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Nach Integration in Firefox: Wie Pocket zum relevanten Traffic-Kanal für News-Plattformen wird

Im Februar 2017 hat Mozilla die App Pocket übernommen; die Integration in den Firefox-Browser sorgt für einen Traffic-Boost
Im Februar 2017 hat Mozilla die App Pocket übernommen; die Integration in den Firefox-Browser sorgt für einen Traffic-Boost

Angesichts sinkender Reichweiten bei Facebook und der Abhängigkeit gegenüber weniger großer Plattformen, versuchen Redaktionen ihre Distribution breiter aufzustellen. Dabei fallen immer wieder Traffic-Quellen auf, die zuvor keine Rolle gespielt haben – wie Pocket, über den einige Publisher vereinzelt Traffic-Peaks verzeichnen, andere den Aggregatoren aber bereits fest im Blick haben. MEEDIA erklärt, was dahinter steckt.

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Es gibt Tage in Redaktionen, da trauen CvDs, Seitenmacher und Audience-Delevoper beim Blick auf Analytics- oder Chartbeat-Zahlen ihren eigenen Augen nicht; aus irgendwelchen Ecken des Internet strömen dann Hunderte gar Tausende Nutzer auf die Seite beziehungsweise in einen Artikel, der am Ende des Tages dannzu den meist geklickten zählt. Die Quellen sind die unterschiedlichsten und oft – beispielsweise wenn es eine einflussreiche Persönlichkeit im Social Web geteilt hat – sind es einmalige Effekte. Doch tun sich zwischendurch auch Distributoren auf, bei denen sich ein tiefgehender Blick lohnen kann. Sie heißen dann Xing, Upday, Apple News, Flipboard – oder Pocket.

Der Aggregator sticht aktuell immer mal wieder aus den Zahlen hervor und sorgt in manchen Redaktionen für vereinzelte Traffic-Peaks (so auch bei MEEDIA). In anderen wiederum ist er bereits zum relevanten Vertriebskanal geworden. “Prozentual ist der Anteil zwar nur niedrig einstellig – das waren im Fall von Spiegel Online aber immerhin rund drei Millionen Visits im Monat Mai”, erklärt beispielsweise Torsten Beeck, Head of Platform Partnerships & Engagement, gegenüber MEEDIA. Auch andere Redaktionen beurteilen den Refferal-Traffic via Pocket mit ähnlichen Werten als nennenswert. Vereinzelt steht der Dienst im Refferal-Segment in den Top-5-Distributoren und damit teils vor dem Samsung-Aggregator Upday.

Dass der bereits 2007 als “Read it Later” gestartete Dienst mehr als zehn Jahre an Wahrnehmung gewinnt, liegt vor allem am Browser-Entwickler Firefox. Bereits 2015 unternahm er erste Versuche, Pocket in sein Angebot zu integrieren, im Februar 2017 hat Mozilla, das hinter Firefox steht, den Aggregatoren vollständig übernommen und komplett integriert. Seitdem bekommen die weltweit 50 Millionen Nutzer auf der Browser-Startseite über Pocket verbreitete Inhalte angezeigt.

Eingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten zur Reichweitensteigerung

Die Idee hinter Pocket basiert auf Empfehlungen. Hinter dem Dienst stehen allerdings kein vollautomatisierter Algorithmus oder Mitarbeiter, die journalistische Artikel auswerten empfehlen. Pocket folgt dem Crowdsourcing-Prinzip, wonach die Relevanz anhand der Lesermasse bestimmt wird. Dabei misst der Aggregator aber nicht die Reichweite, sondern schaut sich an, wie oft ein Text von Nutzern abgespeichert wird, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu lesen. Daraufhin werden auch Leserdauer und weitere Interaktionen beachtet. Innerhalb seiner App bietet Pocket auch die Möglichkeit, Personen oder anderen Influencern zu folgen und sich persönliche Empfehlungen abzuholen.

