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Nach kritischem Bericht: “Zapp”-Autor wirft ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky Boykott vor

Axel Balkausky (l.) und Daniel Bouhs
Axel Balkausky (l.) und Daniel Bouhs

Die Medienmagazine der ARD zeichnen sich durch kritischen Umgang auch mit dem eigenen Haus aus. Deren Protagonisten nehmen es zumeist sportlich, auch wenn ihnen die Spitzen nicht immer gefallen. Bis jetzt. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky soll wegen der Teilnahme des Medienjournalisten und "Zapp"-Autoren Daniel Bouhs eine Sendung boykottiert haben – was Balkausky indes bestreitet.

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Im “Medienmagazin” von Radioeins ging es an diesem Wochenende um die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland und den Umgang der berichterstattenden Medien. Dabei konzentrierte sich “Medienmagazin”-Macher Jörg Wagner mit seinen Gästen vor allem auf die Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Anstalten, setzte sich dabei vor allem mit der Frage auseinander, mit welchen Experten die Fernsehsender in diesem Jahr in Russland auflaufen werden, ob und inwiefern Sportübertragungen und ihr Programmumfeld unterhaltend oder journalistisch sind.

In den vergangenen Wochen hatte es bereits einige Berichte über umstrittene Nebentätigkeiten von Moderatoren und Side-Kicks gegeben, die eine Debatte ausgelöst hatten. Als Berichterstatter vorne mit dabei: Der freie und oft von der ARD beauftragte Journalist Daniel Bouhs, der als Sendungsgast geladen war. Bouhs hatte unter anderem über den ARD-Journalisten René Kindermann berichtet, der sich gleichzeitig als Veranstalter eines Langlauf-Weltcubs engagierte. ARD-Sportkoordinator Balkausky musste sich anschließend erklären, von den bisherigen Praktiken distanzieren und strengere Regeln ankündigen. “Solche Vermischungen wird es in Zukunft nicht mehr geben”, hatte er gegenüber “Zapp” gesagt. Bouhs’ Mission war erfüllt – möglicherweise mit Folgen.

Denn Balkausky scheint Bouhs nun weitgehend zu ignorieren. Wie der freie Journalist im “Medienmagazin” berichtete, habe Balkausky auf weitere Anfragen nicht mehr reagiert. Bouhs Vermutung: “Er boykottiert mich, seit ich im Dezember kritisch über einige seiner Moderatoren berichtet habe.”

Dass Protagonisten Journalisten vor allem nach kritischer Berichterstattung aus dem Weg gehen, Gespräche verweigern, ist nicht unüblich. Auch wenn die Journalisten im Auftrag der eigenen Häuser unterwegs sind. Ungewöhnlich hingegen scheint das Ausmaß, in dem Balkausky agiert. Er sagte nämlich nicht nur Bouhs ab, sondern auch dem Medienmagazin, dessen Macher Jörg Wagner gesondert nach einem Interview gefragt hatte. Wagner erklärte, Balkausky habe terminliche Gründe genannt, wolle aber auch in keiner Sendung auftreten, in der Bouhs seine Sichtweise auf den ARD Sport ausbreite.

Diese Erklärung stößt vor allem auf Kritik. “‪Ich bedaure diese Entwicklung. Zumal der ARD-Sportkoordinator damit nicht nur mich angreift, sondern auch Redaktionen, für die ich tätig bin, quasi in Sippenhaft nimmt.”, erklärte Bouhs bei Facebook.

Auch weitere Journalisten sprangen ihm zur Seite. Investigativ-Reporter und BuzzFeed-Chefredakteur Daniel Drepper bezeichnete das Verhalten des Sportkoordinators als “arm” und “medienfeindlich”. In den sozialen Netzwerken fragen sich Nutzer, was für ein Medienverständnis der Senderverantwortliche habe und ob die ARD dies so hinnehmen wolle.

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Auf Anfrage von MEEDIA dementierte Balkausky die Darstellung des Medienmagazins, was er am Sonntag bereits gegenüber dem Tagesspiegel ausführlich getan hatte: “Die Darstellung von Herrn Wagner verzerrt die Realität.” Die Absage habe nichts mit seinem Verhältnis zu Daniel Bouhs zu tun gehabt. “Ich habe die Interviewanfrage des RBB, die kurzfristig am vergangenen Donnerstagabend an mich heran getragen wurde, aus zeitlichen Gründen absagen müssen, da ich Freitag und Samstag terminlich sehr stark eingebunden war. Tatsächlich habe ich aber am Freitagmorgen WDR 5 ein Interview zu genau der Thematik gegeben, die auch den RBB interessierte. Dieses Interview war bereits eine Woche vorher angefragt und vereinbart worden (…).”

Balkausky habe der Verwendung des Interviews im Medienmagazin des RBB zugestimmt. “Der Austausch von Hörfunk-Interviews innerhalb der ARD ist gang und gäbe, deshalb erschließt sich mir nicht, warum Jörg Wagner jetzt so ein Theater um meine Absage macht.” Gegenüber MEEDIA ergänzt er: “Ich habe nichts gegen eine kritische Berichterstattung über den Sport in der ARD einzuwenden, ganz im Gegenteil, ich stelle mich regelmäßig allen Interviewanfragen, die ich zeitlich bewältigen kann, zu den verschiedensten auch kritischen Themen.

Aufklärung in die Sache könnte nun die Veröffentlichung der Absage bringen, die laut Medienmagazin-Macher Wagner schriftlich per Mail erfolgt sei. Auf Nachfrage antwortete er: “Ich bleibe bei meiner Darstellung in der Sendung vom 09.06.2018. Da jedoch Herr Balkausky fragliche E-Mail im Nachhinein als ARD-intern deklariert hat, müsste Herr Balkausky die Genehmigung für eine Veröffentlichung dazu geben. Wenn er an der Wahrheitsfindung interessiert ist, wird er das sicher tun.”

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