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Fußball-Stammtisch statt Regierungskrise: “Hart aber fair” wegen eigenwilliger Themenwahl in der Kritik

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Der Seehofer-Merkel-Showdown stellt die Regierung vor ihre größte Zerreißprobe, seitdem die Kanzlerin an der Macht ist. Gibt es also ein wichtigeres Thema, über das “Hart aber fair” an diesem Montag sprechen musste? Natürlich: die DFB-Elf und die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Redaktion hielt das wohl für eine gute Idee. Viele Zuschauer allerdings nicht. Es hagelte Kritik.

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Die politischen Talkshows haben es wirklich nicht leicht. Welches Thema sie auch immer wählen: Einer beschwert sich immer. So geschehen vor zwei Wochen, zu der Frage, ob Anne Will, Sandra Maischberger, Frank Plasberg & Co. nicht viel zu häufig über Migration, statt über andere Themen sprechen. Seit der Rückkehr von Angela Merkel vom G7-Gipfel in Kanada beherrscht der Streit mit Horst Seehofer über die Frage der Zurückweisung von mehrfach registrierten Asylbewerbern die politische und publizistische Agenda. Es ist das politische Thema der Stunde.

Empört frage deshalb bereits die Bild am Wochenende, warum sich gerade in dieser Situation Anne Will bereits in die Sommerpause verabschiedete. “Es ist die größte Regierungskrise in der Kanzlerschaft Angela Merkels. Die wichtigste Polit-Talkshow im öffentlich-­rechtlichen Fernsehen aber macht lieber Urlaub. Und zwar noch acht Wochen.”

Auf Bild-Anfrage antwortete der verantwortlichen NDR: “Wir beobachten die Lage sehr genau und würden, wenn die politische Situation es erfordert, der ARD natürlich eine Sonderausgabe von ,Anne Will‘ anbieten“.

Tatsächlich war am Sonntag noch nicht viel passiert. Es gab nur das Ultimatum der CSU. Tatsächlich hätte die Talkerin sogar sehr gerne ihre Ferien für eine aktuelle Sendung unterbrochen. Aber der NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz hatte sich offenbar dagegen ausgesprochen.

Am Montag hätte man die Regierungskrise ja immer noch bei “Hart, aber fair” debattieren können. Doch da hieß das Thema dann: “Der Ball rollt, noch ist alles drin: Viel Spaß mit der WM in Russland?” Statt über Horst Seehofer, Angela Merkel und den sogenannten Masterplan Migration, ging es um Mesut Özil, Jogi Löw und seinen scheiternden Masterplan Titelverteidigung. Auf der Gästebank saßen: Mario Basler, Ex-Nationalspielerin Célia Šašić, Marcel Reif, Christoph Daum. Die A-Liga der Kicker-TV-Fachleute muss ja von Baden-Baden aus wirklich die WM kommentieren und einordnen.

Das Ergebnis unterbot dann alle ohnehin schon niedrigen Erwartungen. Die Sendung hatte “Doppelpass”-Niveau: Plattitüden, Sprüche und Stammtischparolen. Beispiel: Mario Basler durfte die Mär verbreiten, dass er gegen Mexiko “ein Tor gemacht oder zwei vorbereitet” hätte.

Am Wochenende kritisierte die Bild noch die ARD für den Will-Verzicht. Die Plasberg-Sendung war dagegen offenbar so ganz nach dem Gusto der Boulevard-Redaktion. So heißt es in der heutigen Sendungskritik: “Kernschüsse, Blutgrätschen, Wortduelle und brillante Doppelpässe unter lauter Vollprofis, der einzige Amateur war der Talkmaster. Das war ein Talk der Kategorie `Abrechnung`.”

Im Social-Web mussten sich die Programmmacher allerdings einiges Anhören:

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Die Themen-Entscheidung war sicherlich auch nach Gesichtspunkten des Audience Flows gewählt. Immerhin lief den ganzen Abend schon WM im Ersten. So richtig stichhaltig ist dieses Argument jedoch nicht. Denn vor dem Start von “Hart, aber fair” liefen die “Tagesthemen” und dort ging es schließlich um welches Thema? Richtig! Den Streit zwischen Merkel und Seehofer.

Plasberg selbst hat die Sendung viel Spaß gemacht: “Ich genieße den Abend sehr.” Na dann.

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Alle Kommentare

  1. Staatsfunk ist eben real, wird eindeutig wenn man alle ör Polit-Talkshows betrachtet – keiner darf Merkel in Gefahr bringen.

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