Auch wenn die Reichweite via Pocket bei stern.de noch “überschaubar” sei, wie Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier gegenüber MEEDIA erklärt, befasse sich die Redaktion bereits seit Monaten mit der neuen Traffic-Quelle. “Eine Logik und Priorisierung nach Themen, Formaten oder Marken (stern, Neon, Geo) können wir aber noch nicht ableiten”, sagt sie. Beeck bestätigt: “Die Steuerungsmöglichkeiten für Pocket sind relativ eingeschränkt, sodass wir bisher keine gezielten Maßnahmen zur Traffic-Steigerung nutzen. Wir setzen insbesondere auf unsere relevanten Nachrichteninhalte, die von den Nutzern aktiv geteilt beziehungsweise bei Pocket gespeichert werden.“

“Weniger News, mehr Reportagen”

Pocket ist ein interessantes Experiment, bei dem nicht News, sondern Reportagen im Vordergrund stehen”, sagt Valentin Pletzer, SEO-Chef Focus Online, wo der Dienst nicht ins Gewicht falle und spielt neben „Traffic-Bringern“ wie Google und Facebook “keine nennenswerte Rolle” spiele. Andere Publisher teilen die Einschätzung, wonach Longform, Nutzwert und Analyse besser funktionierten. “Wie man gerne sein möchte”, wie jemand kommentiert jemand die Ausrichtung.

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Auch wenn sich der Einfluss auf den Aggregator zumindest nicht direkt steuern lässt, ist Pocket für Redaktionen ein aussichtsreicher Traffic-Bringer, vor allem um Nutzer durch weniger klickgetriebene, sondern nachhaltige Recherchen und Geschichten an sich zu binden. Damit ist der Refferer auch berechenbarer als andere, aufkommende Traffic-Kanäle wie Apple News, das für News-Portale eine “Black Box ist” (MEEDIA hatte berichtet).

Firefox will mit Facebooks Newsfeed konkurrieren

Auch wenn die Pocket-Macher in mit ihrem Publisher-Programm, bei dem sie Inhalte-Anbieter verifizieren, derzeit an ihre Grenzen stoßen, wie sie selbst sagen, ist zumindest absehbar wohin die Reise bei Mozilla/Pocket gehen soll. So ist das Tool für den Browser ein wesentlicher Bestandteil, um eine Konkurrenz zu Facebooks Newsfeed aufzubauen. Dabei will sich das Angebot durch die Zusammensetzung der Inhalte und Datenerhebung unterscheiden. “Es gibt Möglichkeiten, diese Dinge (Anm. d. Red.: Newsfeed) zu bauen, ohne dein Lebensprofil dafür verkaufen zu müssen”, warb CEO und Gründer Nate Weiner kürzlich bei The Verge, das den Einfluss von Pocket auf den Traffic ebenfalls untersuchte.

“Was wir mit der Discovery-Plattform aufbauen wollen, ist etwas, bei dem Nutzer, Publisher und Plattformen den Wert selbst ausrichten”, so Weiner weiter. “Verlage sind sehr auf Facebook angewiesen, aber diese Interessen sind nicht gut aufeinander abgestimmt. Und was für Facebook gut ist, mag für Publisher nicht gut sein. Und wir wollen etwas schaffen, das für alle beteiligten Parteien gut ist. Und es wird eine Weile dauern.”

Für Anbieter der Inhalte ist dabei nicht nur die Sichtbarkeit ihrer Inhalte von Bedeutung, sondern auch die potentielle Monetarisierung. Diese sind für Pletzer noch nicht in Sicht. “Wenn Nutzer nicht direkt auf die Webseite des entsprechenden Portals geschickt werden und ausschließlich den Lesemodus benutzen, bleibt für Medienhäuser kein signifikanter Mehrwert übrig”, sagt er.

Unterdessen arbeitet Pocket und Firefox an der Vermarktung ihres Feeds und hat kürzlich damit begonnen, “gesponserte Inhalte” ins Umfeld zu schalten. Diese sollen genauso personalisiert ausgespielt werden können, wie die Inhalte an sich. Das Monetarisierungsmodell von Pocket als eigenständiges Produkt wiederum beruht zudem auf Paid Content. Für eine Premium-Variante seines Dienstes verlangt der Aggregator Geld, blendet für monatlich 4,50 Euro Werbung aus.

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