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Heftbeilage mit Vermarktungsproblem: Erscheint der Literatur Spiegel ab 2019 nur noch quartalsweise?

Beilage Literatur Spiegel, Chefredakteur Klaus Brinkbäumer: Nachfolger des eingestellten Kultur Spiegel steht intern auf dem Prüfstand
Beilage Literatur Spiegel, Chefredakteur Klaus Brinkbäumer: Nachfolger des eingestellten Kultur Spiegel steht intern auf dem Prüfstand

Für Chefredakteur Klaus Brinkbäumer ist es ein Herzensprojekt: der Literatur Spiegel. Doch nach MEEDIA-Informationen erwägt der Verlag, die Erscheinungsfrequenz der Beilage zu verringern. Grund hierfür sind offenbar Probleme im Vermarktungsgeschäft. Die Anzeigenklientel scheint immer weniger bereit, in Print zu investieren – und dies, obwohl der Spiegel als Trägermedium ein Auflagengarant ist.

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Vor knapp drei Jahren stellte der Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer den Kultur Spiegel ein. Ersetzt wurde das Supplement im September 2015 durch eine Beilage, in der sich seither Buch-Besprechungen und Essays zum Literaturbetrieb finden. „Der ,Literatur Spiegel‘ ist Teil unseres Vorhabens, unser Kulturangebot deutlich zu stärken“, begründete Brinkbäumer damals die Umstellung. Neun Mal im Jahr liegt der Literatur Spiegel (Verlags-Claim: “Deutschlands größter Literatur- und Kulturtitel”) dem Hauptheft bei. In diesem Jahr sind neun Magazine im Programm, der durschschnittliche Preis für die Anzeigen-Einzelseite liegt bei 32.578 Euro.

Doch das könnte sich bald ändern. Das Medienhaus überlegt nach MEEDIA-Informationen, die Heftfrequenz zu senken. Im Gespräch ist, die Zeitschrift quartalsweise erscheinen zu lassen. Grund für die Überlegungen sind angeblich Probleme im Vermarktungsgeschäft, heißt es in unternehmensinternen Kreisen. Denn die Anzeigenkunden – vor allem Buchverlage – sind immer weniger daran interessiert, Print-Anzeigen zu schalten. Und dies, obwohl der Spiegel als Trägermedium mit einer verkauften Auflage von mehr als 600.000 Exemplaren ein Garant für eine sichere Verbreitung ist. Doch das Werbegeschäft der Buchverlage hat sich mit der wachsenden Nachfrage nach eBooks gewandelt.

So versuchen die Unternehmen, ihre Leser mehr mit Anzeigen im Netz zu erreichen. Zudem ist das Segment für Literatur-Anzeigen hart umkämpft. So buhlen auch Konkurrenten wie Süddeutsche Zeitung und das Frankfurter Allgemeine Zeitung mit ihren Magazinen um Anzeigenkunden. Dies erhöht deutlich den Rabatt-Druck. Das Argument der Spiegel-Vermarkter (“Im Literatur Spiegel wird Ihre Botschaft in einer Lean Back-Situation aufgenommen”) sowie die Premium-Zielgruppe überzeugen wohl nicht mehr so viele Kunden wie einst.

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Über eine veränderte Erscheinungsfrequenz des Literatur Spiegel will der Verlag dem Vernehmen aber nach erst zum Jahresende entscheiden. Denn in welchem Maße die Heftfrequenz verringert werden könnte, hängt wohl davon ab, wie sich die Vermarktung des Supplements in den nächsten Monaten entwickelt. Befragt, ob die Erscheinungsweise des Literatur Spiegel abgesenkt wird, erklärt ein Sprecher des Spiegel-Verlags: „Es gibt Überlegungen, die Erscheinungsfrequenz des Literatur Spiegels zu verändern. Eine Entscheidung ist dazu aber noch nicht getroffen worden“. Hausinterne Gerüchte, wonach das Unternehmen mit dem Literatur Spiegel einen Euro-Betrag in hoher sechsstelliger Höhe verliert, weist ein Firmensprecher energisch zurück: „Die Angaben zur Geschäftsentwicklung entsprechen nicht den Tatsachen. Darüber hinaus spielt für die Beurteilung eines Supplements neben den Anzeigenerlösen auch der Beitrag des Titels zur Leser-Blattbindung eine wesentliche Rolle“.

Für den Spiegel-Verlag sind die Anzeigenerlöse in den Supplements eine wichtige Einnahmequelle, um das erodierende Vermarktungsgeschäft abzufedern. Daher hat das Medienunternehmen im September vergangenen Jahres das S-Magazin in den Markt gedrückt. Es ist eine Art gedruckte Luxus-Fibel für Kunst, Mode, Design, Architektur, Beauty oder Reise, um Anzeigen von Nobelmarken abzuschöpfen. Einige Monate später kam eine Gesundheits-Beilage namens “wohl” hinzu, um vor allem zahlungskräftige Anzeigenkunden aus der Pharma-Industrie zu erreichen. Die neuen Supplements sind für das Haus besonders wichtig. Denn das Anzeigengeschäft war im vergangenen Jahr eingebrochen. Laut dem Fachdienst Horizont verzeichnete der Verlag einen kräftigen Rückgang von 15 Prozent.

Damit wird es für Verlagschef Thomas Hass nicht leichter, sein Wachstumsziel aus seinem Programm Agenda 2018 zu erreichen. Der Geschäftsführer strebt an, bis Ende 2019 mit neuen Produkten rund 20 Millionen Euro mehr umsetzen. Laut Horizont standen aber bis Ende 2017 erst 5,4 Millionen Euro in den Büchern, bis Ende diesen Jahres sollen es neun Millionen Euro sein. Dazu sollen insbesondere das neue Digitalbezahlmodell Spiegel Plus und die Beilagen S-Magazin und wohl beitragen. Dennoch ist Hass weiter zuversichtlich, mit neuen Digitalprojekten sein anvisiertes Expansionsziel zu erreichen. Und dies, obwohl er mit diversen Innovationsprojekten bislang zumeist gescheitert ist. So wurden das Best-Ager-Magazin Spiegel Classic, Spiegel Fernsehen sowie die Online-Zeitung Spiegel Daily zum Flop.

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Alle Kommentare

  1. quote
    Damit wird es für Verlagschef Thomas Hass nicht leichter, sein Wachstumsziel aus seinem Programm Agenda 2018 zu erreichen. Der Geschäftsführer strebt an, bis Ende 2019 mit neuen Produkten rund 20 Millionen Euro mehr umsetzen. Laut Horizont standen aber bis Ende 2017 erst 5,4 Millionen Euro in den Büchern, bis Ende diesen Jahres sollen es neun Millionen Euro sein.
    unquote

    Sehr amüsant hier, beste Unterhaltung hier bei Meedia.

    1. Nun die Agenda 2018 wird wohl der grösste Erfolg des Spiegels, also in etwa so wie sich die Agenda 2010 als der grösste Erfolg der SPD erwiesen hat.

      Aber auch schön finde ich: “obwohl der Spiegel als Trägermedium mit einer verkauften Auflage von mehr als 600.000 Exemplaren ein Garant für eine sichere Verbreitung ist” – Eine seit Jahren, man kann schon fast Jahrzehnten sagen, beharrlich sinkende Auflage soll also “ein Garant für eine sichere Verbreitung” sein.

      Ist meedia jetzt auch ein Satire Magazin? Versucht man da neue Märkte bei titanic Lesern zu erschliessen?

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