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Elevator Pitch für einen Diktator: Donald Trumps hollywoodreifes Propagandavideo für Kim Jong-un

Nordkoreas Diktator wird im Propagandavideo als Held inszeniert, der nur gemeinsam mit Donald Trump sein Land modernisieren kann Foto: facebook.com/whitehouse (Screenshot)
Nordkoreas Diktator wird im Propagandavideo als Held inszeniert, der nur gemeinsam mit Donald Trump sein Land modernisieren kann Foto: facebook.com/whitehouse (Screenshot)

Beim historischen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un wurde der versammelten Presse ein Propagandavideo gezeigt, später lädt das Weiße Haus den Clip bei Facebook hoch. Trump und Kim werden in dem gut vier Minuten langen Film als Helden inszeniert. "Zwei Männer. Zwei Anführer. Ein Schicksal", heißt es. Die Reaktionen auf den Film sind extrem gespalten.

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Die Pressevertreter beim Gipfeltreffen in Singapur hielten das Video zunächst für einen Propagandafilm aus Pjöngjang, als zu Beginn der Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ein rund vierminütiger Film abgespielt wurde. Das berichtet Avi Selk, Reporter bei der Washington Post, über die ersten Reaktionen der Anwesenden. Als Trump die Bühne betrat, stellte er dann sofort klar: “Ich hoffe, Sie mochten das Video.” Er habe gedacht, dass es gut sei und auch interessant genug, um es der Öffentlichkeit zu zeigen. “Und ich denke, Kim Jong-un hat es geliebt.” Vor dem Termin hatte der US-Präsident das Video dem Diktator und weiteren Vertretern aus Nordkorea auf einem iPad vorgespielt. Mittlerweile hat das Weiße Haus den Film auf Facebook veröffentlicht, auch auf Twitter bewirbt Trump den Clip, der den Blockbuster-reifen Titel “A Story of Opportunity” trägt.

Gezeigt wird eine prosperierende westliche Welt, die sich durch wachsende Großstädte, Wohlstand und Fortschritt auszeichnet. Farbbilder zeigen Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder ein junges Mädchen im Roggenfeld während eines Sonnenuntergangs, die in Zeitlupe ihre Arme nach oben reckt. Im Gegensatz dazu der nordkoreanische Weg: Schwarz-Weiß-Momente, leerstehende Supermarktregale sind zu sehen, Soldaten, Szenen kriegerischer Auseinandersetzungen. Der Erzähler betont: “Die Vergangenheit muss nicht die Zukunft sein.”

Dem nordkoreanischen Diktator wird eine mögliche Vision für sein Land aufgezeigt, in der Südkorea und Nordkorea friedlich miteinander umgehen. Doch wie soll das gelingen nach jahrzehntelangem Stillstand und Isolationismus des nordkoreanischen Regimes? Fortan werden Kim Jong-un und Donald Trump als Helden inszeniert, die den Friedensprozess samt Denuklearisierung nur gemeinsam vorantreiben können. Im Film heißt es pathetisch: “Zwei Männer. Zwei Anführer. Ein Schicksal.”

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Kim müsse sich entscheiden, in welche Richtung sich sein Land entwickeln soll. Möchte er Freundschaft, Respekt und Wohlwollen – oder weiter Isolation und Armut. Dazu pompöse, mit orchestraler Musik unterlegte Bilder, unter anderem wird ein Basketballspieler gezeigt, der sinnbildlich für den großen Deal den Ball im Korb versenkt. Eine offensichtliche Schmeichelei des Weißen Hauses, denn Kim Jong-un gilt als großer Basketball-Fan. Zum Ende des Films wird gefragt: “Ein Moment, eine Wahl – was wäre wenn?” Der Erzähler betont im Finale, dass Geschichte nur von den beiden Staatsführern neu geschrieben werden kann. Die Frage “Was wäre wenn?” wird mehrfach suggestiv wiederholt.

Rund zwölf Stunden nach Veröffentlichung haben bereits 2,9 Millionen Facebook-Nutzer den Film aufgerufen. Über 10.000 Kommentare sind unter dem Video zu finden, die teils völliges Unverständnis zum Ausdruck bringen oder das genaue Gegenteil: Lob für Trump, der ein mächtiges Video produziert habe. Auch Journalisten wie Andrew Beatty, AFP-Korrespondent im Weißen Haus, zeigen sich ob des offensichtlichen propagandistischen Films irritiert. Zu dessen Beginn heißt es, “A Destiny Pictures Production”. Eine Firma mit diesem Namen sitzt tatsächlich in Los Angeles, streitet aber laut Washington Post jegliche Beteiligung an daran ab. Möglich, dass “Destiny Pictures” hier als Fantasiename die schicksalhafte Dimension in den Augen der Macher aus dem Weißen Haus betonen soll.

Donald Trump brachte die Intention des Videos auf der Pressekonferenz selbst auf den Punkt: “Es war ein elevator pitch.” Der selbst ernannte Dealmaker scheint Weltpolitik genauso zu verstehen, wie er früher seine Geschäfte gemacht hat. Er bewirbt Ideen und Visionen und glaubt, dass dies auch für einen US-Präsidenten am besten mit den Mitteln eines Unternehmers funktioniert. In diesem Fall möchte Trump unter anderem mit Schmeichelei ein diktatorisches Regime, das wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte in der Kritik steht, auf den westlichen, kapitalistischen Weg führen.

Dass das Video trotz direkter Ansprache an Kim nicht ausschließlich für ihn bestimmt ist, offenbart die nachträgliche Veröffentlichung des Weißen Hauses. Denn Trump wirkt auch rund anderthalb Jahre nach seiner Inauguration noch immer bzw. schon wieder im Wahlkampfmodus. Und mit Propagandavideos kennt Trump sich aus. Kurz vor der US-Wahl hat sein Wahlkampfteam, das damals von Stephen Bannon geleitet wurde, ein rund fünfminütiges Video auf diversen Kanälen veröffentlicht, das eine Trump-Rede mit suggestiven Bildern und martialischer Orchestermusik unterlegte.

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