen „in die Hände spielt“. Schwarzer weist dies von sich.

Anzeige

In der Tat ist der Erkenntniswert der bei Übermedien breit dargelegten Untersuchung ganz grundsätzlich fragwürdig. Und zwar u.a. deshalb, da hier versucht wird, allein aufgrund von Twitter-Verhalten Rückschlüsse auf Gesinnungen und inhaltliche Überzeugungen zu ziehen. Mit Hilfe eines Algorithmus wird festgehalten, wie viele Twitter-Accounts, die @EMMA_Magazin folgen, aus dem „Umfeld rechter Accounts stammen“. Nur: Was genau ist das „Umfeld rechter Accounts“? Was sind überhaupt „rechte Accounts“ und wer legt dies nach welchen Kriterien fest? Schwarzer moniert in ihrer Replik „Die rassistische Emma„, dass beispielsweise auch die Twitter-Accounts der deutsch-türkischen Anwältin  Seyran Ates und des deutsch-israelischen Psychologen Ahmad Mansour in der Untersuchung zum „rechten Umfeld“ gezählt wurden. Ates ist eine Gegnerin des Kopftuchs, Mansour ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen eine Gewaltkultur, der radikalen Strömungen des Islams sehr kritisch gegenübersteht. Beide als einem „rechten Spektrum“ zugehörig zu bezeichnen, ist gewiss daneben.

Nachdem Schwarzer dies angemerkt hatte, wurde der Text bei Übermedien um den Hinweis ergänzt, dass die beiden vom Algorithmus „fälschlicherweise“ dem rechten Spektrum zugeordnet wurden:

In den Netzwerkvisualisierungen von Luca Hammer wird ein Account umso größer dargestellt, je mehr eingehende Verbindungen er hat. Accounts mit vielen gemeinsamen Verbindungen stehen näher beisammen. Mithilfe des Modularity-Algorithmus kann Hammer zusammengehörige Subnetzwerke identifizieren. Die entsprechende Färbung erfolgt zufällig über den Algorithmus.

Dies erklärt auch, warum Accounts wie der der Frauenrechtlerin Seyran Ateş oder des Islamismus-Experten Ahmad Mansour fälschlicherweise im rechten Spektrum eingeordnet wurden. Die kritische Haltung Seyran Ateş’ zum Kopftuch passt in Teilen zur Agenda der Rechten. Folgen ihr viele rechte Accounts, wird ihr eigener Account vom Algorithmus ebenfalls der rechten Blase zugeordnet.

Allein diese beiden Absätze machen deutlich, wie problematisch es ist, inhaltliche Aussagen aufgrund des Twitter-Verhaltens zu treffen. Zumal hier keine Inhaltsanalyse stattfand, sondern ein pures Auswerten von Follower-Zahlen, Retweets und Likes. Und selbst nach dieser Auswertung waren lediglich zehn bis 15 Prozent der Emma-Follower dem angeblichen rechten Spektrum zuzuordnen, wie Alice Schwarzer triumphierend festhält:

Die Geschichte wurde zum Bumerang. Denn sie beweist genau das Gegenteil. Nur 10 bis 15 Prozent (Ja, was denn nun: 10 oder 15?) aller Follower kommen laut dieser Studie aus dem sogenannten „rechten Spektrum“ – 85 bis 90 Prozent hingegen sind Feministinnen, Linke, PolitikerInnen, WortführerInnen und internationale Organisationen. EMMA dankt. Das ist mal eine ermutigende Feststellung.

Schwarzer kann sich bei aller berechtigten Kritik an der Auswertungen ein paar Seitenhiebe nicht verkneifen. So bezeichnet sie Übermedien als „linke Netzzeitschrift“ und den Übermedien-Macher Stefan Niggemeier als „(selbst)gerecht“. Aber immerhin ist Alice Schwarzers Text als Meinungs-Äußerung erkennbar und kommt nicht im Gewand einer statistischen Daten-Auswertung mit vielen bunten Cluster-Wolken daher, die eine Objektivität vorgaukeln, wo keine ist.

Anzeige