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Kampf gegen Fake-News und Bots: Twitter löscht eine Million Konten am Tag

Twitter-CEO Jack Dorsey

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist in den vergangenen zwei Monaten massiv gegen Fake-Accounts und Bots vorgegangen. Laut der Washington Post hat das Unternehmen im Mai und Juni täglich eine Million Nutzerkonten gesperrt. Ziel der Maßnahmen ist es Falschnachrichten und Hassrede zu reduzieren. US-Präsident Trump wünscht sich derweil zwei weitere Konten auf der Lösch-Liste.

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Seitdem bekannt ist, dass russische Trolle und Bots die Präsidentschaftswahlen von Donald Trump beeinflusst haben könnten, ist über die Verantwortung der Online-Dienste immer wieder debattiert worden. Neben Facebook stand vor allem Twitter im Visier der Kritiker, weil das Netzwerk zu wenig gegen Beleidigungen, Desinformation und Hass getan hat.

Das Unternehmen reagiert nun mit zahlreichen Profillöschungen. Allein in den vergangenen zwei Monaten habe Twitter 70 Millionen auffällige Konten gesperrt, berichtete die Washington Post am Freitag. Die Maßnahme deutet auf einen Wechsel in der Unternehmskultur hin: Sicherheit steht nun vor der unregulierten, freien Meinungsäußerung. „Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist nicht viel wert, wenn die Menschen sich nicht sicher fühlen“, zitiert die Post etwa Twitters Vize-Chef für Sicherheit, Del Harvey.

In einem Blogpost erklärt Twitter unter anderem, wie es Fake-Accounts und Bots erkennen will. Ein Algorithmus durchsucht das Netzwerk zunächst nach ungewöhnlichen Aktivitäten von Konten. Twitter fordert die Nutzer dann auf, sich mit einer Telefonnummer zu verifizieren. Geschieht dies nicht, wird der Account gesperrt.

Dank der offensiveren Herangehensweise hat Twitter nach eigenen Angaben 214 Prozent mehr Accounts als Spam markiert als im Vorjahr. Zugleich sind die Meldungen der Nutzer gesunken: von 25.000 am Tag im März auf 17.000 am Tag im Mai. Die User scheinen also weniger mit dubiosen Inhalten in Berührung zu kommen.

Dass sich die Maßnahmen auf die Zahl aktiver Nutzer bei Twitter auswirken, ist nicht ganz auszuschließen. Im ersten Quartal des Jahres haben 336 Millionen Nutzer den Kurzbotschaftendienst genutzt.

Kuriose Nebenwirkungen

Der Algorithmus von Twitter scheint jedoch nicht immer den richtigen Riecher zu haben, was Fake-Accounts betrifft. Betroffen war etwa die netzpolitische Seite Netzpolitik.org. Schon im Mai, als die Sperrungen begannen, musste sich das Portal auf Twitter neu verifizieren, weil der Account zu jung sei und mit einem Bot arbeitet.

Für den prominentesten Twitter-Nutzer, US-Präsident Donald Trump, gehen die Sperrungen derweil nicht weit genug. Er forderte am Wochenende auch seriöse Medien wegen ihrer „Falschmeldungen“ zu entfernen. „Twitter geht in Rekordgeschwindigkeit gegen Fake-Accounts vor“, schrieb er in einem Tweet und fragte, ob auch die New York Times und die Washington Post von den Sperrungen betroffen sein werden.

(rt)

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