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Von “Ich möchte keine Frau als Fussballkommentatorin” bis “Finale mit ihr wäre super”: die Twitter-Diskussion um Claudia Neumann

Claudia Neumann, ZDF-Reporterin bei der Fußball-WM in Russland, Copyright: ZDF/Rico Rossival
Claudia Neumann, ZDF-Reporterin bei der Fußball-WM in Russland, Copyright: ZDF/Rico Rossival

ZDF-Reporterin Claudia Neumann musste für Ihre Kommentierung dreier WM-Partien teils harsche Kritik, teils sexistische Beleidigungen in den sozialen Netzwerken einstecken. Anfang der Woche avancierte die Diskussion um Ihre Person förmlich zu einer Art TV-Staatsaffäre. Der ZDF-Sportchef und prominente Kollegen solidarisierten sich mit Neumann. Und auch beim Donnerstags-Spiel Dänemark gegen Australien gab es neben der immer noch vorhandenen Kritik eine Welle des Zuspruchs.

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Auch wenn Twitter nur ein virtueller Raum ist, waren beim WM-Spiel zwischen Dänemark und Australien die auf die Kommentatorin Claudia Neumann gerichteten Blicke förmlich greifbar. Schon vor Anpfiff gab es die fast schon gewohnten Forderungen nach einer Tonoption ohne Kommentar und die Fragen, warum denn schon wieder Claudia Neumann kommentieren müsse.

Gleichzeitig gab es aber auch Fürsprecher und Fürsprecherinnen, die, so machte es den Anschein, nach der Diskussion zum Wochenanfang ein Zeichen der Solidarität setzen wollten. Beispielsweise die Grünen-Politikerin Ulle Schauws.

Viele Neumann-kritische Kommentare betonten, dass Fehler, die Claudia Neumann mache, auch von männlichen Kommentatoren begangen würden. Oder es wurde der Zusatz angefügt, dass sie nicht schlechter oder sogar besser kommentiere, als mancher männlicher Kommentator, um dem Vorwurf des Sexismus entgegenzuwirken.

Punkt 14 Uhr pfiff der Schiedsrichter die Partie an, Claudia Neumann kommentierte das Geschehen auf dem Platz. Und schnell machte es auf Twitter den Anschein, dass einige Nutzer nur auf Fehler Neumanns warteten, gerade was Versprecher von Namen anging. Daneben gab es erneut Kommentare, die sich gegen das Geschlecht der 54-Jährigen richteten. Jedes Wort, jede Redewendung wurde von manchem Twitter-Nutzer auf die Goldwaage gelegt.

Doch bei diesem Spiel war etwas anders. Es schien, als hätten sich auch die Fürsprecher von Claudia Neumann neu formiert und eine “Jetzt erst recht”-Haltung entwickelt. So hoben einige Nutzer explizit hervor, dass Claudia Neumann einen guten Job mache oder verurteilten, wie etwa der ehemalige Sky-Reporter Rolf Fuhrmann, die harsche Neumann-Kritik.

Nach rund 40 Spielminuten gibt es Handelfmeter für Australien und damit die Chance, die frühe Führung Dänemarks auszugleichen. Claudia Neumann unterstellt Übeltäter Yussuf Poulsen keine Absicht bei seinem Handspiel, hält die Entscheidung aber für richtig. Einige Twitter-Nutzer reagieren entsetzt. Ob sie sich über eine solche Einschätzung eines männlichen Kommentators ebenso echauffiert hätten, kann nur spekuliert werden.

Die Ohren gespitzt hatte auch mancher Twitter-Nutzer kurz vor der Halbzeit, als Claudia Neumann den dänischen Torwart Kasper Schmeichel ihrem Vernehmen nach “Kasper Speichel” aussprach – Für den Ottonormal-Zuschauer kaum hörbar.

Doch bei aller immer noch vorhandenen Kritik, Haarspalterei und Frauenfeindlichkeit hat sich etwas geändert in der Twitter-Gemeinde. Das Medienecho am vergangenen Montag, sowie die Einmischungen zugunsten von Claudia Neumann durch ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann oder Reporter-Legende Marcel Reif haben eine Aufbruchstimmung der Solidarität erzeugt, so scheint es. Mancher Nutzer forderte, Neumann solle aus Protest jedes Deutschland-Spiel oder zumindest jenes gegen Südkorea kommentieren. Für letzteren Vorschlag existiert sogar eine Petition. Darüber hinaus wurden grundsätzliche Fragen angestoßen, wie etwa die nach der vermeintlich “letzten Männerdomäne Fußball”. Und diese Aufbruchstimmung hat offenbar auch ein paar Twitter-Nutzer zum Nachdenken und sich selbst hinterfragen veranlasst.

Am kommenden Montag kommentiert Claudia Neumann ihr fünftes WM-Spiel. Sicherlich erneut unter strenger Beobachtung der Social-Media-Nutzer und begleitet von Sexismus, teils harscher, teils vertretbarer Kritik. Aber eben auch von Zuspruch und Ermunterung.

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